Posts Tagged ‘Schweiz’

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13. April 2017

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Zürich 2017, Fifa Museum

Weiss auf Grün

12. März 2017

So grün war der Wintersport noch nie. Mit gutem Gewissen können Herr und Frau Schweizer in die heimischen Berge fahren (Ausländer können es sich nicht mehr leisten) und die verschiedenen Grüntöne geniessen, die von dezent platzierten weissen Pisten durchschnitten werden. Es ist so unrealistisch schön, dass noch keine Postkarte den Weg in die Regale gefunden hat mit einem Sujet dieser Landschaft. Kitschig schön.

Auf Postkarten sind die Hügel immer weiss. Weiss der Teufel warum. Als ob die Touristen aus Mallorca Feriengrüsse versenden würden mit einem Foto, auf dem nur zwei Gäste am Badestrand zu sehen sind. Wer das glaubt, der denkt auch, dass Käpt’n Iglo persönlich auf einem Kutter dafür sorgt, dass die Fischstäbchen in unsere Kühltruhe wandern. Oder, dass «ein M besser» besser ist. Item.

Wenn für die Ausübung des Wintersports kein (natürlicher) Schnee vorhanden sein muss, dann können die Schweizer Tourismusgebiete ihr Geschäftsmodell auch auf den Sommer ausweiten. Das würde vermutlich etwas mehr Energie für die Schneeproduktion benötigen, doch da wir es mit dem Atomausstieg nicht mehr so eilig haben wie auch schon … was soll’s? Araber und Chinesen bauen ganze Hallen mit Kunstschnee an Orten, die Frau Holle nicht einmal im Traum bereisen würde.

Warum nicht im nächsten Sommer Skifahren gehen? Wir könnten ja mit dem Tesla hinfahren und der Energieverschleiss der Schneekanonen würde wettgemacht durch den entfallenden CO2-Ausstoss des Flugzeuges, das uns an irgendeinen dummen Badestrand irgendwo weit weg geflogen hätte. Irgendwo hin, wo nicht einmal Schnee liegt. Sie, lieber Leserin, lieber Leser, werden gerade Zeuge einer Revolution des Schweizer Tourismus (oder: Tourismusses?). Die Idee ist schlicht bahnbrechend.

Na gut, wir wollen ja nicht schwarz malen – zumal wir uns mehr weiss wünschen – denn es gibt durchaus Schweizer Skigebiete mit genügend Schnee. Und vielleicht wollen die Leute im Sommer gar nicht Skifahren, sondern am Stand liegen und Eis essen. Diese Idioten.

Es ist wahr!

8. Oktober 2015

Mit dem Thema Geschichte ist es so eine Geschichte: Nahezu jeder interessiert sich dafür, doch niemand kann genau sagen, welche Ereignisse sich tatsächlich so abgespielt haben, wie sie uns übermittelt werden. Die einzig wahre Wahrheit zu kennen ist in etwa so einfach, wie den Beipackzettel eines Medikaments genau gleich zusammenzufalten, wie er ursprünglich in der Packung gelegen hatte. Ein Freund von mir war beim Militär übrigens Übermittler. Nicht einmal er weiss Bescheid. 

Im Endeffekt ist es eine Frage der Aufzeichnung. Das war bereits bei der Bibel so, einem Buch, das bekanntlich über achthundert Jahre alt ist: Sie enthält verschiedene Evangelista, – Lukas, Johannes, Matthäus und wie sie alle heissen. Diese sind nicht alle gleich, und selbst das Gleiche ist je nach Übersetzung anders. Wären zum Beispiel die Dokumente zur Schlacht von Marignano aus dem Hebräischen übersetzt worden, dann hätte vielleicht Island gewonnen. Oder Lenzburg. Matthäus hat übrigens am 15. November 2014 zum fünften Mal geheiratet (bei Redaktionsschluss war die Ehe intakt). 

Wer will, dass man ihm seine Geschichten glaubt, der wird Historiker. Darum studieren viele Lügner … na ja, lassen wir das. Menschen können im Fernsehen sehr, sehr dumme Dinge sagen, wofür man jeden Gast hochkant aus dem Restaurant werfen würde. Sobald hingegen am Bildschirm eingeblendet wird, der Sprecher sei ein Historiker, glauben wir ihm. Er muss es ja wissen. Oder andersrum: Wenn er es nicht weiss, wer sonst sollte es denn bitte schön wissen? – Na, also. 

