Posts Tagged ‘Haar’

Wunderhaar

25. Oktober 2016

Wir können die Realität nicht leugnen: Der Damenbart erfreut sich einer wachsenden Popularität, und dies nicht nur in linken Sozialpädagoginnen-Kreisen, sondern – schauen Sie sich um – einfach überall, wo auf ein stilvolles Auftreten grossen Wert gelegt wird. Ein regelrechter Siegeszug, nicht nur im Haargau. Und nein, das steht in keinem Zusammenhang mit der Islamisierung.

Am Anfang war das Achselhaar, das von Banausen lange verpönt war und inzwischen detailverliebt frisiert im Abendkleid oder im Bikini das Auge des Ästeten entzückt. Als die deutsche Sängerin Nena in den Achtzigern mutig eine Lanze brach und ihre Achselfrisur zur Schau stellte, war das Showbusiness empört und die «Bravo» als Branchenprimus veröffentlichte ganz gemeine Artikel (wir lieben Dich immer noch, Nena, Du bist die Beste). Heute vernehmen wir nur noch Schulterzucken ob des Anblicks von spriessender Natürlichkeit.

Die Männerwelt unternimmt derweil den verzweifelten Versuch, mit den fortschrittlichen Frauen gleichzuziehen, wobei sie mit einem nicht zu unterschätzenden Nachteil konfrontiert sind: Achselhaare waren bei Männern noch nie sonderlich verpönt, nicht einmal bei Tarzan, dessen Achselhöhlenfrisur sehr exponiert ist, wenn er sich an der Liane von Baum zu Bar schwingt. Und Bärte waren schon immer salonfähig, sofern sie nicht Aussehen wie jener von Stephan Klapproth. Warum hat Tarzan eigentlich keinen Bart? Item.

Was tun, um modisch Schritt zu halten? Der Trend verlagert sich momentan klar auf die Nasenhaare, die nunmehr spriessen dürfen wie Kresse im veganen Reformladen: Entweder archaisch ungekämmt oder stilvoll gepflegt ragt der Schmuck als Nasenkoteletts aus den Geruchsorgan und beglückt die Gegenüber mit sanftem, rhythmischem Hin und Her der Atembewegungen. Ein Segen. Nach Flut kommt die Ebbe, nach Ebbe die Flut.

Zudem hat die Männerwelt einen weiteren Trumpf im Ärmel um den Rückstand zum anderen Geschlecht bezüglich Haarpracht aufzuholen: Die Ohren. Tatsächlich lassen sich Ohrenhaare passend zum jeweiligen Kleidungsstil frisieren, was an gesellschaftlichen Anlässen nicht selten mit neidischen Blicken und staunenden Ausrufen («oh», «ah») quittiert wird. Ein Ohrenschmaus.

«Man hat ihn, oder nicht», singt der helvetische Künstler «Bligg» – der übrigens ziemlich viel Haare im Gesicht hat – über den Stil ins Mikrofon, und Recht hat er. Beweisen Sie also Ihren angeborenen Stil, liebe Leserin, lieber Leser, und tragen sie Rasierapparate, Epiliergeräte und dergleichen erhobenen Hauptes zur Entsorgung. Nach kurzer Zeit werden sie feststellen, viel, viel besser anzukommen bei Ihren Mitmenschen.

Und einen guten Nebeneffekt hat das Spriessen der Haare allemal: Man hat einfach wärmer im Gesicht und an den Ohren. Und unter den Armen. Das ist nicht zu vernachlässigen bei einem schlechten Sommer. Und spart Heizkosten im Winter. Was wiederum die Klimaerwärmung reduziert und die Welt rettet.

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Hör aufs Haar

24. September 2016

Tatsächlich wird in der alltäglichen Kommunikation das Haar tendenziell unterschätzt – um nicht zu sagen: ignoriert. Kein Wunder also, dass mehr als fünfundneunzig Prozent der Missverständnisse auf eine ungenügsame Interpretation von Haaren aller Art zurückzuführen sind. Darin inbegriffen sind die eigenen Haare, die uns mehr zu sagen haben, als wir wahrhaben möchten. Aber machen wir ein paar Beispiele.

Wenn Ihnen das Haar zu Berge steht, dann ziehen Sie die Wanderschuhe an. Begegnen wir hingegen einem uns unbekannten Hund, dessen Fellhaare sich aufstellen und der leicht knurrt, so wissen wir haargenau: Der will gestreichelt werden. Darum – und das ist einer der grössten Irrtümer von Zoowärtern weltweit – wollen Delfine weder berührt noch gestreichelt werden. Sie stellen niemals die Haare auf, und wir dürfen der Evolution danken, dass Delfine die menschliche Sprache nicht sprechen können. Wir würden mit Schimpf und Schande eingedeckt.

