Posts Tagged ‘Miss Schweiz’

Frau Holle ist Österreicherin!

6. Februar 2013

Endlich haben wir den Beweis: Die Gravitation ist rassistisch. – Ja, sobald ein Schweizer Skiheld dieses dämliche Starthäuschen verlässt, schwindet die Erdanziehungskraft und der Athlet könnte ebenso gut mit dem Sessellift talwärts fahren, in der Mittelstation ein Kafi Schnaps trinken und wäre immer noch ein paar Sekunden früher im Ziel.

Das einzig Grosse ist im Moment die Ratlosigkeit. Liegt es am Material? Der Skiverband soll in einem Akt der Verzweiflung sogar mit der ehemaligen Miss Schweiz Bianca Sissing Kontakt aufgenommen haben. Ihre erste Aussage nach der Wahl war bekanntlich «Ich bin in Kanada aufgewachst». Ja, in Krisenzeiten darf man nichts unversucht lassen. Der letzte Strohhalm.

Die Österreicher haben es schon besser. – Nein, nicht weil dort Österreicherinnen Miss Österreich werden, sondern weil die Menschen dort einfach Skifahren können. Die werden so geboren. Kein Wunder, die Österreicher haben ja auch die Alpen vor der Haustüre!

So müssen sie halt weiter trainieren, die helvetischen Skihelden. Übung macht den Meister. – Ach was, im Grunde ist es ja egal. Ist ja nur ein Rennen. Sport halt. Und wir gehen dieses Jahr sowieso nach Österreich in die Skiferien. Es ist einfach billiger und der Service ist besser. Und: Die fahren auch besser Ski dort.

Ungelogen

26. April 2012

Frisch aufgetauchte Dokumente beweisen: In den neunziger Jahren wollte der Bund den Kanton St. Gallen an die Österreicher verschenken. Diese lehnten dankend ab. Was eigentlich erstaunlich ist, denn beide Seiten hätten profitiert. In beiden Ländern wäre der durchschnittliche IQ gestiegen.

Das ist natürlich gemein, vor allem den Österreichern gegenüber. Wenn Sie jetzt denken, das wird so ein gemeiner, primitiver Schmuddeltext gegen die Ostschweizer, dann sei gesagt: Sie haben vollkommen recht. Jetzt reden wir Tacheles: St. Galler sprechen komisch.

Sie erinnern sich vielleicht an die Miss Schweiz vor ungefähr tausend Jahren: Anita Buri hatte alles, was eine schöne Frau braucht, wirklich alles. – Bis sie etwas sagte. Das war sozusagen der Todesstoss für jegliche Männerfantasie. Nein, das geht gar nicht. Frau Buri hat sich inzwischen angewöhnt, im Zweifelsfalle lieber nichts zu sagen. Was offenbar auch Freunde von gehaltvoller Kommunikation zu schätzen wissen.

Bevor wir jetzt ins unerträglich Primitive absinken, wollen wir liebe zu einem Ende kommen. Das alles ist natürlich mit einem freundlichen Lächeln und einem Augenzwinkern gemeint. Es wäre anmassend, sich über einen Kanton oder seine Einwohner so zu äussern. Und doch ist alles wahr.

Who the f**k is Jenny?

20. Oktober 2011

Wussten Sie, dass am 25. Oktober Jennifer Ann Gerber 30 Jahre alt wird? Gut, das war jetzt eine rhetorische Frage, zugegeben. Eine Art Fangfrage dazu. Natürlich wussten Sie es nicht. Viele mögen sich auch fragen, wer zum Henker Jennifer Ann Gerber sei. Was natürlich eine Schande ist, nicht zu wissen, wer Jennifer Ann Gerber ist, weshalb wir uns jetzt bitte alle erheben wollen für eine Schweigeminute, um uns fachgerecht zu schämen. Gut, weiter geht’s.