Gemäss neuesten Erkenntnissen hatte Plato nicht gesagt «und sie dreht sich doch» sondern «verdreht sie [die Geschichte] doch». Und diesen Fakt können wir, liebe Leserin, lieber Leser, drehen und wenden, wie wir wollen: Er ist wahr. Punkt.

Suchen Sie!

27. September 2015

Was wir uns getrost fragen dürfen: Wie wurden früher eigentlich die Ereignisse dokumentiert? Wer zum Teufel hat das alles aufgeschrieben? Die Schlachten bei Murten, Sempach, Embrach, die Schlacht am Morgarten und die Schlacht im Vorgarten. Irgendwer muss sich ja die Mühe gegeben haben, das alles aufzuschreiben. 

Bei einer solchen Aufzeichnung objektiv zu bleiben, das muss einem Schreiberling schwer fallen. Man kann an den Burgunderkriegen herumbiegen, bis sich die Balken biegen, kann sich Napoleon schön reden und bei der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg seiner Kreativität freien Lauf lassen. Inzwischen steht die Behauptung im Raum, Wilhelm Tell sei eine erfundene Geschichte. Stellen Sie sich das einmal vor! Marignano ist übrigens ein Gewürz. 

Auffällig oft ist den Medien zu entnehmen, es sei «ein historisches Dokument» aufgetaucht, das dieses und jenes Ereignis der Geschichte in einem ganz neuen Licht zeige. Der interessierte Leser dürfte sich fragen, wie denn historische Dokumente auftauchen, einfach so, hunderte von Jahren später. Wurden die verlegt, in Bundesbern? Vielleicht hat die Putzfrau irgendeine Schublade geöffnet, aus Versehen, und das Bahnbillet eines Sempach-Kriegers gefunden. Der Zufall will es offenbar so. Ich muss gelegentlich die Küche aufräumen. 

Vielleicht geht es so ähnlich zu und her wie im Film «Tomb Raider», in dem die Heldin Lara Croft in unerforschte Gebiete vordringt und sodann Dinge entdeckt, die uns die Welt erklären. Am Schluss tappt der aufmerksame Zuschauer dennoch im Dunkeln, warum Angelina Jolie – die Lara Croft verkörpert – nicht in jeder Szene die gleiche Körbchengrösse hat (vielleicht erfahren dies Geschichtsfreunde in ein paar hundert Jahren, wenn «ein historisches Dokument» auftaucht). 

Zurück zur heiligen Schweizer Geschichte: Patrioten von Genf bis St. Gallen sei geraten, nach Dokumenten zu suchen, die beweisen, dass sich diejenigen Schlachten mit siegreichen Eidgenossen tatsächlich so zugetragen haben. Das ist insofern wichtig, weil es vermehrt unqualifizierte Stimmen gibt, die Heldentaten unserer Vorfahren infrage stellen. Also, suchen Sie, zu Ehren des Vaterlandes! Und sollten sie nichts historisch Relevantes finden, dann schreiben Sie halt selbst etwas. Das machen die anderen auch so.

Der Frühling ist im Kommen

22. Februar 2015

So bedeutend wie der Wintertourismus ist nicht einmal der Frühlingstourismus. Obschon viele Menschen fest davon überzeugt sind, den Frühlingstourismus zu spüren. Im Frühling liegt noch weniger Schnee als im Winter, in dem ja bekanntlich kein Schnee liegt. Frau Holle ist längst ausgesteuert. 

Womit wir bereits beim Problem angelangt wären: Kein Schnee. Während vor ein paar Jahren Schneekanonen des Teufels waren, haben inzwischen auch die Grünen bemerkt, dass es schlecht für die Ortspartei ist, wenn es den Ort nicht mehr gibt. Und so schneit es, wenn die Touristen kommen und nicht umgekehrt. Richtig so. 

