Posts Tagged ‘Kino’

Denn sie wissen nicht …

22. September 2015

Am 30. September jährt sich der Todestag von James Dean zum sechzigsten Mal. Geboren am 8. Februar 1931 wurde James Byron Dean später eine regelrechte Kultfigur des Filmbusiness, vor allem durch den Film «…denn sie wissen nicht, was sie tun». Für sein Mitwirken in «Jenseits von Eden» und «Giganten» wurde er nach seinem Tod für zwei Oscars nominiert (na ja, vermutlich spart die Oscar-Organisationskommitee Geld beim Essen, wenn der Nominierte nicht erscheint). Die Strassenkreuzung, an der er den frühen Unfalltod fand, wird heute «James Dean Memorial Junction» genannt und ist mit einem grossen Schild gekennzeichnet. Selbst Schweizer Soldaten gedenken auf fast liebevolle Weise James Dean, indem sie die berüchtigten Fleischkonserven nach ihm benennen – «denn sie wissen nicht, was sie essen».

Über Tennis und Rache

27. Juni 2015

Rache ist süss. Darum lachen Bösewichte in den Filmen immer so dreckig. Wobei dies ja nur die halbe Wahrheit ist, denn die Bösen tun Schlechtes aus Eigennutz, was verächtlich ist, während der unbezwingbare Held aus Rache Hunderte von Bösen töten darf, unter dem Beifall der Kinobesucher. Im Kino sollten Sie übrigens nie beifallen, das kommt selten gut an. Pop Corn essen mit hundertfünfzig Dezibel ist erlaubt. 

Himbeersirup ist ebenfalls süss. Das ist heimtückisch. Man sollte nie – und es ist mir ein grosses Anliegen, dass dies alle verstehen – Rache mit Himbeersirup verwechseln. Bösewichte voller Sirup geben einen schlechten Actionfilm ab. Irgendwie unglaubwürdig. Stellen Sie sich vor, Rambo hätte die niederträchtigen Vietcong eingesirupt. Ganz blöd. Und Rache im Trinkglas, das geht auch nicht. Sirup lockt übrigens Wespen an. 

Die Versuchung ist auch süss, selbst die zarteste. Wobei wir uns nicht in Versuchung führen lassen sollten, auch nicht von der Werbung. Und schon gar nicht von der Lust. Manchen Menschen bereitet es Lust, sich auspeitschen zu lassen. Pferden nicht. Bereits auf den Galeeren wurden die Sklaven an den Rudern gepeitscht. Die haben gestöhnt vor Lust. Ich kenne übrigens niemanden, der schon einmal ein Zuckerbrot gegessen hätte. 

Orangensaft ist natürlich auch süss. Es gab einmal eine Schweizer Tennisspielerin, die sich eine Zeit lang fast ausschliesslich mit Orangensaft ernährt hat. Sie war süss. Orangen haben fast die gleiche Grösse wie Tennisbälle. Etwa 75A. Aber Früchte bleiben halbwegs stecken in diesem komischen, gespannten Netz des Schlägers. Nach Spannungen mit ihrem Trainer liess Patty Schnyder das Safttrinken schlussendlich bleiben. Über Orangenhaut weiss man noch weniger als über Bananenflanken. 

Wenn Sie nun, liebe Leserin, lieber Leser, nach der Moral dieser Zeilen suchen: Es gibt sogar mehrere Morale (oder: Moralen?) Ja, dies ist sozusagen der Evo Morales unter den Texten, denn a) seien wir noch vorsichtiger als sonst, wenn irgendetwas süss ist und b) hören wir verdammt nochmal auf, ständig über Tennis zu schreiben. Und zu lesen.

Pissoir Rating #15, Kino Rex, Burgdorf BE

19. August 2014

Meine Herren, wenn Sie ins Kino Rex in Burgdorf gehen, dann nehmen Sie Bargeld mit. Wer bezahlt schon Kinokarten mit Karte, nur Bares ist Wahres. Doch zum Wesentlichen: Im Kellergeschoss wartet eine echte Perle auf den Pinkelfreund, so schlicht und ehrlich, einfach und zweckmässig. Nein, Wohlgefühl muss nicht mit Modernität einher gehen!

