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Schöner Kotzen im Nachtzug

30. Januar 2010

Sass ich doch neulich in einem dieser legendären Nachtzüge. Sie wissen schon, die mit dem Nachtzuschlag von fünf Franken, den jeder bezahlen muss. Selbst wenn Sie ein General-Abonnement oder ein normales, reguläres Ticket haben: Sie bezahlen den Zuschlag. Und es wird konsequent kontrolliert (Gerüchten zu folge hatte kürzlich der Papst den Nachtzuschlag vergessen und musste Busse tun).

Die zwei Kontrolleure, eine Frau und ein Mann mit einer Tätowierung „Ich liebe meinen Job aber ich könnte euch alle umbringen“ auf der Stirn sind daher zu beneiden: Es herrscht Hochspannung. Die Luft ist wie elektrisiert. Darum gehts hier aber nicht.

Sitze ich also gemütlich da, als stolzer Besitzer eines Nachtzuschlages. Im Abteil neben mir sitzt ein junger Partygänger und macht ein Nickerchen, sehr elegant um das Wagontischchen gewickelt, sodass vermutlich beim Anblick jeder Giropraktiker den unmittelbaren Herztod sterben würde. Egal.

Der Junge erwachte plötzlich, machte die Klappe des Abfalleimers auf und gab sein Bestes. Ist das eklig? Normalerweise schon, aber der Kleine hatte Style: Da ging nichts daneben, das Timing stimmte. Eine adrett gekleidete Frau reichte ihm sogar ein Papiertaschentuch, welches er – das muss ein Profi gewesen sein – ohne hinzugucken entgegennahm und höflich verdankte. Was auf den ersten Blick unhöflich erscheint (ohne hinzugucken eine Hilfe entgegenzunehmen) entpuppt sich nach kurzem Überlegen als sehr überlegt: Hätte er sich kurz abdrehen müssen, dann nur auf Kosten der Treffsicherheit. Der Wagonboden, das Sitzpolster, seine Kleider, alles blieb in bester Ordnung.

Früher wäre das undenkbar gewesen, dachte ich, weil sich früher die Fenster der Bahnwagons öffnen liessen und jeder Passagier ein bisschen… – Gut, lassen wir das. Und: Die fünf Franken Nachtzuschlag haben sich gelohnt, dachte ich. Was dazugelernt.