Posts Tagged ‘Sommer’

Paradox im Paradies

8. August 2017

Im Paradies gibt es einen weissen Sandstrand. Der Sand ist nicht braun, nicht beige, und es ist auch kein Kieselstrand. Ob auf den Malediven, den Seychellen, den Salmonellen, auf Guantanamo oder im Marzili-Bad in Bern: Ist der Sand nicht weiss und feinkörnig, dann ist das kein Paradies. Da können die Bewohner von Teneriffa (Teneriffaner?) den Touristen noch lange weismachen, das sei halt Vulkangestein, der Sand sei nun eben schwarz. – Pustekuchen! Das Paradies ist genormt. Verarscht werden wir schon zu Hause. Teneriffa gehört zu Spanien, und Spanien zur EU. Obwohl die EU Normen liebt, ist Spanien nicht paradiesisch. Nur keine falschen Rückschlüsse, bitte!

Aus dem weissen Sand wachsen Palmen, im Paradies. Keine Weisstannen, Pinien oder irgendwelche andere Bäume. Am besten Kokospalmen, auf die Einheimische Männer flink hinaufklettern, um wunderschöne, frische Kokosnüsse zu pflücken und sie den Touristen anzubieten. Es gibt nichts Besseres als frisches Kokos. Nach dem Pflücken verschwinden die Fremden wieder, um das Ortsbild nicht unnötig zu belasten. Schliesslich ist es das Paradies. Das übrige Kokos wird in Schokoriegel eingearbeitet und jenen verkauft, die zu ihrem Leidwesen gerade nicht im Paradies sein können.

Apropos Pinien: Veganer reden ständig von Pinienkernen, obwohl diese scheusslich schmecken. Im Paradies gibt es keine Veganer. Veganer dürfen nicht einmal die Schokoriegel mit Kokos essen. – Nicht, weil sie denken, Kokos seien Tiere, sondern – die Ernährungs-Technologen in der Leserschaft wissen es längst – wegen der Milchschokolade, die offensichtlich aus Milch hergestellt wird (im Gegensatz zu Kinderschokolade). Aber jetzt sind wir etwas abgeschweift.

Jedenfalls ist unsere Definition des Paradieses sehr ausgrenzend, weil sie so eng gefasst ist. Könnten zum Beispiel Klippen reden, dann würden sie schreien. Sie sind nicht paradiesisch, genauso wenig wie Finnen: Im Paradies kommen nie Finnen vor. Schweizer übrigens auch nicht. Sie sehen: Das Paradies ist auch latent rassistisch. Lustigerweise regnet es im Paradies auch nie, offiziell. Auch das ist eine Lüge, natürlich, denn keine Palme wächst ohne Wasser. Also muss es ja ab und an regnen. Wo sollte denn sonst all das Kokos herkommen für unsere Schokoriegel? – Womöglich müssten wir Zuhause-Gebliebenen – die wir doch eh schon ein schweres Los haben – Schokoriegel mit Pinienkernen essen.

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Der Frühling ist im Kommen

22. Februar 2015

So bedeutend wie der Wintertourismus ist nicht einmal der Frühlingstourismus. Obschon viele Menschen fest davon überzeugt sind, den Frühlingstourismus zu spüren. Im Frühling liegt noch weniger Schnee als im Winter, in dem ja bekanntlich kein Schnee liegt. Frau Holle ist längst ausgesteuert. 

Womit wir bereits beim Problem angelangt wären: Kein Schnee. Während vor ein paar Jahren Schneekanonen des Teufels waren, haben inzwischen auch die Grünen bemerkt, dass es schlecht für die Ortspartei ist, wenn es den Ort nicht mehr gibt. Und so schneit es, wenn die Touristen kommen und nicht umgekehrt. Richtig so. 