Mit dem natürlich geschneiten Schnee ist allerdings auch der Erfolg der Schweizer Skisportler mehr und mehr geschmolzen: Die Ski-Alpin-Sportler rollen das (grüne) Feld von hinten auf, Paul Accola ist längst in der Politik und Simon Ammann hat sich verschanzt. Da besteht zwar absolut kein Zusammenhang. Aber es ist schlimm. 

Den meisten Feriengästen allerdings ist das vollkommen egal. Ihr Verhalten hat sich ohnehin stark verändert: Während der durchschnittliche Besucher früher zirka zwei Monate in den Bergen verweilte um sich zu erholen, bleibt er heute maximal einen Tag und besucht in dieser Zeit das Jungfrau Joch, besteigt die Eiger Nordwand und geniesst zum Schluss auf der Rigi ausgiebig ein Fondue, bevor er das Land schnurstracks wieder verlässt. 

Da kann man als Tourismusdirektor noch so schneien, die Zeiten ändern sich eben. Die Hotelbetten bleiben so kalt wie der Winter warm. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass sich dieser Sektor wohl umorientieren muss, früher oder später, zum Beispiel – eben – zum Frühlingstourismus. Wobei, warten Sie, im Frühling will fast niemand in die Ferien fahren. Die Leute sparen lieber, damit sie im Sommer irgendwohin reisen können. In die Wärme.

Denken Sie gross!

2. Januar 2015

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen: In hundert Jahren wird die Schweiz nicht grösser sein als heute. Dafür sind die Eidgenossen viel zu wenig imperialistisch. Zu engstirnig. Eine Vielzahl an Politiker predigt ständig von Öffnung und davon, dass man über den Tellerrand hinaus denken soll. Sobald es darum geht, dass die Schweiz ein anderes Land erobert, kneifen sie. Da können wir uns eine Scheibe von den Amerikanern abschneiden. 

In hundert Jahren kann viel passieren, innen- und aussenpolitisch. Die Innenpolitiker werden sich immer heftiger zerstreiten mit den Aussenpolitikern, weil der Platz im Land immer knapper wird und die Aussenpolitiker keinen Plan haben, welches andere Land man erobern könnte. Es soll ja nicht irgendein Land sein, sondern eines mit viel Platz, viel Sonne und allen Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung der Kehrichtsack-Gebühren. Zum Beispiel Indonesien. 

Dafür müsste Helvetien natürlich die Neutralität ausser Kraft setzen, temporär. So wie im zweiten Weltkrieg. Damit tun sich die Aussenpolitiker immer noch schwer, denn die Begriffe «Neutralität» und «Souveränität» müssen an der Politikerprüfung zirka tausend Mal skandiert werden, bei minus zehn Grad auf dem Sustenpass, mit fünfhundert Gramm Raclette im Mund. Das steckt in den Köpfen. 

Aus militärischer Sicht würde sich ein möglichst nahe gelegenes Land anbieten, weil die Stärken der Schweizer Luftwaffe auch in hundert Jahren noch vornehmlich am Boden zu finden sind. Die Grünen würden sich für Österreich aussprechen, weil der Treibstoffverbrauch für die Eroberung minimal gehalten werden kann und «die immer so nett sind». Deutschland würde insofern Sinn machen, weil die meisten Deutschen in der Schweiz arbeiten. 

Es kann natürlich auch umgekehrt herauskommen. Wenn wir Pech haben, dann wird die Schweiz innerhalb der nächsten hundert Jahren von den USA erobert. Wenn wir Glück haben, von China. Aber vielleicht, vielleicht wird sie weder grösser noch kleiner, sondern bleibt in den nächsten hundert Jahren einfach gleich wie heute.

Liebe Nation

28. Juli 2014

Am ersten August wendet sich der Bundespräsident an die Nation. Die Nation will das. Sie hat sich das verdient. Die Bürgernden (genau: «Studentinnen» und «Studenten» sind schon längst zu «Studierenden» geworden) haben ein Recht auf eine Rede des Bundespräsidentenden. Ein Grossteil der Jahresarbeitszeit von Didier Burkhalter wird denn auch dazu verwendet, diese wichtige Rede schreiben zu lassen.

