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Egal

12. Juni 2017

Unisex-Toiletten machen das Leben noch komplizierter als es ohnehin schon ist. Während in guten, alten Zeiten nur vor Damentoiletten Meterlange Warteschlangen zu erwarten waren, drohen nun vor diesen Gleichstellungs-Genderdingsda-Toiletten bittere Unglücke zu passieren, weil die Zeit einfach nicht ausreicht. Sie mögen die Wortwahl verzeihen, doch dies ist zweifelsohne ein Scheissthema.

Die vielgehörte Aussage von Frauen, dass öffentliche Damentoiletten «viel, viel verschmutzter» seien als Männertoiletten, waren Balsam für Männer, die in anderen Bereichen bekanntlich nicht eben für besondere Reinlichkeit verschrien sind. Mit der Unisex-Toilette fällt also eine letzte Männerbastion in diesem Territorialkrieg der Chromosome, eine weitere Niederlage.

Aus psychologischer Sicht vielfach ignoriert ist die Tatsache, dass viele – ansonsten sehr toleranten – Damen ein Problem damit haben, sich auf eine Brille zu setzen, die von einem männlichen Vorgänger gewärmt ist. Nicht wenige (Männer wie Frauen) rümpfen bereits die Nase, wenn sie in einem Zugwaggon auf einen vorgewärmten Sitz platznehmen müssen. – Natürlich erst seit der Einführung von Unisex-Zugwaggons. SBB-Zugtoiletten sind seit jeher unisex, also alle in etwa gleich stark verschmutzt.

So bleibt der gepeinigten Männerseele lediglich das Pissoir, das – wie ein Fels in der Brandung – sämtliche Versuche der Gleichstellung überlebt hat. Vor ein paar Jahren würde ein Pilotversuch für Frauen gestartet, die mit einer Art Dachrinne aus Papier dem Stehpinkeln frönen durften. Offenbar scheiterte der Versuch, wobei uns die genauen Gründe unbekannt geblieben sind. Vermutlich würden die anfänglichen Probleme ausgesessen.

Fazit von diesen aus Gleichstellungs-Sicht immens wertvollen Überlegungen: Unisex ist auf jeden Fall eine Bereicherung für wirklich alle Menschen jeglichen Geschlechts. Und – fast hätte ich es vergessen: Sogar für die Frauen.

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Pissoir Rating #14, Ristorante Cooperativo, Zürich

18. Januar 2014

Lange ist’s her, seit dem letzten, fachmännischen Rating eines stillen Örtchens für drückende Männerblasen. Daher soll es ein regelrechtes Schmankerl sein: Das Cooperativo im Kreis 4 mit seiner langen Tradition, sozusagen die kulinarische Huldigung des Sozialismus. Trotz apolitischem Credo dieses Blogs erlaubt sich der interessierte Leser die Frage: Wie biseln Sozis?

Beim Betreten der Toilettenanlage sticht sofort ins Auge, dass hier Kenner am Werk gewesen sein müssen: Die zwei bewundernswert unspektakulär angelegten Pissoirs ersparen dem Wasserlasser die zermürbende „Links-Mitte-Rechts“-Frage und laden ihn ein, eine klare Richtung einzuschlagen. Das wirkt sich sehr positiv auf die Wertung aus, denn nicht selten wurde in diesem Blog die ungerade Anzahl an Becken scharf kritisiert: Drei Pissoirs nebeneinander laden den Gänger geradezu ein, den Fauxpas zu begehen und die eiserne Regel zu brechen, bei drei unbesetzten Startplätzen auf keinen Fall den Mittleren zu wählen.

Wer empfindliche Nasenschleimhäute sein Eigen nennt, sollte im Cooperativo auf einen Toilettengang verzichten. Die Klosteine mit Limettenduft wirken bis weit in den Treppenbereich ausserhalb der Anlage und signalisieren nicht nur, dass hier der Sauberkeit einen grossen Stellenwert eingeräumt wird sondern können bedenkenlos als eine Ode an die Chemiekeule schlechthin gedeutet werden. Es wirkt, als könnte man in die Luft beissen und sodann ein grosses Stück Limette im Mund halten. Das gibt Abzug.

Auf eine musikalische Untermalung des Geplätschers wurde verzichtet; Das Risiko von Menschenansammlungen bei (zu) guter Musik entfällt. – In der Wertung allerdings schlägt sich dies negativ nieder, denn für ein stressfreies Pinkelvergnügen sind Hintergrundgeräusche – und damit sind nicht die Geräusche aus den verschliessbaren Kämmerchen nebenan gemeint – unabdingbar. Die kleinen, grünen Fliesen sind in einem solchen Ausmass kitschig, dass sie im Rating positiv berücksichtigt werden.

Alles in allem eine sehr gepflegte, angenehme Anlage. Es wird nichts erzwungen und empfängt Männerherzen mit einem unspektakulären, ehrlichen Charme.

Wir erteilen eine glatte 5.

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Ach ja, nebenbei sei gesagt: Die Pizze des Cooperativo sind einfach super. Und preiswert. Und irgenwie spürt man bei jedem Bissen den entschlossenen Klassenkampf. Mit Limetten.

Pissoir Rating #12, Lirum Larum, Bern

29. Juni 2012

Ein Lichtblick für Teile des Mannes, die das Tageslicht in der Regel nicht allzuoft erblicken ist zweifelsohne das Lirum Larum an der Kramgasse 19 in Bern. Das Café selbst ist übrigens sehr schön und zweifelsohne einen Besuch wert. Aber kommen wir zu den elementaren Dingen: Für die Toilettenanlage – aus architektonischer Sicht eher seicht und nicht sonderlich herausragend – hat sich Managerin Alice Schwarzer etwas besonderes für die Zielbecken einfallen lassen. Directors Cut. Oder: Die Geburt des gepflegten Pissoirhumors. Ja, das mit Alice war ein Scherz, sorry.

Das Ganze erinnert ans Autotuning: Aus einer genormten 0815-Schüssel (z.B. Golf GTI) wird nach ein paar wenigen, stylischen Anpassungen ein Augenfang, worin man gerne sein Geschäft verrichtet (okay, okay, bleiben wir anständig). Der Vergleich hinkt ohnehin, weil getunte Autos im Volksmund eher als Verlängerung gelten, nicht als Kürzung. Auf dem zweiten Pissoir der Anlage ist übrigens ein Fleischwolf abgebildet.

Sanfte Gemüter sollten dieses Café nur mit bereits entleerter Blase besuchen. Es wurde bereits von traumatisierenden Pinkelerlebnissen berichtet. Das Repertoire reicht vom desillusionierenden Harnstau bis zu Alpträumen, die mit nicht zugelassenen Medikamenten behandelt werden mussten. Manch einer kommt etwas nachdenklich zurück an den Tresen nach dem Wasserlassen. Aber wer will schon kritisch sein.

Wer als akustische Untermalung Musik à la Hitchcocks Psycho erwartet hätte, sieht sich enttäuscht. Es rieselt die normalste Musik der Welt auf den Pinkler hernieder – so normal, dass sich der Bewerter nicht einmal daran erinnern kann. Das gibt Abzüge. Insgesamt werfen wir jedoche eine glatte 5 ins Rennen. Denn die Idee ist in der eher düsteren eidgenössischen Pissoirlandschaft ein heller Schein am Horizont. Bravo!

schnipp schnipp

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