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Post – Es gibt immer was zu tun

23. Oktober 2010

Neulich in der Post. Oder bei. Paket aufgeben. Nun lebt die Schweizer Post ja ein fortschrittliches, marktwirtschaftlich optimal-obergeiles Konzept, welches dem Kunden nicht nur Briefmarken für verspätet ankommende Briefe und Einzahlungen anbietet, sondern im Namen der Diversifikation auch Süssigkeiten, Zeitschriften und allerlei Dinge, die glücklich machen.

Das ist gut. Was lohnt ist gut. Denn warum soll bitte schön ein staatlich gestützter Verein nicht die unnütze Privatwirtschaft konkurrenzieren und den Gummibären-Fetisch vom herkömmlichen Kiosk weglocken? Niemand malt hier den Teufel an die Wand, nein, es geht um den Inbegriff der Konsumgesellschaft, den – kniet nieder, liebe Postkunden – es geht um den Postshop.

Mir passiert. Zuerst ein Fax senden lassen für schlappe 7 Franken. Ich wiederhole: Sieben Franken! Faxgerät exklusive. Pipifax. Sieben Piepen dafür, dass eine unfreundliche Qualle ein Blatt Papier in eine Maschine hält und die hohle Hand macht. Na ja, alles gelogen: Es war eine freundliche Qualle.

Dann der Test eben dieses high flyer Postshops. Die Mission war, Packpapier zu kaufen. Na ja, warum sollte in einer Poststelle – also, in der Shilpost Zürich, der Mutter aller Poststellen – so etwas absurdes wie Packpapier zu kaufen sein? Gehe ich in eine Metzgerei, um einen Dildo zu kaufen? Na gut, die Synapse „Paket – Packpapier – Post“ war so etwas von gestern. Mein Fehler.

Genau. Anstelle von Packpapier preist mir der Postshop Dinge an wie Werkzeugkasten, Plüschtiere und Atomsprengköpfe. Okay, das dritte war etwas geschummelt, doch insgeheim wäre ich in einer Poststelle bis anhin eher auf die Idee gekommen, Massenvernichtungswaffen zu kaufen als einen Werkzeugkasten. Gehe ich zu OBI Briefmarken kaufen?

Gut. Wir können jetzt hingehen und sagen „Mann, das ist doch cool, das ist der ewig besungene Service Public, warum soll ich neben Briefmarken nicht auch eine Rohrsäge kaufen können, um im knietiefen Wasser die Leitung in meinem Bad zu reparieren?“ Na ja, das stimmt schon. Allerdings sollte eventuell der Inbegriff des Postgeschäftes ebenfalls angeboten werden. Als ob ich an der Tanke kein Motorenöl kaufen könnte und dafür – sagen wir – ein Asthmaspray.

Wie gesagt, niemand will hier lästern. An dieser Stelle vielleicht ein Appell an unsere lieben Postmenschen, Postbeamte oder wie ihr Euch auch nennen möget: Wenn Ihr schon Sch*** verkauft, dann tut das freundlich! Und wenn Ihr das noch nicht so dolle hinkriegt mit der Freundlichkeit, dann einfach nicht resignieren. Lehnt Euch einfach an den Slogan eines famosen Baumarktes: Es gibt immer was zu tun!

Über Bahn und Post. Und über den Rhein.

27. Dezember 2009

Helfe ich doch kürzlich einem alten Mann bei der Bedienung dieser supermodernen Billetautomaten, die alles können ausser schneien. Mache ich sonst nie. Also, alter Mann ist vielleicht etwas nachgetreten: Er war so um die sechzig, elegant-geschmacklos angezogen (Karo-Anzug in Farben für Blinde) und sehr, sehr freundlich. Wir kamen tatsächlich ins Gespräch. Er wohnt irgendwo im Kanton Appenzell und ich hätte ihn gerne ausgelacht, weil es ja dort nur absolute Oberkäffer gibt, was aber nicht glaubwürdig gewesen wäre, denn wir standen genau ein Dorf neben meinem Heimatdorf, das wohl als erstes erscheint wenn Sie auf Google „Superkaff“ eingeben. Also liess ich es bleiben. Und er sagte, das mit der schrittweisen Abschaffung der Bahnschalter sei halt schon eine Sauerei. Ein Stück weit musste ich ihm recht geben, denn der Computer konnte mit seinem Domizil im Appenzell nicht umgehen und spuckte eine sehr, sehr unmotivierte Fehlermeldung aus. Man solle das Ticket an einem Schalter lösen, wobei die Maschine nicht sagte, wo A) der nächste Schalter ist und B) wie man dort hinkommt ohne Ticket. Egal. Jedenfalls machte der Mann sodann den Übergang zu den Poststellen, die ja – extreme Unschönheit – ebenfalls mehr und mehr verschwinden. Und ich sagte irgendwie nicht so viel, nuschelte etwas von Querfinanzierung und so. Der Mann sagte: „Ich sage immer, wenn man, so wie die Bündner, die Zuflüsse des Rheins staut und abstellt, dann muss man in Basel unten auch nicht mehr die Rheinschifffahrt machen wollen.“ So. Bis heute habe ich das nicht begriffen. Aber es war zugegeben mit recht viel Herzblut vorgetragen. Und da habe ich in dem Moment auch gar nicht getraut, nachzufragen, was das denn mit Bahn und Post zu tun habe. Schade eigentlich.