Posts Tagged ‘Haare’

Hör aufs Haar

24. September 2016

Tatsächlich wird in der alltäglichen Kommunikation das Haar tendenziell unterschätzt – um nicht zu sagen: ignoriert. Kein Wunder also, dass mehr als fünfundneunzig Prozent der Missverständnisse auf eine ungenügsame Interpretation von Haaren aller Art zurückzuführen sind. Darin inbegriffen sind die eigenen Haare, die uns mehr zu sagen haben, als wir wahrhaben möchten. Aber machen wir ein paar Beispiele.

Wenn Ihnen das Haar zu Berge steht, dann ziehen Sie die Wanderschuhe an. Begegnen wir hingegen einem uns unbekannten Hund, dessen Fellhaare sich aufstellen und der leicht knurrt, so wissen wir haargenau: Der will gestreichelt werden. Darum – und das ist einer der grössten Irrtümer von Zoowärtern weltweit – wollen Delfine weder berührt noch gestreichelt werden. Sie stellen niemals die Haare auf, und wir dürfen der Evolution danken, dass Delfine die menschliche Sprache nicht sprechen können. Wir würden mit Schimpf und Schande eingedeckt.

Aufgrund der Haare neigen wir ebenfalls dazu, Wesen zu klassifizieren, meist zu Unrecht. Sehen wir beispielsweise einen Chinesischen Nackthund, dann ist der uns ob seiner enormen Hässlichkeit auf Anhieb unsympathisch. Natürlich sollten wir uns dafür schämen, denn ein Langhaardackel mit gesundem, kräftigem Fell, beisst unter Umständen viel kräftiger in die Wade als ein Chinesischer Nackthund. Dackel gelten übrigens als überdurchschnittlich blöd. Und mehr als achtzig Prozent der Dackel-Besitzer tragen einen Schnurrbart.

Gerade in der Tierwelt spielen Haare eine grosse Rolle. Katzen mögen es ausgesprochen gerne, wenn man sie leicht an den Schnauzhaaren zupft. Nicht selten danken sie das mit einem spontanen Pfotenhieb, dessen Spuren uns noch Tage an den schönen Moment erinnern. Schafe, die soeben geschoren worden sind, werden von Schafen, die Ihre Wolle noch tragen, mit extrem fiesen Sprüchen eingedeckt. Das ist so ähnlich wie mit Engländern, die am ersten Urlaubstag auf Mallorca ihre Landsgenossen, die bereits zwei Tage auf Mallorca sind, aufgrund deren Sonnenbrand auslachen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Treten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, häufiger in Kontakt mit Ihren Mitmenschen – und sei es auch nur durch ihre Haare. Das hilft. Es gibt Partnerschaften, in denen fast ausschliesslich via Haupthaar diskutiert wird. Das spart Nerven und schont die Stimmbänder. Die einzige Gefahr: Hängt die Frisur eines Morgens schief, dann tut es ihr der Haussegen gleich. In diesem Sinne: Auf Wiederlesen, kämmen Sie gut!

Farbe bekennen

14. April 2014

Sind seine Haare nun gefärbt oder nicht? – Dieser weltbewegende Frage hielt nicht weniger als achtzig Millionen Deutsche in Atem, und in den rund achtzigtausend Frisörbetrieben beim grossen Nachbarn wurden schon mal die Farben angemischt, sozusagen aus politischen Gründen. Anders formuliert: Gerhard Schröder hat sein Land dazu gebracht, keine grösseren Probleme als die Echtheit der Haarfarbe seines Kanzlers zu haben. Das Optimum. Der mit einem Augenzwinkern als Medienkanzler benannte, ursprüngliche Jurist (Freiheitskämpfer des Kantons Jura) hat ergo alles richtig gemacht. Am 7. April wird Gerhard Schröder siebzig Jahre alt. Wir gratulieren herzlich! Und ja, wir glauben, es ist alles echt. – Ausser die Haare natürlich.

Werbung für …

16. Februar 2014

Weihnachten_Silvester_2013 171

… na ja, hab ich wieder vergessen. Für irgendein Haar-Streckgerät halt. Soll noch einer sagen, Werber seien nicht kreativ.

Plakat, Zürich, Badenerstrasse, 2013

Spitalgeschichten #3

19. Februar 2010

Ja, Operationen vermitteln eben schon spezielle Eindrücke. Erfrischend. Wenn Sie so zum Saal gefahren werden, wehrlos, im Delirium, und nur die Decke anstarren. Warum wird die Decke zum OP-Saal nicht als Werbefläche vermietet? Wäre beeindruckend, zweifelsohne. Nachhaltig. Egal.

Und da hab ichs gesehen, im Vorraum zum Operationssaal. Sie müssen sich vorstellen, Sie liegen auf dem fahrbaren OP-Bett, welches speziell unbequem ist. Es ist sozusagen der Recarositz unter den Betten. Neben Ihnen stehen die Leute, die eben das machen, was sie machen müssen. Einer schnallt Sie an. Andere machen anderes. Und zwei junge Frauen waren dann eben diese Anästhesistinnen (später riefen die dann noch ihren Chef, weil zwei Leute offenbar nicht ausreichen, um einen zu narkotisieren). Die sahen richtig gut aus. Auch ohne Kontaktlinsen.

Jedenfalls gibt das so ganz ungewohnte Perspektiven, wenn Sie so da liegen und Leute um Sie herumstehen. Da hab ichs gesehen, allerdings ohne speziell darauf zu achten: Die hatten keine Haare in der Nase, alle beide nicht. Kein einziges, klitzekleines. Blitz blank. Das sah richtig gepflegt aus. Imposant.

