Posts Tagged ‘Urinal’

Pissoir Rating #7 – Youcinema Oftringen AG

22. Januar 2010

Man kann Multiplex-Kinos mögen oder nicht. Ich mag sie nicht, sie sehen überall auf der Welt gleich aus. Natürlich kann ich das nicht beurteilen, es klingt jedoch furchtbar kosmopolitisch, sich das sagen zu hören. Genau genommen war ich im Ausland erst einmal in La Paz (Bolivien) und Quito (Ecuador) in Multiplex-Kinos. Die sahen exakt gleich aus wie jene in Oftringen AG oder Emmen LU. Nach amerikanischem Muster halt. Wahrscheinlich haben sich da mal ein paar Architekten zusammen mit einer Dose LSD-Trips ein paar Tage in einer Zweizimmerwohnung eingeschlossen und sich gesagt: „So, jetzt planen wir mal ein Kino, das alle Menschen auf diesem Planeten toll finden.“ Gut, mit mir haben die offenbar nicht gerechnet. – Egal, diese wohlgemerkt sehr subjektiven Aussagen sollen in der Wertung des Pissoir-Michelin keinen Platz finden. Also, zurück zum eigentlichen Thema. Nachdem die erste Halbzeit des Films „Haben Sie schon das von den Morgans gehört“ oder so ähnlich (vergl. Filmkritik) in etwa so amüsant war wie die Schlacht um Stalingrad suchte ich also die Toilettenanlagen im Youcinema Oftringen auf. Sie wissen schon, das Oftringen, in dem der Baumarkt OBI steht, wobei sich der geschulte Handwerker schon immer gefragt hat, ob OBI auch Toilettenanlagen hat, was ja eigentlich sein müsste, weil ein Grossteil eines Handwerkerlebens in eben diesem OBI stattfinden dürfte, mit all seinen natürlichen Bedürfnissen. Auch egal. Jedenfalls betrete ich das Herren-WC und denke mir sofort: „Nein, Rizzitelli, nein, das ist nicht nach Feng Shui gebaut worden.“ Und tatsächlich war ich auf einen Schlag total überfordert ob der zirka zehn (!) Pissoirs zu meiner linken Seite und ein paar Kabäuschen zu meiner rechten. Blöd. Gerade weil die Meisten Menschen Rechtshänder sind und statistisch bewiesen ist, dass gerade Rechtshänder tendenziell dazu neigen, ein bisschen links zu gehen, wenn sie einen Raum betreten. Der Grund liegt angeblich im Instinkt, den rechten Arm frei zu haben um sich bei Gefahr verteidigen zu können. Übertragen auf die Toilettenanlagen im Youcinema Oftringen heisst das, dass Sie exakt in die Urinale hineinlaufen, was eher unschön ist, was jeder Mann bezeugen kann, dem dies schon einmal passiert ist. Gut, das gibt schon mal Feng Shui-Abzug. Die Anzahl ist ebenfalls zu hoch: Zu viele Köche – Entschuldigung: Zu viele Wahlmöglichkeiten sind nicht gut. Wenn – sagen wir – über 5 Pissoirs in einer Reihe stehen, dann kommt Unschlüssigkeit auf. Was zu Stau führt. Der Personen. Es sollte aus maskulin-humanistischen Gründen daher eine EU-Richtlinie geben, die eine maximale Anzahl festlegt. Wobei, da bin ich ganz offen, Oftringen meines Wissens nicht in der EU ist. Was natürlich kein Grund ist, hier in diesem Blog politisch zu werden, schon gar nicht beim Thema Pinkeln. Eine grössere Ansammlung von WCs erinnert gut und gerne an den Film „Full Metal Jacket“, wo sich in einer Szene – viele behaupten, es sei die beste Szene des Films überhaupt – ein Soldat auf der Toilette fachmännisch die Kugel gibt. Also, fernbleiben von zu vielen Toiletten! Wobei zugegeben in grösseren Betrieben logischerweise eine grössere Anzahl an Pissoirs bereitstehen muss, jedoch – Achtung! – immer eine ungerade Zahl. Warum? – Damit Mann die goldene Mitte wählen kann. Das ist wie beim Schweizer Bundesrat, wobei ich mich davor hüten werde, hier einen kausalen Zusammenhang zwischen Urinalen und dem Bundesrat herzustellen. Jedenfalls lässt der zielsichere Mann seine Notdurft auch in Oftringen in Becken der Marke Urimat, das heisst, in Urinale, die kein Wasser benötigen. Im Gegensatz zum McDonald’s in Kölliken (vergl. Rating) plätschert man hier nicht mit dem guten Gewissen, schweizweit 22 Millionen Liter Trinkwasser jährlich einzusparen. Schade. Dafür müssen wir Notenabzug geben, sorry! Ebenfalls Abzug geben die Werbeplakate, die vor jeder Station platziert sind. Nicht, weil sie dem ungezwungenen Wasserlassen einen kommerziellen Beigeschmack verleihen, nein, weil nicht an jedem Pissoir die gleiche Werbung hängen ist. Will heissen: Freunde des neuzeitlichen Marketings sind gezwungen, ihre Notdurft einzuteilen und sich an verschiedene Pissoirs zu stellen, um alle Botschaften lesen zu können. Was nicht selten zu irritierten Blicken der nichtsahnenden Mitpinkler führen kann, gerade wenn das Timing zwischen den einzelnen Phasen noch nicht einwandfrei funktioniert. Und noch einmal eine Abwertung gibt das Fehlen von Musik, was umso mehr ins Gewicht fällt, weil der Urinierende eben in einem Multimedia-Spektakel war (Bild und Ton) und sich danach dem schönen oder weniger schönen Klang verschiedener Geplätscher aussetzen muss. Eine der Stationen war mit einem Schild als defekt markiert, wobei unaufmerksame Mitarbeiter trotzdem die Werbung nicht entfernt haben, was zu nicht konfliktfreien Szenen führen kann, wenn sich Freunde der gepflegten Werbebotschaften keinen der Slogans entgehen lassen möchten, was wiederum heisst, dass Mann eben auch dieses eine defekte Becken berücksichtigt um nichts zu verpassen. Das führt früher oder später zu verständislosen Blicken und vor allem zu nassen Füssen. Fazit: Warten Sie ein paar Wochen und kaufen Sie dann die DVD des Films. Gehen Sie nicht in dieses Kino, und wenn, dann sicher nicht auf diese Toiletten. Wir vergeben die Note 2. Ist zwar hart, aber wie gesagt: Mann kann Multiplex-Kinos mögen oder nicht. Genauso ist es mit Multiplex-Pissoirs.

