Posts Tagged ‘Krebs’

Trink, Brüderlein, trink!

1. Juli 2012

Sie kennen das. Zur Genüge. Ein bisschen Bauchschmerzen oder eine Prise Unwohlsein. Und dann der Fehler, das beiläufig zu erwähnen, beim Kollegen im Büro vielleicht, oder beim Gegenüber beim Mittagessen. Soweit so gut. Alltag.

Dann kommt der Satz aller Sätze, geboren einzig und allein für diese Situation:

Vielleicht solltest Du mehr trinken?

Ja ja, früher haben wir das beim geselliger Runde gesagt und Alkohol gemeint. Hier geht’s um Wasser. Und es nervt. Denn inzwischen weiss jeder Einzeller, jede Qualle über die Wichtigkeit des hundsnormalen Wasserkonsums. Jeder. Also, lasst das bitte sein. liebe Wasserprediger! Ja, lasst Eure Mitmenschen Bauch- oder Kopfschmerzen haben auch wenn sie genug Wasser getrunken haben. Es ist ein Menschenrecht.

Tatsächlich kenne ich jemanden, der zu viel Wasser getrunken hat. Kein Witz. Man kann auch übertreiben. Stimmt also überhaupt nicht, dass „man gar nicht genug trinken kann“. Pustekuchen!

Also, liebe Die Mankanngarnichtgenugtrinken-Sager, sagt doch beim nächsten Mal etwas anderes, zur Abwechslung, zum Beispiel

Vielleicht hast du ja Krebs?

oder

Lass uns Tequila trinken gehen

oder

Reiss Dich zusammen / tu nicht so wehleidig / Lass mich in Ruhe / Wasweissich

Nur so als Tipp. Das mit dem Wasser trinken geht gar nicht. Man weiss das. Man. Weiss. Das.

Gut, wieder was gelernt. Ach, noch was: Bitte sagt es freundlich. Denn es könnte ja Krebs sein.

Heil dem Hungerpunkt!

13. August 2010

Neulich Bus gefahren. Kann passieren. Auch im Bus fickt uns die Werbung. Zum Glück. Konsumglück. Steht da gross am Fenster geschrieben:

Anti-Rauchen-Akupunktur CHF 190.– inklusive Behandlung Hungerpunkt

Herrlich! Wer hier wirbt, der stirbt (sorry, reimt sich so schön). – Nein, Entschuldigung: Wer hier wirbt, der ist clever. Ist es doch gerade das Hungerargument, dass viele Raucher vom Aufhören abhält. Genau, flach wie eine Flunder ist der Marlboro-Mann.

Stimmt das überhaupt, das Aufhören-und-Fett-werden-Argument? Da liegen sich die Experten in den Haaren. Die Einen sagen, dass sich mit dem Aufhören der Stoffwechsel so ungünstig und richtig ungeschickt verändere, dass man dick und rund werde. Litfasssäule. Andere sagen, dass das Rauchen den Appetit hemme und man nach dem Aufhören demnach einfach viel mehr esse. Zweiteres liesse sich ja irgendwie noch kontrollieren, so mit Wille und so, die Ersatzbefriedigung unterdrücken. Wille.

Ich sage: Es ist egal. – Was ist egal? – Alles ist egal: Wer rauchen will, der soll eben rauchen. Die anderen sollen es eben bleiben lassen und wer aufhören und nicht zunehmen will, der soll eben aufhören und nicht zunehmen. Aha. Soweit, so gut.

Um auf die Werbung im Bus zurückzukommen: 190 Franken sind schon ein stolzer Preis, auf den ersten Blick. Bei Kosten von sportlichen 7.50 Franken pro Schachtel und einem Konsum von – sagen wir – einer Schachtel pro Tag, dann … na na, wir wollen doch hier nicht anfangen, Dinge vorzurechnen. Jedenfalls ist der Akupunktur-Zauber schnell amortisiert. Wenn er wirkt. Ja, Wenn er wirkt. Einverstanden: Sterben ist billiger.

Da wir ja hier keinesfalls Raucher von ihrem Tun abhalten wollen, die Freiheit jedes einzelnen mündigen Bürgers so etwas von respektieren, schliesse ich diesen weltbewegenden Artikel mit dem weisen Satz, der mir kürzlich zitiert wurde:

Passionierte Raucher, die ständig von den tödlichen Gefahren des Rauchens lesen, hören auf. Mit Lesen.

In diesem Sinne: Rauchen Sie gut!

Schönen Gruss vom Hungerpunkt.

Rauchen Sie? Rauchen Sie!

14. März 2010

Morgens höre ich jeweils Radio Argovia. Das ist schon mal ein mutiges Statement. Eine Selbstoffenbarung ohne Gleichen, denn Radio Argovia ist doch eher sehr provinziell und bringt immer und immer die gleiche Musikschlaufe. Zur gleichen Zeit, meistens. Also. Ist provinziell schlecht?

Da sind jeweils zwei Leute auf Sendung, ein Mann und eine Frau, ok, eine Frau und ein Mann. Und die sind richtig gut, verbreiten verzweifelt gute Laune, am frühen Morgen. Der Hörer will ja gut aufstehen, gut drauf sein beim Frühstück, den Kopf wach kriegen. Kopfhörer.

Kürzlich haben die beiden dann mit einem Dritten gesprochen, haben den so befragt, ausgefragt. Einem Dritten, Mann klingt das scheisse. Der Mann ist offenbar ein Mitarbeiter von Radio Argovia und das Gesprächsthema war extrem interessant, denn er war genau an diesem Tag dabei, mit dem Rauchen aufzuhören, sich das Rauchen abzugewöhnen. Sehr, sehr interessant, dieses Thema. Vor allem für Raucher.

