Posts Tagged ‘Toilette’

Pissoir Rating #15, Kino Rex, Burgdorf BE

19. August 2014

Meine Herren, wenn Sie ins Kino Rex in Burgdorf gehen, dann nehmen Sie Bargeld mit. Wer bezahlt schon Kinokarten mit Karte, nur Bares ist Wahres. Doch zum Wesentlichen: Im Kellergeschoss wartet eine echte Perle auf den Pinkelfreund, so schlicht und ehrlich, einfach und zweckmässig. Nein, Wohlgefühl muss nicht mit Modernität einher gehen!

Die Spülung funktioniert mit einem Drehhahn – wann haben wir das zum letzten Mal gesehen? – Herrlich. Schon damals – das Gebäude stammt vermutlich aus den Dreissigern – wurde auf die Dreierregel acht gegeben. Vom Design ganz zu schweigen: Vintage-Chic auf ehrlich unfreiwillige Art. Musik: Pustekuchen! Duftsteine und unnützer Firlefatz ebenfalls. Weisse Fliesen, und: Keine Tags und Schmierereien.

In unserer Wertung schlägt denn auch die puristische Einfachheit zu Buche: Wir verleihen Note 5.5 und katapultieren mit diesem Rating die Toilettenanlage des Kino Rex auf den Olymp des Pissoir Michelins. Sauberkeit gepaart mit einem nostalgischen Touch – eine Freude für Männerherzen. Burgdorf, das Tor zum Emmental, bietet eben mehr als nur ein Kino ohne Kartenleser. Probieren Sie es aus! Der Film war übrigens super. Aber wen interessiert das schon.

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Kino Rex, Burgdorf, 2013

 

Pissoir Rating #14, Ristorante Cooperativo, Zürich

18. Januar 2014

Lange ist’s her, seit dem letzten, fachmännischen Rating eines stillen Örtchens für drückende Männerblasen. Daher soll es ein regelrechtes Schmankerl sein: Das Cooperativo im Kreis 4 mit seiner langen Tradition, sozusagen die kulinarische Huldigung des Sozialismus. Trotz apolitischem Credo dieses Blogs erlaubt sich der interessierte Leser die Frage: Wie biseln Sozis?

Beim Betreten der Toilettenanlage sticht sofort ins Auge, dass hier Kenner am Werk gewesen sein müssen: Die zwei bewundernswert unspektakulär angelegten Pissoirs ersparen dem Wasserlasser die zermürbende „Links-Mitte-Rechts“-Frage und laden ihn ein, eine klare Richtung einzuschlagen. Das wirkt sich sehr positiv auf die Wertung aus, denn nicht selten wurde in diesem Blog die ungerade Anzahl an Becken scharf kritisiert: Drei Pissoirs nebeneinander laden den Gänger geradezu ein, den Fauxpas zu begehen und die eiserne Regel zu brechen, bei drei unbesetzten Startplätzen auf keinen Fall den Mittleren zu wählen.

Wer empfindliche Nasenschleimhäute sein Eigen nennt, sollte im Cooperativo auf einen Toilettengang verzichten. Die Klosteine mit Limettenduft wirken bis weit in den Treppenbereich ausserhalb der Anlage und signalisieren nicht nur, dass hier der Sauberkeit einen grossen Stellenwert eingeräumt wird sondern können bedenkenlos als eine Ode an die Chemiekeule schlechthin gedeutet werden. Es wirkt, als könnte man in die Luft beissen und sodann ein grosses Stück Limette im Mund halten. Das gibt Abzug.

Auf eine musikalische Untermalung des Geplätschers wurde verzichtet; Das Risiko von Menschenansammlungen bei (zu) guter Musik entfällt. – In der Wertung allerdings schlägt sich dies negativ nieder, denn für ein stressfreies Pinkelvergnügen sind Hintergrundgeräusche – und damit sind nicht die Geräusche aus den verschliessbaren Kämmerchen nebenan gemeint – unabdingbar. Die kleinen, grünen Fliesen sind in einem solchen Ausmass kitschig, dass sie im Rating positiv berücksichtigt werden.

Alles in allem eine sehr gepflegte, angenehme Anlage. Es wird nichts erzwungen und empfängt Männerherzen mit einem unspektakulären, ehrlichen Charme.

Wir erteilen eine glatte 5.

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Ach ja, nebenbei sei gesagt: Die Pizze des Cooperativo sind einfach super. Und preiswert. Und irgenwie spürt man bei jedem Bissen den entschlossenen Klassenkampf. Mit Limetten.

Einmal Pommes, bitte, aber schnell!

26. Juni 2013

Superhelden essen nie. Das stimmt. Schauen Sie einmal genau hin bei einem Spiderman- oder Batmanfilm. Die Helden haben ausschliesslich dann menschliche Bedürfnisse, wenn sie nicht im Einsatz sind, also in zivil sozusagen. Kaum ist das schicke Kostüm angezogen, scheinen sie ihre Energie aus dem Universum zu beziehen. So quasi wie Uriella. Ein Schelm, wer hier von Doping spricht.

Es wäre zweifelsohne unvorteilhaft, wenn Superhelden essen müssten, wäre irgendwie störend beim Einsatz für die Rettung der Welt (Greenpeace-Aktivisten essen übrigens auch nie, nicht einmal Fischstäbchen aus suizidalem Dorsch). Und es würde – was noch viel wesentlicher ist – einfach etwas uncool aussehen, wenn sich Superman zwischendurch eine Tüte Pommes gönnen würde, sich mit den Worten «Sorry, abscheulicher Bösewicht, ich mach mir kurz eine Pfanne Spaghetti» ausklinken würde. Sieht blöd aus, wenn der Superheld eine Suppe hält.

