Posts Tagged ‘Pissoir’

Neulich bei McDonald’s

31. August 2014

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Na ja, man kann’s auch übertreiben mit der Werbung für wasserlose Pissoirs …

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Pissoir Rating #15, Kino Rex, Burgdorf BE

19. August 2014

Meine Herren, wenn Sie ins Kino Rex in Burgdorf gehen, dann nehmen Sie Bargeld mit. Wer bezahlt schon Kinokarten mit Karte, nur Bares ist Wahres. Doch zum Wesentlichen: Im Kellergeschoss wartet eine echte Perle auf den Pinkelfreund, so schlicht und ehrlich, einfach und zweckmässig. Nein, Wohlgefühl muss nicht mit Modernität einher gehen!

Die Spülung funktioniert mit einem Drehhahn – wann haben wir das zum letzten Mal gesehen? – Herrlich. Schon damals – das Gebäude stammt vermutlich aus den Dreissigern – wurde auf die Dreierregel acht gegeben. Vom Design ganz zu schweigen: Vintage-Chic auf ehrlich unfreiwillige Art. Musik: Pustekuchen! Duftsteine und unnützer Firlefatz ebenfalls. Weisse Fliesen, und: Keine Tags und Schmierereien.

In unserer Wertung schlägt denn auch die puristische Einfachheit zu Buche: Wir verleihen Note 5.5 und katapultieren mit diesem Rating die Toilettenanlage des Kino Rex auf den Olymp des Pissoir Michelins. Sauberkeit gepaart mit einem nostalgischen Touch – eine Freude für Männerherzen. Burgdorf, das Tor zum Emmental, bietet eben mehr als nur ein Kino ohne Kartenleser. Probieren Sie es aus! Der Film war übrigens super. Aber wen interessiert das schon.

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Kino Rex, Burgdorf, 2013

 

Pissoir Rating #13, Caffé Florian, München

9. Oktober 2012

München, das ist nicht nur gepflegtes Biertrinken am Oktoberfest, nein, weit gefehlt. Der anspruchsvolle Pinkelfreund findet eine überraschend gepflegte Urinierkultur vor – zumindest im Caffé Florian in Schwabing (http://www.caffe-florian.de/).

Was im Lokalinnern implizit an Schickimicki angekündigt wird, bewahrheitet sich spätestens beim Gang zum Wasserlassen: Stilvoll, etwas kühl vielleicht und angestrengt nüchtern stehen dem Gänger ein paar formschöne Pissoirs zur Auswahl. Pluspunkte bringt sicherlich der diskret abgerundete, in bläulichem Milchglas gehaltene Sichtschutz, der Längenvergleiche und allzu heftige Emissionen flüssiger Natur zu verhindern weiss. Der Nachbar dankt.

Was den einen Freudentränen in die Augen treibt, ruft bei den anderen Brechreiz hervor: Die – zugegeben etwas lieblos – zugefügten Duftsteine dürften in Expertenkreisen für abendfüllende Diskussionen sorgen. Tatsächlich irritieren die WC-Accessoires die Zielgenauigkeit und vor allem die Nasenschleimhäute des Gastes enorm. Nicht eben von ästetischem Vorteil sind die billigen Plastikgitterchen, die das Absinken eben dieser Duftsteine zu verhindern wissen (die Kanalratten werden der Menschheit dafür danken). Das gibt natürlich Abzüge.

Nichtsdestotrotz vergeben wir dem stillen Örtchen des Caffé Florian eine gut gesinnte 4.5, was es in den oberen Bereich der Rangliste unseres Pissoir Michelins katapultieren dürfte. Die Sauberkeit schlägt sicherlich als grosses Plus zu Buche. Also: Hingehen uns sich selber überzeugen. Auf Wiederlassen!

