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Ei ei ei.

30. Oktober 2013

Als das Ei geboren wurde … nein: Als das Huhn zerschlagen war … nein, so geht das natürlich nicht. – So nicht! Wichtige Fragen soll man seriös angehen und bei deren Beantwortung muss auch möglichst ernst geguckt werden, der Glaubwürdigkeit halber.

Wobei gerade die Glaubwürdigkeit das eigentliche Problem ist. Eigelb enthält mehr Eiweiss als Eiweiss. Das weiss inzwischen jeder. Und das Eigelb trägt im Grunde genommen ja die Farbe Orange. Oder Gelb. Ausserdem ist Eiweiss nur bei gekochten Eiern weiss, sonst ja eher durchsichtig. Da soll noch einer den Durchblick behalten.

Ein bekannter Telekommunikationsanbieter heisst im Übrigen auch Orange und unser goldenes Kalb unter den Smartphones trägt den Namen eines Apfels. Niemand will hier etwas verschreien, aber logisch ist das nicht. Man darf getrost die Behauptung aufstellen, ein Telekommunikationsanbieter wäre nicht sonderlich attraktiv auf die Kundschaft, wenn er Banane heissen würde. Oder Ananas.

Ach ja, wir waren beim Huhn. – Also: Beim Ei. Würde man den gesamten Sauerstoff , der von allen Menschen diese Welt verbraucht wird, um die Frage zu erörtern, ob zuerst das Huhn oder das Ei war, einsparen, dann könnte man erwiesenermassen den Methangas-Ausstoss aller argentinischen Rinderherden während eines ganzen Jahres neutralisieren. Kein Witz. Der Slogan «Rinderwinde gegen Unwissen» könnte alsbald Schule machen.

Von den Printmedien haben wir noch gar nicht gesprochen. Papier ist nämlich viel Geduldiger als es Rinder sind. Im Kontext mit der Hühnerei-Frage lässt sich getrost feststellen, dass wir jetzt vollkommen den Faden verloren haben. Wir eiern ja nur noch herum. Auf Wiedersehen.

Chronologie des Wahnsinns

23. September 2010

Als sich die Rinder entschlossen, dem Wahn zu verfallen, waren sich nicht alle auf Anhieb einig. Es wurde demokratisch abgestimmt, der Legende zu folge, die natürlich nicht stimmen kann, weil die Geschichte bekanntlich in Grossbritannien ihren Ursprung hat: Die Minderheit ging sich zu McDonald’s aufwärmen; die anderen erfanden BSE. Eine Pioniertat.

Der Wahnsinn wurde mehr und mehr zur Normalität, wurde sozusagen salonfähig, weil ihm immer mehr verfielen (was böse Zungen dazu verleitet, Parallelen zum Schweizer Volk zu ziehen. Aber das ist eine andere Geschichte). Angst regierte die Gabelspitze, Rindfleisch aus dem Land der Teetrinker zu konsumieren war gleichbedeutend wie ein Bad im Golf von Mexiko.

Vegetarier applaudierten und sahen sich darin bestätigt, dass der Mensch keine toten Tiere essen sollte, auch keine lebenden, und täglich wurden Meldungen von an Wahn erkrankten Leuten publik. Selbst Menschen, die noch nie Rindfleisch gegessen hatten, wurden wahnsinnig, schon nur beim Gedanken daran.

Es war ein Stich ins Herz der Zivilisation. Wenn in Somalia eine neuartige Pest ausbricht, dann sind wir so etwas von betroffen, können damit jedoch umgehen. Aber die Todesgefahr auf dem eigenen Teller? – Das geht gar nicht. Selbst die Schweiz – die weder bei Weltkriegen noch sonst wo mitmacht – blieb nicht verschont: Därme aus Brasilien durften nicht mehr zur Nationalwurst namens Cervelat verarbeitet werden. Ein Schelm, wer hier von einem Marketing-Gag spricht.

Und plötzlich war alles vorbei, plötzlich konnten wir aufatmen. Die Gefahr war vorbei, die Cervelat gerettet. Alles war gut. – Oder andersrum: Es war Zeit für einen neuen Lebensmittelskandal.