Die Spülung funktioniert mit einem Drehhahn – wann haben wir das zum letzten Mal gesehen? – Herrlich. Schon damals – das Gebäude stammt vermutlich aus den Dreissigern – wurde auf die Dreierregel acht gegeben. Vom Design ganz zu schweigen: Vintage-Chic auf ehrlich unfreiwillige Art. Musik: Pustekuchen! Duftsteine und unnützer Firlefatz ebenfalls. Weisse Fliesen, und: Keine Tags und Schmierereien.

In unserer Wertung schlägt denn auch die puristische Einfachheit zu Buche: Wir verleihen Note 5.5 und katapultieren mit diesem Rating die Toilettenanlage des Kino Rex auf den Olymp des Pissoir Michelins. Sauberkeit gepaart mit einem nostalgischen Touch – eine Freude für Männerherzen. Burgdorf, das Tor zum Emmental, bietet eben mehr als nur ein Kino ohne Kartenleser. Probieren Sie es aus! Der Film war übrigens super. Aber wen interessiert das schon.

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Kino Rex, Burgdorf, 2013

 

Foto #1

13. Mai 2010

Havanna 2002; Frau vor Kino

Ja, das Foto habe ich selber gemacht. Ja, es wurde mit einer absoluten Billigkamera geschossen, was man sicherlich erkennen kann. Ja, es ist trotzdem eines meiner liebsten Fotos.

Der Alptraum hat einen Namen: Date Night

17. April 2010

Wir kennen das: Man geht in ein Multiplex-Kino, stellt sich vor den Bildschirm an der Kasse und guckt so etwas von spontan, welchen Film man sich ansehen möchte. Ohne grosses Vorwissen, so typisch unschweizerisch unvorbereitet, cineastisch laienhaft. Das kann gut gehen. Oder. Auch. Nicht. Sie sollten Date Night nur anschauen gehen, wenn Sie die Wahl haben zwischen einer dreitägigen Folter in einem thailändischen Gefängnis oder – eben – diesem Film.

Die Story ist schnell erklärt: Die Ehe von Claire und Phil ist langweilig und Phil will seine Frau darum in ein trendy Restaurant einladen, wo es zu einer Verwechslung kommt, weshalb irgendwelche Gangster hinter ihnen her sind. Super.

Was sich im ersten Moment als langweilige Geschichte anhört, entpuppt sich mehr und mehr als todlangweilige, grottenschlechte Geschichte, die zu allem Überfluss von – offenbar gezielt ausgewählten – untalentierten Schauspielern erzählt wird. Ursprünglich mochte ich den Schauspieler Steve Carell ganz gut. Seit diesem Film nicht mehr. Von Tina Fey, die seine Frau Claire spielt, wollen wir gar nicht anfangen.

Da gibt es gewisse Szenen, in denen sich der Zuschauer gezwungenermassen beleidigt fühlt, beleidigt vom seichten Humor, der seinen Namen nicht verdient hat. Während des ganzen Streifens wird der Zuschauer die Frage nicht los, wer das den bitte schön lustig findet. Ich weiss es nicht. Sollte das stellvertretend für den Geschmack der Amerikaner sein, dann gute Nacht!

Da ist zum Beispiel eine Szene, in der sich Mitten in Manhatten der Audi R8 der Protagonisten mit einem Taxi verkeilt, Front zu Front. Was im Grunde eine coole Idee wäre, wird so lange ausgelutscht und zu Tode gekostet, dass wir ohne Zweifel sagen können: Das Product Placing von Audi ist ganz schön in die Hose. Aber vollgas.