Pissoir Rating #12, Lirum Larum, Bern

29. Juni 2012

Ein Lichtblick für Teile des Mannes, die das Tageslicht in der Regel nicht allzuoft erblicken ist zweifelsohne das Lirum Larum an der Kramgasse 19 in Bern. Das Café selbst ist übrigens sehr schön und zweifelsohne einen Besuch wert. Aber kommen wir zu den elementaren Dingen: Für die Toilettenanlage – aus architektonischer Sicht eher seicht und nicht sonderlich herausragend – hat sich Managerin Alice Schwarzer etwas besonderes für die Zielbecken einfallen lassen. Directors Cut. Oder: Die Geburt des gepflegten Pissoirhumors. Ja, das mit Alice war ein Scherz, sorry.

Das Ganze erinnert ans Autotuning: Aus einer genormten 0815-Schüssel (z.B. Golf GTI) wird nach ein paar wenigen, stylischen Anpassungen ein Augenfang, worin man gerne sein Geschäft verrichtet (okay, okay, bleiben wir anständig). Der Vergleich hinkt ohnehin, weil getunte Autos im Volksmund eher als Verlängerung gelten, nicht als Kürzung. Auf dem zweiten Pissoir der Anlage ist übrigens ein Fleischwolf abgebildet.

Sanfte Gemüter sollten dieses Café nur mit bereits entleerter Blase besuchen. Es wurde bereits von traumatisierenden Pinkelerlebnissen berichtet. Das Repertoire reicht vom desillusionierenden Harnstau bis zu Alpträumen, die mit nicht zugelassenen Medikamenten behandelt werden mussten. Manch einer kommt etwas nachdenklich zurück an den Tresen nach dem Wasserlassen. Aber wer will schon kritisch sein.

Wer als akustische Untermalung Musik à la Hitchcocks Psycho erwartet hätte, sieht sich enttäuscht. Es rieselt die normalste Musik der Welt auf den Pinkler hernieder – so normal, dass sich der Bewerter nicht einmal daran erinnern kann. Das gibt Abzüge. Insgesamt werfen wir jedoche eine glatte 5 ins Rennen. Denn die Idee ist in der eher düsteren eidgenössischen Pissoirlandschaft ein heller Schein am Horizont. Bravo!

schnipp schnipp

schnipp schnipp

Pissoir Rating #9 – McDonald’s Restaurant, Zeitglockenlaube Bern

21. April 2010

Bern ist schön. Unbestritten. Und gerade bei Touristenmagneten wie dem Zeitglockenturm werfen Kenneraugen natürlich einen besonders kritischen Blick auf die sanitären Anlagen. Ausländische Herren sollen ja zu Hause von prägenden Erlebnissen erzählen können. Da drängt sich ein Rating bei einer urschweizerischen Institution geradezu auf.

Hand in Hand mit der Frage, warum neben nahezu allen historischen Monumenten oder Sehenswürdigkeiten dieser Welt (als ob ich das wüsste!) entweder eine Starbucks- oder eben eine McDonald’s-Filiale steht. Auf diese Frage kann und will ich nicht eingehen, weil dies unweigerlich in politische Sphären führen würde, was niemand, niemand von uns will, glauben Sie mir.

Na gut, McDonald’s-Filialen hatten wir schon Mal im Rating. Und so grosse Unterschiede kann es ja nicht geben, oder? Die Fastfood-Kette ist ein sicherer Wert in Sachen Sauberkeit. Was mir bis anhin nicht aufgefallen ist in anderen Filialen: Das Wickelbrett ist – wie in den Couchette-Nachtzügen das Bett – zur Wand hinaufgeklappt und lädt zum Verweilen ein. Im Unterschied zu vielen anderen Orten ist bei McDonald’s der Wickelraum nicht im Damen-WC untergebracht. Von wegen Diskriminierung Kinderscheisse-Putzender Männer. Danke, Alice Schwarzer! (ach, nein, Du bist ja gegen Kinder, sorry).