Mit dem natürlich geschneiten Schnee ist allerdings auch der Erfolg der Schweizer Skisportler mehr und mehr geschmolzen: Die Ski-Alpin-Sportler rollen das (grüne) Feld von hinten auf, Paul Accola ist längst in der Politik und Simon Ammann hat sich verschanzt. Da besteht zwar absolut kein Zusammenhang. Aber es ist schlimm. 

Den meisten Feriengästen allerdings ist das vollkommen egal. Ihr Verhalten hat sich ohnehin stark verändert: Während der durchschnittliche Besucher früher zirka zwei Monate in den Bergen verweilte um sich zu erholen, bleibt er heute maximal einen Tag und besucht in dieser Zeit das Jungfrau Joch, besteigt die Eiger Nordwand und geniesst zum Schluss auf der Rigi ausgiebig ein Fondue, bevor er das Land schnurstracks wieder verlässt. 

Da kann man als Tourismusdirektor noch so schneien, die Zeiten ändern sich eben. Die Hotelbetten bleiben so kalt wie der Winter warm. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass sich dieser Sektor wohl umorientieren muss, früher oder später, zum Beispiel – eben – zum Frühlingstourismus. Wobei, warten Sie, im Frühling will fast niemand in die Ferien fahren. Die Leute sparen lieber, damit sie im Sommer irgendwohin reisen können. In die Wärme.

Grillieren geht über studieren

18. Juli 2014

Grillieren ist die beste Erfindung seit der Durchführung des Urknalls. Man könnte sogar so weit gehen und sagen, dass sich die Menschheit niemals so weit entwickelt hätte, wenn unsere Ahnen nicht Fleisch über Feuer gehalten hätten, – und damit sind nicht Hexenverbrennungen gemeint. Ein sich mit Pflanzen ernährender Mensch hätte sich zu einem Warmduscher mit Opfermentalität entwickelt und wäre mangels Aggressivität von wilden Tieren aufgefressen worden. Unbestätigte Statistiken beweisen übrigens, dass alle Zoowärter, die bis anhin von einem Löwen attackiert worden sind, Vegetarier waren. Item.

 

Heute denken die wenigsten Männer daran, wenn sie den Grill anwerfen. Lediglich die Natur weist uns darauf hin: Die Pupillen des Mannes weiten sich, der Bewegungsablauf wird nervöser, und ganz unüblich: Er denkt ein paar Minuten nicht an Autos, Fussball und Sex. Der Fokus liegt voll und ganz bei Feuer und Fleisch, bei Rost und Toast (stimmt nicht, aber reimt sich).

 

Dabei ist Grillieren ungefähr halb so gefährlich, wie das viele Menschen (vornehmlich Vegetarier) nicht selten behaupten. Fast neunzig Prozent der Männer, die sich bei einem Grillunfall verletzt haben, hätten sich nachweislich in einer herkömmlichen Küche viel schwerere Verletzungen zugezogen. Man denke nur an explodierende Dampfkochtöpfe und Fritteusen, an gequetschte Gliedmassen von der Backofentüre und zerfleischte Füsse vom Stabmixer. Oder an aufgeweichte Hände vom Spülen. – Sehr schmerzhaft! (Die Evolution hat diesen Gefahren Rechnung getragen: die meisten Männer können sich den Weg in die heimische Küche nicht merken).

 

Auch die Geschichten mit den krebserregenden Substanzen, die beim Grillieren angeblich entstehen sollen. – Humbug! In Wahrheit – und das hat man herausgefunden – erkranken nur jene Männer an Krebs, die sich beim Grillieren darüber Gedanken machen (siehe oben: Fokus auf Grill). Abgesehen davon ist ja heutzutage alles krebserregend, sogar die Kombination an Muskelbewegungen, die wir beim Aussprechen des Wortes «Krebs» benötigen.

 

Der Kontext an sich ist absurd. Die Tätigkeit, die den Menschen in der Evolution so weit gebracht hat, sollte ihn nun umbringen? – Wohl kaum. Also, ran an den Grill, Kohle anfeuern und loslegen. Guten Appetit!

