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Pack die Sense ein, Uncle Sam!

29. März 2010

Gepriesen sei Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ha ha! Da macht also ein dem Tode Geweihter einen Selbstmordversuch (vergleiche Artikel) und überlebt. Also, eigentlich wurde er ja gerettet und wieder aufgepäppelt. Aber überlebt, Hauptsache überlebt. God bless America. Oder so.

Schliesslich muss ein Todesurteil ja würdig vollstreckt werden können. Die eiserne Hand von Vater Staat muss Gerechtigkeit walten lassen. Da ist es doch eher unschicklich, ja unverantwortlich für einen zum Tode Verurteilten, den letzten Service der Justiz zu sabotieren. Ja, geradezu dreist! Unpatriotisch! Ungerecht! Da klagen die Bürger ständig von zunehmendem Dienstleistungsabbau der Staates, – und dann sowas!

Man sollte den undankbaren Lawrence Reynolds abstrafen. Ihm ein Denkzettel verpassen, um andere, verurteilte Bürger von solchen Taten abzuschrecken. Es müsste eine drakonische Strafe sein. Am besten die Todesstrafe!

Wie alles ist es lediglich eine Frage der Perspektive. Die Tat von Lawrence Reynolds könnte Schule machen, das Militär zum Beispiel viel davon lernen: Künftig werden im Gefecht die verwundeten Feinde geborgen und gesund gepflegt, um nachher standrechtlich erschossen zu werden. Gefechte mit amerikanischer Beteiligung gibt es ja genug, für Übungsterrain ist also gesorgt. Wenn das kein Fortschritt ist!

Also, seien wir zuversichtlich. Die Hoffnung stirbt zuletzt (wenn auch hoffentlich nicht durch die Giftspritze). Gepriesen sei das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Schöner schreiben

22. Februar 2010

Mittlerweile kennen Sie die Geschichte aus Austin (Texas). Ein Mann fliegt aus Wut über die amerikanische Steuerbehörde in ein Bürohochhaus. Überall wurde darüber berichtet, so auch in meiner Lieblingszeitung, der Aargauer Zeitung (Ausg. 20.2.2010). Ich zitiere:

Joseph Stack galt als umgänglicher Mann, bis er mit einem Kleinflugzeug in ein Gebäude in Austin raste.

Halten wir kurz inne, um uns diesen Satz genüsslich auf der Zunge zergehen zu lassen. Ooooom. Kurz nachgefragt: Warum gilt Joseph Stack jetzt nicht mehr als umgänglicher Mann? Sind Amerikaner intolerant? Oder gilt er jetzt etwa nicht mehr als umgänglicher Mann, weil er bei seinem Attentat ums Leben gekommen ist? Fragen über Fragen.

Ein wunderbarer Satz, wahrlich. Vielleicht wäre es an der Zeit, den Pranger in der Schweiz wieder einzuführen. Man könnte den verantwortlichen Journalisten dazu zwingen, mit einem grossen Plakat – auf dem eben dieser Satz steht – vor die Uni zu stehen, wenn die Germanistik-Studenten das Gebäude verlassen. Ihn zwingen, den Studenten mit einer Trillerpfeife bis ins Starbucks zu folgen.

Aber eben: Wenn, wenn, wenn. So vieles wäre ganz anders. Josef Stack zum Beispiel wäre ein ganz umgänglicher … – so, Schluss jetzt! Basta!