Posts Tagged ‘Schnee’

Es ist Kunst

10. Februar 2018

Ein Schneemann muss aus Schnee gemacht sein. Basta. Was im ersten Moment selbstverständlich klingt, ist es bei näherer Betrachtung leider nicht: Wie oft werden unseren gepeinigten Augen künstliche Schneemänner vorgesetzt, zum Beispiel in Schaufenstern oder Einkaufszentren. Oder in Schaufenstern in Einkaufszentren. Sie sind aus Styropor oder anderen hässlichen Materialien gefertigt und sehen viel zu gleichmässig, viel zu schön aus, um echt zu wirken. Eine Schande.

Seit Jahren beglücken uns künstliche Weihnachtsbäume aus dem fernen China (Achtung: böse!), die nur halb so schön aussehen wie die eh schon halb so schön aussehenden (weil gefällt und damit tot) echten Tannen, die teilweise aus dem ebenfalls fernen Finnland hierhin gekarrt werden (ja, Herr Lehrer, wir haben mitgezählt, das macht insgesamt einen Viertel schön). Die famose Nordmann- ist der lieblosen Hong-Kong-Tanne gewichen. Die ist natürlich künstlich.

Also, der perfekte Schneemann muss aus Schnee gemacht sein, der irgendwann schmilzt. Das ist der Punkt. Es ist die Vergänglichkeit, die ihn perfekt macht. Wie bei einer blühenden Rose. Mit Silikonbrüsten ist es ähnlich. Oder, liebe Herren, schenken Sie Ihrer Liebsten etwa Blumen aus Kunststoff? Das fühlt sich irgendwie falsch an. Und ist unromantisch.

Um langsam zum Schluss zu kommen: Entweder ein Schneemann aus Schnee oder gar keiner. Das ist Ehrensache. Über Schneemänner, die aus Kunstschnee gefertigt wurden, lässt sich streiten, zugegeben. Und das mit den Brüsten … – na ja, darüber vielleicht ein anderes Mal. Ich wünsche Ihnen einen schönen Winter. Mit viel Schnee.

Weiss auf Grün

12. März 2017

So grün war der Wintersport noch nie. Mit gutem Gewissen können Herr und Frau Schweizer in die heimischen Berge fahren (Ausländer können es sich nicht mehr leisten) und die verschiedenen Grüntöne geniessen, die von dezent platzierten weissen Pisten durchschnitten werden. Es ist so unrealistisch schön, dass noch keine Postkarte den Weg in die Regale gefunden hat mit einem Sujet dieser Landschaft. Kitschig schön.

Auf Postkarten sind die Hügel immer weiss. Weiss der Teufel warum. Als ob die Touristen aus Mallorca Feriengrüsse versenden würden mit einem Foto, auf dem nur zwei Gäste am Badestrand zu sehen sind. Wer das glaubt, der denkt auch, dass Käpt’n Iglo persönlich auf einem Kutter dafür sorgt, dass die Fischstäbchen in unsere Kühltruhe wandern. Oder, dass «ein M besser» besser ist. Item.

Wenn für die Ausübung des Wintersports kein (natürlicher) Schnee vorhanden sein muss, dann können die Schweizer Tourismusgebiete ihr Geschäftsmodell auch auf den Sommer ausweiten. Das würde vermutlich etwas mehr Energie für die Schneeproduktion benötigen, doch da wir es mit dem Atomausstieg nicht mehr so eilig haben wie auch schon … was soll’s? Araber und Chinesen bauen ganze Hallen mit Kunstschnee an Orten, die Frau Holle nicht einmal im Traum bereisen würde.

Warum nicht im nächsten Sommer Skifahren gehen? Wir könnten ja mit dem Tesla hinfahren und der Energieverschleiss der Schneekanonen würde wettgemacht durch den entfallenden CO2-Ausstoss des Flugzeuges, das uns an irgendeinen dummen Badestrand irgendwo weit weg geflogen hätte. Irgendwo hin, wo nicht einmal Schnee liegt. Sie, lieber Leserin, lieber Leser, werden gerade Zeuge einer Revolution des Schweizer Tourismus (oder: Tourismusses?). Die Idee ist schlicht bahnbrechend.

