Posts Tagged ‘Humor’

Schluss mit lustig

27. März 2014

Die beispiellose Erfolgsgeschichte des Antirassismus-Gesetzes beflügelt die Gesetzesschreiber zu neuen Glanztaten. In Planung sind der Anti-Unfreundlichkeits-Paragraph, die Anti-Antichristen-Verordnung sowie das Anti-«im-falschen-Moment-lachen»-Gesetz. Letzteres wird verhindern, dass Unbelehrbare im Publikum einer öffentlichen Vorführung dann lachen, wenn es einfach unpassend ist. Oh ja, die Juristen haben Blut geleckt.

 

Bei allen gilt: Wer nicht für diese Paragraphen ist, ist gegen sie. Jegliche Vorbehalte enttarnen den Bürger als gemeinen Rassisten, unfreundlichen Rüpel, Satanist oder Falschlacher. Es gilt, nun endlich Position zu beziehen und diesen Sauhaufen in unserer Gesellschaft in die richtigen Bahnen zu lenken. Ausmisten. Farbe bekennen. Das sind wir uns schuldig, schliesslich.

 

Gerade bei Theaterstücken nerven ewige Banausen, die «ohhh» oder «uhhh» rufen wenn auf der Bühne gerade der Nazi erschossen wird. – Bei solchen Szenen wird doch applaudiert! Wie soll man so etwas diesen … diesen … – also, ehrlich! Zur Diskussion steht in diesem Zusammenhang eine Art Prüfung, die der Kulturfreund bestehen muss, bevor er Stücken beiwohnen darf. So ähnlich wie die Hundehalter-Prüfung, nur ohne Bellen.

 

Für Kinobesucher wird die Prüfung natürlich auch gelten. Sie glauben gar nicht, was man da so erlebt. Als Leonardo Di Caprio in «Titanic» in diesem Eiswasser für immer versunken ist – Sie wissen schon – da hat doch tatsächlich einer im Saal lauthals herausgelacht. Alle haben sich dann nach ihm umgedreht und sehr, sehr böse geguckt, geradezu entsetzt. Da habe ich halt aufgehört. Item.

 

Zurück zu den Paragraphen. Bevor ich’s vergesse: Das Anti-Anti-Gesetz, welches Menschen, die gegen eines der Anti-Gesetze sind, in die Schranken weisen soll, wird demnächst im Parlament vernehmlasst. Aber das ist eine andere Geschichte, die erzähle ich Ihnen ein anderes Mal. – Oder, nein, warten Sie: Die erzähle ich Ihnen wohl besser gar nie.

Armee der Schenkelklopfer

12. März 2014

Die Zeiten ändern sich eben. Früher war ein Witz ein Witz. Heute ist er eine Gratwanderung. Und jeder, der schon einmal auf einem Grat gewandert ist, weiss zu gut, dass es erst bei einem Fehltritt so richtig lustig wird. Rechts oder links, ganz egal. Noch nie war politische Korrektheit so unlustig wie heute. Konsequent. Wir gehen zum Lachen in den Bunker.

Der Scheiss-Neger ist tot, es lebe der Exkrement-Starkpigmentierte! Im Namen eines neuen, korrekten Bewusstseins. Unsere Kinder spielen nicht mehr «Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann» sondern «war hat Angst vor dem bösen Mann». Das ist ein Unterschied. Und tatsächlich: Wir sind bessere Menschen geworden. Der Schoko-Kuss schmeckt einfach besser als der Mohrenkopf.

Die neue Denke gefällt, das Publikum hat verstanden: Die Mehrheit lacht nicht mehr bei Witzen über Minderheiten, sondern bleibt stumm bei Witzen über sich selbst. In Arbeit ist der genormte Humor, nach DIN. Nein, lustig ist das nicht. Aber total in Ordnung. Man kann schliesslich auch über andere Dinge lachen, zum Beispiel über … -ach was, wissen Sie, ich habe keine Lust mehr, irgendwie.

Otto find ich gut

9. Juli 2013

Manche grossen Künstler verpassen es einfach, rechtzeitig zu sterben. Na ja, sich aus dem Rampenlicht zurückzuziehen, würde bereits ausreichen, in vielen Fällen. Nach dem Zenith ihrer Karriere machen sie weiter und weiter. – Und weiter. Otto Waalkes gehört sicherlich nicht zu jenen, deren Humor niemand mehr lustig findet. Wobei: Diejenigen Leute, die seine Witze lustig finden, dürfen nicht lachen, weil sie weiterspielen müssen. Die letzte, grosse Sternschnuppe am ostfriesischen Humorhimmel war sicher seine Rolle als Synchronsprecher im Film «Ice Age», die wir hoch anrechnen. Herzlichen Glückwunsch zum fünfundsechzigsten Geburtstag am 22. Juli. Feier schön! Und erzähl bitte keine Witze am Fest. – Es soll ja lustig werden.

