Posts Tagged ‘Wutbürger’

Oh nein!

7. Mai 2017

Die Diagnose war niederschmetternd: Filterblasenentzündung. Mist! Bei einer herkömmlichen Blasenentzündung, dachte Claus-Theodor, trinkt man etwas Tee und setzt sich nicht mehr auf kalte Parkbänke, und gut ist. Aber eine … schrecklich! Claus-Theodor rief sofort seine Mutter an.

Natürlich war auch sie geschockt, zumal sie schon einmal einen Virus eingefangen hatte, der sogar das Virenprogramm … – aber das alles hatte Claus-Theodor bereits tausend Mal gehört. Er fühlte sich alleine. Was sollte er bloss tun? Die Blase würde nicht mehr richtig funktionieren.

Sollte er etwa über die nächsten Tage Informationen lesen, die er gar nicht lesen wollte? Sollte er – der er doch nie genügend Zeit hatte – sich mit Meinungen herumschlagen, die von irgendwelchen Deppen gepostet worden sind? Sollte er etwa eine Zeitung der Lügenpresse abonnieren? Nein, das war keine Option.

Claus-Theodor beschloss, seinen besten Freund darum zu bitten, ihm täglich die wichtigsten Geschehnisse zusammenzufassen und per e-Mail zu schicken. So lange, bis die Filterblase wieder in Ordnung war. Das war nicht zu viel verlangt, fand Claus-Theodor. Denn schliesslich waren sie im selben Turnverein, in der gleichen Partei und Anhänger des gleichen Fussballkubs.

Etile!

1. Mai 2017

Wenn wir uns über die Elite ein paar Gedanken machen, wird schnell klar: Irgendetwas stimmt da nicht. Es stinkt zum Himmel. Schreibt man Elite nämlich rückwärts, dann entsteht «Etile», was mit grosser Wahrscheinlichkeit dem Hebräischen entlehnt ist und sogar vom Altgriechischen beeinflusst scheint, – wenn nicht sogar von den alten Ägyptern. Und das, liebe Leserin, lieber Leser, kann ja wirklich kein Zufall sein. Keine Ahnung, was da zu bedeuten hat, aber merkwürdig ist es allemal. Jeder sollte täglich mindestens vierzig Worte rückwärts sagen.

Etile. Da ist es nicht erstaunlich, wenn immer mehr Menschen misstrauisch werden und denken, die Elite habe vollkommen versagt. Das Wort «versagen» kommt nämlich – das kann Ihnen jeder Germanistikstudent morgens um halb drei an der Theke erklären – von «vorsagen». Läuft etwas nicht nach Plan, zeigt jemand auf eine Gruppe und macht absurde Schuldzuweisungen. Und das Internet sagt das dann weiter. Richtig: Das Internet muss ebenfalls häufig als Sündenbock herhalten, wenn Dinge aus dem Ruder laufen. Vermutlich ist das Netz elitär. Man sollte das Internet löschen.

Wobei – um zum eigentlichen Thema zurückzukommen – die Elite natürlich schon schuld ist an der politischen Misere in Europa. Das liegt auf der Hand. Elitesoldaten sind schliesslich auch schuld am Krieg, Eliteschulen am ungerechten Bildungssystem und … – wie bitte? Aus dem Zusammenhang gerissen? Also, mit Verlaub, der Satz war noch nicht einmal zu Ende geschrieben, aber schon steht so ein Besserwisser, so ein Intellektueller auf der Matte und schreit einen nieder! – Elitär! Kein Wunder, ist dieser Text so schlecht!

Soweit, so Wut

2. November 2016

Ja, was denn nun? Sind Wutbürger nun Menschen aus der Mittelschicht, die überdurchschnittlich gebildet, jedoch (gerade deswegen?) bis anhin nicht politisch aktiv waren? Oder sind Wutbürger eine vollkommen heterogene Gruppe, die bisher planlos herumirrte und sich nun organisiert? Die Experten streiten sich. Vermutlich sind diese Menschen aus der Arbeiterschicht, arbeiten Schicht und haben keinen Plan. Oder sie sind in einem Moment wütend, genauso wie sie in anderen Momenten froh, lustig oder deprimiert sind. Wir wissen es nicht.

Was wir wissen: Der Begriff Wutbürger ist negativ behaftet. Dies dank den gleichen Leuten, die sich über diejenigen Menschen ärgern, die ihren Hintern nicht vom Sofa hochkriegen und einfach nichts tun. Dabei muss man doch etwas tun, nicht? Es gibt so viele Missstände in diesem Land. Und – vielleicht haben Sie es gelesen – es gibt keine Misswahl mehr. Also werden wir aktiv! Dies ist ein Aufruf: Tun Sie etwas, endlich. Und sei es auch nur, wütend zu sein. Und streng zu gucken.

Wer wütend ist, der verbrennt aufgrund dieses Zustands vielmehr Kalorien als fröhliche Menschen. Das ist erwiesen, wenn nicht sogar erfunden. Schon nur deswegen lohnt es sich, etwas zu tun. Und es reicht eben nicht aus, zu Hause vor der Glotze zu sitzen mit den Füssen auf dem Salontischchen, nein, wir müssen raus auf die Strasse, müssen die ewigen Ignoranten davon überzeugen, dass es keinen Grund gibt, Glücklich zu sein. Der Glückliche ändert nichts. Den Mutigen gehört zwar die Welt, doch die Glücklichen … ach, wissen Sie was, das wird mir jetzt zu bunt, das alles hier.