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Diese Suppe ess ich nicht

17. September 2016

Schwimmt tatsächlich ein Haar in der Suppe, so gilt es in erster Linie, die Emotionen im Zaum zu halten und Ruhe zu bewahren. Angebracht ist ein besonnenes, methodisches Vorgehen, bevor wir zu einer allfälligen Reklamation überschreiten. Als erstes sollte die nicht unwesentliche Frage geklärt werden: Befinden wir uns in einem Restaurant oder zu Hause?

Sofern die Suppe auswärts serviert wurde, gilt es, festzustellen, ob es sich um eine Ochsenschwanzsuppe handelt, weil durch die Antwort die Herkunft des Haares gegebenenfalls hergeleitet werden könnte. Das mag einfach klingen, doch in vielen Lokalen sind Ochsenschwanzsuppen nicht auf Anhieb von Spargelkrem-, Kürbis- oder Haferschleimsuppe zu unterscheiden (wer in aller Welt baut das Wort «Schleim» in den Namen einer Speise). In machen Lokalen übrigens auch nicht von Schnitzel Pommes Frites.

Gut, angenommen es handle sich um eine ganz normale Suppe, ohne Ochse, Schwanz, Kuh oder sonstwas haariges. Haben wir es mit einem Kopfhaar zu tun oder stammt das Haar unter Umständen von einer Stelle, über die wir beim Essen lieber nicht nachdenken mögen und an die selten bis gar nie die Sonne hinscheint? Diese Frage muss natürlich vorsichtig angegangen werden. Im Zweifelsfalle helfen gezielte Annahmen oder fundierte Mutmassungen.

Sehen wir uns zum Beispiel mit einem langen, dunklen Kopfhaar konfrontiert und der Koch trägt seit Jahren Bürstenschnitt und die junge Kellnerin hat lange, blonde Haare (und lange Beine und die Masse 90-60-90), dann seien wir doch nachsichtig uns lassen die Beschwerde bleiben. Das Haar in der Suppe kann – daran könnte selbst «Derrick» nichts ändern – schlicht und einfach nicht vom Restaurant-Personal stammen. Die Aufregung lohnt sich nicht.

Hat im oben genannten Fall die Kellnerin dunkle Haare: Ebenfalls nicht beschweren, sondern das Doppelte an Trinkgeld geben. Das Haar stammt vermutlich von uns selber, als wir mit vehementem Kopfschütteln die Frage nach dem Salzstreuer verneint haben, über den Teller gebeugt. Und die eigenen Haare, liebe Leserin, lieber Leser, sind ja nun wirklich nicht eklig.

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