Mensch sein

22. März 2010

Interviews sind eine feine Sache, zweifelsohne. Wir erfahren tausend interessante Dinge über den Befragten, inklusive Infos über die Charaktereigenschaften des Stars. Gewollt oder ungewollt.

Anlass zur Heiterkeit geben jeweils die Fragen über schlechte Tage oder weniger gute Leistungen der Interviewten. Denn nicht selten fällt in den darauffolgenden Antworten die Aussage

ich bin auch nur ein Mensch

Und dies ist der Satz der Sätze, die Mutter aller Antworten. Ist das nicht schön? Ein wahrlich befreiendes Gefühl für alle, die das Interview lesen.

Liebe Leserin, lieber Leser, sollten Sie demnächst interviewt werden und in einer Antwort mit unfreiwilligem Humor glänzen, so machen Sie sich nicht unnötig Vorwürfe. Wir sind doch alle nur Menschen, oder?

Lichtblick im Comedy-Chaos

13. März 2010

Momentan ist ja alles Comedy. Jeder Einäugige, der auch nur einen Ansatz eines Schmunzelns hervorrufen kann, scheint eine eigene Comedy-Show zu kriegen. Die deutschen Privatkanäle sind Comedy. Das Leben ist Comedy. Mein Gott, was haben wir getan, wir sind kurz davor, uns totzulachen, kollektiv. Das alles ist so furchtbar lustig.

Gut, lachen ist gesund. Und lustige Sendungen ein Segen. Wir wollen lustig sein und den Alltag für einen Moment vergessen, wogegen ja nichts einzuwenden ist. Der springende Punkt ist: Der Humor passt sich dem kleinsten gemeinsamen Nenner des Publikums an. Entschuldigung, das ist nicht eben ein Kompliment für das breite Publikum. Niemand will hier Pauschal-Ohrfeigen verpassen, sicher nicht. Betrachten wir den Humor der Sendungen, der sogenannten Comedy-Stars, diesen Schenkelklopfer-Humor, so dürfen wir berechtigt fragen: Sitzen tausende von Einzeller zu Hause vor den Flimmerkisten? Wer guckt das regelmässig? TV für Zombies? Für Plankton? Haben nicht auch Glasfaserkabel ihren Stolz?

Ein Lichtblick am medialen Horizont bildet Johann König. Gut, Johann König ist nicht so sehr bekannt. Er ist der beste deutsch sprechende Komiker der Gegenwart (wobei ich zugegeben nicht eben viele anderssprechende Künstler kenne, aber es klingt eben gut, sich das sagen zu hören). Der Humor von König hat genau das, was den anderen fehlt: Tiefgang. So herrlich subtil, auf den ersten Blick so banal. Das ist Kunst, das ist Comedy! Überzeugen Sie sich selbst.

Und wäre der vorliegende Blog nicht unfehlbar, liebe Leserin, lieber Leser, so dürfte das kritische Gemüt berechtigt anmerken, dass dies alles reine Geschmackssache sei. Klar. Was ist lustig und was nicht. Das alles relativiert sich. Denn im Moment, im Moment ist ja alles Comedy.

Schweizer Qualität

29. September 2009

Schweizer Humor ist der beste. Überhaupt. Weltweit. Qualität setzt sich immer durch. Das hat unter anderem dazu geführt, dass der Schweizer Humor von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Aus diesem Grund – bitte achten Sie einmal darauf – lächeln Ihnen alle Menschen freundlich zu, wenn Sie durch Zürich spazieren. Oder durch Luzern halt. Oder Bern (dort lächelt man einfach etwas langsamer, ist dafür nicht so schnell fertig). Egal. Verbunden damit ist auch die Pflicht, über mittelmässige Witze zu lachen. Was unter anderem dem Schweizer Fernsehen durchaus entgegen kommt. Und der Billag. Gut. Das war jetzt zugegeben sehr, sehr witzig. Eidgenossen waren schon seit eh und je lustig. Was haben unsere Väter gelacht, als sie die Landesgrenzen gezogen haben! Es waren regelrechte Lachkrämpfe. Zum Spass haben sie Basel einfach mit dazu genommen. Und im Osten haben sie sich einen Jux erlaubt und eine Schleife gezogen: Liechtenstein. Darum lächeln die Liechtensteiner auch immer so verschmitzt, wenn sie hier als Ausländer bezeichnet werden. Alles nur ein Scherz. Im Endeffekt, darüber schweigen Historiker gerne, wurden die Eidgenossen im 2. Weltkrieg nicht zuletzt wegen ihres unermesslichen Humors von den Deutschen verschont. Das Heer hatte Angst, im Gefecht ausgelacht zu werden. Und so liess man das eben sein. Der Humor ist bis heute geblieben. Selbst Statistiker beweisen das. In der Schweiz lachen sich weit mehr Menschen tot als anderswo. In diesem Gebiet sind wir also auch Spitze. Genau wie in der Selbstüberschätzung. Qualität setzt sich eben immer durch.