 

Die Rede wird durch das Schweizer Fernsehen übertragen, und sie ist mittlerweile die einzige Sendung, mit der das Schweizer Fernsehen seinen eigentlichen Auftrag – dessen Wortlaut kein Normalsterblicher kennt, jedoch alle Billag-Mitarbeiter auf den Rücken tätowiert haben – erfüllt. Die Einschaltquoten liegen im Bereich einer Live-Übertragung von peruanischen Meerschweinchenrennen. Ungeschnitten.

 

Jedenfalls ist der Inhalt gegliedert in einen Teil zur gegenwärtigen Lage der Nation (kein Gripen, keine Hoffnung, keine Zukunft) und einen Ausblick (was tun, wenn die Zukunft trotzdem kommt, Europa ja oder ja, immer noch kein Gripen) und einen enorm enthusiastischen Schlusspunkt, der üblicherweise etwas lauter vorgetragen wird, damit die Zuhörenden wieder aufwachen, pünktlich zur folgenden Dokumentation über Kampfjets und die Bedrohung Europas (oder durch Europa, je nach Parteizugehörigkeit des Redners).

 

Am Ende ist für jeden etwas dabei, das er mitnehmen kann, und sei es auch nur ein Tinnitus. Das Gefühl der nationalen Einheit wird gestärkt und somit die Steuern auch dieses Jahr pünktlich bezahlt und die obligatorische Schiessübung absolviert (Achtung: Gehörschutz gegen Tinnitus!) Und nächstes Jahr hören wir eine noch eindrücklichere, noch bessere Rede, denn: Nächstes Jahr ist ja dann die Zukunft, trittst im Morgenrot hin oder her.

Schluss mit lustig

27. März 2014

Die beispiellose Erfolgsgeschichte des Antirassismus-Gesetzes beflügelt die Gesetzesschreiber zu neuen Glanztaten. In Planung sind der Anti-Unfreundlichkeits-Paragraph, die Anti-Antichristen-Verordnung sowie das Anti-«im-falschen-Moment-lachen»-Gesetz. Letzteres wird verhindern, dass Unbelehrbare im Publikum einer öffentlichen Vorführung dann lachen, wenn es einfach unpassend ist. Oh ja, die Juristen haben Blut geleckt.

 

Bei allen gilt: Wer nicht für diese Paragraphen ist, ist gegen sie. Jegliche Vorbehalte enttarnen den Bürger als gemeinen Rassisten, unfreundlichen Rüpel, Satanist oder Falschlacher. Es gilt, nun endlich Position zu beziehen und diesen Sauhaufen in unserer Gesellschaft in die richtigen Bahnen zu lenken. Ausmisten. Farbe bekennen. Das sind wir uns schuldig, schliesslich.

 

Gerade bei Theaterstücken nerven ewige Banausen, die «ohhh» oder «uhhh» rufen wenn auf der Bühne gerade der Nazi erschossen wird. – Bei solchen Szenen wird doch applaudiert! Wie soll man so etwas diesen … diesen … – also, ehrlich! Zur Diskussion steht in diesem Zusammenhang eine Art Prüfung, die der Kulturfreund bestehen muss, bevor er Stücken beiwohnen darf. So ähnlich wie die Hundehalter-Prüfung, nur ohne Bellen.

 

Für Kinobesucher wird die Prüfung natürlich auch gelten. Sie glauben gar nicht, was man da so erlebt. Als Leonardo Di Caprio in «Titanic» in diesem Eiswasser für immer versunken ist – Sie wissen schon – da hat doch tatsächlich einer im Saal lauthals herausgelacht. Alle haben sich dann nach ihm umgedreht und sehr, sehr böse geguckt, geradezu entsetzt. Da habe ich halt aufgehört. Item.

 

Zurück zu den Paragraphen. Bevor ich’s vergesse: Das Anti-Anti-Gesetz, welches Menschen, die gegen eines der Anti-Gesetze sind, in die Schranken weisen soll, wird demnächst im Parlament vernehmlasst. Aber das ist eine andere Geschichte, die erzähle ich Ihnen ein anderes Mal. – Oder, nein, warten Sie: Die erzähle ich Ihnen wohl besser gar nie.