Ebenfalls positiv schlägt sich das ungemein gute Gefühl des wasserlosen urinierens nieder. Genauer gesagt, das Verrichten des kleinen Geschäfts in sogenannte Urimate, die Chemie sei Dank ohne Wasser funktionieren, was McDonald’s (vergl. auch Pissoir Rating Autobahnraststätte Kölliken) jedem Säulenstellenden auch kundtut. Tue Gutes und sprich darüber: „Ohne Wasser Wasser lassen“ oder „McDonald’s ist seit 2002 trocken“ lauten die Slogans.

Der Riese spart 22 Millionen Liter Wasser pro Tag. Oder Jahr, meinetwegen. Und das, meine Herren, ist schon ein ungemein tolles gefühl. So beim Pinkeln. Sie müssen sich das einmal vorstellen. Ja, stellen Sie sich einmal – sagen wir – stellen Sie sich einmal 22 Millionen Literflaschen Cola vor, die auf einem Parkplatz stehen. So viel ist das. Oder, nein, sagen wir Fantaflaschen (okay, den nehm ich zurück, der ist etwas eklig. Wobei es ja eigentlich um das Spülwasser geht). Na also. Geil, oder?

Nach zweimaligem Lesen des Slogans „McDonald’s ist seit 2002 trocken“ gerate ich allerdings ins Grübeln. Nicht, dass während des Pinkelns für zivilisierte Leute besonderer Anlass gegeben wäre, nachzudenken, nein. Es ist auch nicht so, dass ich speziell viel Wasser gelassen hätte. Es war einzig und allein der Spruch. Wird hier ein Kontext zwischen Pinkeln und Alkoholismus geschaffen? Oder zwischen Fastfoodkonsum und Alkoholikern? Fragen über Fragen.

Wir vergeben folglich Note 4.5. Positiv ist schlägt sich zweifelsohne die Hygiene nieder. Negativ hat sich sicherlich der Umstand ausgewirkt, dass der Zeitglockentum vom stillen Örtchen her nicht gesehen werden kann. Lächerlich? – Keineswegs. Wo sonst als beim entspannten Wasser lassen könnte denn sonst der Blick auf das Berner Wahrzeichen besser genossen werden? Denn, wissen Sie: Bern ist schön. Unbestritten. Egal ob Cola oder Fanta.

Pissoir Rating #8 – Bar & Restaurant Imagine, HB Zürich

2. April 2010

Widmen wir uns liebevoll dem legendären Restaurant Imagine am Bahnhofplatz 15 in Zürich. Untergebracht im historischen Bahnhofsgebäude, Seite Bahnhofstrasse, brilliert das Imagine mit gutem Essen, mittleren Preisen und konsequent umgesetzter unhöflicher Bedienung. Die stylische, moderne Einrichtung ist recht gekonnt ins alte Gefüge des Gebäudes eingebracht. Sehr schön.

Dies wäre nicht der unfehlbare Blog, wenn wir hier über profane Dinge wie Essen & Trinken lesen würden. Natürlich geht es ums gepflegte Pinkelerlebnis der Herren der Schöpfung. Wobei Herren der Schöpfung eine sehr dumme Bezeichnung, Wortschöpfung ist, wie ich finde. Egal

Jedenfalls sieht sich die volle Blase des Mannes – oder zumindest das Gehirn ein paar Fuss weiter oberhalb (oder meinetwegen ein paar Zentimeter unterhalb, sorry, liebe Cosmopolitan-Leserinnen) – einem Wirrwarr von Treppen, Fluren und nicht vorhandenen WC-Wegweisern gegenüber. Merke: Toilettengang gut planen. Es kann schon mal ein bisschen dauern, bis Sie sich durchgefragt haben. Wobei sich die Kellner offenbar inzwischen an fragende Gäste gewöhnt haben und bei jedem Blick, der irgendwie in der Rubrik „der will etwas fragen“ fungiert in Richtung Toilette bzw. Eingang des Labyrints zur Toilette deuten. Selbst wenn Sie nur nach einem Zahnstocher oder einer Serviette fragen wollen. Oder nach einem Feuerlöscher.

