Posts Tagged ‘Küche’

Sie lachen über uns!

26. August 2018

Nehmen wir Küchengeräte: Backofen und Steamer sind mit tausend intelligenten Programmen bestückt und verhindern, dass der Mensch irgendwas falsch machen könnte. Sie sind sozusagen Idiotensicher (hier ist kein Platz für sexistische Witze, bitte). Und in welchen Fällen versagt die Technik? – Genau: Wenn möglichst viel Besuch im Haus ist und alles tadellos funktionieren sollte. Ein Schelm, wer hier von Absicht spricht.

Sie sehen: Künstliche Intelligenz ist inzwischen so natürlich, so menschlich, dass sie Bösartigkeit entwickeln kann. Ist das nicht fantastisch? Die SBB-App versagt immer dann, wenn wir in Eile ein Ticket lösen wollen. Maschinen werden uns Menschen immer ähnlicher. Unter Stress funktionieren sie nicht mehr richtig. Das Google-Auto zum Beispiel kann nicht seitwärts einparken, wenn nebenan ein paar junge Frauen im Café sitzen und lächelnd zuschauen.

Sie glauben wir nicht? Machen Sie die Probe aufs Exempel und testen Sie eine Ihrer Maschinen. Zum Beispiel den Mixer: Er wird kläglich versagen, wenn wir gleichzeitig eine Aubergine und einen halben Sellerie pürieren wollen. Also helfen wir mit den Händen nach und drücken das Gemüse in Richtung Messer, welches just in dem Moment wieder funktionieren wird, in dem unser Zeigefinger in Reichweite ist. Ja, auch Maschinen können lachen.

Seien Sie mutig und probieren Sie das aus, im Namen des Fortschritts. Künstliche Intelligenz ist wirklich verblüffend! Viel Spass!

Bon appetit!

1. Juni 2016

Das A und O am Esstisch: Sagen Sie es auf Französisch. Das klingt massiv besser als Deutsch und gibt dem Gaumenschmaus sofort eine gewisse Hochwertigkeit, eine légère Leichtigkeit, ein weltmännisches Flair. Das Ohr isst schliesslich mit. Und sollten wir selber einmal nicht genau verstehen, was wir da sagen, auf Französisch, dann können wir entspannt zurücklehnen und lächeln: Unser Gesprächspartner weiss es auch nicht, in den meisten Fällen. – Es sei denn, er ist selbst Franzose (wobei er in diesem Fall ja froh sein kann, dass wir uns überhaupt mit ihm abgeben).

Französisch am Herd klingt kompetenter, melodiöser und halt einfach besser, zugegeben (nein, Kevin, nicht alle französischen Köche sind schwul). Die butterzarte «Foie gras» zergeht auf der Zunge, während die profane «Entenleber» ziemlich holprig daher gewatschelt kommt, irgendwie entenarschig, und womöglich sogar aus Tier gemacht ist. Wobei wir alle – allen voran die Kinder – mögen doch Stopftiere, nicht? Lieber nackt als in Federn.

Der gebratene Fleischklops wird zum «Chateaubriand», die frittierten Kartoffelstangen zu «Pommes Frites» und eine unsagbare, barbarische Kombination aus Schnitzel, Schinken und Käse zum «Cordon bleu». Fleisch und Käse zu kombinieren, darauf muss man erst einmal kommen. Hartnäckigen Gerüchten zufolge handelte es sich bei der Erfindung von Cordon bleu um einen Unfall beim Versuch, während der Französischen Revolution eine effiziente Hinrichtungsmethode zu entwickeln (vermutlich sind bis heute mehr Menschen durch diese Speise umgekommen als durch die Guillotine).

Auch Kellner bedienen sich der fremden Sprache, um Unschönes schön zu reden: Wir mögen unser Entrecôte «seignant» und nicht «blutig», denn niemand möchte ein blutendes – wenn nicht sogar menstruierendes – Stück Tier auf seinem Teller liegen sehen. Und dann auch noch essen – pfui! Nein, das geht nicht. Da würde niemand nach einem Nachschlag fragen, nicht einmal nach einem «Supplément».

Wenn uns der Kellner Dinge in eine fremden Sprache fragt, dann sind wir gut beraten, aus Protest (ja, protestieren ist immer gut, im Zeichen der Rebellion!) konsequent dumm zu schauen (vielen fällt das nicht schwer) und ganz selbstverständlich in unserer Muttersprache zu antworten. «Möchten Sie das Fleisch seignant?» – «gut durch, bitte!». Ausser natürlich in der Westschweiz, da müssen wir … – aber das würde jetzt den Rahmen sprengen. Ich muss weg. Adieu!

Grillieren geht über studieren

18. Juli 2014

Grillieren ist die beste Erfindung seit der Durchführung des Urknalls. Man könnte sogar so weit gehen und sagen, dass sich die Menschheit niemals so weit entwickelt hätte, wenn unsere Ahnen nicht Fleisch über Feuer gehalten hätten, – und damit sind nicht Hexenverbrennungen gemeint. Ein sich mit Pflanzen ernährender Mensch hätte sich zu einem Warmduscher mit Opfermentalität entwickelt und wäre mangels Aggressivität von wilden Tieren aufgefressen worden. Unbestätigte Statistiken beweisen übrigens, dass alle Zoowärter, die bis anhin von einem Löwen attackiert worden sind, Vegetarier waren. Item.

