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Pissoir Rating #3 – Nelson Pub Zürich

15. November 2009

Auf vielseitigen Wunsch passionierter Stehpinkler wird die Rubrik Pissoir Michelin weitergeführt. Diesmal führt die Reise nach Zürich an die Beatengasse 11 ins Nelson Pub. Allgemein bekannt als verzweifelter Zufluchtsort exzessiver Wirkungstrinker und Schwanktänzer kann man vom Nelson Pub halten, was man will. Nicht jedoch von der Herrentoilette. Um bei diplomatischer Ausdrucksweise zu bleiben: Ins Nelson Pub geht man nicht unbedingt um zu pinkeln. Eine weit bessere Idee ist das Verlassen des Lokals, um wild an eine Hausmauer zu machen. Was uns die gute Kinderstube verbietet – und noch viel wichtiger: Zwei bis drei Türsteher (siehe auch unter den Stichworten „Ikea“ und „Billy-Regal“) verhindern abends die Rückkehr ins Lokal, weil aus unerfindlichen Gründen offenbar mehr Menschen dorthin wollen als Platz haben. Egal. Jedenfalls warten auf den männlichen Gast zwei schlecht gepflegte, lieblos hingepflasterte Urinale, die aufgrund relativ sportlichem Bierkonsum (wahrscheinlich um das Ambiente zu ertragen) im Pub natürlich meist besetzt sind. Ausweichmöglichkeit ist ein einziges Sitz-WC, was dem Kapazitätsengpass nicht eben Abhilfe verschafft. Eine musikalische Untermalung ist Fehlanzeige, wird jedoch von der überlauten Musik vom Lokal kompensiert. Der DJ ist übrigens – zumindest am Testtag – sehr gut, wirklich (offenbar gibt es ein separates DJ-Pissoir). Grosser Nachteil der Männertoilette ist die moderne Handtrockenanlage, die an einen defekten Sandwichtoaster erinnert und einigen Mut abverlangt. Anders als die konventionellen Handföne werden bei diesem Fön die Hände hineingehalten. Sehr unangenehm, wirklich. Offenbar hat einer meiner Mitpinkler deswegen auf das Händewaschen verzichtet. Mehr noch, sein verachtender Blick in meine Richtung gab mir zu verstehen: „Ich bin ein echter Kerl. Und Hände waschen ist schwul“. Das schmerzte. Natürlich sagte mein Retourblick „okay, ich mag ein Theresli sein, aber ich mach das vollgas aus Hygienegründen“. Und so blieb der brisante Konflikt „Händewascher vs. Säuli“ friedfertig. Nichtsdestotrotz: Das Pissoir des Nelson Pub bekommt eine 3. Für Abzüge sorgen sicher die engen Platzverhältnisse, die konsequente Unsauberkeit und die zu kleine Kapazität. – Ach ja: Im Nelson Pub unbedingt Chicken Wings bestellen. Sind pikant mariniert und werden mit zwei absoluten Supersaucen serviert. Pro Stück nur 2 Franken. Unbedingt vorher Hände waschen.