Posts Tagged ‘WM’

Alles Vuvuzela oder was?

15. Juni 2010

Ja, es nervt. Ja, es ist so etwas von überflüssig. Und ja, die Rede ist von den Vuvuzelas. Diese Tröten, Sie wissen schon. Man liebt oder hasst sie. Nein, ehrlich, man hasst sie, eigentlich. Sie ist die Pein der Fussball-WM 2010.

Nun ist es ja so, dass vor allem der multikulturelle Aspekt dieses Lärms immer wieder gerne unterstrichen wird. Vor allem von Fifa-Präsident Sepp Blatter. Der ja vornehmlich in einer Loge sitzt und sich nicht 120 Dezibel im Schatten um die Löffel blasen lässt. Aber das ist eine andere Geschichte. Fakt ist: Die Spieler verstehen das eigene Wort nicht mehr, die Millionen von TV-Zuschauer kratzen mit ihren Fingernägeln über eine Wandtafel, um endlich ein anderes Geräusch zu hören und die Fernsehstationen sehen sich hasserfüllten Protesten gegenüber, die eine Filterung der Vuvuzela-Klänge verlangen.

So ist das. Einmal mehr zeigt sich, dass die europäische Kultur – vor allem die westeuropäische natürlich – die einzig wahre Kultur ist. Ergo auch die einzig schöne, sinnvolle und vor allem berechtigte Kultur. Gerade die Fans europäischer Fussballnationen und Vereine demonstrieren die Überlegenheit der hiesigen Kultur immer wieder auf eindrückliche Weise.

Beispiele gefällig? Beispiele von Fangesängen? – Gerne doch:

Zieht den Bayern die Lederhosen aus, Lederhosen aus …

oder

Was ist grün und stinkt nach Fisch? – Werder Breeeemen …

oder

Ihr seid Beeerner, alles schwule Beeerner …

und so weiter. Das waren jetzt vergleichsweise humane Texte. Immer wieder gerne pflegen geistreiche Fussballfans, beim Auflaufen von dunkelhäutigen Spielern Bananen aufs Feld zu werfen, was durchaus als völkerverbindende Geste gewertet werden kann. Aber nicht muss. Na also.

Allen, die sich also ob der Tröten der Afrikaner nerven: Einfach Ohren zu und durch. Offenbar gehört das dazu. Fussball ist so primitiv wie genial. Und das ist gut so. Tröööööt.

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Hello Africa

4. Juni 2010

Endlich. Zum ersten Mal seit der Verschiebung der Kontinentalplatten wird die Fussball-Weltmeisterschaft in Afrika durchgeführt. Ein Meilenstein. Dies ist zu einem grossen Teil das Verdienst von Sepp Blatter, dem Weltpräsidenten (kurz: FIFA-Präsident).

Vorausgegangen ist eine lange, lange Vorarbeit der FIFA. Als eine der ersten Massnahmen wurde 1994 in Südafrika die Apartheid abgeschafft. Offiziell zumindest. Auch die im Vergleich recht hohe Kriminalitätsrate wurde – die Organisatoren atmen auf – sehr rasch gesenkt: Neu werden nur noch jene Morde statistisch erfasst, die unmittelbar mit dem Fussball zu tun haben. Mittlerweile hat Arth-Goldau eine höhere Mordrate als Kapstadt.

Der Zweck heiligt schliesslich die Mittel. Aus den Mündern der Organisatoren klingt es unisono positiv: Aus halb leeren Stadien aufgrund schleppender Ticketverkäufe werden halb volle, aus nervtötenden Trompeten (Vuvuzuelas) der einheimischen Fans wird ruck-zuck ein multikultureller Ohrenschmaus und aus Townships werden Pommes Chips.