So oder so

6. Februar 2014

Weitsicht ist gefragt, bei den eidgenössischen Abstimmungen im Februar. Wer zum Beispiel vorhat, demnächst zum Pflegefall zu werden, der sollte die sogenannte Einwanderungsinitiative ablehnen, weil viele Ausländer in Pflegeberufen tätig sind. Vielleicht würde es nach einem Ja auch weniger Pflegefälle geben. Denn nur wer gepflegt wird, ist ein Pflegefall. Alle anderen sind einfach Fälle.

Sie sehen: Die Sachlage ist komplex. Genauso ist es mit den Menschen, die im Gastgewerbe arbeiten. Sie sind auch komplex. Auf das vielbeklagte Beizensterben könnte das Kellnersterben folgen. Gemäss Prognosen bei der Rauchverbots-Initiative vor ein paar Jahren sollte es heute sowieso keine Bars und Restaurants mehr geben, Migration hin oder her. Item.

Andere Länder haben massiv weniger Probleme mit der Migration. Zum Beispiel Senegal. Oder Frankreich. In Frankreich gibt es die Fremdenlegion. Treten sie dort ein, kriegen Sie die französische Staatsbürgerschaft, blitzkriegartig, migratis. Natürlich hinkt dieser Vergleich so stark wie ein Veteran, denn die wenigsten möchten der Fremdenlegion beitreten und fast gar niemand möchte Franzose werden (schon nur wegen dieser eigenwilligen Sprache nicht).

Fest steht: Die verschiedenen Abstimmungen sind nicht aufeinander abgestimmt. Gleichzeitig zur Einwanderungsinitiative hätte man doch eine Initiative für den Bau einer neuen Stadt lancieren müssen, in der eine Million Menschen leben können. Oder eine Milliarde. Im Kanton Jura ist doch genügend Platz vorhanden. Aber nein, da sprechen die Leute ja auch französisch. Die Idee ist also nicht ganz zu Ende gedacht. Wie Eingangs gesagt: Weitsicht ist gefragt.

Jein

4. Februar 2014

Da wird mit Zahlen jongliert, dass es Herrn und Frau Schweizer ganz schwindlig wird ums Abstimmherz: Bern weiss offenbar immer noch nicht genau, wie viele Menschen 2013 in die Schweiz migriert haben. Luzern übrigens auch nicht. Manche politischen Parteien zählen die Grenzgänger mit dazu, manche die Familiennachzüge, manche die Welschen. Zwischen acht Tausend und acht Millionen wurde schon nahezu jede Zahl genannt, von beiden Seiten. Was wir wissen: Wir wissen es nicht.

Es kursieren je nach Meinungsmache auch ganz unterschiedliche Namen für die Initiative: Einwanderungs-, Abschottungs-, Abgrenzungs- und Übervölkerungsinitiative buhlen um die Gunst der Stimmbürger. Jeder Wortakrobat darf einen neuen Begriff erfinden bei diesem politischen «Scrabble». Die Debatte um das sprichwörtliche volle Boot bringt das Fass zum überlaufen. Am Schweizer Ufer des Bodensees wird ein zweites Lampedusa befürchtet.

Zuweilen hat die eine Partei ganz dreist das Plakatdesign der anderen kopiert, aus Ironie, worauf die andere Partei nicht minder schlau die Kopie nochmals kopiert hat, aus Zynismus. Das gehört offenbar zur Politik. Da wird mit harten Bandagen gekämpft, mit Migranten aufeinander eingeschlagen, sozusagen. Auf der Strecke bleibt der Stimmbürger, der die offiziellen Abstimmungs-Unterlagen durchlesen muss, um sich zu informieren. Schwarz auf Weiss. Eine Zumutung.

Die einen argumentieren, die S-Bahn sei wegen der Migranten überfüllt, die anderen entgegnen, das sei nur wegen der vielen Bahnfahrer. Eine Partei spricht von überteuerten Wohnungen, die anderen von einer Blase. Ein paar Ökonomen sogar von Blasenschwäche. Manche Schweizer sind so begeistert über die Einwanderung, dass sie am liebsten nochmals einwandern würden. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Würden mehr Wohnungen leer stehen, dann wären die S-Bahnen nicht überfüllt.

Darum ein Appell: Am 9. Februar unbedingt an die Urne migrieren! – Wobei: Das Abstimmlokal ist sicher total überfüllt. Oder abgeschottet.