Jetzt kann man ja hingehen und sagen „na ja, für ein angenehmes Wassersäulen-Stellen frage ich gerne nach dem Weg“ und die Sucherei wohlwollend in Kauf nehmen. Tun Sie das nicht, lieber Leser. Sie werden bloss enttäuscht. Endlich, endlich am stillen Örtchen angekommen erwarten Sie drei Pissoirs in eher herausforderndem Zustand. Gemessen am schönen Ambiente in Bar und Restaurant nicht eben ein Augenschmaus. Vernachlässigbar? – Nein, so geht das nicht. Das Auge pinkelt schliesslich mit.

Das Flair ist lieblos, und gerade in einer stylischen Bar, in der alle so furchtbar hip sind und der DJ so unglaublich tiefschürfende Lounge-Musik auflegt, dürfte sich der annähernd anspruchsvolle Gast eine musikalische Untermalung des Toilettenganges wünschen: Fehlanzeige. Das Waschbecken schliesslich ergänzt hervorragend die profan-langweilige Innenarchitektur der Anlage.

Ich hätte bei der Benotung gerne ein Auge zugedrückt. Doch die Mängel sind unverkennbar und so ist die Note 3 doch angebracht, was bei den eher selbstbewussten Preisen in der Bar und im Restaurant doch ins Gewicht fallen dürfte. Wir zahlen ja gerne. Doch dann muss eben alles stimmen, nicht nur das Getränk und die gute Gesellschaft.

Übrigens: Es gibt auch ein Imagine im Sihlcity in Zürich. Und ich habe es bisher versäumt, dort essen bzw. pinkeln zu gehen und der Welt von einem allfälligen, einheitlichen Toilettenkonzept zu berichten. Wer weiss, das kann ja noch werden.