Die Hollywood-obligate Pathos-Szene fällt ebenfalls noch peinlicher aus als üblich: Das Ehepaar besinnt sich schliesslich, dass ihr langweiliges Leben mit Abstand besser ist als das turbulente Dasein unter Verfolgung von hirntoten Schwerverbrechern. Sie bleiben zusammen und sind glücklich und diese Moral ist so erschreckend einfach gestrickt, dass nicht einmal diese Message auch nur einen Funken von Glaubwürdigkeit aufweist. Schade. Normalerweise kann man bei den Trändendrüsen-Szenen der Traumfabrik wenigstens schallend lachen und sich von den anderen Kinobesuchern böse Blicke einheimsen. Auch dieses Vergnügen bleibt einem hier vergönnt.

Selbst die in Gastrollen agierenden Grössen wie Mark Wahlberg oder Ray Liotta können die Titanic nicht am sinken hindern (wobei das Schiff in diesem Falle bereits in der Werft in alle Einzelteile zerbrochen ist). Das, meine lieben Filmfreunde, das ist nicht einmal einfaches Pop-Corn-Kino. Das ist ein Verbrechen an der Menschheit, eine Beleidigung für jede Leinwand.

Wir geben die Note 1. Und dies auch nur, weil die Skala nicht bis in den Minusbereich geht. Nun ja, warten Sie, um auf den Einstieg zurückzukommen: Wenn ich’s mir richtig überlege, ich würde im Nachhinein die Folter wählen.

Sherlock Holmes – gut, aber …

28. Februar 2010

Bin kein Fan von Sherlock Holmes. Offenbar gibt es bereits diverse Verfilmungen, wovon ich bisher genau gar keine gesehen habe (was mich natürlich – wer hätte das gedacht? – nicht im geringsten an dieser Kritik hindert). Nicht so den neuesten Streich von Guy Ritchie, dem Ex-Mann von Madonna. Wobei es für einen mittlerweile etablierten Regisseur sicherlich erquickenderes geben dürfte als ständig im gleichen Atmzug an die Ex-Frau erinnert zu werden.  Offenbar, habe ich mir sagen lassen, ist diese Verfilmung überhaupt nicht Sherlock-typisch und die Kritiker sind sich ja ganz und gar nicht einig. Umso wichtiger die vorliegende, unfehlbare Kritik.

Die Szenerie ist so liebevoll düster gestaltet und erinnert stark an „Das Parfum“, wo die engen, dunklen Gassen ebenso detailliert und glaubwürdig abgebildet sind. Einfach schön. Der Holmes-Darsteller  Robert Downey Jr. (wer zum Himmel ist Robert Downey Jr?) ist wohl der Retter des Streifens und wird vorzüglich ergänzt durch Busenfreund Watson, der von Jude Law ebenfalls sehr gut gespielt wird. Jude Law übrigens für einmal mit Pornobalken und daher erstmal recht gewöhnungsbedürftig. Die Spielweise von Downey Jr. kommt der von Johnny Depp in „Pirates Of The Carribean“ gleich, weil so angenehm schräg, mit viel Witz, ein bisschen hölä-hölä und trotzdem sehr scharfsinnig. Dieser irre Blick, exzellent.

Der Film glänzt mit gutem, subtilem Humor. Was offenbar nicht jedermanns Sache ist, weil mein Kollege und ich nicht selten die einzigen im Kinosaal waren, die lachen mussten (das mag sicherlich mit unserer exorbitanten Intelligenz zu tun haben. Anders kann es nicht sein).

Die Story ist ganz in Ordnung, also, gemessen an den Ansprüchen, die wir an Hollywood stellen, ist die Story der absolute Highflyer. Und trotz der Filmlänge von über zwei Stunden kommt nie Langeweile auf. Was mir persönlich gut gefällt, ist, dass einer der richtig bösen Bösewichte ein Schneckenfresser ist, inklusive super-komischem Akzent, so schön klischiert. Am Schluss wird natürlich alles aufgelöst und … – nein, nein, das verrate ich natürlich nicht, denn: Sie sollten sich „Sherlock Holmes“ anschauen gehen. Am Schluss wird natürlich auch ganz elegant im US-Style Freiraum für einen zweiten Teil gelassen. Was mich persönlich als Holmes-Fan etwas ärgerlich stimmen würde. Was solls, Sie sollten sich selber überzeugen gehen. Es lohnt sich.