Das alles soll uns jedoch nicht die Freude verderben, die Freude an einem fantastischen Fussballfest. Wir müssen ja nicht gleich alle Probleme dieses Kontinents auf einmal lösen. Es geht um eine Zeitspanne von einem Monat. Danach ist das Fest vorbei, gehen die Lichter aus. Aber dann kümmert uns sowieso gar nichts mehr, denn dann ist die Schweiz Weltmeister.

Fussball-WM: Gips mir, Baby!

21. Mai 2010

Nachdem dieser Blog ja ganz unsportlich die Spannung aus der Fussball-WM genommen hat durch die vorzeitige Publikation des Weltmeisters – Sie erinnern sich: Argentinien – versuchen Herr und Frau Medien trotzdem verzweifelt, das laue WM-Vorfreude-Süppchen zu einem Fünfgang-Supermenü hochzukochen. Und das rund 30 Tage vor dem Anpfiff. Nur noch 30 Mal schlafen, Mann! Oder noch weniger.

Michael Ballack hat sich verletzt, was nicht wenige Experten zur Aussage veranlasst, dass die Siegeschancen für Deutschland damit entscheidend geschmälert werden. Das ist sozusagen das Innenbändlein an der Waage, wenn Sie mir, liebe Leserinnen und Leser, diesen komplett unqualifizierten Scherz erlauben. Nicht weniger Experten veranlasst die Verletzung von Herrn Ballack zur Annahme, dass die Chancen für Deutschland damit gestiegen seien. Man wird sehen. – Oder besser gesagt: Man wird eben nicht sehen, weil – oh Wunder! – Argentinien ja den Goldklumpen mit nach Hause nehmen wird.

Gerade so kurz vor WM-Start ist ja das gepflegte Verletztsein regelrecht trendy geworden. Bei den Schweizern (natürlich, die Schweiz spielt auch mit, aber ganz sicher) ist ja Spycher verletzt ausgefallen und hat somit Magnin eine hervorragende Möglichkeit geboten, ins WM-Kader nachzurücken und sich nach allen Regeln der Kunst ebenfalls zu verletzen. Not gegen Elend. Böse Zungen behaupten ja, die Schweizer Nationalmannschaft hätte an der Endrunde 2006 mehr Erfolg gehabt, wenn ein paar Stamm-Penaltyschützen verletzt gewesen wären. Wenn. Ist ja egal. Der ursprünglich vorgesehene deutsche Torhüter hat sich übrigens auch weh getan und fliegt daher nicht nach Afrika. Sowieso egal. Millionär.

Vom Verletzungspech verschont geblieben sind glücklicherweise die Trainer sämtlicher teilnehmenden Teams. Man stelle sich ein Ottmar Hitzfeld mit Gipsbein am Spielfeldrand vor. Das sähe vielleicht blöd aus. Oder Maradona mit einem geschienten Arm. Geht nicht. Wie soll man da Zigarren rauchen. Das würde die ganze Mannschaft aus dem Konzept bringen und sie würde ganz sicher erbärmlich verlieren. Womöglich würden sich viele Stammspieler aus purer Solidarität ebenfalls verletzen. Zweifelsohne. Ganze Partien müssten von der FIFA abgesagt werden, mangels Spielern. Am Ende würden auch die Fernsehzuschauer zu Hause den unmittelbaren Drang der Zugehörigkeit verspüren, zu ihrem favorisierten Team, und spontan verunfallen. Zum Beispiel vom Sessel zu gleiten, einer Schwalbe gleich. Und sich den Knöchel zu verstauchen. Oder die Hand, beim Öffnen der Kartoffelchips.

Dieser unschöne Trend wurde ja eingeläutet … ja, von wem denn nun? – Richtig: Von David Beckham, the one and only Beckham. Der, der mit der Schminke tanzt und überhaupt das Mass aller Dinge ist. Beckham war der erste Name, der fett die Zeitungen schlagzeilte und eine ganze Nation von Teeköpfen ins Elend stürzte. Das haben wir davon. Ein Spieler verletzt sich und eine ganze Fussballnation ist mausetot. Zum Totlachen.