Pissoir Rating #7 – Youcinema Oftringen AG

22. Januar 2010

Man kann Multiplex-Kinos mögen oder nicht. Ich mag sie nicht, sie sehen überall auf der Welt gleich aus. Natürlich kann ich das nicht beurteilen, es klingt jedoch furchtbar kosmopolitisch, sich das sagen zu hören. Genau genommen war ich im Ausland erst einmal in La Paz (Bolivien) und Quito (Ecuador) in Multiplex-Kinos. Die sahen exakt gleich aus wie jene in Oftringen AG oder Emmen LU. Nach amerikanischem Muster halt. Wahrscheinlich haben sich da mal ein paar Architekten zusammen mit einer Dose LSD-Trips ein paar Tage in einer Zweizimmerwohnung eingeschlossen und sich gesagt: „So, jetzt planen wir mal ein Kino, das alle Menschen auf diesem Planeten toll finden.“ Gut, mit mir haben die offenbar nicht gerechnet. – Egal, diese wohlgemerkt sehr subjektiven Aussagen sollen in der Wertung des Pissoir-Michelin keinen Platz finden. Also, zurück zum eigentlichen Thema. Nachdem die erste Halbzeit des Films „Haben Sie schon das von den Morgans gehört“ oder so ähnlich (vergl. Filmkritik) in etwa so amüsant war wie die Schlacht um Stalingrad suchte ich also die Toilettenanlagen im Youcinema Oftringen auf. Sie wissen schon, das Oftringen, in dem der Baumarkt OBI steht, wobei sich der geschulte Handwerker schon immer gefragt hat, ob OBI auch Toilettenanlagen hat, was ja eigentlich sein müsste, weil ein Grossteil eines Handwerkerlebens in eben diesem OBI stattfinden dürfte, mit all seinen natürlichen Bedürfnissen. Auch egal. Jedenfalls betrete ich das Herren-WC und denke mir sofort: „Nein, Rizzitelli, nein, das ist nicht nach Feng Shui gebaut worden.“ Und tatsächlich war ich auf einen Schlag total überfordert ob der zirka zehn (!) Pissoirs zu meiner linken Seite und ein paar Kabäuschen zu meiner rechten. Blöd. Gerade weil die Meisten Menschen Rechtshänder sind und statistisch bewiesen ist, dass gerade Rechtshänder tendenziell dazu neigen, ein bisschen links zu gehen, wenn sie einen Raum betreten. Der Grund liegt angeblich im Instinkt, den rechten Arm frei zu haben um sich bei Gefahr verteidigen zu können. Übertragen auf die Toilettenanlagen im Youcinema Oftringen heisst das, dass Sie exakt in die Urinale hineinlaufen, was eher unschön ist, was jeder Mann bezeugen kann, dem dies schon einmal passiert ist. Gut, das gibt schon mal Feng Shui-Abzug. Die Anzahl ist ebenfalls zu hoch: Zu viele Köche – Entschuldigung: Zu viele Wahlmöglichkeiten sind nicht gut. Wenn – sagen wir – über 5 Pissoirs in einer Reihe stehen, dann kommt Unschlüssigkeit auf. Was zu Stau führt. Der Personen. Es sollte aus maskulin-humanistischen Gründen daher eine EU-Richtlinie geben, die eine maximale Anzahl festlegt. Wobei, da bin ich ganz offen, Oftringen meines Wissens nicht in der EU ist. Was natürlich kein Grund ist, hier in diesem Blog politisch zu werden, schon gar nicht beim Thema Pinkeln. Eine grössere Ansammlung von WCs erinnert gut und gerne an den Film „Full Metal Jacket“, wo sich in einer Szene – viele behaupten, es sei die beste Szene des Films überhaupt – ein Soldat auf der Toilette fachmännisch die Kugel gibt. Also, fernbleiben von zu vielen Toiletten! Wobei zugegeben in grösseren Betrieben logischerweise eine grössere Anzahl an Pissoirs bereitstehen muss, jedoch – Achtung! – immer eine ungerade Zahl. Warum? – Damit Mann die goldene Mitte wählen kann. Das ist wie beim Schweizer Bundesrat, wobei ich mich davor hüten werde, hier einen kausalen Zusammenhang zwischen Urinalen und dem Bundesrat herzustellen. Jedenfalls lässt der zielsichere Mann seine Notdurft auch in Oftringen in Becken der Marke Urimat, das heisst, in Urinale, die kein Wasser benötigen. Im Gegensatz zum McDonald’s in Kölliken (vergl. Rating) plätschert man hier nicht mit dem guten Gewissen, schweizweit 22 Millionen Liter Trinkwasser jährlich einzusparen. Schade. Dafür müssen wir Notenabzug geben, sorry! Ebenfalls Abzug geben die Werbeplakate, die vor jeder Station platziert sind. Nicht, weil sie dem ungezwungenen Wasserlassen einen kommerziellen Beigeschmack verleihen, nein, weil nicht an jedem Pissoir die gleiche Werbung hängen ist. Will heissen: Freunde des neuzeitlichen Marketings sind gezwungen, ihre Notdurft einzuteilen und sich an verschiedene Pissoirs zu stellen, um alle Botschaften lesen zu können. Was nicht selten zu irritierten Blicken der nichtsahnenden Mitpinkler führen kann, gerade wenn das Timing zwischen den einzelnen Phasen noch nicht einwandfrei funktioniert. Und noch einmal eine Abwertung gibt das Fehlen von Musik, was umso mehr ins Gewicht fällt, weil der Urinierende eben in einem Multimedia-Spektakel war (Bild und Ton) und sich danach dem schönen oder weniger schönen Klang verschiedener Geplätscher aussetzen muss. Eine der Stationen war mit einem Schild als defekt markiert, wobei unaufmerksame Mitarbeiter trotzdem die Werbung nicht entfernt haben, was zu nicht konfliktfreien Szenen führen kann, wenn sich Freunde der gepflegten Werbebotschaften keinen der Slogans entgehen lassen möchten, was wiederum heisst, dass Mann eben auch dieses eine defekte Becken berücksichtigt um nichts zu verpassen. Das führt früher oder später zu verständislosen Blicken und vor allem zu nassen Füssen. Fazit: Warten Sie ein paar Wochen und kaufen Sie dann die DVD des Films. Gehen Sie nicht in dieses Kino, und wenn, dann sicher nicht auf diese Toiletten. Wir vergeben die Note 2. Ist zwar hart, aber wie gesagt: Mann kann Multiplex-Kinos mögen oder nicht. Genauso ist es mit Multiplex-Pissoirs.