Er, der Mann, der Dritte, hat dann erklärt, wie er das Projekt „Aufhören“ angegangen sei. Er habe den Konsum seiner letzten Zigarette regelrecht zelebriert. Er fange jetzt sozusagen ein neues Leben an. Er habe sein Vorhaben einfach so vielen Menschen wie möglich erzählt, um sich selbst Druck aufzubauen. Damit er sein Gesicht verliere, irgendwie, wenn er wieder damit anfange. Wobei das ja ein wahrlich schönes Wortspiel ist, weil Rauchen angeblich auch Krebs verursachen kann und das Opfer dann ja in manchen Fällen auch das Gesicht – oder zumindest Teile davon – verlieren kann. Das ist vielleicht lustig, was?

Als ich das hörte, habe ich gelacht. Natürlich nur still vor mich hin, in mich hinein. Also, eigentlich war es ein kleiner Lachanfall in mich hinein. Und dann habe ich gedacht, du Depp, sagst das jetzt in die weite Welt hinaus, allen, die es hören wollen, dass Du mit dem Rauchen aufhörst. Im Radio. Machst ein riesiges Tamtam daraus, das Gesprächsthema Nummer 1, den Lebensinhalt Nummer 1. Guten Tag, mein Name ist Meier und ich höre mit dem Rauchen auf. Wie blöd muss man sein. Habe ich gedacht.

Natürlich haben die dann auch über die Gründe gesprochen. Krebs. Teure Zigaretten. Husten. Stinkende Finger. Ja, man kann daran sterben, am Rauchen, und das kann schon mal recht unangenehm sein. Also, das Sterben an sich, der Vorgang, beim Tod selbst weiss ich das nicht so genau. Und wenn einer jung stirbt – achten Sie sich einmal darauf – dann fragt man häufig: „Hat der denn geraucht?“ Und wenn der dann geraucht hatte, dann ist das dann völlig etwas anderes, als wenn er tagtäglich ein Glas frisch gepressten Orangensaft getrunken hätte und viel, viel Sport getrunken und keinen, keinen Alkohol getrieben hätte. Oder so. Das ist dann irgendwie, implizit, nicht so sehr schlimm, wenn ein Raucher gestorben ist. Selber schuld. Und wenn ein Raucher von der Strassenbahn überfahren wird, dann ist das ja auch komplett etwas anderes.

Was die aber nicht gesagt haben im Radio: Rauchen ist schön. Und genau das ist der Punkt, den viele Aufhör-Willige komplett ausblenden. Rauchen hat tausend Nachteile, will ich gar nicht schönreden. Aber Rauchen ist einfach schön, ein gutes Gefühl. Geil. Das haben die nicht gesagt. Und ich habe dann gedacht, lieber Mann, wenn Du aufhören willst, dann, lieber Mann, dann höre doch einfach auf. Lass es doch einfach bleiben. Und such Dir eine Ersatzbefriedigung. Zum Beispiel Kaugummi. Oder Sport. Oder Drogen. Aber lass die lieben Radiohörer in Ruhe mit dem scheiss.

Und dann habe ich nicht mehr gelacht. Nicht einmal mehr in mich hinein.

Avatar – Schall und Rauch

17. Januar 2010

Die heutige Schweizer Presse (siehe Link) bringt es auf den Punkt: Es ist ein Skandal! Da erlaubt es sich die Traumfabrik Hollywood tatsächlich, die Heldin rauchen zu lassen. Und das in einem Streifen mit einer Altersfreigabe ab 12 Jahren. Da bleibt uns die Spucke weg, die nikotingeschwängerte. Gerade in Fantasyfilmen ist es wichtig, dass sich die Jugendlichen mit den Filmfiguren identifizieren können. Das war schon bei Harry Potter so, als jedes Kind plötzlich zaubern wollte. Oder bei Batman, welcher Dreikäsehochs in aller Lande dazu animierte, im Kostüm fachmännisch aus der sechsten Etage zu springen. Nur Fliegen ist schöner. Also, Avatar: Wer den Film gesehen hat, der weiss, dass die Heldin während der Geschichte auch tatsächlich den Tod gefunden hat. Das gute Mädchen ist allerdings nicht an Krebs gestorben, sondern an etwas anderem, was ich leider vergessen habe, oder – ob der unermesslichen Tragik – erfolgreich verdrängt habe, jedoch nicht matchentscheidend ist. Dies könnte, gerade für clevere 12 jährige Jugendliche, durchaus zum Rückschluss führen, dass Rauchen zwar ungesund ist, dies aber für Helden absolut unwichtig ist, weil sie sowieso sterben. Heldentod. Andersrum: Der Bösewicht, der ja irgendwie auch ein Held ist, hat nicht geraucht und am Schluss trotzdem abgekr … – Entschuldigung. Summa summarum darf es nachdenklich stimmen, dass im Film ein paar Hundert Menschen und Fantasiewesen in einer unerbittlichen Schlacht umkommen und sich besagte Interessengruppen daran stören, dass eine der Hauptfiguren raucht. Denn gerade in Kriegen – sei es nun im Film oder in der traurigen Realität – ist die Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches höher, an zu viel Blei als an zu viel Teer zu sterben. Statistisch bewiesen. In diesem Sinne: Rauchen Sie gut!