Ich vergebe Note 4.5 ohne Wenn und Aber. Aber wie gesagt: Wenn Sie kein Fan von Sherlock Holmes sind …

Pissoir Rating #7 – Youcinema Oftringen AG

22. Januar 2010

Man kann Multiplex-Kinos mögen oder nicht. Ich mag sie nicht, sie sehen überall auf der Welt gleich aus. Natürlich kann ich das nicht beurteilen, es klingt jedoch furchtbar kosmopolitisch, sich das sagen zu hören. Genau genommen war ich im Ausland erst einmal in La Paz (Bolivien) und Quito (Ecuador) in Multiplex-Kinos. Die sahen exakt gleich aus wie jene in Oftringen AG oder Emmen LU. Nach amerikanischem Muster halt. Wahrscheinlich haben sich da mal ein paar Architekten zusammen mit einer Dose LSD-Trips ein paar Tage in einer Zweizimmerwohnung eingeschlossen und sich gesagt: „So, jetzt planen wir mal ein Kino, das alle Menschen auf diesem Planeten toll finden.“ Gut, mit mir haben die offenbar nicht gerechnet. – Egal, diese wohlgemerkt sehr subjektiven Aussagen sollen in der Wertung des Pissoir-Michelin keinen Platz finden. Also, zurück zum eigentlichen Thema. Nachdem die erste Halbzeit des Films „Haben Sie schon das von den Morgans gehört“ oder so ähnlich (vergl. Filmkritik) in etwa so amüsant war wie die Schlacht um Stalingrad suchte ich also die Toilettenanlagen im Youcinema Oftringen auf. Sie wissen schon, das Oftringen, in dem der Baumarkt OBI steht, wobei sich der geschulte Handwerker schon immer gefragt hat, ob OBI auch Toilettenanlagen hat, was ja eigentlich sein müsste, weil ein Grossteil eines Handwerkerlebens in eben diesem OBI stattfinden dürfte, mit all seinen natürlichen Bedürfnissen. Auch egal. Jedenfalls betrete ich das Herren-WC und denke mir sofort: „Nein, Rizzitelli, nein, das ist nicht nach Feng Shui gebaut worden.“ Und tatsächlich war ich auf einen Schlag total überfordert ob der zirka zehn (!) Pissoirs zu meiner linken Seite und ein paar Kabäuschen zu meiner rechten. Blöd. Gerade weil die Meisten Menschen Rechtshänder sind und statistisch bewiesen ist, dass gerade Rechtshänder tendenziell dazu neigen, ein bisschen links zu gehen, wenn sie einen Raum betreten. Der Grund liegt angeblich im Instinkt, den rechten Arm frei zu haben um sich bei Gefahr verteidigen zu können. Übertragen auf die Toilettenanlagen im Youcinema Oftringen heisst das, dass Sie exakt in die Urinale hineinlaufen, was eher unschön ist, was jeder Mann bezeugen kann, dem dies schon einmal passiert ist. Gut, das gibt schon mal Feng Shui-Abzug. Die Anzahl ist ebenfalls zu hoch: Zu viele Köche – Entschuldigung: Zu viele Wahlmöglichkeiten sind nicht gut. Wenn – sagen wir – über 5 Pissoirs in einer Reihe stehen, dann kommt Unschlüssigkeit auf. Was zu Stau führt. Der Personen. Es sollte aus maskulin-humanistischen Gründen daher eine EU-Richtlinie geben, die eine maximale Anzahl festlegt. Wobei, da bin ich ganz offen, Oftringen meines Wissens nicht in der EU ist. Was natürlich kein Grund ist, hier in diesem Blog politisch zu werden, schon gar nicht beim Thema Pinkeln. Eine grössere Ansammlung von WCs erinnert gut und gerne an den Film „Full Metal Jacket“, wo sich in einer Szene – viele behaupten, es sei die beste Szene des Films überhaupt – ein Soldat auf der Toilette fachmännisch die Kugel gibt. Also, fernbleiben von zu vielen Toiletten! Wobei zugegeben in grösseren Betrieben logischerweise eine grössere Anzahl an Pissoirs bereitstehen muss, jedoch – Achtung! – immer eine ungerade Zahl. Warum? – Damit Mann die goldene Mitte wählen kann. Das ist wie beim Schweizer Bundesrat, wobei ich mich davor hüten werde, hier einen kausalen Zusammenhang zwischen Urinalen und dem Bundesrat herzustellen. Jedenfalls lässt der zielsichere Mann seine Notdurft auch in Oftringen in Becken der Marke Urimat, das heisst, in Urinale, die kein Wasser benötigen. Im Gegensatz zum McDonald’s in Kölliken (vergl. Rating) plätschert man hier nicht mit dem guten Gewissen, schweizweit 22 Millionen Liter Trinkwasser jährlich einzusparen. Schade. Dafür müssen wir Notenabzug geben, sorry! Ebenfalls Abzug geben die Werbeplakate, die vor jeder Station platziert sind. Nicht, weil sie dem ungezwungenen Wasserlassen einen kommerziellen Beigeschmack verleihen, nein, weil nicht an jedem Pissoir die gleiche Werbung hängen ist. Will heissen: Freunde des neuzeitlichen Marketings sind gezwungen, ihre Notdurft einzuteilen und sich an verschiedene Pissoirs zu stellen, um alle Botschaften lesen zu können. Was nicht selten zu irritierten Blicken der nichtsahnenden Mitpinkler führen kann, gerade wenn das Timing zwischen den einzelnen Phasen noch nicht einwandfrei funktioniert. Und noch einmal eine Abwertung gibt das Fehlen von Musik, was umso mehr ins Gewicht fällt, weil der Urinierende eben in einem Multimedia-Spektakel war (Bild und Ton) und sich danach dem schönen oder weniger schönen Klang verschiedener Geplätscher aussetzen muss. Eine der Stationen war mit einem Schild als defekt markiert, wobei unaufmerksame Mitarbeiter trotzdem die Werbung nicht entfernt haben, was zu nicht konfliktfreien Szenen führen kann, wenn sich Freunde der gepflegten Werbebotschaften keinen der Slogans entgehen lassen möchten, was wiederum heisst, dass Mann eben auch dieses eine defekte Becken berücksichtigt um nichts zu verpassen. Das führt früher oder später zu verständislosen Blicken und vor allem zu nassen Füssen. Fazit: Warten Sie ein paar Wochen und kaufen Sie dann die DVD des Films. Gehen Sie nicht in dieses Kino, und wenn, dann sicher nicht auf diese Toiletten. Wir vergeben die Note 2. Ist zwar hart, aber wie gesagt: Mann kann Multiplex-Kinos mögen oder nicht. Genauso ist es mit Multiplex-Pissoirs.

