Posts Tagged ‘Silvester’

Oh mein … Tannenbaum!

21. Dezember 2014

In der Stillen Nacht gehen fast so viele Polizeinotrufe ein wie an der Love Parade. Überhaupt ist an vielen Orten die Stille Nacht weit weniger ruhig als ein lauter Tag. Zu viel Harmonie macht viele Menschen nervös, manche werden geradezu aggressiv. Ein paar gehen zweifelsohne zu weit und singen mit voller Absicht die obligatorischen Weihnachtslieder um einen Ton zu tief. Es ist ein Kreuz.  

Später – genau gesagt an Silvester – entfachen Herr und Frau Schweizer mit Vorliebe irgendwelches Feuerwerk, was wiederum die Alarmglocken eines jeden Notfallarztes läuten lässt. Spitalpersonal ist bekannt dafür, am Jahresende geradezu exzessiv dem Abbrennen von Feuerwerk zu frönen, nicht selten etwas rücksichtslos. Zuweilen werden hierbei unbeteiligte Arbeitskollegen zu Opfern von Brandverletzungen. So kann ein Sanitäter zum Täter werden, theoretisch. Es ist nie gut, wenn Psychos mit Pyros hantieren. 

Von den Feuerwehr-Einsätzen haben wir noch gar nicht gesprochen. Während über die Feiertage vor allem aufwändig präparierte Festbraten in Flammen aufgehen, so sind es im Frühjahr die vollkommen ausgedörrten Weihnachtsbäume, die in einem Anflug von Nostalgie ein letztes Mal zum erleuchten gebracht werden, mitsamt dem Wohnzimmer. Um diese Zeit zünden Menschen am allerliebsten ihre Wohnung an, statistisch gesehen.

Alles in allem dürfen wir getrost konstatieren, dass unsere Überlebenschancen über die Feiertage durchaus intakt sind. Wie immer wird die Suppe nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wird. Das darf man wörtlich nehmen. Lassen wir uns bloss nicht das Vergnügen verderben, denn LED-Kerzen am heimischen Baum sehen einfach kacke aus. In diesem Sinne, feiern Sie schön, liebe Leserin, lieber Leser. Die Notrufnummern: 118 Feuerwehr und 117 Polizei.

 

Oh, weh!

24. Dezember 2013

Reden wir über Silvester. Sie glauben gar nicht, wie es nach Mitternacht in der Notaufnahme eines Spitals zu und her geht. Da sind Betrunkene und Verletzte. Und betrunkene Verletzte. Sie halten den Laden so richtig auf Trab. Nahezu hundert Prozent sind gemäss Bundesamt für Statistik aus ein und demselben Grund da: Sie haben sich beim Entkorken der Champagnerflasche wehgetan.

Tatsächlich entkorkt die halbe Schweiz exakt zum gleichen Zeitpunkt irgend eine Flasche, obwohl die Wenigsten auch nur den Schimmer einer Ahnung davon haben, wie das ohne Gefahr für Gäste, Mobiliar und Haustiere geht (Sie lachen vielleicht, aber die Suizidrate von Hauskatzen steigt vor Silvester dramatisch an). Natürlich leisten wir hier Aufklärung, im Zeichen der Prävention.

Als erstes sollten Sie die Flasche prüfen. Nicht wenige Gastgeber ersetzen die Etikette eines billigen Fusels (Jargon: Nuttendiesel) mit jener eines hochwertigen Champagners mit der Folge, dass sich diese im dümmsten Moment ablöst und dem an sich fachmännisch agierenden Öffner aus der Hand gleitet. Dabei verletzen sich die Wenigsten an den Glasscherben, sondern eher beim Versuch, an eine neue Flasche zu gelangen, bevor die Kirchenuhr zwölf Mal geschlagen hat.

Menschen, die das Gefäss nicht fallen lassen, unterschätzen oftmals die Wucht es austretenden Korkens. Entgegen vieler Meinungen entsteht das ploppende Geräusch nicht beim Austritt aus dem Flaschenhals sondern beim Durchbrechen der Schallmauer. Die Zielgenauigkeit darf nicht unterschätzt werden. Besonders schlaue Zeitgenossen pflegen es, eine gewisse Drolligkeit zu simulieren um präventiv den Abschuss unliebsamer Personen zu entschuldigen. Schwiegermütter werden auf Silvesterpartys immer häufiger mit Integralhelmen gesichtet.

Nebst Lampen und Deckenverkleidungen werden von den Versicherungen als teuerste Schäden Zahnprothesen genannt. Die Bezeichnung «Kronkorken» kommt nicht von ungefähr. Aber auch Fensterscheiben, Vasen und Jochbeine gehen gerne zu Bruch.

Als wären die Schmerzen einer Verletzung nicht schlimm genug, leiden die Opfer auch darunter, dass sie ihr Partner auf die Notaufnahme bringen muss und den besten Teil der Party verpasst, obwohl er sich bereits ein Jahr lang darüber gefreut hatte. Der in der Notaufnahme am Häufigsten gehörte Satz ist denn nicht «Schatz, tut es noch fest weh?» sondern «Es ist aus, du Vollidiot».

In diesem Sinne: Fröhliches neues Jahr – und gut Schuss!