Also, Jennifer Ann Gerber war im Jahr 2001 Miss Schweiz, also sozusagen das Filetstück auf der Fleischtheke für Voyeure. Ein Augenschmaus. Jenny stammt aus dem Aargau und erhielt von der Miss Schweiz Organisation das übliche Missen-Auto für die Siegerin zur Verfügung gestellt. Im Jahr 2001 waren in der Schweiz übrigens 543 Verkehrstote zu beklagen.

Wie bei Missen üblich hat Frau Gerber noch ein bisschen Radio gemacht, ein bisschen Fernsehen und ein bisschen gut ausgesehen. – Das tut sie immer noch. Also alles schöne Sachen. Wir ziehen den Hut.

Nun wirst du also dreissig, Jenny, und wir gratulieren dir ganz herzlich und wünschen viel Glück. Und … Wer bist du noch mal? Äh, – wir dürfen doch Jenny sagen, oder?

Warum in die Ferne schweifen?

13. November 2010

Was wurde bisher schon über die neue Miss Schweiz hergezogen! Das geht auf keine Misshaut. – Sie habe gelogen, das Gesicht der Zweitplatzierten sei hübscher und sie werde sowieso nicht mehr lange mit ihrem Freund zusammen sein (gut, wer will schon mit einem FC Luzern-Spieler zusammen sein). Vermutlich wurde in dieser kurzen Zeit seit der Wahl mehr Papier mit gemeinen Anschuldigungen bedruckt als seit eh und je für Fernkurse in Biologie.

Allen voran das Fachblatt «Blick» hält die Leserschaft mit tiefschürfenden Meldungen bei der Stange (und sei es nur bei der Stange Bier am Stammtisch) und titelt und grossschreibt und mutmasst. Man ist geneigt zu sagen, die Miss Schweiz sollte wohl ein Fern-Amtsjahr machen um diesen unschönen Schlagzeilen auszuweichen. Ein Missstand.

Ein Schelm, wer sagt, das alles spiele keine Rolle, der Beruf der Miss Schweiz sei so sekundär wie die Demokratie im Irak und schlussendlich wäre auch eine junge Frau eine gute Miss Schweiz, die – hätte sie eine Hirnzelle weniger – um die Lampe kreisen würde. – Sofern sie gut aussehe. Wir wollen ja nicht böse sein. Und genau darum sagen wir das hier nicht.

Die einsame Männerwelt wünscht Dir, liebe Kerstin Cook, aus der Ferne alles Gute im Amtsjahr. Und natürlich viel Spass beim Studium.

Es lebe Benaglio!

25. September 2010

Wie jeder – also, wirklich jeder – weiss, ist heute der grosse Tag der Wahl, der Wahl zur Miss Schweiz. Weltbewegend. Wie jedes Jahr wird immer und immer wieder unterstrichen, dass es also ganz sicher und überhaupt nicht nur auf Äusserlichkeiten der Kandidatinnen ankomme. Nein. Davon kann man halten, was man will.

Jedenfalls wurden einige Kandidatinnen von Radio Zürisee interviewt (ich liebe dieses Verb, interviewt klingt fantastisch!) und das war also nicht nur Blabla, wissen Sie. Das war also was!

Eine Kandidatin aus dem Tessin antwortete denn auch auf die Frage, mit welchem Promi sie denn gerne Essen gehen würde, ohne zu zögern mit Diego Benaglio. Der Schweizer Nationaltorhüter überzeuge sie mit seiner ausserordentlichen Leistung. Finde ich gut. Dann wurde es richtig lustig, denn die junge Frau schob den Satz nach:

…und ohne Torhüter kann man einfach nicht gewinnen

Bravo! Wo sie recht hat, hat sie recht. An dieser Stelle wünsche ich der Kandidatin – deren Name mir leider entfallen ist – alles, alles Gute an der Wahl.

Ganz schön heftig

10. Mai 2010

Dreissig Jahre ist ein schönes Alter. Viele Frauen bleiben ja – dieses Alter einmal erreicht – ein Leben lang dreissig. Der Geburtstag von Fiona Hefti ist schon etwas Besonderes. Das soll – nein: das muss! – gefeiert werden.

