Posts Tagged ‘Maradona’

Ahhh … Argentinien!

7. Juli 2010

Gut. Regelmässige Besucher des unfehlbaren Blogs mögen es bemerkt haben: Entgegen der Prophezeihung des vermeintlich unfehlbaren Blogs ist Argentinien – oh weh! – aus dem Turnier ausgeschieden, daher – wie logisch – nicht Weltmeister geworden und zurück ins Reich der Grilladen geflogen. Schade.

Nun kann man ja hingehen und die fehlerhafte Prognose totschweigen, so, wie das die hochbezahlten Analysten in der Finanzwelt jeweils tun: Bei Erfolg grosse Klappe, bei Fehlprognose Amnesie. Hier nicht. Wie sollte ein Blog die Welt retten können, wenn er nicht transparent ist, wenn er … na ja.

Was bleibt ist ein dickes Entschuldigung. Entschuldigung für die falsche Ansage, liebe Leserin, lieber Leser. Ich werde mich davor hüten, jemals wieder eine Prognose abzugeben. Und in den Wunden herumstochern, nein, das geht nun auch nicht. Wir wollen hier nicht Analysen anstellen, warum es den Gauchos nicht gereicht hat, warum die Uhr von Werbeträger Maradona abgelaufen ist. Oder deren zwei.

Apropos Uhr, hier fällt mir ein schönes Geschichtchen ein, ein wahres: Ein paar Kollegen von mir und ich waren im El Lokal in Zürich das Spiel Schweiz vs. Spanien gucken (ja, jetzt fängt der wieder mit der Erfolgsstory der Schweizer Nationalmannschaft an … bäh!). Und als kurz vor Schluss das offizielle Männchen in der FIFA-Trainerjacke die Nachspielzeit anzeigte, auf der Leuchttafel, auf der eben dieser Sponsor aufgeführt ist, sagte ein Fan vor uns:

Was soll das? Jetzt wechselt der noch diesen Hublot ein, den kenne ich gar nicht!

Gut. Irgenwdie lustig und eine hervorragende Masche, vom oben beschriebenen Fehler abzulenken.

Die Voraussage von FIFA-Boss Sepp Blatter – dass aufgrund der hoch gelegenen Fussballfelder und des deshalb niedrigeren Luftdrucks mehr Tore fallen würden – hat sich bis anhin auch nicht bestätigt. Aber wir wollen ja nicht den Teufel an die Wand malen, es sind ja noch zwei Spiele übrig. Da kann noch was passieren.

Ach ja, bevor ich’s vergesse: Deutschland wird Weltmeister.

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Fussball-WM: Gips mir, Baby!

21. Mai 2010

Nachdem dieser Blog ja ganz unsportlich die Spannung aus der Fussball-WM genommen hat durch die vorzeitige Publikation des Weltmeisters – Sie erinnern sich: Argentinien – versuchen Herr und Frau Medien trotzdem verzweifelt, das laue WM-Vorfreude-Süppchen zu einem Fünfgang-Supermenü hochzukochen. Und das rund 30 Tage vor dem Anpfiff. Nur noch 30 Mal schlafen, Mann! Oder noch weniger.

Michael Ballack hat sich verletzt, was nicht wenige Experten zur Aussage veranlasst, dass die Siegeschancen für Deutschland damit entscheidend geschmälert werden. Das ist sozusagen das Innenbändlein an der Waage, wenn Sie mir, liebe Leserinnen und Leser, diesen komplett unqualifizierten Scherz erlauben. Nicht weniger Experten veranlasst die Verletzung von Herrn Ballack zur Annahme, dass die Chancen für Deutschland damit gestiegen seien. Man wird sehen. – Oder besser gesagt: Man wird eben nicht sehen, weil – oh Wunder! – Argentinien ja den Goldklumpen mit nach Hause nehmen wird.