Der interessierte Leser wird sich nun zurücklehnen, dreimal tief atmen und sich fragen: „Was, mein lieber Scholli, was in aller Welt will uns dieser Artikel sagen?“ Und: „Wir haben diesem Blog ein Grossteil unseres Wissens entnommen und jetzt begreifen wir plötzlich die Kernbotschaft nicht mehr.“ Das ist verständlich. Was also wollen uns die obigen Ausführungen mitgeben? Die Antwort liegt auf der Hand (nein, Diego, nicht auf der Hand Gottes …) und ist so simpel wie einfach:

Bleiben Sie gesund. Trotz Verletzung.

WM: Warum die Schweiz ganz sicher vielleicht Weltmeister wird

3. Mai 2010

Eines vorneweg: Die Schweiz wird mit an Sicherheit angrenzender Wahrscheinlichkeit nicht Fussball-Weltmeister. Jedenfalls nicht 2010. Und sicher nicht auf diesem Planeten. Eher würde FIFA-Boss Sepp Blatter zurücktreten, als dass das helvetische Nationalteam auch nur das Halbfinale erreichen würde. Eher würde sich die Ölpest im Golf von Mexiko bis in den Vierwaldstättersee ausbreiten.

Was soll das? Wie kann man als Schweizer so schlecht über das eigene Team sprechen bzw. schreiben? Klingt irgendwie schon geil, das eigene Team. Ein gutes Gefühl. Nestbeschmutzer? – Eigentlich nicht, zumindest in Sachen Fussball nicht. Vermutlich muss einer nicht unbedingt eine Leuchte sein in Sachen Fussballverständnis, um der Schweiz keine Finalteilnahme zu prognostizieren. – Aber halt! Was war denn damals mit Dänemark an der Europameisterschaft? Oder mit den Antifussball-Griechen? Alles Moussaka oder was?

Die UBS-Studie (vergl. Artikel „Brasilien Weltmeister? – Nein. Nein!“ auf diesem Blog) sagt den Eidgenossen mit einer Wahrscheinlichkeit von 30% das Erreichen der Achtelfinals voraus. Das ist angesichts der Prognose für die anderen Gruppenteilnehmer nicht gerade rosig: Spanien 73% und Chile 49%. Honduras ist gar nicht aufgeführt. Die Schweiz ist dann auf der Liste der Wahrscheinlichkeiten der Halbfinale-Teilnehmer und – logischerweise – der Gewinner nicht mehr zu finden. Das schmerzt.

Guckt man bei bwin.com nach (oh nein, jetzt fängt dieser Schwachsinn wieder an …) so ist das Team von Ottmar Hitzfeld mit einer satten Quote von 201 aufgeführt (Stand 1. Mai). Das ist nicht ohne. Jeder Zocker würde Ihnen ergo von eine Wette auf Mutter Helvetia abraten. Ausser natürlich, Ihr patriotisches Gewissen zwingt Sie dazu, eine solch aussichtslose Wette abzuschliessen. Da geben Sie Ihr Geld allderdings lieber dem Wurstverkäufer auf der Rütliwiese, am Nationalfeiertag, und machen sich dann aus dem Staub. Wurst- und Wortlos.

Bedenklich stimmt mich eher, dass bwin.com mit den Quoten implizit teils Mannschaften eine grössere Chance einräumt, die wir insgeheim als ausgesprochene Äusseres-Ende-Aussenseiter eingestuft hätten, als „Eher-küsst-Gaddafi-Micheline-Calmy-Rey-die-Füsse-als-dieses-Team-wird-Weltmeister“-Aussenseiter: Australien 151, Ghana 67, Elfenbeinküste 31. Ja, Sie haben richtig gelesen: Die Ivorer kriegen die Quote 31. Eigentlich ein Grund, bwin.com zu boykottieren. Na ja, zu spät, irgendwie.