Willkommen im Herbst

12. September 2010

Jetzt haben wir den Salat: Der Sommer ist vorbei. Schwach angefangen und dafür umso stärker nachgelassen, so könnte man die Misere bilanzieren. Die Sömmer (was ist bitte schön die Mehrzahl von Sommer?) sind nicht mehr das, was sie einmal waren.

Es ist amüsant, wie die Öffentlichkeit darauf reagiert. Alle klagen «oh, oh, das war’s schon, so wenig warme Sonnentage» und verfallen in eine mittelschwere Depression. Bei einem Hitzesommer hingegen rufen die Menschen «mein Gott, die Klimaerwärmung, wir werden alle sterben!» Kein Wunder verliert Petrus da die Orientierung.

Sehen wir doch die positive Seite: Noch selten gab es so wenig Hitzetote wie dieses Jahr; Die Leute sind lieber an anderen Dingen gestorben. Auch der nicht unerhebliche Energieverbrauch für die ganzen Klimageräte dürfte dieses Jahr tiefer gewesen sein, was die besagte Erderwärmung zweifelsohne verlangsamen wird.

Die Folge davon kann sich jeder selbst ausmalen: Im Sommer der Zukunft werden in der Schweiz weniger Menschen in Seen und Flüssen ertrinken, weil schlicht kein Badewetter ist. Hingegen werden mehr Menschen erfrieren. Oder sich zumindest verletzen beim Sprung in den zugefrorenen See. Bedenklich. Wie eingangs schon gesagt: Jetzt haben wir den Salat.

Alles über nichts

6. August 2010

Da ist sie, die Bescherung: Der Sommer ist vorbei, das Leck im Golf von Mexiko geflickt und Bundesrat Merz hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Na ja. Salat.

Hand in Hand mit dem Thema Sommer spaziert natürlich das everlasting Thema Wetter, das sehr undifferenziert gehandhabt wird, wie ich meine: Ist das Wochenende verregnet, schreien alle „ui, ui, ui, Scheisswetter“ und überhaupt. Was passiert, wenn fürs Wochenende Sonne angesagt ist?

Barack Obama hatte diese Woche Geburtstag und als Geschenk hat BP das Leck geflickt. Wir können wieder unbeschwert in unserem SUV herumkurven und das Schwarze Meer ist wieder das Schwarze Meer. Gut gemacht, BP. Was in aller Welt will die Presse nun schreiben, jetzt, wo das Problem gelöst ist? Wir brauchen einen neuen Skandal. Amerika, schenk uns einen neuen Skandal!

Bundesrat Hans Rudolf der Schreckliche Merz hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Wovon, weiss ich nicht. Und wir werden das nicht weiter kommentieren, weil das hier so etwas von voll unpolitisch ist, sag ich Ihnen. Man soll sich schliesslich nicht über Dinge den Mund zerreissen, von denen man keine Ahnung hat. Obwohl das auch viele Politi… – Voilà!

Na also, sag ichs doch: Der Sommer ist passé, das Wasser im Golf von Mexiko wieder bedenkenlos trinkbar und der Schweizer Bundesrat vollkommen ratlos.

Und das Schlimmste: Die Berner Young Boys müssen gegen Tottenham Hotspurs antreten, um in der Champions League treten zu dürfen (das war jetzt eines dieser Wortspiele, die man auf gar keinen Fall machen darf, weil sie erstens absolut dümmlich wirken und zweitens den sehr, sehr wichtigen Fussballsport ins Lächerliche zu ziehen scheinen).

Genau. Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sich jetzt fragen, was dieser Beitrag soll, wovon er handelt und was genau die Botschaft ist: Exakt das habe ich mich soeben auch gefragt. Vermutlich handelt er von allem ein bisschen. Oder er ist einfach über nichts. Wobei ja im Grunde alles über nichts ist.