Gerade so kurz vor WM-Start ist ja das gepflegte Verletztsein regelrecht trendy geworden. Bei den Schweizern (natürlich, die Schweiz spielt auch mit, aber ganz sicher) ist ja Spycher verletzt ausgefallen und hat somit Magnin eine hervorragende Möglichkeit geboten, ins WM-Kader nachzurücken und sich nach allen Regeln der Kunst ebenfalls zu verletzen. Not gegen Elend. Böse Zungen behaupten ja, die Schweizer Nationalmannschaft hätte an der Endrunde 2006 mehr Erfolg gehabt, wenn ein paar Stamm-Penaltyschützen verletzt gewesen wären. Wenn. Ist ja egal. Der ursprünglich vorgesehene deutsche Torhüter hat sich übrigens auch weh getan und fliegt daher nicht nach Afrika. Sowieso egal. Millionär.

Vom Verletzungspech verschont geblieben sind glücklicherweise die Trainer sämtlicher teilnehmenden Teams. Man stelle sich ein Ottmar Hitzfeld mit Gipsbein am Spielfeldrand vor. Das sähe vielleicht blöd aus. Oder Maradona mit einem geschienten Arm. Geht nicht. Wie soll man da Zigarren rauchen. Das würde die ganze Mannschaft aus dem Konzept bringen und sie würde ganz sicher erbärmlich verlieren. Womöglich würden sich viele Stammspieler aus purer Solidarität ebenfalls verletzen. Zweifelsohne. Ganze Partien müssten von der FIFA abgesagt werden, mangels Spielern. Am Ende würden auch die Fernsehzuschauer zu Hause den unmittelbaren Drang der Zugehörigkeit verspüren, zu ihrem favorisierten Team, und spontan verunfallen. Zum Beispiel vom Sessel zu gleiten, einer Schwalbe gleich. Und sich den Knöchel zu verstauchen. Oder die Hand, beim Öffnen der Kartoffelchips.

Dieser unschöne Trend wurde ja eingeläutet … ja, von wem denn nun? – Richtig: Von David Beckham, the one and only Beckham. Der, der mit der Schminke tanzt und überhaupt das Mass aller Dinge ist. Beckham war der erste Name, der fett die Zeitungen schlagzeilte und eine ganze Nation von Teeköpfen ins Elend stürzte. Das haben wir davon. Ein Spieler verletzt sich und eine ganze Fussballnation ist mausetot. Zum Totlachen.

Der interessierte Leser wird sich nun zurücklehnen, dreimal tief atmen und sich fragen: „Was, mein lieber Scholli, was in aller Welt will uns dieser Artikel sagen?“ Und: „Wir haben diesem Blog ein Grossteil unseres Wissens entnommen und jetzt begreifen wir plötzlich die Kernbotschaft nicht mehr.“ Das ist verständlich. Was also wollen uns die obigen Ausführungen mitgeben? Die Antwort liegt auf der Hand (nein, Diego, nicht auf der Hand Gottes …) und ist so simpel wie einfach:

Bleiben Sie gesund. Trotz Verletzung.

Wer warum Weltmeister wird

7. März 2010

Vor jeder Fussball-Europameisterschaft oder -Weltmeisterschaft setze ich hundert Franken ein bei einem Online-Wettbüro. Auf den Sieger. Bisher hatte ich immer auf Deutschland gewettet. Wobei man sich ja immer rechtfertigen muss, als Schweizer, wenn man Deutschland den Titel wünscht. „Was, Du setzt auf Deutschland? Mein Gott, bist Du etwa Deutschland-Fan?“

So weit, so gut. Würde ich dieses Jahr auf Deutschland setzen, so wäre die Quote 11. Will heissen: Für 1 Franken Einsatz kriege ich 11 Franken Gewinn im Falle eines Falles (Quelle: bwin.com). Am besten wird von den Buchmachern Spanien (Quote 5.25) und am schlechtesten Nordkorea (Quote 2000) eingeschätzt. Stand 7. März. Die Schweiz wird übrigens mit 151 aufgeführt. Na also, immerhin besser als Nordkorea. Ha ha.

