Posts Tagged ‘Ottmar Hitzfeld’

Fussball-WM: Gips mir, Baby!

21. Mai 2010

Nachdem dieser Blog ja ganz unsportlich die Spannung aus der Fussball-WM genommen hat durch die vorzeitige Publikation des Weltmeisters – Sie erinnern sich: Argentinien – versuchen Herr und Frau Medien trotzdem verzweifelt, das laue WM-Vorfreude-Süppchen zu einem Fünfgang-Supermenü hochzukochen. Und das rund 30 Tage vor dem Anpfiff. Nur noch 30 Mal schlafen, Mann! Oder noch weniger.

Michael Ballack hat sich verletzt, was nicht wenige Experten zur Aussage veranlasst, dass die Siegeschancen für Deutschland damit entscheidend geschmälert werden. Das ist sozusagen das Innenbändlein an der Waage, wenn Sie mir, liebe Leserinnen und Leser, diesen komplett unqualifizierten Scherz erlauben. Nicht weniger Experten veranlasst die Verletzung von Herrn Ballack zur Annahme, dass die Chancen für Deutschland damit gestiegen seien. Man wird sehen. – Oder besser gesagt: Man wird eben nicht sehen, weil – oh Wunder! – Argentinien ja den Goldklumpen mit nach Hause nehmen wird.

Gerade so kurz vor WM-Start ist ja das gepflegte Verletztsein regelrecht trendy geworden. Bei den Schweizern (natürlich, die Schweiz spielt auch mit, aber ganz sicher) ist ja Spycher verletzt ausgefallen und hat somit Magnin eine hervorragende Möglichkeit geboten, ins WM-Kader nachzurücken und sich nach allen Regeln der Kunst ebenfalls zu verletzen. Not gegen Elend. Böse Zungen behaupten ja, die Schweizer Nationalmannschaft hätte an der Endrunde 2006 mehr Erfolg gehabt, wenn ein paar Stamm-Penaltyschützen verletzt gewesen wären. Wenn. Ist ja egal. Der ursprünglich vorgesehene deutsche Torhüter hat sich übrigens auch weh getan und fliegt daher nicht nach Afrika. Sowieso egal. Millionär.

Vom Verletzungspech verschont geblieben sind glücklicherweise die Trainer sämtlicher teilnehmenden Teams. Man stelle sich ein Ottmar Hitzfeld mit Gipsbein am Spielfeldrand vor. Das sähe vielleicht blöd aus. Oder Maradona mit einem geschienten Arm. Geht nicht. Wie soll man da Zigarren rauchen. Das würde die ganze Mannschaft aus dem Konzept bringen und sie würde ganz sicher erbärmlich verlieren. Womöglich würden sich viele Stammspieler aus purer Solidarität ebenfalls verletzen. Zweifelsohne. Ganze Partien müssten von der FIFA abgesagt werden, mangels Spielern. Am Ende würden auch die Fernsehzuschauer zu Hause den unmittelbaren Drang der Zugehörigkeit verspüren, zu ihrem favorisierten Team, und spontan verunfallen. Zum Beispiel vom Sessel zu gleiten, einer Schwalbe gleich. Und sich den Knöchel zu verstauchen. Oder die Hand, beim Öffnen der Kartoffelchips.

Dieser unschöne Trend wurde ja eingeläutet … ja, von wem denn nun? – Richtig: Von David Beckham, the one and only Beckham. Der, der mit der Schminke tanzt und überhaupt das Mass aller Dinge ist. Beckham war der erste Name, der fett die Zeitungen schlagzeilte und eine ganze Nation von Teeköpfen ins Elend stürzte. Das haben wir davon. Ein Spieler verletzt sich und eine ganze Fussballnation ist mausetot. Zum Totlachen.

Der interessierte Leser wird sich nun zurücklehnen, dreimal tief atmen und sich fragen: „Was, mein lieber Scholli, was in aller Welt will uns dieser Artikel sagen?“ Und: „Wir haben diesem Blog ein Grossteil unseres Wissens entnommen und jetzt begreifen wir plötzlich die Kernbotschaft nicht mehr.“ Das ist verständlich. Was also wollen uns die obigen Ausführungen mitgeben? Die Antwort liegt auf der Hand (nein, Diego, nicht auf der Hand Gottes …) und ist so simpel wie einfach:

Bleiben Sie gesund. Trotz Verletzung.

