Posts Tagged ‘Tennis’

Bumm-Bumm

17. November 2017

Boris Becker ist ein Tausendsassa: Er ist der jüngste Spieler, der das legendäre Wimbledon-Turnier gewonnen hat. Wer kann das schon von sich behaupten? (ähm … nur einer). Er war einer der besten «Serve-and-Volley-Spieler» überhaupt und bekannt für seinen Hammerharten Aufschlag, der ihm zeitweise den Spitznahmen «Bumm-Bumm-Boris» einbrachte. Egal ob auf Sand, Rasen oder Linoleum, auf dem Tennisplatz oder in der Besenkammer: Becker macht immer eine gute Figur. Natürlich hatte er auch Ärger mit der deutschen Steuerbehörde, was bei Promis in Deutschland sozusagen zum guten Ton gehört. Und er ist pleite (war jedenfalls in der «Bild» zu lesen). Am 22. November feiert Boris Franz Becker seinen fünfzigsten Geburtstag. Wir gratulieren Ihnen ganz herzlich, Herr Becker! Wir lieben Sie und Ihren Stil, selbst wenn wir keinen blassen Schimmer haben, was ein «Serve-and-Volley-Spieler» ist.

Advertisements

no comment

7. November 2017

P1130874

Zürich 2016

Über Tennis und Rache

27. Juni 2015

Rache ist süss. Darum lachen Bösewichte in den Filmen immer so dreckig. Wobei dies ja nur die halbe Wahrheit ist, denn die Bösen tun Schlechtes aus Eigennutz, was verächtlich ist, während der unbezwingbare Held aus Rache Hunderte von Bösen töten darf, unter dem Beifall der Kinobesucher. Im Kino sollten Sie übrigens nie beifallen, das kommt selten gut an. Pop Corn essen mit hundertfünfzig Dezibel ist erlaubt. 

Himbeersirup ist ebenfalls süss. Das ist heimtückisch. Man sollte nie – und es ist mir ein grosses Anliegen, dass dies alle verstehen – Rache mit Himbeersirup verwechseln. Bösewichte voller Sirup geben einen schlechten Actionfilm ab. Irgendwie unglaubwürdig. Stellen Sie sich vor, Rambo hätte die niederträchtigen Vietcong eingesirupt. Ganz blöd. Und Rache im Trinkglas, das geht auch nicht. Sirup lockt übrigens Wespen an. 

Die Versuchung ist auch süss, selbst die zarteste. Wobei wir uns nicht in Versuchung führen lassen sollten, auch nicht von der Werbung. Und schon gar nicht von der Lust. Manchen Menschen bereitet es Lust, sich auspeitschen zu lassen. Pferden nicht. Bereits auf den Galeeren wurden die Sklaven an den Rudern gepeitscht. Die haben gestöhnt vor Lust. Ich kenne übrigens niemanden, der schon einmal ein Zuckerbrot gegessen hätte. 

Orangensaft ist natürlich auch süss. Es gab einmal eine Schweizer Tennisspielerin, die sich eine Zeit lang fast ausschliesslich mit Orangensaft ernährt hat. Sie war süss. Orangen haben fast die gleiche Grösse wie Tennisbälle. Etwa 75A. Aber Früchte bleiben halbwegs stecken in diesem komischen, gespannten Netz des Schlägers. Nach Spannungen mit ihrem Trainer liess Patty Schnyder das Safttrinken schlussendlich bleiben. Über Orangenhaut weiss man noch weniger als über Bananenflanken. 

Wenn Sie nun, liebe Leserin, lieber Leser, nach der Moral dieser Zeilen suchen: Es gibt sogar mehrere Morale (oder: Moralen?) Ja, dies ist sozusagen der Evo Morales unter den Texten, denn a) seien wir noch vorsichtiger als sonst, wenn irgendetwas süss ist und b) hören wir verdammt nochmal auf, ständig über Tennis zu schreiben. Und zu lesen.

Vitamine und so

17. Februar 2015

Inzwischen ist erwiesen, dass Vitamine das Leben verlängern. Dabei gilt die Faustregel, dass das Leben um diejenige Zeitspanne verlängert wird, die für die Einnahme der Vitamine benötigt wird. Wie wir alle insgeheim vermutet hatten ist ein Apfel also um einiges gesünder als eine Vitaminpille (beim Alkoholkonsum ist es übrigens so, dass kleine Mengen langsam eingenommen ungesund sind, weshalb es sich empfiehlt, grosse Mengen rasch einzunehmen).  