Aber mit einem Boykott-Aufruf gegen bwin.com würde ich mich ja ins eigene Fleisch schneiden: Würde die Welt – die ja diesen Blog liest, zumindest die alphabetisierte Welt – den Wettanbieter boykottieren, würde dieser früher oder später Konkurs gehen. Schaderweise. Und er könnte meinen Gewinn nicht mehr auszahlen, den ich ja aufgrund meiner richtigen Prognose zugute haben werde: Argentinien wird Weltmeister.

Brasilien Weltmeister? – Nein. Nein!

29. April 2010

Gut. Das mit den Analysten kennen wir ja. Ist so eine Sache. Glücksache. Analysten sind so unantastbar, so flüchtig. Die Kachelmänner der Finanzwelt, die Propheten unserer Zeit.

Die Bank UBS hat denn auch eine Studie herausgegeben über den Ausgang der Fussball-WM 2010. Jene Menschen, die sonst Unternehmen bzw. Aktien analysieren, haben die Teams aufs Korn genommen und anhand verschiedener Faktoren die Wahrscheinlichkeiten errechnet. Mensch.

Schön. Jetzt kann man ja sagen „okay, das kann jeder, man braucht bloss das FIFA-Ranking anschauen“ oder „es ist eine Analyse, es ist von Analysten, ergo Schwachsinn“. Allerdings: An der WM vor vier Jahren haben genau diese Analysten den Sieger Italien vorausgesagt. Hmmm. Schon toll, hä.

Inspiriert von diesem Erfolg wurde für die Europameisterschaft vor zwei Jahren ebenfalls eine Studie erstellt. Und was glauben Sie, wie sehr diese sich bewahrheitet hat? – Ganz und gar nicht. Eben. Dessen sind sich eben diese Experten auch bewusst, wie explizit in der Studie erwähnt ist.

Zur Sache. Brasilien wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 22% den Pokal an den Zuckerhut entführen. Weitere Favoriten sind:

Deutschland 18%, Italien 13%, Niederlande 8%, Frosch … sorry! Frankreich 6%, Argentinien 5%, Spanien und England mit je 4%. Das Team der Schweiz ist – die Fachwelt ist perplex – nicht unter den Siegeskandidaten aufgeführt. So süss.

So. Ist die ganze Spannung nun weg? – Nein, keineswegs. Einerseits haben die Analysten – wie oben am Beispiel der EM 2008 erklärt – nicht immer recht. Und anderseits haben die Analysten den unfehlbaren Tipp im unfehlbaren Blog nicht berücksichtigt. Grosses Kopfschütteln. Hier und jetzt bleiben wir natürlich bei der Prophezeiung schlechthin:

Argentinien – und nur Argentinien – wird Weltmeister.

Weltmeister? – Sicher nicht Spanien.

10. April 2010

Wie wir inzwischen alle wissen wird Argentinien den WM-Pokal mit nach Hause nehmen. Die Gründe sind vielfältig, wobei ich den wichtigsten gerne hier nochmals aufführe: Ich habe es vorausgesagt. Gut.

Dem fortgeschrittenen Fussballexperten drängt sich unweigerlich folgende Frage auf: Warum nicht Spanien? Ja, mein Gott, warum denn nicht Spanien? – Eine berechtigte Frage, sicherlich. Und wenn sich einer zu hundert Prozent sicher ist, dass die grilliersüchtigen Südamerikaner das Rennen machen werden, dann ist er auch eine Erklärung schuldig, warum Torres and the boyz nicht gewinnen werden. – Ach, was sage ich: Sie werden nicht einmal ins Halbfinale einziehen. Die Gründe sind so vielfältig wie rational.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Niemand hat etwas gegen die Iberer. Ausser vielleicht, dass sie in der gleichen Gruppe spielen wie die Schweiz.  Gruppe H. Was hingegen – Sie lesen richtig – nicht eben das Pech der Schweizer ist. Spanien nämlich, das ist ein wichtiger Grund, wird gegen die Schweiz nicht gewinnen. Darüber kann man lachen oder weinen. Im Endeffekt ist dies einer der Punkte, warum Fussball so beliebt ist, denn im Fussball ist eben alles möglich. Und die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Helvetier können zugegeben nicht halb so gut Fussball spielen wie die Spanier. Und jeder einzelne gegnerische Akteur ist dem schweizerischen Pendant überlegen. Die Wettquote für einen Sieg der Eidgenossen ist denn auch satte 11, um wieder mit dem Scheiss anzufangen (Quelle: bwin.com 11.4.). Warum also sollte das Match anders ausgehen?