Fiona Hefti war die mit Abstand beste Miss Schweiz im Jahr 2004, die so hiess und diesen Jahrgang hatte. Niemals zuvor war eine Lehrerin gewählt worden, was gerade aus kulturell-pädagogischer Sicht ein Meilenstein für künftige Generationen bedeutet. Man kann auch gescheit sein und dekorativ. Und vor allem: Man kann auch gescheit sein und genügend blöd, an einer Miss-Schweiz-Wahl teilzunehmen.

War das chauvinistisch? – Nein, genauso wenig wie die Wahl zur Miss Schweiz selbst. Also weiter im Text. Nach dem Amtsjahr blieb Fiona der breiten Öffentlichkeit zum Glück erhalten. Wir alle erinnern uns gut und gerne an die weltbekannte Butterwerbung, bei der Frau Hefti neben einer Barbie-Puppe posiert und sagt «Ich esse Butter». Leider sind die Namen nicht angeschrieben. Aber gut ist schliesslich, was verkauft und unsereins – Hand aufs Herz – denkt seither immerzu an Fiona, wenn das Butterbrot mit der bestrichenen Seite auf den Küchenboden knallt. Alles in Butter.

Danke, Fiona Hefti, danke, dass du dreissig geworden bist. Und: Herzliche, herzliche Gratulation!

Brav ist blöd ist langweilig

21. Februar 2010

So so, die Miss Schweiz ist also „brav“ und „langweilig“ (vergl. Artikel in Aargauer Zeitung).

Linda hin – Linda her: Am Ende gehts ums Geld. Der anspruchsvolle Leser mag anmerken, dass dieser ganze Zirkus zu trivial ist, es nicht verdient hat, dass darüber geschrieben wird. Mag sein. Unsereins – das ist ein Fakt – kann sich allerdings der Miss-Maschinerie nicht entziehen, so omnipräsent wird in den Medien darüber berichtet. Und: Man schaut auch gerne hin.

Ewige Miesmacher dürften sagen „Linda ist eine Damenbinde“ und „Fäh klingt wie Wäh“, was ja sein kann, doch gehen wir dem Missmut auf den Grund: Was erwarten wir den bitte schön von einer Miss Schweiz?

Die Werber sagen, was sich gut verkaufe, sei gut, eine gute Miss Schweiz müsse Ecken und Kanten zeigen, ein bisschen polarisieren, was sich dann gut auf die Aufträge auswirke. Die Kasse muss eben stimmen. Na ja, das hat die letztjährige Miss Schweiz, die Frau Toyloy, schon etwas geschickter gemacht, mit ihrer Hirschmann-Affäre. Gut ist eben, was es in die Presse schafft. Und zu Carl Hirschmann. Warum in aller Welt denke ich beim Namen Toyloy immer an Beate Uhse?

Missen, die halt zu brav sind, die zu wenig hergeben (nicht mal ihren Freund, was ja immer gut ist für Schlagzeilen), die sind den lieben Boulevard-Schreinern ein Dorn im Auge. Einfach nur schön aussehen, das geht doch nicht. Schön aussehen und repräsentieren, das ist doch zu wenig, um mehr zu sein. Das ist doch langweilig.

Bei der Miss Schweiz Organisation ist man stets bemüht, es allen zu sagen, die es hören wollen: Die Miss Schweiz repräsentiert die Schweiz. Ist Aushängeschild. Muss etwas darstellen. Demensprechend sind ja auch die Regeln sehr streng. Rauchen? – Nein, das wäre zu viel für dieses Land. Man muss ja Vorbild sein. Nacktbilder, das geht natürlich auch nicht. Man muss Vorbild sein. Vorbild.

Ein bisschen blöd sein liegt durchaus drin. Das verträgt sich mit dem Bild, das gegen aussen vermittelt werden soll, mit der Aushängeschild-Funktion. Und eine Schlagzeile ist das allemal wert, wenn ein paar Miss-Kandidatinnen das Matterhorn nicht erkennen können. Also alles in Ordnung. – Solange die Kasse stimmt.