Pissoir Rating #4 – 0815 Seefeld Zürich

22. Dezember 2009

Was kann es schöneres geben, als zu Musik à la Café del Mar zu pinkeln? So erlebt im 0815 an der Kreuzstrasse 26 in Zürich. Ein Erlebnis. Nicht zu verwechseln mit dem 0815 an der Lintheschergasse, das offenbar das in etwa gleiche Konzept umsetzt, jedoch – aus vollkommen unverständlichen Gründen – das Design der Herrentoiletten überhaupt nicht aufeinander abgestimmt hat. Das Designerherz blutet. Bleiben wir also im Seefeld. Was ja zugegebenermassen super klingt, wenn man sich sagen hört „ich war im Zürcher Seefeld im Ausgang.“ Hat irgendwie Stil. Seefeld ist doch irgendwie Prenzlauer Berg von Zürich, East Village von New York. Stilvoll halt. So auch die sanitären Anlagen eben dieses Lokals: Steht Mann zwar vorerst vor einem herkömmlichen, profanen Urinal, wäscht es sich sodann im Designer-Lavabo die Hände umso gediegener. Eben: Seefeld-Feeling. Das Waschbecken ist eher flach, was auch die Hose verdankt, wenn Sie den Wasserhahn zu sehr aufdrehen. Ebenso fallen kleine Risse im Keramik des Waschbeckens sofort ins Auge, die an gängige Erdbeben-Katastrophen-B-Movies erinnert, in denen sich das Unheil nicht selten beim Pinkeln des Helden ankündigt. Getrocknet wird mit Recycling-Papierhandtüchern, was sich in der Benotung positiv widerspiegeln dürfte (alles, was nicht nach Fingerabhackmaschinen aussieht kriegt ein Plus). Eher bemerkenswert ist die Kapazität von nur einem Urinal und einem Kabäuschen, was sicherlich damit zusammenhängen dürfte, dass im 0815 eher Wein denn Bier konsumiert wird. Fazit: Die Einrichtung ist sauber und angenehm ausgestaltet. Wir vergeben 5 von 6 Punkten. Plus einen Kulturstern für Café del Mar.