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Weltmeister? – Sicher nicht Spanien.

10. April 2010

Wie wir inzwischen alle wissen wird Argentinien den WM-Pokal mit nach Hause nehmen. Die Gründe sind vielfältig, wobei ich den wichtigsten gerne hier nochmals aufführe: Ich habe es vorausgesagt. Gut.

Dem fortgeschrittenen Fussballexperten drängt sich unweigerlich folgende Frage auf: Warum nicht Spanien? Ja, mein Gott, warum denn nicht Spanien? – Eine berechtigte Frage, sicherlich. Und wenn sich einer zu hundert Prozent sicher ist, dass die grilliersüchtigen Südamerikaner das Rennen machen werden, dann ist er auch eine Erklärung schuldig, warum Torres and the boyz nicht gewinnen werden. – Ach, was sage ich: Sie werden nicht einmal ins Halbfinale einziehen. Die Gründe sind so vielfältig wie rational.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Niemand hat etwas gegen die Iberer. Ausser vielleicht, dass sie in der gleichen Gruppe spielen wie die Schweiz.  Gruppe H. Was hingegen – Sie lesen richtig – nicht eben das Pech der Schweizer ist. Spanien nämlich, das ist ein wichtiger Grund, wird gegen die Schweiz nicht gewinnen. Darüber kann man lachen oder weinen. Im Endeffekt ist dies einer der Punkte, warum Fussball so beliebt ist, denn im Fussball ist eben alles möglich. Und die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Helvetier können zugegeben nicht halb so gut Fussball spielen wie die Spanier. Und jeder einzelne gegnerische Akteur ist dem schweizerischen Pendant überlegen. Die Wettquote für einen Sieg der Eidgenossen ist denn auch satte 11, um wieder mit dem Scheiss anzufangen (Quelle: bwin.com 11.4.). Warum also sollte das Match anders ausgehen?

Der Trainer der Schweiz heisst eben nicht irgendwie, er heisst Ottmar Hitzfeld. Das Zünglein auf der Waage. Diesem grossen Vorteil könnte der geübte Kritiker entgegensetzen, dass die Helvetier eventuell mit Marco Streller spielen, aber selbst dieses hypothetische Handycap würde – hier sind wir uns sicher – der allmächtige Ottmar rechtzeitig erkennen und einen anderen Spieler einsetzen. Der etwas weniger mit der Zunge kreist und dafür vielleicht ein Tor schiesst.

Ein weiterer Grund für einen Schweizer Erfolg – wobei ein Remis auch als Erfolg gewertet werden dürfte – ist eine uralte Fussballweisheit: Der Favorit wird das erste Spiel nicht (oder nur mit grosser Mühe) gewinnen. Wie viele Male hat der Titelverteidiger das Eröffnungsspiel verloren? Zum Beispiel die Froschfresser gegen Senegal (!) oder Argentinien gegen Kamerun. Gut, Spanien ist nicht eben der WM-Titelverteidiger, zugegeben.  Aber der amtierende Europameister wird als übermächtiger Favorit ins erste Spiel gegen die Schweiz antreten. Und nicht gewinnen. So ist das halt.

Das Indiz schlechthin für ein Scheitern von Spanien sind die neben der Schweiz noch anderen Teilnehmer der Gruppe H: Chile und Honduras. Da wirds historisch heikel, denn nicht wenige verstehen eine Partie zwischen einem lateinamerikanischen Land und Spanien als ein Kampf der Unterdrückten gegen die imperialistischen Eindringlinge aus früheren Zeiten. Solche Spiele beinhalten Potential für Emotionen und können so oder so ausgehen. Mit anderen Worten: Spanier sind gerade in Südamerika nicht unbedingt die beliebtesten Gäste und Chilenen oder Honduraner (oder heisst es Hondurasser?) wissen einen ganzen Kontinent in ihrem Rücken, der ihnen bei diesem Spiel die Daumen drückt.

Und nicht zuletzt der wichtigste Grund, warum Spanien nicht Weltmeister wird: Ich habe es vorausgesagt. – Carramba!