Posts Tagged ‘Satire’

Ice Ice Baby

18. Februar 2018

Hand aufs Herz: Am imposantesten sind doch diejenigen olympischen Disziplinen, bei denen die Sportler grosse Risiken eingehen. Langlauf zum Beispiel heisst so, weil stundenlang nichts geschieht und es für den Zuschauer rasch langweilig wird. Mit etwas Glück schiesst sich beim Biathlon ein Sportler in den Fuss oder beim Curling verstaucht sich einer den Mittelfinger. Viel passiert da nicht. Da sind diejenigen Disziplinen, bei denen ein paar Waghalsige auf Eis irgendwo hinunterfahren weit interessanter.

Beim Skeleton zum Beispiel liegen die Fahrer bäuchlings auf einem sehr kleinen Schlitten und fahren mit bis zu fünfhundert Kilometern pro Stunde den Eiskanal hinunter. Wenn da einer kippt und auf dem Eis … – das ist wie Beton, wissen Sie, nicht auszudenken. Skeleton sieht so unerträglich doof aus, dass der Grossteil der Zuschauer immerzu darauf hofft, dass etwas Schlimmes passiert. Skeletor ist – das wird von Sport-Laien nicht selten verwechselt – der Comic-Bösewicht aus «Masters of the Universe».

Beim Rennrodeln hingegen liegen die Sportler rücklings auf dem Gerät, was auch nicht wesentlich eleganter aussieht. Auch hier geht es um Hundertstel-Sekunden, weshalb der Luftwiderstand äusserst gering gehalten werden muss und eng anliegende Anzüge getragen werden. Männliche Pornostars sehen deshalb für gewöhnlich von einer Zweit-Karriere im Rodeln ab. Ein Radler ist übrigens Bier gemischt mit Zitronenlimonade, was ihnen jeder zweitklassige Après-Skifahrer wortreich erklären kann.

Apropos Apéro: Viererbob-Athleten sehen sich beim Après-Bob (sie fahren ja nicht Ski) ständig blöden Witzen ausgesetzt, von wegen «am Schönsten haben es die beiden mittleren Fahrer, ha ha ha» und dergleichen. Es ist einfach primitiv. Tatsächlich ist der Bobsport in diesen Belangen noch lange nicht so fortgeschritten wie zum Beispiel Fussball. Bis heute hat noch kein einziger Bob-Schiedsrichter im «Blick» sein Outing gewagt. Da wagt sich keiner aufs Glatteis.

Insgesamt lässt sich aus rein sportlicher Sicht konstatieren, dass alle Menschen, die mit einer Geschwindigkeit von über hundert km/h einen Eiskanal hinunterbrettern, entweder sehr mutig oder total bescheuert sind. Oder beides. Am ehesten könnte ich persönlich mir die Fahrt in einem Viererbob vorstellen, weil man da noch schützendes Blech – oder Karbon meinetwegen – um sich herum hat. Wär schon toll, ehrlich gesagt. – Aber irgendwie ist mir das zu schwul.

Tun Sie etwas!

26. Oktober 2015

Jetzt kann ich nicht mehr schweigen. Jetzt muss einfach etwas geschehen, es ist die moralische Pflicht von jedem Einzelnen. Wutbürger mutieren zu Empörungsbürgern, Politiker reden und Aktivisten aktivieren. Derweil schimpfen die einen die anderen «Gutmensch», während die anderen mit «Nazi» antworten. Grenzwächter Stossen an ihre Grenzen. 

Europa hat versagt. Und weil dieser Satz so dramaturgisch, so wegweisend klingt, wiederholen wir ihn gerne: Europa hat versagt. Natürlich haben auch wir keine Idee, wie man die Probleme lösen könnte, nein, aber schimpfen können wir allemal. Es ist unsere Pflicht, die Dinge endliche beim Namen zu nennen, um Himmels willen! Die Politik ist gefragt! Man müsste, man sollte, tut doch mal! 

Ja, natürlich verhungern in Afrika jeweils Kinder. Klar. Aber die werden doch nicht am Badestrand unseres Ferienortes angespült, verdammt nochmal! Das sind ja keine Flüchtlinge. Tut doch endlich etwas, sammelt, spendet, helft! Und wenn ihr prominent seid, Freunde, dann macht auf Twitter oder auf Facebook ein Statement für die Menschlichkeit. Sagt uns, dass auch wir – die wir doch nicht prominent sind – in der Verantwortung stehen. Auf euch hört man. Wir erwarten das. 

Jeder Einzelne ist angesprochen. Und doch ergibt die Summe aller Einzelnen nicht die Gesamtbevölkerung. Ein paar mogeln sich heraus. Also, genau gesagt mogelt sich der Grossteil jedes Einzelnen heraus. Eine Schande aber auch! Ihr Nachbar zeigt sich vielleicht nicht solidarisch, dieser Egomane. Oder Ihr Arbeitskollege hat in der Kaffeepause angemerkt, den Einzahlungsschein der Glückskette auf den Stapel für die Papiersammlung gelegt zu haben, flüchtig. Ja, das Böse ist allgegenwärtig. 

