Posts Tagged ‘Interview’

Es lebe Benaglio!

25. September 2010

Wie jeder – also, wirklich jeder – weiss, ist heute der grosse Tag der Wahl, der Wahl zur Miss Schweiz. Weltbewegend. Wie jedes Jahr wird immer und immer wieder unterstrichen, dass es also ganz sicher und überhaupt nicht nur auf Äusserlichkeiten der Kandidatinnen ankomme. Nein. Davon kann man halten, was man will.

Jedenfalls wurden einige Kandidatinnen von Radio Zürisee interviewt (ich liebe dieses Verb, interviewt klingt fantastisch!) und das war also nicht nur Blabla, wissen Sie. Das war also was!

Eine Kandidatin aus dem Tessin antwortete denn auch auf die Frage, mit welchem Promi sie denn gerne Essen gehen würde, ohne zu zögern mit Diego Benaglio. Der Schweizer Nationaltorhüter überzeuge sie mit seiner ausserordentlichen Leistung. Finde ich gut. Dann wurde es richtig lustig, denn die junge Frau schob den Satz nach:

…und ohne Torhüter kann man einfach nicht gewinnen

Bravo! Wo sie recht hat, hat sie recht. An dieser Stelle wünsche ich der Kandidatin – deren Name mir leider entfallen ist – alles, alles Gute an der Wahl.

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Mensch sein

22. März 2010

Interviews sind eine feine Sache, zweifelsohne. Wir erfahren tausend interessante Dinge über den Befragten, inklusive Infos über die Charaktereigenschaften des Stars. Gewollt oder ungewollt.

Anlass zur Heiterkeit geben jeweils die Fragen über schlechte Tage oder weniger gute Leistungen der Interviewten. Denn nicht selten fällt in den darauffolgenden Antworten die Aussage

ich bin auch nur ein Mensch

Und dies ist der Satz der Sätze, die Mutter aller Antworten. Ist das nicht schön? Ein wahrlich befreiendes Gefühl für alle, die das Interview lesen.

Liebe Leserin, lieber Leser, sollten Sie demnächst interviewt werden und in einer Antwort mit unfreiwilligem Humor glänzen, so machen Sie sich nicht unnötig Vorwürfe. Wir sind doch alle nur Menschen, oder?

Das Rätsel um Ihr Geheimnis

1. März 2010

Sie heissen InStyle, Vogue, Gala, Annabelle, Freundin und sind so schrecklich vergleichbar. Nichts gegen diese Zeitschriften, sicher nicht. Oder Magazine. Diäten, Mode, Stars, Stars, Mode, Diäten. Und viele schöne Bilder. Also: Kein Kostverächter. Nichts einzuwenden.

Sobald eines dieser Formate ein Interview bringt, mit einem Star, mit einem Beau, mit einem Newcomer, mit einem Model, mit einem Irgendwer, der wichtig ist, kommt mit an Bestimmtheit angrenzender Wahrscheinlichkeit eine Frage, die mich nachdenklich stimmt. Eine Absurdität. Achten Sie sich einmal darauf. Solche Interviews werden ja häufig gemacht. Die Frage ist:

Verraten Sie mir das Geheimnis ihrer guten Figur

Gut. Gerade vor dem Hintergrund, dass gerade diese Stars und Sternchen ganz offensichtlich nicht eben selten interviews geben für diese Art von Zeitschriften, ist die Frage doch eindrücklich. Es ist eine Konserve. Es ist Bullshit. Frauen tendieren dann zur Antwort, dass sie alles essen, was ihnen beliebt und viel, viel Sport treiben. Klar. Man spricht dann gerne von Personal Trainer und Fitnessstudio und Workout und dergleichen. Sicher, das ist ja alles gut und recht.

Endlich, endlich möchte ich zum Beispiel eine Heidi Klum nur einmal in einem Interwiev antworten hören, dass … – na ja, Heidi Klum ist vielleicht ein ungutes Beispiel, weil so aalglatt, so perfekt, so unfehlbar, so abtörnend. Nehmen wir halt Victoria Beckham. Als Beispiel. Nur einmal möchte ich lesen, dass sie auf obige Frage mit einem müden Lächeln im Gesicht zur Antwort gibt:

Nein, dann wäre es kein Geheimnis mehr, sie Pfeife

Nur einmal, Posh, nur einmal. Cheers!

Torrekord? Torrekord!

24. Januar 2010

In der heutigen Ausgabe der Zeitung „Sonntag“ ist ein Interview mit FIFA-Präsident Joseph S. Blatter abgedruckt. Nein, wir wollen hier nicht über Sesselklebertum oder Korruption sprechen. Es geht vielmehr um eine Aussage Blatters, die mich nachdenklich stimmt: „Ich rechne an der WM in Südafrika mit einem Torrekord, denn die meisten Spiele finden auf über 1000 Metern statt. Da ist der Luftwiderstand kleiner.“

Gut, das setzt uns einem Wechselbad der Gefühle aus. Amüsiertes Lächeln weicht dumpfem Brüten. Bei Interviews ist das immer so eine Sache, da kann der Leser ja nicht wissen, ob Blatter den Satz mit einem Augenzwinkern, aufgrund nackter Angst vor einem WM-Flop wegen ausbleibender Ticketbestellungen oder während eines Lachanfalls von sich gegeben hat (manche Journalisten schreiben jeweils in Klammern gewisse Gesten oder Gefühlsregungen des Interviewten mit, was ich persönlich sehr begrüsse). Jedenfalls gefällt mir der Zusammenhang zwischen Luftwiderstand und Anzahl Toren.