Pissoir Rating #3 – Nelson Pub Zürich

15. November 2009

Auf vielseitigen Wunsch passionierter Stehpinkler wird die Rubrik Pissoir Michelin weitergeführt. Diesmal führt die Reise nach Zürich an die Beatengasse 11 ins Nelson Pub. Allgemein bekannt als verzweifelter Zufluchtsort exzessiver Wirkungstrinker und Schwanktänzer kann man vom Nelson Pub halten, was man will. Nicht jedoch von der Herrentoilette. Um bei diplomatischer Ausdrucksweise zu bleiben: Ins Nelson Pub geht man nicht unbedingt um zu pinkeln. Eine weit bessere Idee ist das Verlassen des Lokals, um wild an eine Hausmauer zu machen. Was uns die gute Kinderstube verbietet – und noch viel wichtiger: Zwei bis drei Türsteher (siehe auch unter den Stichworten „Ikea“ und „Billy-Regal“) verhindern abends die Rückkehr ins Lokal, weil aus unerfindlichen Gründen offenbar mehr Menschen dorthin wollen als Platz haben. Egal. Jedenfalls warten auf den männlichen Gast zwei schlecht gepflegte, lieblos hingepflasterte Urinale, die aufgrund relativ sportlichem Bierkonsum (wahrscheinlich um das Ambiente zu ertragen) im Pub natürlich meist besetzt sind. Ausweichmöglichkeit ist ein einziges Sitz-WC, was dem Kapazitätsengpass nicht eben Abhilfe verschafft. Eine musikalische Untermalung ist Fehlanzeige, wird jedoch von der überlauten Musik vom Lokal kompensiert. Der DJ ist übrigens – zumindest am Testtag – sehr gut, wirklich (offenbar gibt es ein separates DJ-Pissoir). Grosser Nachteil der Männertoilette ist die moderne Handtrockenanlage, die an einen defekten Sandwichtoaster erinnert und einigen Mut abverlangt. Anders als die konventionellen Handföne werden bei diesem Fön die Hände hineingehalten. Sehr unangenehm, wirklich. Offenbar hat einer meiner Mitpinkler deswegen auf das Händewaschen verzichtet. Mehr noch, sein verachtender Blick in meine Richtung gab mir zu verstehen: „Ich bin ein echter Kerl. Und Hände waschen ist schwul“. Das schmerzte. Natürlich sagte mein Retourblick „okay, ich mag ein Theresli sein, aber ich mach das vollgas aus Hygienegründen“. Und so blieb der brisante Konflikt „Händewascher vs. Säuli“ friedfertig. Nichtsdestotrotz: Das Pissoir des Nelson Pub bekommt eine 3. Für Abzüge sorgen sicher die engen Platzverhältnisse, die konsequente Unsauberkeit und die zu kleine Kapazität. – Ach ja: Im Nelson Pub unbedingt Chicken Wings bestellen. Sind pikant mariniert und werden mit zwei absoluten Supersaucen serviert. Pro Stück nur 2 Franken. Unbedingt vorher Hände waschen.

Pissoir Rating #2 – Restaurant de la Poste, Anzère VS

6. Oktober 2009

Nachdem ja nach dem ersten Artikel aus der Selbstversuchs-Reihe „Pissoir Rating“ ein regelrechter Urinal-Tourismus an eben diese Autobahnraststätte – Politiker sprechen angeblich gar von einem Ausbau der Autobahn auf sechs Spuren – gemeldet wurde, wollen wir dem interessierten Wasserlasser den jüngsten Test nicht vorenthalten. Na ja, Pizzerien und angenehme Toilettenanlagen, das ist wie… wie Sepp Trütsch und Ecstasy. Aber wir wollen ja nicht zu hart ins Gericht gehen. Also, das Restaurant de la Poste in Anzère – das liegt oberhalb von Sion – ist vorzüglich. Essen, Service, Ambiente – alles sehr gut. – Bis eben das Wichtigste: Das Männer-WC. Früher dachte ich in meinem jugendlichen Übermut, dass für Restaurants eine gesetzlich verordnete Quote gilt: Pro Anzahl Sitzplätze muss eine Anzahl Toiletten vorhanden sein. Denkste! Im Testobjekt ist genau ein Urinal vorhanden, das so geschickt platziert ist, dass der Aktivist von einem neu eintretenden Austretenden unschön angerempelt wird, was bekanntlich zu unschönen Szenen führen kann. Die Bandbreite reicht von Nasenbeinbrüchen bis zum Austausch von Waschtipps für verpinkelte Designerhosen. Immerhin sind die Anlagen sauber. Eine musikalische Untermalung der Erleichterung ist allderdings Fehlanzeige. Gerade in südländisch anmutenden Restaurants hätte man sich ein Song von Eros Ramazotti oder Marco Masini erhofft. Was soll’s. Plätschern ist ja auch schön. Wir vergeben die Note 4. Nicht allzu schlecht aber auch nicht voll der Renner. Fazit: Aufgrund limitierter Kapazitäten (nur 1 Urinal) Toilettengänge im Voraus gut planen und womöglich mit den anderen Gästen absprechen. Prädikat: Knapp genügend.