Der Trainer der Schweiz heisst eben nicht irgendwie, er heisst Ottmar Hitzfeld. Das Zünglein auf der Waage. Diesem grossen Vorteil könnte der geübte Kritiker entgegensetzen, dass die Helvetier eventuell mit Marco Streller spielen, aber selbst dieses hypothetische Handycap würde – hier sind wir uns sicher – der allmächtige Ottmar rechtzeitig erkennen und einen anderen Spieler einsetzen. Der etwas weniger mit der Zunge kreist und dafür vielleicht ein Tor schiesst.

Ein weiterer Grund für einen Schweizer Erfolg – wobei ein Remis auch als Erfolg gewertet werden dürfte – ist eine uralte Fussballweisheit: Der Favorit wird das erste Spiel nicht (oder nur mit grosser Mühe) gewinnen. Wie viele Male hat der Titelverteidiger das Eröffnungsspiel verloren? Zum Beispiel die Froschfresser gegen Senegal (!) oder Argentinien gegen Kamerun. Gut, Spanien ist nicht eben der WM-Titelverteidiger, zugegeben.  Aber der amtierende Europameister wird als übermächtiger Favorit ins erste Spiel gegen die Schweiz antreten. Und nicht gewinnen. So ist das halt.

Das Indiz schlechthin für ein Scheitern von Spanien sind die neben der Schweiz noch anderen Teilnehmer der Gruppe H: Chile und Honduras. Da wirds historisch heikel, denn nicht wenige verstehen eine Partie zwischen einem lateinamerikanischen Land und Spanien als ein Kampf der Unterdrückten gegen die imperialistischen Eindringlinge aus früheren Zeiten. Solche Spiele beinhalten Potential für Emotionen und können so oder so ausgehen. Mit anderen Worten: Spanier sind gerade in Südamerika nicht unbedingt die beliebtesten Gäste und Chilenen oder Honduraner (oder heisst es Hondurasser?) wissen einen ganzen Kontinent in ihrem Rücken, der ihnen bei diesem Spiel die Daumen drückt.

Und nicht zuletzt der wichtigste Grund, warum Spanien nicht Weltmeister wird: Ich habe es vorausgesagt. – Carramba!

Weltmeister? Argentinien, natürlich, Argentinien.

3. April 2010

 

Vielleicht erinnern Sie sich an den Artikel Wer warum Weltmeister wird auf diesem Blog, worin wortreich erklärt wird, dass Argentinien die Fussball-WM 2010 gewinnen wird. In der Zwischenzeit hat sich dieses Wissen erhärtet, was nicht zuletzt einem Spieler zu verdanken ist: Lionel Messi.

Im Moment in absoluter Topform in der Champions League und in der Primera División, wird der Söldner in Diensten des FC Barcelona den FC Argentinien in den siebten Fussballhimmel schiessen. Zweifelsohne. Diese Tatsache relativiert denn auch wieder die Bedeutung des Trainers. Maradona hin, Maradona her: Messi macht den Unterschied.

