Posts Tagged ‘Tocotronic’

This boy is Tocotronic

18. Oktober 2015

Toco

Oktober 2015, Konzert Tocotronic, X-Tra Zürich

Viel Filz im Tennissport

12. Mai 2010

Von der Hamburger Band «Tocotronic» stammt ein Stück Namens «Ich wünschte, ich würde mich für Tennis interessieren», was den Kern der Sache doch recht präzise beschreibt: Entweder man liebt diesen Sport, oder man guckt ihn trotzdem.

Anlässlich der French Open, die am 23. Mai beginnen, wird der engagierte Passivsportler zu Hause vor dem Fernseher sitzen und die Pupillen schweifen lassen, Tag und Nacht, aufgrund der Zeitverschiebung (die sich in Grenzen hält, zugegeben). Und spätestens nach dem zweiten Match wird auch dem grössten Tennislaien klar, warum die TV-Kameras nicht von der Längsseite des Spielfeldes her filmen. Das stetige Hin und Her des dummen, gelben Filzballes nützt A) die Halswirbel der Zuschauer in sehr ungesunder Weise ab und führt B) zur Angewöhnung eines für Unbeteiligte doch recht lustigen Reflexes: Selbst nach dem Spiel drehen sich die Köpfe der Fanatiker weiter nach rechts und links, was gerade bei grösseren Ansammlungen von Tennisfreunden nach einem Spiel, z.B. in der Strassenbahn, für Irritationen führen kann. Es kann von Unwissenden als provokatives Kopfschütteln interpretiert werden. Toleranz ist gefragt, eine gewisse Offenheit, was ja durch den Begriff «Open» durchaus vorgelebt wird.

Für die Zuschauer zu Hause entschärft sich das Problem wie gesagt, weil die Kameras von der Breitseite (heisst das so?) her filmt. Aber auch hier lauern bei längerem Tenniskonsum unberechenbare Risiken. Man hört von eingefleischten Fans, die am Gemüseregal mit Zitronen werfen oder diese mit Hilfe von Pfannen (Sammeln Sie Pfannenpunkte?) durch den Lebensmittelladen schlagen. Zum Bäcker. Andere werden sehr, sehr pingelig beim Einparken des Autos: Die Linie, meine Damen und Herren, gehört zum Feld (ergo: nicht «out», um mit Jargon zu glänzen). Zuweilen kann es auch zu Missverständnissen bei der Interpretation von Geräuschen kommen. Grund hierfür ist das Stöhnen einiger Tennisprofis bei besonders anstrengenden Schlägen, was gerade bei Dünnwandigen Mietwohnungen die Gerüchteküche unnötig anheizt und für ausschweifend spekulative Gespräche in der Waschküche führt.

Insgesamt veranlasst das alles zur berechtigten Annahme, dass Tennisfans ein viel interessanteres Leben führen als Tennisbanausen. Und – so schön! – damit schliesst sich der Kreis dieses Artikels: Würden wir uns doch nur für Tennis interessieren.