Na gut, wir wollen ja nicht schwarz malen – zumal wir uns mehr weiss wünschen – denn es gibt durchaus Schweizer Skigebiete mit genügend Schnee. Und vielleicht wollen die Leute im Sommer gar nicht Skifahren, sondern am Stand liegen und Eis essen. Diese Idioten.

no comment

24. Februar 2015

Canon_17_01_2015 043

Irgendwo im Kanton Bern, 2014

Es schneit H2O

31. Januar 2010

Zeit für Sentimentalitäten. Es schneit. Was ja eigentlich blöd ist, also, nicht dass es schneit, sondern, dass es nicht heisst „er schneit“, so wie in allen anderen, anständigen Sprachen. Wobei ich zugegeben nicht vieler Fremdsprachen mächtig bin. Klingt einfach gut. Sächlich ist unwichtig, überflüssig. Nebensächlich und neutral halt. Egal. Jedenfalls schneit’s.

Jetzt kann man natürlich melancholisch aus dem Fenster glotzen und denken „oh, oh, es schneit“ und dann „nein, nein, das sieht schon recht kalt aus und heute gehe ich ganz bestimmt nicht vor die Türe“, was natürlich ein vollkommen unüberlegter Gedanke ist. Unüberlegter Gedanke. Denn einerseits steht der Briefkasten ausserhalb des Hauses, und der wird mit an Sicherheit angrenzender Wahrscheinlichkeit nicht auf die Idee kommen, die Sonntagszeitung hereinzubringen. Sie wissen schon, die Zeitung „Sonntag“, die manchmal Interviews macht mit Joseph Blatter (vergl. Artikel „Torrekord? Torrekord!“) und die sich meiner Meinung nach (die bekanntlich unfehlbar ist) einen an Blödheit kaum zu übertreffenden Namen gegeben hat. Sonntag. Blödtag. Dummtag. Scheisstag. Jedenfalls wenn er schneit.

Beim Anblick von Schnee kommt mir immer in den Sinn, was uns als Kinder immer gesagt worden ist: „Junge, sieh mal diese vielen Schneeflocken. Jeder einzelne, kleine Eiskristall ist einzigartig. Siehst du, das sind Tausende. Es gibt keine, die gleich sind“. Anfangs habe ich das geglaubt, später habe ich daran gezweifelt, weil es ja x-Milliarden sind, und noch später, als sogenannt Erwachsener, ha ha, habe ich herausgefunden: Es ist so etwas von scheissegal.

Kindern kann man ja alles erzählen. Ich habe kürzlich versucht, einem Fünfjährigen zu erklären, dass Wasser drei verschiedene Zustände haben kann. – Nicht ganz trivial. Uns wurde jeweils erzählt, dass wenn man Kirschen isst und danach Wasser trinkt, dass man dann – man lese und staune – dass man dann den Blinddarm kriegt. Also, eigentlich hat man den ja schon, aber das sagt man dann so im Volksmund, will heissen: Das unwissende Kirschen-Wasser-Opfer kriegt fürchterliche Bauchschmerzen und muss sich eben diesen Fortsatz wegoperieren lassen. Oder stirbt. Angeblich haben die Welschen (Westschweizer) mit dieser Geschichte angefangen und die hat sich dann so in den Köpfen festgesetzt. Sogar in der deutschsprachigen Schweiz, die ja aus verständlichen Gründen nicht eben alles glaubt, was die Romands so sagen. Vermutlich sind die Welschen am Grossteil des Elends dieser Welt schuld.

Jedenfalls geht man dann trotzdem nach Draussen. Um mit den Kindern zu rodeln. Oder Schlittenfahren meinetwegen. Und man friert dann und steht sich die Beine in den Bauch (was ja dann irgendwie auch nicht sonderlich gut für den Blinddarm sein kann) weil man nicht mitrodeln kann aufgrund irgendeines Problems. Die Gründe können vielfältig sein: Es soll Menschen geben, die haben Angstzustände, wenn sie unebene Flächen sehen, was gerade beim Versuch, zu rodeln, zu Interessenkonflikten mit physikalischen Gesetzen führen kann. Andere Menschen haben ein Schlitteltrauma aus der Kindheit. Vielleicht sind die mal in eine Eiche gefahren oder so. Oder in eine Tanne. Und machen Menschen mögen das einfach nicht (also, das Rodeln, nicht das In-eine-Eiche-fahren, aber auch). Das ist legitim. Es gibt ja auch Menschen, die mögen kein Heliskiing. Oder Wasserskifahren.

Na gut, lassen wir das mit dem Wasser. Wasser lassen.