Posts Tagged ‘Psychologie’

Fleisch ist mein Gemüse

5. Mai 2010

Okay, okay, der Titel dieses Artikels ist von einem Buch geklaut (Heinz Strunk – Fleisch ist mein Gemüse, rororo-Verlag, übrigens nicht sonderlich empfehlenswert). Sie nehmen mir das nicht übel, ich weiss. Heute geht’s um etwas ganz Besonderes. Das Schöne daran: Jeder kann es austesten, nachvollziehen, sich seine eigenen Gedanken darüber machen. Mich selbst hat ein Kollege darauf gebracht.

Es geht ums Essen. Vertrauensfrage: Was essen Sie zuerst, wenn Sie den vollen Teller vor sich haben? Zuerst ein Stückchen vom Fleisch (sofern Tieresser), zuerst ein Stückchen vom Gemüse, Kartoffeln, Wasweissich? Bemerkenswert ist ja, dass sich das Schema nicht verändert. Die Gewohnheit bleibt sich gleich, denn jeder beginnt sein Mahl immer gleich. Und die Wenigsten – das ist eine Behauptung – wissen, wie sie beginnen.

Testen Sie das aus. Machen Sie sich zuerst bewusst, wie Sie selbst funktionieren. Und dann beobachten Sie einmal die Menschen in Ihrem Umfeld, mit denen Sie zu essen pflegen. Es ist immer gleich. Ja, es ist immer gleich. Der Mensch funktioniert so.

Als Kind (oh je, jetzt kommt der wieder mit seinen Selbstoffenbarungen) habe ich jeweils stufenweise gegessen. Zuerst jene Speisen, die ich am wenigsten mochte, zum Beispiel Spinat. Am Schluss das Fleisch. Das Problem ist offensichtlich. Gegen den Schluss war ich jeweils fast satt und konnte das Fleisch (was ich ja am besten mochte) nicht mehr essen. Oder zumindest nicht mehr richtig geniessen. Ergo kein guter Ansatz.

Bestimmt gibt es da irgendwelche psychologisch fundierten Theorien, die – unter Einbezug von Kindheit, Farbenlehre, Verdauung und Erdrotation – das Essverhalten des individuums ergründen können. So weit wollen wir hier nicht gehen, sicher nicht. Hier und jetzt geht es lediglich ums Bewusstsein des Einzelnen. Als ob wir wüssten, welchen Schuh wir morgens zuerst anziehen. – Ach ja: Wissen Sie das?

Klar, am Ende können wir hingehen und sagen, dass das alles so etwas von scheissegal ist. Und weiteressen und weiter Schuhe anziehen und uns nichts dabei denken. Ist ein Ansatz. Legitim. Oder wir können hinsehen, einfach so, aus welchem Grund auch immer. – Guten Appetit!

Die Kapitulation der Selbstverantwortung

3. März 2010

Alles hat seinen Grund. Sicherlich. Meistens sind es sogar mehrere Gründe, die zusammen spielen. Und wenn du dich in diesem Moment am Ohr kratzt, – es hat einen Grund. Wenn du dich fürs Lesen anstelle des Fernsehens entschieden hast, – es hat seinen Grund. Seien es Reflexe, anerzogene Gewohnheiten, scheinbar freiwillige Taten, so sind sie alle ergründbar.

Natürlich wollen wir das nicht, alles ergründen. Und natürlich wollen wir es nicht wahrhaben, nicht glauben. Wir bilden uns ein, frei entscheiden zu können. Doch hat eine so genannte freie Entscheidung eine Entstehungsgeschichte, die aus tausend Gründen besteht, eine Art von Puzzle. Ergo ist eine freie Entscheidung nur die logische Folge aus deinen Erinnerungen, anerzogenen Reflexen usw.

Theoretisch liesse sich folglich auf Grund der Millionen von Eindrücken, die einem Menschen im bisherigen Leben widerfahren sind, mathematisch die Reaktion auf eine vorgegebene Aktion bestimmen.

Glaube mir. Bitte!