Posts Tagged ‘New York’

Ich will das auch

21. Juni 2012

Kein Witz. Heute Morgen gehört, auf Radio NRJ Zürich: Es soll so einen politischen Vorstoss geben, der darauf abzielt, das Kasernenareal in Zürich in einen Park zu verwandeln. Also, Sie verstehen: Umzunutzen, sozusagen. Die Kaserne abreissen und einen Park hinpflanzen, so richtig mit grün und so. Und ja: Es gibt Menschen, die hören Radio NRJ und stehen dazu. Vollgas Mainstream.

Na gut, das wäre ja an sich nicht schlecht, also das mit dem Park. Aber die Politikerin, deren Parteizugehörigkeit wir nicht nennen wollen (dies ist ja ein apolitischer Blog), hat im Radiointerview folgendes Zitat von sich gegeben:

In New York gibt’s auch einen solchen Park

So schön, oder? Und für alle, die ihren Augen nicht trauen, dieses tiefschürfende Zitat noch einmal:

In New York gibt’s auch einen solchen Park

Einerseits – das müssen wir wohl eingestehen – ist es tatsächlich richtig, dass in New York ein Park namens Central Park steht. Oder liegt. Ich kenne mich in New York absolut überhaupt gar nicht aus, muss jedoch eingestehen, dass diese Aussage richtig ist.

Der Punkt liegt anderswo: Was, meine lieben Damen und Herren, hat Zürich mit New York gemein? Bei allem Respekt: Was ist das für eine sinnbefreite Aussage einer offenbar eher progressiv selbstbewussten Zürcherin? Nennen wir das Kind beim Namen. Diese Aussage ist einfach nur peinlich.

In New York gibt es nämlich auch SMOG. Und Flugzeuge, die in Hochhäuser fliegen. Und Kriminalitätsstatistiken, die Zürich als Mädcheninternat dastehen lassen. Und – okay, das weiss ich nicht genau – offenbar Politiker, die etwas mehr darauf achten, was sie so von sich geben, den lieben langen Tag.

Also, liebe Leserin, lieber Leser, wenn Sie beim nächsten Mal einen Passagierjet in den Prime Tower zu Zürich fliegen sehen, einfach entspannen: In New York gibt’s das auch.

Haben Sie schon von den Morgans gehört? – Ja, leider.

17. Januar 2010

Guter Film: Ein getrennt lebendes New Yorker Ehepaar (Jessica Parker und Hugh Grant) wird Zeuge eines Mordes und muss daher an einem Zeugenschutzprogramm irgendwo im amerikanischen Juhee draussen teilnehmen. Der Plot ist vielversprechend und es spielen sich ein paar urkomische Szenen ab, die vor allem von Hugh Grant genial gemacht sind. Von seinem Humor lebt dieser Streifen. Neben ein paar (berechtigten) Witzen über Vegetarier zielen die meisten Sprüche – je nach Urheber – entweder gegen die dekadenten New Yorker mit ihrem exzessiven Lifestyle oder eben gegen die Landleute von … den Namen des Ortes ist mir entfallen. Diese scheinen erst vor ein paar Wochen dem Leben in einer Höhle und dem Jagen mit einer Keule abgeschworen zu haben und sind der Inbegriff der Rückständigkeit. Die Klischees des Landlebens werden überstrapaziert. Der Graben zwischen New Yorker Stadtmenschen und Landeiern im Nirgendwo mag tief sein, doch nach dem x-ten Gag in diese Richtung bildet sich selbst beim geduldigsten Zuschauer ein feiner Feuchtigkeitsfilm zwischen Kinosessel und Hintern. Aber es ist lustig, trotz Jessica Parker, die mit Ihrem „Bin-zwar-blöd-aber-ficke-gut“-Blick auch hier den verzweifelte Versuch unternimmt, eine gute Schauspielerin zu sein. Wie es sich für eine Hollywood-Produktion gehört sind auch ein paar romantische Szenen eingebaut (obwohl sich bei Amerikanischer Romantik manche Europäer spontan-lautes Lachen im Kinosaal verkneifen müssen). Und am Schluss, welch Überraschung, sind die beiden … – Oh, nein, das verrate ich natürlich nicht. Fazit: Ein guter Film zum Zurücklehnen und in Ruhe die alten SMS zu löschen. – Nein, ehrlich: Ich vergebe 3 Punkte. Ohne die Skala zu verraten. Gehen Sie nur in diesen Film, wenn zu Hause die Heizung ausgefallen ist.