Die Bälle kommen also mit grösserer Geschwindigkeit auf den Torwart zu. Wobei ja der Keeper zwar nicht schneller reagieren dürfte. Ausser dünne Luft wirke sich positiv auf das Gehirn und folglich auf die Reaktionsgeschwindigkeit aus (da müsste man jetzt einen Neurobiologen kennen, der das wüsste. Oder eine Neurobiologin). Aber der Torwart hechtet ja dann nach dem Ball, und der Weg von Torwart zum heranfliegenden Ball dürfte dann ja ebenfalls schneller zurückgelegt werden, weil der Widerstand seines Körpers kleiner ist. Oder?

Bis anhin war ich immer der Meinung, dünne Luft beeinträchtige die Leistungsfähigkeit des Gehirns, das ja dann mit weniger Sauerstoff versorgt wird. Wobei das ja in diesem Kontext nicht stimmen muss, weil der Sportler in höheren Regionen automatisch mehr Atemzüge macht um das vermeintliche Manko zu kompensieren. Der Begriff „Atmungsaktiv“ wird neu definiert. Gerade Sportraucher stellen in höher gelegenen Gebieten immer wieder fest, dass sie viel stärker am Glimmstengel ziehen müssen, weil das Ding nicht so gut brennen will.

Das Problem (mit der dünnen Luft, nicht mit dem Rauchen) besteht ja vor allem bei Fussballspielen in den Anden. Wir erinnern uns: Vor zirka einem Jahr hat eben dieser Sepp Blatter, der sich jetzt freut, dass mehr Tore fallen, dem bolivianischen Fussballverband verboten, offizielle FIFA-Spiele in La Paz auszutragen. Es darf gelacht werden. La Paz liegt auf 3600 Metern über Meer. Damals hat sich sogar der Staats-Präsident Evo Morales eingeschaltet, um gegen das Verbot zu protestieren, was doch als Anzeichen für die grosse Brisanz des Themas gewertet werden darf. In der Tat gewinnen in der bolivianischen Fussball-Liga die Heimteams von La Paz immer die Spiele gegen Mannschaften aus massiv tiefer gelegenen Regionen. Wie viele Tore da jeweils fallen weiss ich auch nicht.

Noch gar nicht in die Überlegungen mit einbezogen ist der Umstand, dass bei dünner Luft und daher geringerem Luftwiderstand ja auch die Spieler selber schneller rennen können (sofern das mit der Sauerstoff-Zufuhr einwandfrei klappt). Die Stürmer sind also schneller. Und schneller müde. Die Verteidiger allerdings auch, weshalb sich das ja ausgleicht. Vermutlich wird dies einzig zu einer wahren Herausforderung für die TV-Stationen: Die Zeitlupe ist zu schnell. Muss man neu justieren. Eine Partie wird übrigens auch an dieser WM 90 Minuten dauern. Vermutlich.

Um den kausalen Zusammenhang zwischen Luftdichte und Anzahl Toren zu prüfen, könnte man – wenn es mal regnet und kein Bier mehr da ist – die Spiele der WM 1986 in Mexico analysieren. Ein paar wurden nämlich in Mexico-City ausgetragen, was auf über 2000 Metern über Meer liegt. Allerdings könnte der Ball damals gleich schnell oder sogar langsamer geflogen sein, weil A) die Beschaffenheit der Fussbälle damals zweifelsohne anders war als heute und B) der beschleunigende Effekt des geringen Luftwiderstandes von der extrem gut ausgeprägten Luftverschmutzung in Mexico-City aufgehoben worden sein könnte. Item.

So, genug sinniert. Vielleicht hat unser lieber Sepp Blatter ja auch nur einen super-pointierten Witz machen wollen. Und der ist dann nicht so gut angekommen. Dieses Geheimnis wird er wohl mit ins Grab nehmen, weil – die Befürchtungen wollen es so – ein Grossteil der WM-Besucher sowieso von afrikanischen Terroristen oder Banditen erschossen werden. Die Patronen sind ja dort auch schneller.

So traurig, so unglaublich traurig

11. November 2009

Dieses legendäre Interview ist zwar schon eine Weile her. Es stammt aus einer Zeit, als der FC Basel noch gegen die Young Boys Bern gewann. Man achte auf Minute 1.00: Von allen Beschimpfungen ist das diejenige, die sich ein jeder Fussballer merken sollte. Herrlich! Carlos Varela spricht ebenfalls von „traurigem Fussball“, was ein paar Fragen aufwerfen dürfte. Für wen war dieses Spiel traurig? Und warum? Na ja, als bekennender Young Boys-Sympathisant muss ich eingestehen, nicht eben traurig darüber zu sein, dass Carlos Varela inzwischen nicht mehr bei YB spielt. – Okay, okay, ich höre schon auf. Und halte meinen verdammten Schlitten… 😉