Posts Tagged ‘Michelin’

Pissoir Rating #13, Caffé Florian, München

9. Oktober 2012

München, das ist nicht nur gepflegtes Biertrinken am Oktoberfest, nein, weit gefehlt. Der anspruchsvolle Pinkelfreund findet eine überraschend gepflegte Urinierkultur vor – zumindest im Caffé Florian in Schwabing (http://www.caffe-florian.de/).

Was im Lokalinnern implizit an Schickimicki angekündigt wird, bewahrheitet sich spätestens beim Gang zum Wasserlassen: Stilvoll, etwas kühl vielleicht und angestrengt nüchtern stehen dem Gänger ein paar formschöne Pissoirs zur Auswahl. Pluspunkte bringt sicherlich der diskret abgerundete, in bläulichem Milchglas gehaltene Sichtschutz, der Längenvergleiche und allzu heftige Emissionen flüssiger Natur zu verhindern weiss. Der Nachbar dankt.

Was den einen Freudentränen in die Augen treibt, ruft bei den anderen Brechreiz hervor: Die – zugegeben etwas lieblos – zugefügten Duftsteine dürften in Expertenkreisen für abendfüllende Diskussionen sorgen. Tatsächlich irritieren die WC-Accessoires die Zielgenauigkeit und vor allem die Nasenschleimhäute des Gastes enorm. Nicht eben von ästetischem Vorteil sind die billigen Plastikgitterchen, die das Absinken eben dieser Duftsteine zu verhindern wissen (die Kanalratten werden der Menschheit dafür danken). Das gibt natürlich Abzüge.

Nichtsdestotrotz vergeben wir dem stillen Örtchen des Caffé Florian eine gut gesinnte 4.5, was es in den oberen Bereich der Rangliste unseres Pissoir Michelins katapultieren dürfte. Die Sauberkeit schlägt sicherlich als grosses Plus zu Buche. Also: Hingehen uns sich selber überzeugen. Auf Wiederlassen!

Pissoir Rating #1 – Autobahnraststätte Saint Bernhard

3. Oktober 2009

Gut, das ist jetzt zugegeben eher so eine Rubrik für die Männerwelt. Wobei die moderne Frau gut und gerne einen Blick in das Herrnklo wirft. Sei es auch nur, weil auf dem Damenklo keine Handtücher mehr vorhanden sind oder die Lavabos von einer Horde Makeup-Artistinnen zugestellt ist. Oder für die Beantwortung der Frage: Ist eigentlich bei den Jungs auch so eine Sauerei wie bei uns. Gut. Hier werden also die Stillen Örtchen aus aller Welt bewertet. Genauer gesagt öffentlich zugängliche Urinale in meiner näheren Umgebung. „Aus aller Welt“ klingt einfach sehr cosmopolitisch und verleiht den Testberichten eine höhere Glaubwürdigkeit. Ohne hier in die Schmuddelecke abzudriften, ab und an muss halt das Kind beim Namen genannt werden. Das erste Testobjekt ist die Herrentoilette bei der Autobahnraststätte Saint Bernhard irgendwo zwischen Bern und Martigny. Fahrtrichtung Sion. Oder auch nach Martigny. Egal. Eines vorweg,  meine Herren: Es lohnt sich, dort Halt zu machen. Einerseits ist das Restaurant vorzüglich und direkt ans Gebäude ein schöner, künstlicher See angelegt. Anderseits – eben – ist die Herrentoilette alleine eine Reise wert. Da lohnt es sich durchaus, vor der Abfahrt irgendwo noch ein, zwei Liter Cola zu sich zu nehmen, um dann – vor Vorfreude fast platzend – am Zielort auch wirklich auf seine Kosten zu kommen: Die Anlage ist im Gebäude, mit angehnehm weissen Boden- und Wandplatten belegt und sehr, sehr sauber. Es stehen zirka acht Urinale in angenehmer Höhe (vermutlich nach DIN) zur Verfügung. Die Atmosphäre wird mit seicht-profaner Popmusik aufgelockert, die eine Spur zu laut ausfällt. Ähnlich wie bei Liftmusik ist ja bekanntlich Pissoirmusik immer dann zu laut, wenn man sie bewusst wahrnimmt. Zudem ist der anspruchsvolle Bisler etwas enttäuscht, dass nach dem Verlassen der Waschräume die genau gleiche Musik in den anderen Zonen des Gebäudes (Shop, Restaurant, Flur) zu hören ist.  Grosser Pluspunkt: Zum Händetrocknen steht ein Papiertuch-Spender zur Verfügung. Nicht einer dieser Handföhne, die einerseits die (unerfüllte) Sehnsucht nach einer Cabriolet-Fahrt mit 180 Sachen weckt und aderseits mehr – tödliche! – Bakterien an die Hände bläst als vorher dran waren.  Handföhne sind Gerüchten zu Folge eigens für Mister-Bean-Filme erfunden worden. Fazit: Das Pissoir in der Autobahnraststätte Saint Bernhard hat grosse Chancen, zum Testsieger zu werden. Leider habe ich im angrenzenden Autobahn-Shop kein Bier zum Verkauf entdeckt (Schweizer Gesetze halt). Dies hätte zum übermässigen Konsum und damit mehrmaligen Auskosten des gepflegten Wassrlass-Erlebnisses führen können. Schade.