Aber darum gehts hier nicht. Es geht darum, den Fussball-Weltmeister 2010 richtig zu prognostizieren. Und dafür ist dieser unfehlbare Blog wie geschaffen. Die Grossbank UBS hat ja durch ihr Analystenteam den letztmaligen Weltmeister Italien vorausgesagt, anhand von historischen Daten und Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Das ist schon imposant. Noch imposanter ist allerdings, dass Sie, liebe Leserin, lieber Leser, ganz ohne Analystengeschwafel den diesmaligen WM-Sieger hier bereits erfahren können: Argentinien.

Sie können jetzt einen unbeschwerten Lachanfall kriegen und sagen „ha, ha, Argentinien, was soll das, warum in aller Welt Argentinien?“ was nicht wenige machen dürften. Es gibt zwei Gründe für diese Prognose. Wobei: Ist etwas eine Prognose, was man schon weiss? Ist eine Prognose nicht immer eine Aussage mit gewissen Vorbehalten?

Grund 1 ist die Mannschaft. Sie ist gut. Sie hat kürzlich gegen Deutschland ein Freundschaftsspiel mit 1zu0 gewonnen. Natürlich nur ein Freundschaftsspiel. Aber immerhin. Die Mannschaft hat sich im letzten Moment in der WM-Qualifikation durchgemogelt, hat mit Biegen und Brechen das Ticket für Südafrika doch noch gekriegt, was sicherlich ein Grund sein dürfte, dass der Staat Argentinien heute noch existiert, weil bei einer Nicht-Qualifikation die fussballfanatischen Bürger vermutlich einen kollektiven Massensuizid zelebriert hätten.

Grund Nummer 2 ist Maradona. Ja, Sie haben richtig gelesen. Derjenige Diego Armando Maradona, der beim Training eine Havanna-Zigarre raucht, der nach eben dieser 5-vor-12-WM-Qualifikation den Journalisten gesagt hat „Ihr könnt mir alle einen blasen“ und dem ein Drogenproblem nachgesagt wird. Genau dieser Maradona. Der so viele Kritiker hat wie Aldi BMW-Fahrer. Ja, inzwischen wird Maradona von manchen Zeitungen als der schlechteste Trainer überhaupt betitelt. Und an dieser Stelle ein Zitat, das die Zeitung „Sonntag“ heute abgedruckt hat:

In einem Hospital hielt sich einer für Einstein und ein anderer für Newton, und als Maradona sagte, er sei Maradona, da wurde gelacht

Gerade deswegen werden es die Gauchos packen: Maradona entspricht nicht der Norm. Maradona lebt von Emotionen. Maradona ist Fussball. Und zwar geht es nicht um die Leistungen seiner aktiven Spielerzeit, sondern um die Bindung, den Kult Fussball, den Kult Maradona. Maradona ist Fussball ist Argentinien.

Vielleicht ist er ein Irrer, vielleicht nimmt er Drogen, vielleicht ist er ein schlechter Trainer. Doch: Wo steht denn bitte schön geschrieben, dass ein Drogen konsumierender Trainer ein Team nicht zum Titel führen kann? Wer sagt denn, dass ein Grössenwahnsinniger ein schlechter Coach sein muss? Und überhaupt: Ist der Chef der Mannschaft für das eigentliche Spiel so wichtig? Oder ist es auf diesem Niveau am Ende die Kunst des Motivierens, die ein Match entscheidet?

Gut, dies mag eine von vielen Voraussagen sein, die in letzter Zeit in der Presse, im TV, in Blogs herumschwirren. Es wird auch nicht die letzte sein. Vielen anderen hat diese Voraussage jedoch eines voraus: Sie stimmt.

(Übrigens: Argentinien hat auf Bwin.com Quote 11. Genau wie Deutschland)