Es muss irgend ein Anästhesie-Kodex geben, ein Nacktnasenloch-Gesetz oder so. Dies ist sicherlich die erste Lektion an der Anästhesisten-Schule: Nase blank, jeder sieht rein! Und bei der Diplom-Übergabe kriegen dann alle so einen goldenen Nasenhaar-Trimmer. Mit Gravur. Ja, so muss es sein. Versuchen Sie’s bei Ihrem nächsten Besuch bei der Kosmetikerin – anstelle von „Brazilian“ oder „Hollywood“ – mal mit „ein Mal Anästhesisten-Style, bitte!“ Blitz blank! Richtig gepflegt.

Der geschulte Leser mag sich jetzt fragen „was soll das, warum schreibt der über Nasenhaare von Anästhesistinnen?“ und „wie will der damit die Welt retten. Dieser Blog wird doch die Welt retten, oder?“ Um es vorneweg zu nehmen: Ja, der Blog wird die Welt retten. Was sicherlich einiger Menschenkenntnis bedarf. Genau darum geht es.

Womit das obige Rätsel wohl gelöst wäre. Wissen ist Macht. Sollten Sie beispielsweise an einer Party (oder noch schlimmer: An einer Hochzeit) einer Person begegnen und – der hohen Kunst des Small Talk mächtig – sie nach ihrem Beruf fragen, dann wissen Sie nun, was zu tun ist, wenn die Person mit Anästhesist antwortet. Lügt er/sie oder lügt er/sie nicht?

Ich habe mich einmal in progressiv-weise praktiziertem Small Talk geübt und eine Pathologin gefragt, was denn ihre Lieblings-Todesursache sei. Die fand das nicht lustig, erstaunlicherweise.

Dieser Tipp mit den Nasenhaaren, da mögen Sie durchaus recht haben, ist in der Praxis schwierig umsetzbar. Gerade bei eher gross gewachsenen Menschen fällt es nun mal auf, wenn sie sich unter irgendeinem Vorwand bücken und ihrem Gesprächspartner in die Nasenlöcher schauen. Wobei angesichts der Wichtigkeit – wir sind uns hoffentlich alle einig, dass die Rettung der Welt wichtig ist – durchaus an die Kreativität der Partyteilnehmerinnen und -Teilnehmer appelliert werden darf, wie ich finde.

Und wenn das schief läuft, die Lage eskaliert und der Partner/die Partnerin des Gefragten ein ausgewiesener Karatekämpfer mit Aggressionsstau ist oder so und Sie so richtig nach Schulbuch vermöbelt, dann denken Sie an meine einleitenden Worte: Operationen vermitteln immer spezielle Eindrücke.

Du hast die Haare schön

23. Januar 2010

Das kennen wir ja zur Genüge aus der Shampoo-Werbung: Wenn Haare zu sehr strapaziert werden, so gehen sie kaputt. Natürlich wollen auch die extrem schlimmen Umwelteinflüsse Ihrem Haar nur Böses, weshalb dieses und jenes Spezialmittelchen für diesen und jenen Zweck benutzt werden soll. Oder muss, gemäss Werbung. Am Schluss sagt dann eine Blondine mit leichtem Sprachfehler Dinge wie „weil ich es mir wert bin.“ Pi pa po. Haben Sie zum Beispiel schulterlanges Haar, dann stösst diese Pracht täglich ein paar tausend Mal an eben diese Schultern und – wer hätte das gedacht? – die Haarspitzen werden beschädigt. Die Spitzen spalten sich, Spliss, was glaube ich im Volksmund „Gäbelchen“ genannt wird. Und sehr schlimm ist. Wenn Sie Gäbelchen haben, dann wird das von Ihrem Umfeld in etwa so aufgenommen als hätten Sie die Pest.

Die wahrhaftigen Expertinnen auf diesem Gebiet (Haare, nicht Pest) sind natürlich die Frisösen. Oder Coiffeusen meinetwegen. Nebst ihrer sehr bemerkenswerten Eigenschaft, dass sie eine ausgesprochen gute Menschenkenntnis haben weil ihnen die Kundinnen und Kunden nahezu alles (!) erzählen, wissen Frisösen auch vieles, was Kundinnen selbst niemals erahnen würden. Aha! So weiss eine geübte Frisöse zum Beispiel – aufgepasst, liebe Frauen – wenn Sie einen neuen Lover haben. Das ist kein Witz. Manche fragen dann ganz unscheinbar „hast Du einen neuen Freund“, wie man das offenbar unter Frauen so fragt, was die verdutzte Kundin sodann bejaht. Und sich fragt, ob die gute Frau irgendwelche telephatischen Fähigkeiten habe oder hinter dem grossen Spiegel das Studio von Mike Shiva steht (wobei sich die Begriffe „Frisör“ und „Mike Shiva“ im gleichen Satz offenbar nicht sonderlich gut vertragen).

Nein, die meisten Coiffeusen haben keine hellseherischen Fähigkeiten. Warum weiss die Frisöse dann Bescheid? Sie ist einfach scharfsinnig, denn der Grund ist so simpel wie logisch: Als frisch verliebtes Paar ist Herr und Frau horizontal sehr aktiv, und das meine ich diesmal wortwörtlich. Wenn sich also der Hinterkopf der Frau ständig am Kopfkissen reibt, so gehen an eben dieser Stelle die Haare kaputt. – Voilà!