Irgendwie hat ein unbekannter Lümmel den Schrecken aller Verteidiger mit einem fetten Edding-Filzstift am Bahnhof Aarau ganz trefflich geehrt. Auf einer Plakatwand nämlich steht gross geschrieben „Sei Pessimist wenn Messi pisst“. Und trefflicher könnte es kein gedemütigter Torhüter formulieren. Taucht Messi auf, taucht die Hoffnung ab.

Letztendlich – was nicht minder wichtig ist – erinnern uns selbst die Zugbegleiter, die Kontrolleure der Schweizerischen Bundesbahnen immerzu an den lieben Lionel: Nach dem Zeigen der Fahrkarte sagen die meisten entweder „Danke“ oder eben: „Messi“. Ha ha. Man denke das nächste Mal daran (viele Kontrolleure alternieren der Abwechslung halber, was dann so klingt: „Danke, Messi, Danke, Messi …“)

Dies und viel mehr erhärtet die Gewissheit, dass Argentinien, und nur Argentinien das Ding schaukeln wird an der WM. Und irgendwie müsste ich in diesem Blog fast meine Kontonummer publizieren, für dankbare Zocker die aufgrund dieser zuverlässigen Information viel Geld auf die Gauchos setzen und noch viel mehr, noch mehrer Geld einkassieren werden. Aber man ist ja selbstlos. Mailen Sie mir ein Foto Ihres neuen Porsche.

Inzwischen, d.h. seit der Veröffentlichung des Artikels Wer warum Weltmeister wird am 7. März ist die Wettquote auf WM-Sieg-Argentinien übrigens von 11 auf 9 gesunken (Stand 3.4.2010; bwin.com). Wenn das kein Zeichen ist.

Wer warum Weltmeister wird

7. März 2010

Vor jeder Fussball-Europameisterschaft oder -Weltmeisterschaft setze ich hundert Franken ein bei einem Online-Wettbüro. Auf den Sieger. Bisher hatte ich immer auf Deutschland gewettet. Wobei man sich ja immer rechtfertigen muss, als Schweizer, wenn man Deutschland den Titel wünscht. „Was, Du setzt auf Deutschland? Mein Gott, bist Du etwa Deutschland-Fan?“

So weit, so gut. Würde ich dieses Jahr auf Deutschland setzen, so wäre die Quote 11. Will heissen: Für 1 Franken Einsatz kriege ich 11 Franken Gewinn im Falle eines Falles (Quelle: bwin.com). Am besten wird von den Buchmachern Spanien (Quote 5.25) und am schlechtesten Nordkorea (Quote 2000) eingeschätzt. Stand 7. März. Die Schweiz wird übrigens mit 151 aufgeführt. Na also, immerhin besser als Nordkorea. Ha ha.

Aber darum gehts hier nicht. Es geht darum, den Fussball-Weltmeister 2010 richtig zu prognostizieren. Und dafür ist dieser unfehlbare Blog wie geschaffen. Die Grossbank UBS hat ja durch ihr Analystenteam den letztmaligen Weltmeister Italien vorausgesagt, anhand von historischen Daten und Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Das ist schon imposant. Noch imposanter ist allerdings, dass Sie, liebe Leserin, lieber Leser, ganz ohne Analystengeschwafel den diesmaligen WM-Sieger hier bereits erfahren können: Argentinien.

Sie können jetzt einen unbeschwerten Lachanfall kriegen und sagen „ha, ha, Argentinien, was soll das, warum in aller Welt Argentinien?“ was nicht wenige machen dürften. Es gibt zwei Gründe für diese Prognose. Wobei: Ist etwas eine Prognose, was man schon weiss? Ist eine Prognose nicht immer eine Aussage mit gewissen Vorbehalten?