Das hat nicht zu verachtende Vorteile. Essen macht die Zähne kaputt (für den Zahnarzt ist ja auch keine Zeit) und wer nicht isst, hat nie Durchfall. Wäre auch unpraktisch, so im Einsatz. Ach ja, das ist ebenfalls ein Rätsel: Superhelden müssen nie zur Toilette. Nie. Vermutlich werden Filmszenen, in denen der Held – nachdem er mit seiner Laserkanone ein paar Tausend Bösewichte mitsamt den Dörfern, in denen sie sich versteckt hatten, eingeäschert hat – sagt, er müsse mal kurz für kleine Jungs, in den USA zensuriert. Ist halt unsittlich. Nicht gut für die Kids.

Der grosse Nachteil ist natürlich, dass Superhelden – auch hier sei auf das sorgfältige Studium der Filme hingewiesen – ab und an einen regelrechten Durchhänger haben. Der Blutzucker sinkt, die Leistung nimmt ab. Eine der Folgen ist, dass die meisten Superhelden in einer Spielfilmlänge nicht damit fertig werden, die Welt zu retten. Es braucht einen zweiten Teil und einen dritten Teil und so weiter. Manche retten die Menschheit zuerst in 2D und dann zusätzlich in 3D (was insofern wichtig ist, weil wir alle – Hand aufs Herz – lieber in einer 3D-Welt leben als in einer 2D-Welt). Die Handlung bleibt nicht selten 1D.

Darum haben es Superhelden niemals vom Comic oder von der Leinwand ins wirkliche Leben geschafft. Das Arbeitspensum wäre untragbar, «Unia Superhelden» würde sofort auf die Strasse und gegen den Kapitalismus protestieren, Burnouts könnten kaum noch gelöscht werden und selbst die Organisation «Brot für alle» würde auf die Barrikaden, weil Superman – eben – nie isst.

Und weil der vorliegende Text für die Freunde des gepflegten Actionfilms eher traurig und ein bisschen desillusionierend ist, hier ein erfrischendes Filmzitat (Quelle: Batman), das den geistreichen Aspekt von Superhelden-Filmen unterstreichen soll: «Bruce, du magst im Inneren noch immer der großartige Junge von früher sein. Aber was man im Inneren ist, zählt nicht. Das was wir tun, zeigt wer wir sind.» Zugegeben, das Zitat könnte auch vom US-Präsidenten sein. Aber der ist ja auch ein Superheld, irgendwie.

Pissoir Rating #1 – Autobahnraststätte Saint Bernhard

3. Oktober 2009

Gut, das ist jetzt zugegeben eher so eine Rubrik für die Männerwelt. Wobei die moderne Frau gut und gerne einen Blick in das Herrnklo wirft. Sei es auch nur, weil auf dem Damenklo keine Handtücher mehr vorhanden sind oder die Lavabos von einer Horde Makeup-Artistinnen zugestellt ist. Oder für die Beantwortung der Frage: Ist eigentlich bei den Jungs auch so eine Sauerei wie bei uns. Gut. Hier werden also die Stillen Örtchen aus aller Welt bewertet. Genauer gesagt öffentlich zugängliche Urinale in meiner näheren Umgebung. „Aus aller Welt“ klingt einfach sehr cosmopolitisch und verleiht den Testberichten eine höhere Glaubwürdigkeit. Ohne hier in die Schmuddelecke abzudriften, ab und an muss halt das Kind beim Namen genannt werden. Das erste Testobjekt ist die Herrentoilette bei der Autobahnraststätte Saint Bernhard irgendwo zwischen Bern und Martigny. Fahrtrichtung Sion. Oder auch nach Martigny. Egal. Eines vorweg,  meine Herren: Es lohnt sich, dort Halt zu machen. Einerseits ist das Restaurant vorzüglich und direkt ans Gebäude ein schöner, künstlicher See angelegt. Anderseits – eben – ist die Herrentoilette alleine eine Reise wert. Da lohnt es sich durchaus, vor der Abfahrt irgendwo noch ein, zwei Liter Cola zu sich zu nehmen, um dann – vor Vorfreude fast platzend – am Zielort auch wirklich auf seine Kosten zu kommen: Die Anlage ist im Gebäude, mit angehnehm weissen Boden- und Wandplatten belegt und sehr, sehr sauber. Es stehen zirka acht Urinale in angenehmer Höhe (vermutlich nach DIN) zur Verfügung. Die Atmosphäre wird mit seicht-profaner Popmusik aufgelockert, die eine Spur zu laut ausfällt. Ähnlich wie bei Liftmusik ist ja bekanntlich Pissoirmusik immer dann zu laut, wenn man sie bewusst wahrnimmt. Zudem ist der anspruchsvolle Bisler etwas enttäuscht, dass nach dem Verlassen der Waschräume die genau gleiche Musik in den anderen Zonen des Gebäudes (Shop, Restaurant, Flur) zu hören ist.  Grosser Pluspunkt: Zum Händetrocknen steht ein Papiertuch-Spender zur Verfügung. Nicht einer dieser Handföhne, die einerseits die (unerfüllte) Sehnsucht nach einer Cabriolet-Fahrt mit 180 Sachen weckt und aderseits mehr – tödliche! – Bakterien an die Hände bläst als vorher dran waren.  Handföhne sind Gerüchten zu Folge eigens für Mister-Bean-Filme erfunden worden. Fazit: Das Pissoir in der Autobahnraststätte Saint Bernhard hat grosse Chancen, zum Testsieger zu werden. Leider habe ich im angrenzenden Autobahn-Shop kein Bier zum Verkauf entdeckt (Schweizer Gesetze halt). Dies hätte zum übermässigen Konsum und damit mehrmaligen Auskosten des gepflegten Wassrlass-Erlebnisses führen können. Schade.