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Der Alptraum hat einen Namen: Date Night

17. April 2010

Wir kennen das: Man geht in ein Multiplex-Kino, stellt sich vor den Bildschirm an der Kasse und guckt so etwas von spontan, welchen Film man sich ansehen möchte. Ohne grosses Vorwissen, so typisch unschweizerisch unvorbereitet, cineastisch laienhaft. Das kann gut gehen. Oder. Auch. Nicht. Sie sollten Date Night nur anschauen gehen, wenn Sie die Wahl haben zwischen einer dreitägigen Folter in einem thailändischen Gefängnis oder – eben – diesem Film.

Die Story ist schnell erklärt: Die Ehe von Claire und Phil ist langweilig und Phil will seine Frau darum in ein trendy Restaurant einladen, wo es zu einer Verwechslung kommt, weshalb irgendwelche Gangster hinter ihnen her sind. Super.

Was sich im ersten Moment als langweilige Geschichte anhört, entpuppt sich mehr und mehr als todlangweilige, grottenschlechte Geschichte, die zu allem Überfluss von – offenbar gezielt ausgewählten – untalentierten Schauspielern erzählt wird. Ursprünglich mochte ich den Schauspieler Steve Carell ganz gut. Seit diesem Film nicht mehr. Von Tina Fey, die seine Frau Claire spielt, wollen wir gar nicht anfangen.

Da gibt es gewisse Szenen, in denen sich der Zuschauer gezwungenermassen beleidigt fühlt, beleidigt vom seichten Humor, der seinen Namen nicht verdient hat. Während des ganzen Streifens wird der Zuschauer die Frage nicht los, wer das den bitte schön lustig findet. Ich weiss es nicht. Sollte das stellvertretend für den Geschmack der Amerikaner sein, dann gute Nacht!

Da ist zum Beispiel eine Szene, in der sich Mitten in Manhatten der Audi R8 der Protagonisten mit einem Taxi verkeilt, Front zu Front. Was im Grunde eine coole Idee wäre, wird so lange ausgelutscht und zu Tode gekostet, dass wir ohne Zweifel sagen können: Das Product Placing von Audi ist ganz schön in die Hose. Aber vollgas.

Die Hollywood-obligate Pathos-Szene fällt ebenfalls noch peinlicher aus als üblich: Das Ehepaar besinnt sich schliesslich, dass ihr langweiliges Leben mit Abstand besser ist als das turbulente Dasein unter Verfolgung von hirntoten Schwerverbrechern. Sie bleiben zusammen und sind glücklich und diese Moral ist so erschreckend einfach gestrickt, dass nicht einmal diese Message auch nur einen Funken von Glaubwürdigkeit aufweist. Schade. Normalerweise kann man bei den Trändendrüsen-Szenen der Traumfabrik wenigstens schallend lachen und sich von den anderen Kinobesuchern böse Blicke einheimsen. Auch dieses Vergnügen bleibt einem hier vergönnt.

Selbst die in Gastrollen agierenden Grössen wie Mark Wahlberg oder Ray Liotta können die Titanic nicht am sinken hindern (wobei das Schiff in diesem Falle bereits in der Werft in alle Einzelteile zerbrochen ist). Das, meine lieben Filmfreunde, das ist nicht einmal einfaches Pop-Corn-Kino. Das ist ein Verbrechen an der Menschheit, eine Beleidigung für jede Leinwand.

Wir geben die Note 1. Und dies auch nur, weil die Skala nicht bis in den Minusbereich geht. Nun ja, warten Sie, um auf den Einstieg zurückzukommen: Wenn ich’s mir richtig überlege, ich würde im Nachhinein die Folter wählen.

Haben Sie schon von den Morgans gehört? – Ja, leider.

17. Januar 2010

Guter Film: Ein getrennt lebendes New Yorker Ehepaar (Jessica Parker und Hugh Grant) wird Zeuge eines Mordes und muss daher an einem Zeugenschutzprogramm irgendwo im amerikanischen Juhee draussen teilnehmen. Der Plot ist vielversprechend und es spielen sich ein paar urkomische Szenen ab, die vor allem von Hugh Grant genial gemacht sind. Von seinem Humor lebt dieser Streifen. Neben ein paar (berechtigten) Witzen über Vegetarier zielen die meisten Sprüche – je nach Urheber – entweder gegen die dekadenten New Yorker mit ihrem exzessiven Lifestyle oder eben gegen die Landleute von … den Namen des Ortes ist mir entfallen. Diese scheinen erst vor ein paar Wochen dem Leben in einer Höhle und dem Jagen mit einer Keule abgeschworen zu haben und sind der Inbegriff der Rückständigkeit. Die Klischees des Landlebens werden überstrapaziert. Der Graben zwischen New Yorker Stadtmenschen und Landeiern im Nirgendwo mag tief sein, doch nach dem x-ten Gag in diese Richtung bildet sich selbst beim geduldigsten Zuschauer ein feiner Feuchtigkeitsfilm zwischen Kinosessel und Hintern. Aber es ist lustig, trotz Jessica Parker, die mit Ihrem „Bin-zwar-blöd-aber-ficke-gut“-Blick auch hier den verzweifelte Versuch unternimmt, eine gute Schauspielerin zu sein. Wie es sich für eine Hollywood-Produktion gehört sind auch ein paar romantische Szenen eingebaut (obwohl sich bei Amerikanischer Romantik manche Europäer spontan-lautes Lachen im Kinosaal verkneifen müssen). Und am Schluss, welch Überraschung, sind die beiden … – Oh, nein, das verrate ich natürlich nicht. Fazit: Ein guter Film zum Zurücklehnen und in Ruhe die alten SMS zu löschen. – Nein, ehrlich: Ich vergebe 3 Punkte. Ohne die Skala zu verraten. Gehen Sie nur in diesen Film, wenn zu Hause die Heizung ausgefallen ist.