Pissoir Rating #4 – 0815 Seefeld Zürich

22. Dezember 2009

Was kann es schöneres geben, als zu Musik à la Café del Mar zu pinkeln? So erlebt im 0815 an der Kreuzstrasse 26 in Zürich. Ein Erlebnis. Nicht zu verwechseln mit dem 0815 an der Lintheschergasse, das offenbar das in etwa gleiche Konzept umsetzt, jedoch – aus vollkommen unverständlichen Gründen – das Design der Herrentoiletten überhaupt nicht aufeinander abgestimmt hat. Das Designerherz blutet. Bleiben wir also im Seefeld. Was ja zugegebenermassen super klingt, wenn man sich sagen hört „ich war im Zürcher Seefeld im Ausgang.“ Hat irgendwie Stil. Seefeld ist doch irgendwie Prenzlauer Berg von Zürich, East Village von New York. Stilvoll halt. So auch die sanitären Anlagen eben dieses Lokals: Steht Mann zwar vorerst vor einem herkömmlichen, profanen Urinal, wäscht es sich sodann im Designer-Lavabo die Hände umso gediegener. Eben: Seefeld-Feeling. Das Waschbecken ist eher flach, was auch die Hose verdankt, wenn Sie den Wasserhahn zu sehr aufdrehen. Ebenso fallen kleine Risse im Keramik des Waschbeckens sofort ins Auge, die an gängige Erdbeben-Katastrophen-B-Movies erinnert, in denen sich das Unheil nicht selten beim Pinkeln des Helden ankündigt. Getrocknet wird mit Recycling-Papierhandtüchern, was sich in der Benotung positiv widerspiegeln dürfte (alles, was nicht nach Fingerabhackmaschinen aussieht kriegt ein Plus). Eher bemerkenswert ist die Kapazität von nur einem Urinal und einem Kabäuschen, was sicherlich damit zusammenhängen dürfte, dass im 0815 eher Wein denn Bier konsumiert wird. Fazit: Die Einrichtung ist sauber und angenehm ausgestaltet. Wir vergeben 5 von 6 Punkten. Plus einen Kulturstern für Café del Mar.