Aufgrund der Haare neigen wir ebenfalls dazu, Wesen zu klassifizieren, meist zu Unrecht. Sehen wir beispielsweise einen Chinesischen Nackthund, dann ist der uns ob seiner enormen Hässlichkeit auf Anhieb unsympathisch. Natürlich sollten wir uns dafür schämen, denn ein Langhaardackel mit gesundem, kräftigem Fell, beisst unter Umständen viel kräftiger in die Wade als ein Chinesischer Nackthund. Dackel gelten übrigens als überdurchschnittlich blöd. Und mehr als achtzig Prozent der Dackel-Besitzer tragen einen Schnurrbart.

Gerade in der Tierwelt spielen Haare eine grosse Rolle. Katzen mögen es ausgesprochen gerne, wenn man sie leicht an den Schnauzhaaren zupft. Nicht selten danken sie das mit einem spontanen Pfotenhieb, dessen Spuren uns noch Tage an den schönen Moment erinnern. Schafe, die soeben geschoren worden sind, werden von Schafen, die Ihre Wolle noch tragen, mit extrem fiesen Sprüchen eingedeckt. Das ist so ähnlich wie mit Engländern, die am ersten Urlaubstag auf Mallorca ihre Landsgenossen, die bereits zwei Tage auf Mallorca sind, aufgrund deren Sonnenbrand auslachen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Treten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, häufiger in Kontakt mit Ihren Mitmenschen – und sei es auch nur durch ihre Haare. Das hilft. Es gibt Partnerschaften, in denen fast ausschliesslich via Haupthaar diskutiert wird. Das spart Nerven und schont die Stimmbänder. Die einzige Gefahr: Hängt die Frisur eines Morgens schief, dann tut es ihr der Haussegen gleich. In diesem Sinne: Auf Wiederlesen, kämmen Sie gut!

Diese Suppe ess ich nicht

17. September 2016

Schwimmt tatsächlich ein Haar in der Suppe, so gilt es in erster Linie, die Emotionen im Zaum zu halten und Ruhe zu bewahren. Angebracht ist ein besonnenes, methodisches Vorgehen, bevor wir zu einer allfälligen Reklamation überschreiten. Als erstes sollte die nicht unwesentliche Frage geklärt werden: Befinden wir uns in einem Restaurant oder zu Hause?

Sofern die Suppe auswärts serviert wurde, gilt es, festzustellen, ob es sich um eine Ochsenschwanzsuppe handelt, weil durch die Antwort die Herkunft des Haares gegebenenfalls hergeleitet werden könnte. Das mag einfach klingen, doch in vielen Lokalen sind Ochsenschwanzsuppen nicht auf Anhieb von Spargelkrem-, Kürbis- oder Haferschleimsuppe zu unterscheiden (wer in aller Welt baut das Wort «Schleim» in den Namen einer Speise). In machen Lokalen übrigens auch nicht von Schnitzel Pommes Frites.

Gut, angenommen es handle sich um eine ganz normale Suppe, ohne Ochse, Schwanz, Kuh oder sonstwas haariges. Haben wir es mit einem Kopfhaar zu tun oder stammt das Haar unter Umständen von einer Stelle, über die wir beim Essen lieber nicht nachdenken mögen und an die selten bis gar nie die Sonne hinscheint? Diese Frage muss natürlich vorsichtig angegangen werden. Im Zweifelsfalle helfen gezielte Annahmen oder fundierte Mutmassungen.

Sehen wir uns zum Beispiel mit einem langen, dunklen Kopfhaar konfrontiert und der Koch trägt seit Jahren Bürstenschnitt und die junge Kellnerin hat lange, blonde Haare (und lange Beine und die Masse 90-60-90), dann seien wir doch nachsichtig uns lassen die Beschwerde bleiben. Das Haar in der Suppe kann – daran könnte selbst «Derrick» nichts ändern – schlicht und einfach nicht vom Restaurant-Personal stammen. Die Aufregung lohnt sich nicht.

Hat im oben genannten Fall die Kellnerin dunkle Haare: Ebenfalls nicht beschweren, sondern das Doppelte an Trinkgeld geben. Das Haar stammt vermutlich von uns selber, als wir mit vehementem Kopfschütteln die Frage nach dem Salzstreuer verneint haben, über den Teller gebeugt. Und die eigenen Haare, liebe Leserin, lieber Leser, sind ja nun wirklich nicht eklig.