Posts Tagged ‘Sport’

Früher

18. März 2013

Das ist doch total sinnfrei, das mit dem Fitness- und Ernährungswahn, ehrlich. Reine Geldmacherei. Früher wurde auch gegessen, was auf den Tisch gekommen war, von Kutteln bis Schwarte, und man hat trotzdem gelebt bis man gestorben ist. – Und zwar eines natürlichen Todes. Zum Beispiel durch eine Splittergranate.

Damals haben uns die Ärzte auch nicht den ganzen Blödsinn von Bluthochdruck, Gefässkrankheiten und gesunder Ernährung weismachen wollen. Es wurde der Puls gefühlt, gemeinsam zwei, drei selbst gedrehte Zigaretten geraucht und nach einem gezielten Klaps auf den Hinterkopf war der Patient geheilt. Sicher. Die heutige Spassgesellschaft ist doch vollkommen verweichlicht. Wird einer von einem Lastwagen angefahren, ruft man sofort die Ambulanz. Gefässkrankheiten – pha! Eine Bierflasche ist schliesslich auch ein Gefäss.

Früher gab es auch keine Hypochonder. Das ist nämlich die Pest unserer Zeit: Je mehr der Mensch über Krankheiten weiss, desto mehr Chancen hat er, sich welche einzubilden. Mit dem Internet hat sich dieses Übel zusätzlich verschlimmert, weil Halb- und Unwissen viel effizienter unter Halb- und Unwissenden ausgetauscht werden kann. Mein Nachbar ist ein vorzügliches Beispiel. Er behauptet steif und fest, im Netz einen Virus eingefangen zu haben.

Sportlicher waren die Menschen auch, früher. Nur hiess es damals nicht Mountainbiking, Aerobic und Body Forming. Es hiess Kartoffeln-Auflesen auf dem pickelharten Feld, barfuss und bei vierzig Grad im Schatten. Ohne Sonnencrème. Oder Heuwenden mit blossen Händen, denn Pollenallergien und dergleichen konnten sich die Leute nicht leisten. Man stelle sich eine achtzehnjährige, blonde Magd mit Heu-Allergie vor, das ginge ja gar nicht. So war das. Und im Turnunterricht trugen die Jugendlichen nicht dieses teure High-Tech-Zeugs, nur der Mode wegen. Man trug braune Hemden.

Die Sporternährung von Heute ist ebenfalls ein Witz: Der rumänische Fussballstar Gheorghe Hagi ass angeblich vor jedem Spiel einen Teller Pommes Frites und zeigte auf dem Feld eine hervorragende Leistung. Der hat den Ball einfach ins Tor geschossen, ohne die Tipps des Mannschaftskochs zu beachten. Ohne Pasta. Na ja, die Kartoffel ist schliesslich ein Gemüse, oder? Und Ketchup ist aus Tomaten gemacht. Also, nichts mit Power-Müsli und Energy-Drinks. – Alles Weichbecher!

Und sollte jetzt der Eindruck entstanden sein, dass früher alles besser war, dann stimmt das natürlich nicht. Alles in allem haben wir es heute schon viel, viel besser. Man muss schon ehrlich sein. Wobei: Das ist doch total sinnfrei, das mit dem Fitness- und Ernährungswahn, oder? Früher, wissen Sie, früher … na ja, lassen wir das.

Mensch sein

22. März 2010

Interviews sind eine feine Sache, zweifelsohne. Wir erfahren tausend interessante Dinge über den Befragten, inklusive Infos über die Charaktereigenschaften des Stars. Gewollt oder ungewollt.

Anlass zur Heiterkeit geben jeweils die Fragen über schlechte Tage oder weniger gute Leistungen der Interviewten. Denn nicht selten fällt in den darauffolgenden Antworten die Aussage

ich bin auch nur ein Mensch

Und dies ist der Satz der Sätze, die Mutter aller Antworten. Ist das nicht schön? Ein wahrlich befreiendes Gefühl für alle, die das Interview lesen.

Liebe Leserin, lieber Leser, sollten Sie demnächst interviewt werden und in einer Antwort mit unfreiwilligem Humor glänzen, so machen Sie sich nicht unnötig Vorwürfe. Wir sind doch alle nur Menschen, oder?

Schuhe? Schuhe!

16. Dezember 2009

Stehe ich doch kürzlich in einem Sportgeschäft. Oh nein, schon wieder. Schuhe. Eine ganze Wand voller Schuhe. Ein simples Erdbeben und ich wäre begraben unter Adidas, Puma, Nike, Asics und Irgendwas. Die totale Überforderung. Vermutlich stehe ich da und staune wie ein Berlusconi nach der Souvernirvisite: Dieser Planet hat Fussballschuhe, Handballschuhe, Golfschuhe, Wanderschuhe, Tennisschuhe, Basketballschuhe aus Känguruleder. Einfach toll. Schliesslich hüpfen Kängurus, da muss ja was dran sein. Viele Modelle sind „Air“, und das ist genau das, was mir letztlich fehlt beim Sport: Luft. Schuhe. Wer in aller Welt soll sich da noch zurecht finden? Plötzlich sehe ich die Lösung unmittelbar vor mir: Freizeitschuhe. Das Ei des Kolumbus. Schliesslich üben die meisten Menschen alle diese Sportaktivitäten in ihrer Freizeit aus. Ergo lässt sich damit viel Geld sparen. Ha! Stehe ich also kürzlich im Sportgeschäft. – Und kaufe nichts.