 

Heute denken die wenigsten Männer daran, wenn sie den Grill anwerfen. Lediglich die Natur weist uns darauf hin: Die Pupillen des Mannes weiten sich, der Bewegungsablauf wird nervöser, und ganz unüblich: Er denkt ein paar Minuten nicht an Autos, Fussball und Sex. Der Fokus liegt voll und ganz bei Feuer und Fleisch, bei Rost und Toast (stimmt nicht, aber reimt sich).

 

Dabei ist Grillieren ungefähr halb so gefährlich, wie das viele Menschen (vornehmlich Vegetarier) nicht selten behaupten. Fast neunzig Prozent der Männer, die sich bei einem Grillunfall verletzt haben, hätten sich nachweislich in einer herkömmlichen Küche viel schwerere Verletzungen zugezogen. Man denke nur an explodierende Dampfkochtöpfe und Fritteusen, an gequetschte Gliedmassen von der Backofentüre und zerfleischte Füsse vom Stabmixer. Oder an aufgeweichte Hände vom Spülen. – Sehr schmerzhaft! (Die Evolution hat diesen Gefahren Rechnung getragen: die meisten Männer können sich den Weg in die heimische Küche nicht merken).

 

Auch die Geschichten mit den krebserregenden Substanzen, die beim Grillieren angeblich entstehen sollen. – Humbug! In Wahrheit – und das hat man herausgefunden – erkranken nur jene Männer an Krebs, die sich beim Grillieren darüber Gedanken machen (siehe oben: Fokus auf Grill). Abgesehen davon ist ja heutzutage alles krebserregend, sogar die Kombination an Muskelbewegungen, die wir beim Aussprechen des Wortes «Krebs» benötigen.

 

Der Kontext an sich ist absurd. Die Tätigkeit, die den Menschen in der Evolution so weit gebracht hat, sollte ihn nun umbringen? – Wohl kaum. Also, ran an den Grill, Kohle anfeuern und loslegen. Guten Appetit!

Da ist der Wurm drin

26. Oktober 2013

Sie kennen das: Sie legen ein bisschen Obst in eine Schale und stellen diese auf den Küchentisch. Dann geschieht ein Wunder, mitten in Ihrer Küche: Abrakadabra, plötzlich kreisen Fruchtfliegen um das Obst. Aufgetaucht aus dem Nichts. Die sind überall. Ein Phänomen. Die einzigen lokalisierten Wesen direkt neben dem geschmolzenen Reaktor in Fukushima sollen angeblich Fruchtfliegen gewesen sein.

Stellen Sie sich vor, andere Lebewesen würden ebenfalls urplötzlich auftauchen, einfach so. – Zack, und ein Faultier liegt auf Ihrem Sofa (keine Analogien, liebe Damen!). Oder auf einmal sitzen ein paar Kamele im Bundeshaus. Oder eine Raubkatze spaziert in Ihrem Bad herum, wie in diesem Film da, diesem … – egal, irgendwas mit überhängend. Nein, angenehm wäre das nicht. Und bis anhin – wir schreiben das einundzwanzigste Jahrhundert – hat uns niemand so richtig plausibel erklären können, wie die Fruchtfliegen auf unser Obst kommen.

Einmal wollte mir so ein Biologe weismachen, dass – und jetzt wird’s richtig abstrus – die klitzekleinen Eier dieser Viecher bereits auf dem Obst sind, wenn wir dieses aus einem dieser dümmlichen Plastikkistchen im Einkaufsladen nehmen. Stellen Sie sich das einmal vor! Die Brut von unappetitlichem Ungeziefer auf unseren teuren Lebensmitteln! Sie, liebe Leserin, lieber Leser, werden soeben Zeuge eines neuen Skandals von unüberschaubarem Ausmass.

Na ja, bewiesen ist natürlich gar nichts. Man soll ja nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Selbst Biologen kann man nicht immer trauen (sogar unter Vegetariern gibt es schwarze Schafe – und umgekehrt). Fragt man jedenfalls höflich nach am Gemüseregal, weiss niemand der Belegschaft etwas von Eiern und Fliegen. Als Mann kann es schon mal passieren, dass man höflich aber bestimmt nach draussen begleitet wird, nachdem man einer Verkäuferin Dinge von Melonen, Äpfeln und Eiern versucht hat zu erklären. Ignoranz wird gross geschrieben.

Jedenfalls lohnt es sich als verantwortungsvoller Konsument allemal, bis zur Klärung dieses Umstandes vollkommen auf Obst und Gemüse zu verzichten. Oder wer nicht ganz verzichten kann (sogenannt Süchtige), einfach eine halbe Stunde in siedendem Wasser kochen (also, das Gemüse, nicht die Süchtigen). Bei Tiefkühlgemüse soll das Problem der Fruchtfliegen übrigens weitgehend unbekannt sein. Vereinzelt wurden herumfliegende Schneeflocken um die auftauende Gemüsepackung gemeldet. Mojito on the rocks.

Das Bundesamt für Gesundheit gibt Entwarnung, weshalb wir davon ausgehen können, in wenigen Monaten an verseuchten Lebensmitteln zu sterben. – So, wie es die Natur vermutlich vorgesehen hat: Der Triumph der Fruchtfliege über den Menschen. Amen.