Grund 1 ist die Mannschaft. Sie ist gut. Sie hat kürzlich gegen Deutschland ein Freundschaftsspiel mit 1zu0 gewonnen. Natürlich nur ein Freundschaftsspiel. Aber immerhin. Die Mannschaft hat sich im letzten Moment in der WM-Qualifikation durchgemogelt, hat mit Biegen und Brechen das Ticket für Südafrika doch noch gekriegt, was sicherlich ein Grund sein dürfte, dass der Staat Argentinien heute noch existiert, weil bei einer Nicht-Qualifikation die fussballfanatischen Bürger vermutlich einen kollektiven Massensuizid zelebriert hätten.

Grund Nummer 2 ist Maradona. Ja, Sie haben richtig gelesen. Derjenige Diego Armando Maradona, der beim Training eine Havanna-Zigarre raucht, der nach eben dieser 5-vor-12-WM-Qualifikation den Journalisten gesagt hat „Ihr könnt mir alle einen blasen“ und dem ein Drogenproblem nachgesagt wird. Genau dieser Maradona. Der so viele Kritiker hat wie Aldi BMW-Fahrer. Ja, inzwischen wird Maradona von manchen Zeitungen als der schlechteste Trainer überhaupt betitelt. Und an dieser Stelle ein Zitat, das die Zeitung „Sonntag“ heute abgedruckt hat:

In einem Hospital hielt sich einer für Einstein und ein anderer für Newton, und als Maradona sagte, er sei Maradona, da wurde gelacht

Gerade deswegen werden es die Gauchos packen: Maradona entspricht nicht der Norm. Maradona lebt von Emotionen. Maradona ist Fussball. Und zwar geht es nicht um die Leistungen seiner aktiven Spielerzeit, sondern um die Bindung, den Kult Fussball, den Kult Maradona. Maradona ist Fussball ist Argentinien.

Vielleicht ist er ein Irrer, vielleicht nimmt er Drogen, vielleicht ist er ein schlechter Trainer. Doch: Wo steht denn bitte schön geschrieben, dass ein Drogen konsumierender Trainer ein Team nicht zum Titel führen kann? Wer sagt denn, dass ein Grössenwahnsinniger ein schlechter Coach sein muss? Und überhaupt: Ist der Chef der Mannschaft für das eigentliche Spiel so wichtig? Oder ist es auf diesem Niveau am Ende die Kunst des Motivierens, die ein Match entscheidet?

Gut, dies mag eine von vielen Voraussagen sein, die in letzter Zeit in der Presse, im TV, in Blogs herumschwirren. Es wird auch nicht die letzte sein. Vielen anderen hat diese Voraussage jedoch eines voraus: Sie stimmt.

(Übrigens: Argentinien hat auf Bwin.com Quote 11. Genau wie Deutschland)

Torrekord? Torrekord!

24. Januar 2010

In der heutigen Ausgabe der Zeitung „Sonntag“ ist ein Interview mit FIFA-Präsident Joseph S. Blatter abgedruckt. Nein, wir wollen hier nicht über Sesselklebertum oder Korruption sprechen. Es geht vielmehr um eine Aussage Blatters, die mich nachdenklich stimmt: „Ich rechne an der WM in Südafrika mit einem Torrekord, denn die meisten Spiele finden auf über 1000 Metern statt. Da ist der Luftwiderstand kleiner.“

Gut, das setzt uns einem Wechselbad der Gefühle aus. Amüsiertes Lächeln weicht dumpfem Brüten. Bei Interviews ist das immer so eine Sache, da kann der Leser ja nicht wissen, ob Blatter den Satz mit einem Augenzwinkern, aufgrund nackter Angst vor einem WM-Flop wegen ausbleibender Ticketbestellungen oder während eines Lachanfalls von sich gegeben hat (manche Journalisten schreiben jeweils in Klammern gewisse Gesten oder Gefühlsregungen des Interviewten mit, was ich persönlich sehr begrüsse). Jedenfalls gefällt mir der Zusammenhang zwischen Luftwiderstand und Anzahl Toren.