Planet 51 – Ausserirdisch schlecht

28. Dezember 2009

Eines vorneweg: In dieser Kritik wird das Ende des Films nicht verraten. Ich weiss den Schluss gar nicht mehr, die Story ist so unglaublich belanglos. Sie können – sofern Sie vorhaben, den Fehler zu begehen und dieses cineastische Desaster anzuschauen – also entspannt weiterlesen. Der Trailer, da war die Welt noch in Ordnung, war so vielversprechend: Ein NASA-Astronaut landet auf einem fernen Planeten und wird dort als Alien verfolgt. Lustig, gerade weil auf dieser anderen Welt die grünen Männchen genauso leben wie die Amerikaner in den 60igern. Das wars auch schon. Nada mas. Und die Sache mit diesen Pixar-Disney-Animationsgrütze verliert irgendwie langsam aber sicher ihren Reiz, ja, nervt sogar. Monsters AG war ja noch die Super-Neuigkeit, und Ice Age total lustig halt. Aber irgendwie reicht’s langsam. Bohnensuppe bleibt Bohnensuppe. Wir zelebrieren am Ende des Streifens das bittere Gefühl, die besten Gags bereits im Werbefilm mitbekommen zu haben. Schade. Planet 51 ist der beste Beweis dafür, dass sich mit grossem Aufwand aus einer guten Idee ein sehr schlechter Film machen lässt. – Na gut, Hand aufs Herz, einmal habe ich kurz geschmunzelt. Als ich mir aus versehen Bier auf die Hose geschüttet habe.