Pissoir Rating #6 – Coyote Ugly, 153 First Ave., New York

31. Dezember 2009


In diese Bar geht man mit Sicherheit nur ein Mal. Es gibt so Orte, da gehen Sie hin und schwören sich noch im Lokal, dort nie, nie wieder einen Fuss hineinzusetzen. Kenner der Reihe Pissoir Michelin haben’s sofort bemerkt: Das ist das erste Rating mit Bild, denn ohne Beweis glaubt das vermutlich keiner. Der ziemlich bekannte Film „Coyote Ugly“ aus dem Jahre 2000 baut ja haargenau auf dieser legendären Bar auf. Der Film ist eigentlich gut, womit wir beim Problem angelangt wären: Der Film hat exakt nichts mit der Bar zu tun. Und würde dort – ich weiss das jetzt nicht so genau – eine Szene im Herrenklo spielen, so hätte das Teil garantiert gefloppt, ja, wäre vermutlich von Amnesty International verboten worden. Also, das ist natürlich nicht die ganze Wahrheit, denn etwas hat die Bar schon mit dem Film zu tun. Hin und wieder steigt eine Barmaid auf den Tresen und legt einen Tanz hin. Und das ist schon recht angenehm. Augenpflege. Dies entschädigt leider nicht für die gähnende Leere, den Mief nach Schimmel und – eben – die für anspruchsvolle Stehpinkler eher herausfordernden Toilettenanlagen. Anderswo hätte man ja getrost den Tipp geben können, die Notdurft im Freien abzuwickeln. Nicht so in Manhatten, wo man von der Polizei auf der Stelle erschossen wird beim Wildpinkeln. Na ja, sehen wir dieses Rating als Bereicherung des Pissoir Michelin, der hiermit schon so etwas wie ein kosmopolitisches Flair bekommt, einen Wind von Weltbürgertum. Will heissen, dass sich der geübte Toilettengänger sagt „hey, rizzitelli ist nicht nur so ein seichter Hochstapler in Sachen Urinal-know-how, nein, der hat sogar in Manhatten Ratings gemacht.“ Wobei die Begriffe Manhattan und Rating sicherlich mit unschönen Assoziationen verbunden sind, gedenke man an die Ratingagenturen der Finanzbranche. Auch hier kann ich beruhigen. Meine Ratings sind fundiert. Kommen wir zur Benotung: Null. Null. Doppelnull. Die Note findet auf der Skala keinen Platz, würden doch den anderen bewerteten Toiletten grosses Unrecht getan, wenn ich mich hier erdreisten würde, dieses Objekt zu benoten. Als einziger positiver Punkt lässt sich wohl sagen, dass Sie nicht lange überlegen brauchen, wenn Sie ein paar Tage nach dem Besuch der Coyote-Ugly-Toiletten mit Ekzemen, Geschwüren oder nächtlichen Panikattacken zu kämpfen haben. Oder wenn Ihnen spontan Körperteile abfallen. Fazit: Gehen Sie nur in diese Bar, wenn Sie hundertprozentig sicher sind, nicht pinkeln zu müssen. Und nur, wenn alle anderen Gebäude von New York abgebrannt sind. Und wer denkt, das WC sei nur an diesem Abend in einem so erbärmlichen Zustand gewesen, der irrt: Es war alle beide Male so, als wir da waren.