Aber – wie auch immer wieder ausdrücklich betont wird – es geht ja hauptsächlich um die inneren Werte. Darum werden an den Wahlen ja jeweils auch so tiefschürfende Fragen gestellt, um mehr zu erfahren. Und, liebe Linda Fäh, die inneren Werte sind ja total in Ordnung, wie die Fotos zeigen. Weiter so! Da darf man ruhig etwas langweilig sein. Und blöd.

Das Leben ist einfach

28. September 2009

Willkommen in der Welt der unfehlbaren Fernsehkritik. Die gute Nachricht zuerst. «Réduit» ist nicht die schlechteste Sendung des Schweizer Fernsehens. Kulturfanatiker unter uns haben es erraten: Die Rede ist von der Miss-Schweiz-Wahl 2009 in Frankreich. Ja. Dieses Jahr wird das Spektakel am 26. September unsere von Kartoffelchips- und Biergeruch geschwängerte Wohnzimmerluft zum Dampfen bringen, direkt übertragen aus der Arena Genève. Tatsächlich kriegen normal ernährte Menschen einen mittelschweren Heisshunger, wenn sie diese gut organisierte Anhäufung von Knochen über den Laufsteg klappern sehen. Für bedauernswerte Zeitgenossen, die voraussichtlich das TV-Ereignis des Jahres verpassen werden – als triftige Gründe gelten nur Niederkunft, Pandemie, Tod oder alles zusammen – das Wichtigste in Kürze: Zirka 950 Kilogramm Kandidatinnen geben alles, um das Krönchen zu ergattern. Eine fantastische Sendung. Tatsächlich ist weit mehr dahinter, als man auf den ersten Blick glauben könnte. Mehr noch als die visuellen Reize interessiert sich unsereins (allem voran die Männerwelt) für die wirklich wichtigen Informationen, die unsere Nation bewegen, die dafür sorgen, dass sich die Erde weiterhin um die Sonne dreht: Wer sind diese sechzehn wunderschönen Geschöpfe? Wie leben sie, was denken sie? Denken sie? Fragen über Fragen. Ein nicht zu unterschätzender Teil unseres Wissensdurstes wird von der offiziellen Internetseite der Miss-Schweiz-Fabrik gestillt, denn dort sind die Errungenschaften des zivilisierten Werteverständnisses detailliert vorgestellt. Eine Kandidatin hat einen Leberfleck beim rechten Ohr, eine trinkt ständig Eistee (man stelle sich das einmal vor!), eine liebt ihren Mops und eines der Mädchen bastelt aus Büroklammern Mini-Loungestühle. Liebe Leserin, lieber Leser, an dieser Stelle muss es in nahezu jeder Seele «Klick» machen, ganz tief drinnen. Endlich haben wir in unserem bis anhin so tristen Dasein gefunden, wonach wir so lange gesucht haben: Mini-Loungestühle aus Büroklammern. Das Leben macht wieder Sinn. Bemerkenswert ist auch ein anderes Phänomen. Offiziell hat sich ja nahezu keine der jungen Frauen selber zur Wahl angemeldet, sondern wurde – aufgepasst! – unwissentlich vom Bruder, von Kollegen oder von der besten Freundin angemeldet. Sicher. Die Erde ist eine Scheibe. Genau. Trotz allem eine gute Sache. Ein Augenschmaus. Also lästern wir nicht. Eine der Möchtegern-Missen bringt mit ihrer Aussage unfreiwillig alles auf einen Punkt, so, wie es kein Kritiker hätte besser machen können: «Ich sollte gewinnen, weil ich Fröhlichkeit und Einfachheit verkörpere.» So schön! Also nicht verpassen: 26.9. um 20.05 Uhr auf SF1. Oh, das war ja schon. Gratulation, Linda Fäh! Herzliche Gratulation. Ganz einfach.