Vom Placebo-Effekt haben wir noch gar nicht gesprochen. Unwissentlich eingenommene Vitamine haben einen fast um die Hälfte geringeren Effekt als wissentlich eingenommene. Wenn Sie Ihrem Kind also erklären, dass Gemüse viel Vitamine beinhaltet, so wird es unter Umständen nicht die gleiche Menge davon erbrechen wie es eingenommen hat, beziehungsweise wird die verbleibende Menge einen enormen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben. Bei Schokolade ist es übrigens ganz ähnlich, weil diese bis zu neunzig Prozent weniger Kalorien beinhaltet, wenn Sie sie mit geschlossenen Augen geniessen.  

Die Lebensmittel-Industrie macht sich diese Erkenntnisse insofern zunutze, dass sie zum Beispiel auf Verpackungen von Frühstücksflocken extrem viele Vitamine aufführt, die in ebendiesen enthalten sein sollen. Zuweilen wird von einigen Herstellern auch Zucker mit Vitaminen verwechselt, weshalb auch Cornflakes ausschliesslich mit geschlossenen Augen konsumiert werden sollten. In Ausnahmefällen ist der Verzehr der Kartonverpackung gesünder als deren Inhalt.  

Am gesündesten sind vermutlich Früchte. Sie beinhalten Fructose, die lieb ist, im Gegensatz zum bösen herkömmlichen Zucker. Das ist raffiniert. Roger Federer zum Beispiel isst in den Pausen (englisch: Break) jeweils eine Banane, was gut sein muss, weil Roger Federer gut ist und nur Gutes tut.  

Ewige Kritiker könnten hier natürlich einwenden, dass Bananen nur von Tennisspielern präferiert würden, weil sie so gelb sind wie diese doofen Tennisbälle und beispielsweise eine Karotte weitaus gesünder wäre, jedoch Menschen, die Karotten essen, fast so doof aussehen wie Tennisbälle es tun.

Wir wissen es nicht. Ostdeutschland hat übrigens keine Tennisgrössen hervorgebracht, was sicherlich ein Argument für die Banane im Kontext mit dem Tennissport ist (hingegen kenne ich ein paar Leute, die regelmässig Bananen essen, jedoch zeitlebens noch keinen Tennisschläger in der Hand gehalten haben).   Fazit: Essen Sie Früchte und bleiben Sie gesund! Und lassen Sie um Himmels Willen Roger Federer in Ruhe!

Viel Filz im Tennissport

12. Mai 2010

Von der Hamburger Band «Tocotronic» stammt ein Stück Namens «Ich wünschte, ich würde mich für Tennis interessieren», was den Kern der Sache doch recht präzise beschreibt: Entweder man liebt diesen Sport, oder man guckt ihn trotzdem.

Anlässlich der French Open, die am 23. Mai beginnen, wird der engagierte Passivsportler zu Hause vor dem Fernseher sitzen und die Pupillen schweifen lassen, Tag und Nacht, aufgrund der Zeitverschiebung (die sich in Grenzen hält, zugegeben). Und spätestens nach dem zweiten Match wird auch dem grössten Tennislaien klar, warum die TV-Kameras nicht von der Längsseite des Spielfeldes her filmen. Das stetige Hin und Her des dummen, gelben Filzballes nützt A) die Halswirbel der Zuschauer in sehr ungesunder Weise ab und führt B) zur Angewöhnung eines für Unbeteiligte doch recht lustigen Reflexes: Selbst nach dem Spiel drehen sich die Köpfe der Fanatiker weiter nach rechts und links, was gerade bei grösseren Ansammlungen von Tennisfreunden nach einem Spiel, z.B. in der Strassenbahn, für Irritationen führen kann. Es kann von Unwissenden als provokatives Kopfschütteln interpretiert werden. Toleranz ist gefragt, eine gewisse Offenheit, was ja durch den Begriff «Open» durchaus vorgelebt wird.

Für die Zuschauer zu Hause entschärft sich das Problem wie gesagt, weil die Kameras von der Breitseite (heisst das so?) her filmt. Aber auch hier lauern bei längerem Tenniskonsum unberechenbare Risiken. Man hört von eingefleischten Fans, die am Gemüseregal mit Zitronen werfen oder diese mit Hilfe von Pfannen (Sammeln Sie Pfannenpunkte?) durch den Lebensmittelladen schlagen. Zum Bäcker. Andere werden sehr, sehr pingelig beim Einparken des Autos: Die Linie, meine Damen und Herren, gehört zum Feld (ergo: nicht «out», um mit Jargon zu glänzen). Zuweilen kann es auch zu Missverständnissen bei der Interpretation von Geräuschen kommen. Grund hierfür ist das Stöhnen einiger Tennisprofis bei besonders anstrengenden Schlägen, was gerade bei Dünnwandigen Mietwohnungen die Gerüchteküche unnötig anheizt und für ausschweifend spekulative Gespräche in der Waschküche führt.