Pissoir Rating #1 – Autobahnraststätte Saint Bernhard

3. Oktober 2009

Gut, das ist jetzt zugegeben eher so eine Rubrik für die Männerwelt. Wobei die moderne Frau gut und gerne einen Blick in das Herrnklo wirft. Sei es auch nur, weil auf dem Damenklo keine Handtücher mehr vorhanden sind oder die Lavabos von einer Horde Makeup-Artistinnen zugestellt ist. Oder für die Beantwortung der Frage: Ist eigentlich bei den Jungs auch so eine Sauerei wie bei uns. Gut. Hier werden also die Stillen Örtchen aus aller Welt bewertet. Genauer gesagt öffentlich zugängliche Urinale in meiner näheren Umgebung. „Aus aller Welt“ klingt einfach sehr cosmopolitisch und verleiht den Testberichten eine höhere Glaubwürdigkeit. Ohne hier in die Schmuddelecke abzudriften, ab und an muss halt das Kind beim Namen genannt werden. Das erste Testobjekt ist die Herrentoilette bei der Autobahnraststätte Saint Bernhard irgendwo zwischen Bern und Martigny. Fahrtrichtung Sion. Oder auch nach Martigny. Egal. Eines vorweg,  meine Herren: Es lohnt sich, dort Halt zu machen. Einerseits ist das Restaurant vorzüglich und direkt ans Gebäude ein schöner, künstlicher See angelegt. Anderseits – eben – ist die Herrentoilette alleine eine Reise wert. Da lohnt es sich durchaus, vor der Abfahrt irgendwo noch ein, zwei Liter Cola zu sich zu nehmen, um dann – vor Vorfreude fast platzend – am Zielort auch wirklich auf seine Kosten zu kommen: Die Anlage ist im Gebäude, mit angehnehm weissen Boden- und Wandplatten belegt und sehr, sehr sauber. Es stehen zirka acht Urinale in angenehmer Höhe (vermutlich nach DIN) zur Verfügung. Die Atmosphäre wird mit seicht-profaner Popmusik aufgelockert, die eine Spur zu laut ausfällt. Ähnlich wie bei Liftmusik ist ja bekanntlich Pissoirmusik immer dann zu laut, wenn man sie bewusst wahrnimmt. Zudem ist der anspruchsvolle Bisler etwas enttäuscht, dass nach dem Verlassen der Waschräume die genau gleiche Musik in den anderen Zonen des Gebäudes (Shop, Restaurant, Flur) zu hören ist.  Grosser Pluspunkt: Zum Händetrocknen steht ein Papiertuch-Spender zur Verfügung. Nicht einer dieser Handföhne, die einerseits die (unerfüllte) Sehnsucht nach einer Cabriolet-Fahrt mit 180 Sachen weckt und aderseits mehr – tödliche! – Bakterien an die Hände bläst als vorher dran waren.  Handföhne sind Gerüchten zu Folge eigens für Mister-Bean-Filme erfunden worden. Fazit: Das Pissoir in der Autobahnraststätte Saint Bernhard hat grosse Chancen, zum Testsieger zu werden. Leider habe ich im angrenzenden Autobahn-Shop kein Bier zum Verkauf entdeckt (Schweizer Gesetze halt). Dies hätte zum übermässigen Konsum und damit mehrmaligen Auskosten des gepflegten Wassrlass-Erlebnisses führen können. Schade.