Posts Tagged ‘Marco Streller’

Es lebe der Chancentod

10. Mai 2011

Die eidgenössische Sportlerseele weint: Die Sieger der Herzen, die Fussballgötter Alex Frei und Marco Streller treten pünktlich zur verpassten EM-Qualifikation zurück. Früher, in besseren Zeiten, hätten sie höchstens nachgetreten. – Oder allenfalls angespuckt, gell Alex. Jetzt wollen sie nicht mehr im roten Trikot gegen dieses Dingsda, gegen diese Tierhaut kicken, haben es satt, von den Medien ewig kritisiert zu werden und überhaupt: Nach dem Spiel sind die Knie jeweils so arg dreckig, dass man sie unter der Dusche richtig doll waschen muss. Nein, das Fussballgeschäft ist kein Schleck.

Frei war sozusagen die Miss Schweiz des Fussballs, auch – oder gerade – in Sachen Intellekt. Die Superlative. Kein Schweizer Nationalspieler hat bislang den Ball so viele Male ins gegnerische Tor geschossen wie er. Umso gemeiner waren die Pfiffe von ein paar unbelehrbaren Fans, die wohl dachten, sie seien etwas Besseres, jawohl, sie hätten das Recht, kritisch zu sein (man stelle sich vor: ein kritischer Fussballfan!) Gut, wenn Fans pfeifen, dann blasen sie wenigstens nicht in diese doofen Venezuelas oder so ähnlich, diese Plastiktrompeten, die vermutlich eigens dafür erfunden wurden, Menschen vom Fernseher fern zu halten. Sie verzeihen dieses Wortspiel.

Die Stärke des gross gewachsenen Streller war vor allem der Kopf. Sie wissen schon. Wobei der Rücktritt von Marco Streller keine Premiere ist, nein, der Sympathieträger hat sozusagen bereits etwas Übung in der Kunst des professionellen Zurücktretens. Vor ein paar Jahren trat er – kreativ, wie Fussballer nun mal sind – spontan von der Nationalelf zurück und gab kurz darauf den Rücktritt vom Rücktritt bekannt. Das zeugt von Grösse. Als ob man die Titanic vom Meeresgrund bergen würde, um sie ein zweites Mal zu versenken.

Was bleibt TV-Schläfern und Nicht-Europameisterschaften-Teilnehmern anderes übrig, als aufrichtig Dankeschön zu sagen, offiziell und neidlos: Adieu ihr Beiden, unser Fussballherz wird euch vermissen. Wir werden euch nie vergessen. Und jetzt lasst uns feiern! – Schampus!

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Pfiffe für Alex Frei? – Pfiffe für Alex Frei!

4. September 2010

Der Skandal um die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft ist perfekt: Helvetia spielt im Freundschaftsspiel gegen den übermächtigen Gegner Australien (!) ein 0 zu 0. Voll die Nullnummer.

Damit nicht genug: Stürmer Alex Frei verschiesst einen Penalty. Und – oh je, oh je – damit immer noch nicht genug: Die Schweizer Fans pfeifen die Pfeife – oh, Entschuldigung – Alex Frei nach dem missglückten Elfmeter immer aus, wenn er am Ball ist. Feindschaftsspiel.

Das ist insofern unschick, weil genau das dem lieben Marco Streller auch schon passiert ist, das mit den Pfiffen. Und zwar genau in der St. Galler AFG-Arena. Sowohl Alex Frei als auch Marco Streller sind Angestellte des FC Basel. Na ja.

Man kann jetzt hingehen und sagen „geht gar nicht, Schweizer Fans pfeiffen Schweizer Fussballer aus, geht gar nicht“ und – wie das jetzt der Fall ist – darüber beraten, in Zukunft keine Länderspiele mehr in St. Gallen abzuhalten, weil die Ostschweizer ganz offensichlich (sind wir alles Schelme?) nicht unbedingt die allergrössten Symphatisanten der Basler sind. Schande.

Man kann aber auch hingehen und sagen „ja, der Alex hat immer voll die grosse Ambitionen-Klappe von wegen Captain der Schweizer Nati und Leistungsträger und so weiter, den darf man auspfeifen“. Voilà!

Vielleicht sind die St. Galler Fans Vollidioten. Vielleicht sind sie aber auch Fans, die nicht alles einfach so hinnehmen, gerade weil der liebe Alex schon ein paar Mal ziemlich unschön versagt hat. Kritische Fussballfans?

Wir können die Unterscheidung „Baselfeindliche Fans“ und „Kritische Fans“ wahrscheinlich nicht machen. Jedenfalls nicht in diesem Leben. Was wir können, ist ganz fest hoffen, dass die Schweizer Buben im Quali-Spiel gegen England etwas besser agieren.

Und im hoffen, ja, im hoffen haben Fans des Schweizer Fussballs Übung.

Wir lieben Dich, Marco!

21. Oktober 2009

Elefanten vergessen nicht. Genauso wie Fussballfans. Heute ist ein Tag, an dem man auf jeden Fall über Marco Streller herziehen sollte. Das ist doch dieser Fussballer der Schweizer Nationalmannschaft (nein, jetzt geht das Geschwätz über Fussball schon wieder los!). Und wenn Sie denken, das hier sei jetzt so ein saudummer Miesmacher-Text, so sei Ihnen gesagt: Sie liegen vollkommen richtig. Hat doch unser Marco – wir dürfen doch „unser“ sagen, oder? – zum besten Zeitpunkt überhaupt, ein paar Tage vor dem Start der Euro08 nämlich, bekannt gegeben, nach dem Turnier zurückzutreten. Soso. Unsereins kommt dazu nur ein Wort in den Sinn: Heldentum. Alle haben wir bittere Tränen geweint. Oder fast alle. Während der Euro war Streller dann hauptsächlich erfolgreich im schlecht spielen. Und urplötzlich war der Superstar dann – allen Bemühungen zum Trotz, sich nicht zu verletzen – verletzt. Führende Mediziner rund um den Globus untersuchen nun, wie sich ein Mensch im stehen verletzen kann. Kurz nach der Euro08 konnten Herr und Frau Fussballfanatiker aufatmen. Denn er, unser neuer Tell sozusagen, hat den Rücktritt vom Rücktritt bekannt gegeben. Es ist einfach fantastisch. Übrigens war der Grund der ursprünglichen Demission das Pfeifkonzert an den letzten Vorbereitungsspielen, von den eigenen Fans. Das ist ja irgendwie auch eine Leistung, von den eigenen Leuten ausgebuht zu werden. Fans vergessen wie gesagt nicht. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass kürzlich am Spiel in Luxemburg auf den Rängen ein Transparent „Streller raus!“ gezeigt wurde. Obwohl Streller gar nicht im Aufgebot war. Immerhin. Bald ist ja WM in Südafrika. In Zukunft werden wir nicht nur im Stadion pfeifen wenn du am Ball bist, nein, wir werden auch zu Hause vor der Glotze ein infantiles Theater veranstalten. Bis die Nachbarn klingeln. Genau. Weil wir dich lieben, Marco. Weil wir dich lieben! Und: Weil wir nicht vergessen.