2012 – Die Welt geht unter. Der Kinobesucher auch.

17. November 2009

Neulich einen Fehler gemacht. Ins Kino gegangen, 2012 gucken. Im Gegensatz zu den wohlbekannten Weltuntergangs-Filmen wie z.B. „The Day after Tomorrow“ ist 2012 nicht schlecht. Sondern sehr schlecht. Abgrundtief. Aber eins nach dem anderen: in 3 Jahren wird also die Erde untergehen, so wie das ein paar Urvölker prophezeiht haben. Dank einer grossen Sonneneruption erwärmt sich das Erdinnere so ungeschickt, dass es zu Plattenverschiebungen kommt. Und tatsächlich werden während des Films Platten verschoben, dass jeder Star-DJ vor Neid erblassen würde. Durch die Geschichte führt natürlich ein rechtschaffener, amerikanischer Familienvater und stellt emotional die Weichen für ein paar dramatische Szenen Marke „Kinder in Gefahr“ und diesem Plunder. Grosses Plus: Die Special Effects sind absolut spitzenmässig gemacht. Wenn sich tiefe Risse durch die Oberfläche ziehen oder ganze Städte untergehen, das sieht schon super aus (hätte man auch mit Basel machen können, ohne Tricks). Leider bleiben die ausserordentlich guten Spezialeffekte das einzige Plus dieses Blockbusters. Angenehm anders als bei anderen Weltkaputtfilmen erscheint, dass unser Planet diesmal von den Chinesen gerettet wird und nicht von den USA. In China werden nämlich riesige – übrigens ebenfalls fantastisch animierte – Archen gebaut, die ein paar Tausend Menschen und Tiere retten werden (also, das Know how für die Schiffe stammte selbstverständlich schon von dem Amerikanern. So gute Qualitäten haben die Chinesen nicht). Gegen Ende des Films wird denn auch der ganze Planet überflutet – ausser der Sonderfall Schweiz natürlich. Wer Klischees mag, kommt ohnehin voll auf seine Kosten: Ein russischer Oligarch mit seinen zwei feisten Kindern hat sich für 1 Mrd. Euro ein Ticket für die Arche gekauft, wobei er seine blutjunge, blonde Freundin zurücklassen wird (es stellt sich – oh Schreck! – heraus, dass er diese Freundin genötigt hatte, sich eine Brustvergrösserung machen zu lassen – auf seine Kosten). Das von Hollywood vielfach eingesetzte, klassische Quotenpüppchen allerdings wird dem anspruchsvollen Männerauge vorenthalten. Mit einem weiteren Rekordversuch kann 2012 dafür auftrumpfen: Dialoge sind mit einer bewundernswerten Konsequenz unterirdisch banal geführt. Das wird die gehörlosen Kinofreunde freuen. Oje, meine Ohren vernehmen schon die urban-intellektuellen Cinéasten, die sich gerne sagen hören „Du musst den Film eben in Originalsprache Englisch ansehen. Das ist besser wegen der Dialoge und der Jokes“. Klar, mein Fehler. Wegen der Tschoucks. Über weite Strecken glänzt 2012 hervorragend mit unfreiwilligem Humor. Zur Benotung: Wir geben eine satte 6. Für das Pop Corn. Der Film kriegt eine 2 mit Rückenwind. Es gibt bestimmt schlimmeres, als sich das anzusehen. Aber nicht in diesem Leben.