Die Bälle kommen also mit grösserer Geschwindigkeit auf den Torwart zu. Wobei ja der Keeper zwar nicht schneller reagieren dürfte. Ausser dünne Luft wirke sich positiv auf das Gehirn und folglich auf die Reaktionsgeschwindigkeit aus (da müsste man jetzt einen Neurobiologen kennen, der das wüsste. Oder eine Neurobiologin). Aber der Torwart hechtet ja dann nach dem Ball, und der Weg von Torwart zum heranfliegenden Ball dürfte dann ja ebenfalls schneller zurückgelegt werden, weil der Widerstand seines Körpers kleiner ist. Oder?

Bis anhin war ich immer der Meinung, dünne Luft beeinträchtige die Leistungsfähigkeit des Gehirns, das ja dann mit weniger Sauerstoff versorgt wird. Wobei das ja in diesem Kontext nicht stimmen muss, weil der Sportler in höheren Regionen automatisch mehr Atemzüge macht um das vermeintliche Manko zu kompensieren. Der Begriff „Atmungsaktiv“ wird neu definiert. Gerade Sportraucher stellen in höher gelegenen Gebieten immer wieder fest, dass sie viel stärker am Glimmstengel ziehen müssen, weil das Ding nicht so gut brennen will.

Das Problem (mit der dünnen Luft, nicht mit dem Rauchen) besteht ja vor allem bei Fussballspielen in den Anden. Wir erinnern uns: Vor zirka einem Jahr hat eben dieser Sepp Blatter, der sich jetzt freut, dass mehr Tore fallen, dem bolivianischen Fussballverband verboten, offizielle FIFA-Spiele in La Paz auszutragen. Es darf gelacht werden. La Paz liegt auf 3600 Metern über Meer. Damals hat sich sogar der Staats-Präsident Evo Morales eingeschaltet, um gegen das Verbot zu protestieren, was doch als Anzeichen für die grosse Brisanz des Themas gewertet werden darf. In der Tat gewinnen in der bolivianischen Fussball-Liga die Heimteams von La Paz immer die Spiele gegen Mannschaften aus massiv tiefer gelegenen Regionen. Wie viele Tore da jeweils fallen weiss ich auch nicht.

Noch gar nicht in die Überlegungen mit einbezogen ist der Umstand, dass bei dünner Luft und daher geringerem Luftwiderstand ja auch die Spieler selber schneller rennen können (sofern das mit der Sauerstoff-Zufuhr einwandfrei klappt). Die Stürmer sind also schneller. Und schneller müde. Die Verteidiger allerdings auch, weshalb sich das ja ausgleicht. Vermutlich wird dies einzig zu einer wahren Herausforderung für die TV-Stationen: Die Zeitlupe ist zu schnell. Muss man neu justieren. Eine Partie wird übrigens auch an dieser WM 90 Minuten dauern. Vermutlich.

Um den kausalen Zusammenhang zwischen Luftdichte und Anzahl Toren zu prüfen, könnte man – wenn es mal regnet und kein Bier mehr da ist – die Spiele der WM 1986 in Mexico analysieren. Ein paar wurden nämlich in Mexico-City ausgetragen, was auf über 2000 Metern über Meer liegt. Allerdings könnte der Ball damals gleich schnell oder sogar langsamer geflogen sein, weil A) die Beschaffenheit der Fussbälle damals zweifelsohne anders war als heute und B) der beschleunigende Effekt des geringen Luftwiderstandes von der extrem gut ausgeprägten Luftverschmutzung in Mexico-City aufgehoben worden sein könnte. Item.

So, genug sinniert. Vielleicht hat unser lieber Sepp Blatter ja auch nur einen super-pointierten Witz machen wollen. Und der ist dann nicht so gut angekommen. Dieses Geheimnis wird er wohl mit ins Grab nehmen, weil – die Befürchtungen wollen es so – ein Grossteil der WM-Besucher sowieso von afrikanischen Terroristen oder Banditen erschossen werden. Die Patronen sind ja dort auch schneller.