Darum hier und jetzt ein Appell: Tun Sie etwas, liebe Leserin, lieber Leser! Handeln Sie! Denn nur reden nützt nichts. Nur schreiben auch nicht.

Sie sind hier!

6. April 2014

Mann 1:       Hören Sie!

Mann 2:       Wie bitte?

M1:               Sie sind bereits hier!

M2:               Wer, wer ist bereits hier?

M1:               Sie!

M2:               Natürlich bin ich hier, ich stehe direkt vor ihnen.

M1:               Nein, nicht Sie, die Ausserirdischen!

M2:               Ach so, die Ausserirdischen, natürlich.

Schluss mit lustig

27. März 2014

Die beispiellose Erfolgsgeschichte des Antirassismus-Gesetzes beflügelt die Gesetzesschreiber zu neuen Glanztaten. In Planung sind der Anti-Unfreundlichkeits-Paragraph, die Anti-Antichristen-Verordnung sowie das Anti-«im-falschen-Moment-lachen»-Gesetz. Letzteres wird verhindern, dass Unbelehrbare im Publikum einer öffentlichen Vorführung dann lachen, wenn es einfach unpassend ist. Oh ja, die Juristen haben Blut geleckt.

 

Bei allen gilt: Wer nicht für diese Paragraphen ist, ist gegen sie. Jegliche Vorbehalte enttarnen den Bürger als gemeinen Rassisten, unfreundlichen Rüpel, Satanist oder Falschlacher. Es gilt, nun endlich Position zu beziehen und diesen Sauhaufen in unserer Gesellschaft in die richtigen Bahnen zu lenken. Ausmisten. Farbe bekennen. Das sind wir uns schuldig, schliesslich.

 

Gerade bei Theaterstücken nerven ewige Banausen, die «ohhh» oder «uhhh» rufen wenn auf der Bühne gerade der Nazi erschossen wird. – Bei solchen Szenen wird doch applaudiert! Wie soll man so etwas diesen … diesen … – also, ehrlich! Zur Diskussion steht in diesem Zusammenhang eine Art Prüfung, die der Kulturfreund bestehen muss, bevor er Stücken beiwohnen darf. So ähnlich wie die Hundehalter-Prüfung, nur ohne Bellen.

 

Für Kinobesucher wird die Prüfung natürlich auch gelten. Sie glauben gar nicht, was man da so erlebt. Als Leonardo Di Caprio in «Titanic» in diesem Eiswasser für immer versunken ist – Sie wissen schon – da hat doch tatsächlich einer im Saal lauthals herausgelacht. Alle haben sich dann nach ihm umgedreht und sehr, sehr böse geguckt, geradezu entsetzt. Da habe ich halt aufgehört. Item.

 

Zurück zu den Paragraphen. Bevor ich’s vergesse: Das Anti-Anti-Gesetz, welches Menschen, die gegen eines der Anti-Gesetze sind, in die Schranken weisen soll, wird demnächst im Parlament vernehmlasst. Aber das ist eine andere Geschichte, die erzähle ich Ihnen ein anderes Mal. – Oder, nein, warten Sie: Die erzähle ich Ihnen wohl besser gar nie.

Armee der Schenkelklopfer

12. März 2014

Die Zeiten ändern sich eben. Früher war ein Witz ein Witz. Heute ist er eine Gratwanderung. Und jeder, der schon einmal auf einem Grat gewandert ist, weiss zu gut, dass es erst bei einem Fehltritt so richtig lustig wird. Rechts oder links, ganz egal. Noch nie war politische Korrektheit so unlustig wie heute. Konsequent. Wir gehen zum Lachen in den Bunker.

Der Scheiss-Neger ist tot, es lebe der Exkrement-Starkpigmentierte! Im Namen eines neuen, korrekten Bewusstseins. Unsere Kinder spielen nicht mehr «Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann» sondern «war hat Angst vor dem bösen Mann». Das ist ein Unterschied. Und tatsächlich: Wir sind bessere Menschen geworden. Der Schoko-Kuss schmeckt einfach besser als der Mohrenkopf.

Die neue Denke gefällt, das Publikum hat verstanden: Die Mehrheit lacht nicht mehr bei Witzen über Minderheiten, sondern bleibt stumm bei Witzen über sich selbst. In Arbeit ist der genormte Humor, nach DIN. Nein, lustig ist das nicht. Aber total in Ordnung. Man kann schliesslich auch über andere Dinge lachen, zum Beispiel über … -ach was, wissen Sie, ich habe keine Lust mehr, irgendwie.

#251

24. März 2012

Oh je. Oh je. Soweit haben wir es gebracht: 250 Artikel auf dem unfehlbaren Blog. Ein Jubiläum! Ein Jubiläum?

250 Mal Stichelei

250 Mal Versöhnung

250 Mal Rassismus

250 Mal Ironie

250 Mal Satire

250 Mal Wahrheit oder was man immer darunter verstehen mag. Meine Wahrheit halt. Mit einem Augenzwinkern.

Sei es nun ein gutes oder schlechtes Zeichen, viel zu posten. Oder viel gelesen zu werden. Oder wenig, je nach Perspektive.

250 Artikel – und kein bisschen weise. – Trinken wir auf die nächsten 250! Prost, liebe Leserschaft!