Insgesamt veranlasst das alles zur berechtigten Annahme, dass Tennisfans ein viel interessanteres Leben führen als Tennisbanausen. Und – so schön! – damit schliesst sich der Kreis dieses Artikels: Würden wir uns doch nur für Tennis interessieren.

Amadeus Benedict Edley Luis Esssseeeen ist fertig!

13. Februar 2010

So so. Der Boris Becker hat also einen dritten Sohn gekriegt. Also, eigentlich, na ja, gut. Ist ja gut, alter Spruch. Jetzt kann man natürlich hingehen und sagen „ha, der Boris hat einen dritten Sohn gekriegt“ und dann ist die Sache gegessen. Einfach so. Als ob man sagen würde „heute morgen hatte die Strassenbahn – schlimmer noch – meine Strassenbahn geschlagene fünfzehn Minuten Verspätung.“ So unerträglich simpel. Aber so läuft das nicht. Es wäre zu einfach.

Die Realität ist natürlich anders. Ich liebe Gedanken, die so beginnen. Die Realität ist natürlich anders. Als ob alles vorherige, alles vorher angedachte plötzlich vollkommen sinnfrei wäre, auf einen Schlag. Das hat so etwas Totalitäres. Egal. Jedenfalls ist es ein viel, viel tiefschürfenderes Ereignis, wenn Boris (bzw. eben seine Partnerin) einen Jungen zur Welt bringt. Die Welt kriegt eben nicht nur einen neuen Bewohner, sie schaut eben speziell genau hin. Und: Wäre dies ein belangloses Ereignis, so würden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, in diesem Blog nicht damit konfrontiert. Das ist schliesslich eine Art sakraler Blog.

Aus diesem Grund ist es auch von essenzieller Bedeutung, für uns, für diesen Planeten, für alle eben, wie denn dieses Erdenkind heisst. Es heisst Amadeus Benedict Edley Luis. So und nicht anders. Man kann das jetzt schön finden oder nicht. Man kann auch seufzen und sagen „nein, Mann, nein, warum tauft jemand sein Kind Amadeus Benedict Edley Luis“ und dann ein bisschen überlegen und hinzufügen „na ja, Amadeus Benedict Edley Luis sind ja schon schöne Namen“. Genau. Oder man kann einfach die Fresse halten. Beziehungsweise einfach nichts darüber denken. Was ja am einfachsten ist, nichts denken.

Darum gehts hier nicht. Wenn ein hervorragender Tennisspieler – oder meinetwegen ehemaliger hervorragender Tennisspieler – seinen Sohn Amadeus Benedict Edley Luis tauft, dann hat das schon einen gewissen wegweisenden Charakter. Ein Zeichen. Eine gewisse, unbestreitbare Signalwirkung. An die Welt. Es wird die Namensgebung vieler zukünftiger Kinder massgeblich beeinflussen. Selbst die Namen von Kindern von Eltern, die so etwas von überhaupt nicht Tennis spielen. Die vielleicht Golf spielen oder Fussball. Oder beides zusammen, wenn auch nicht gleichzeitig. Die vielleicht Schach spielen oder gar nichts. Wobei: Würden Sie, rein hypothetisch, wenn Sie jetzt Synchronschwimmer wären, rein hypothetisch, Ihren Sohn Amadeus Benedict Edley Luis taufen? Mal ganz ehrlich.

Amadeus Benedict Edley Luis wird vielleicht nicht gerade zum neuen Kevin. Aber: Man wird diesen Namen jetzt schon ein paar Mal hören und lesen. Nicht nur in der Bild-Zeitung. Und wenn schon, dann nicht bewusst, denn Hand aufs Herz, würden Sie Ihrem Sohn einen Namen geben, den Sie wissentlich in der Bild-Zeitung gelesen haben? Na ja. Egal. Jedenfalls werden alle noch ein paar Mal davon hören und lesen. Und sich Gedanken dazu machen. Tennis hin oder her.

Wenn Sie jetzt denken, das alles sei trivial, dann sei gesagt, dass genau dies das so unglaublich heimtückische daran ist, dass viele die Bedeutung dieser Gedanken total unterschätzen und erst viel später den wahren Gehalt, den eigentlichen Sinn dahinter begreifen. Das ist sozusagen ein Versprechen. Sie werden verstehen. Glauben Sie mir. Denken Sie beim nächsten Mal daran, wenn Sie ein Kind bekommen.