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Grillieren geht über studieren

18. Juli 2014

Grillieren ist die beste Erfindung seit der Durchführung des Urknalls. Man könnte sogar so weit gehen und sagen, dass sich die Menschheit niemals so weit entwickelt hätte, wenn unsere Ahnen nicht Fleisch über Feuer gehalten hätten, – und damit sind nicht Hexenverbrennungen gemeint. Ein sich mit Pflanzen ernährender Mensch hätte sich zu einem Warmduscher mit Opfermentalität entwickelt und wäre mangels Aggressivität von wilden Tieren aufgefressen worden. Unbestätigte Statistiken beweisen übrigens, dass alle Zoowärter, die bis anhin von einem Löwen attackiert worden sind, Vegetarier waren. Item.

 

Heute denken die wenigsten Männer daran, wenn sie den Grill anwerfen. Lediglich die Natur weist uns darauf hin: Die Pupillen des Mannes weiten sich, der Bewegungsablauf wird nervöser, und ganz unüblich: Er denkt ein paar Minuten nicht an Autos, Fussball und Sex. Der Fokus liegt voll und ganz bei Feuer und Fleisch, bei Rost und Toast (stimmt nicht, aber reimt sich).

 

Dabei ist Grillieren ungefähr halb so gefährlich, wie das viele Menschen (vornehmlich Vegetarier) nicht selten behaupten. Fast neunzig Prozent der Männer, die sich bei einem Grillunfall verletzt haben, hätten sich nachweislich in einer herkömmlichen Küche viel schwerere Verletzungen zugezogen. Man denke nur an explodierende Dampfkochtöpfe und Fritteusen, an gequetschte Gliedmassen von der Backofentüre und zerfleischte Füsse vom Stabmixer. Oder an aufgeweichte Hände vom Spülen. – Sehr schmerzhaft! (Die Evolution hat diesen Gefahren Rechnung getragen: die meisten Männer können sich den Weg in die heimische Küche nicht merken).

 

Auch die Geschichten mit den krebserregenden Substanzen, die beim Grillieren angeblich entstehen sollen. – Humbug! In Wahrheit – und das hat man herausgefunden – erkranken nur jene Männer an Krebs, die sich beim Grillieren darüber Gedanken machen (siehe oben: Fokus auf Grill). Abgesehen davon ist ja heutzutage alles krebserregend, sogar die Kombination an Muskelbewegungen, die wir beim Aussprechen des Wortes «Krebs» benötigen.

 

Der Kontext an sich ist absurd. Die Tätigkeit, die den Menschen in der Evolution so weit gebracht hat, sollte ihn nun umbringen? – Wohl kaum. Also, ran an den Grill, Kohle anfeuern und loslegen. Guten Appetit!

Wir sind Grill

9. Juli 2014

Dies ist ein Text, der den Geschlechterkampf neu anheizen und das mittlerweile arg geschrumpfte Terrain der Männerdomänen abermals angreifen wird. Er ist sozusagen für Dich, Alice Schwarzer, denn es geht um ein heikles Thema, worüber die Männerwelt selten bis gar nie spricht. Nein, weder um Pornos oder Mundgeruch, weder um Impotenz noch um Schnelles-Auto-als-Phallussymbol. Es geht um mehr: Auch Frauen können Grillen. So, jetzt ist es raus. Und weil das so unglaublich klingt, noch einmal: Auch. Frauen. Können. Grillen.

 

Ganz klar, dass diese Zeilen einen Sturm der Entrüstung lostreten werden. Sagen Sie einem Mann, er könne nicht kochen, liebe Leserin, na ja. Aber sagen Sie nie – wirklich nie – er könne nicht grillen. Das ist weit schlimmer als wenn Sie des Mannes Schwester als seine Mutter bezeichnen. Oder als seinen Bruder. Ein absoluter Fauxpas, selbst wenn es stimmen sollte. Die Mutter aller Fettnäpfchen.

 

Denn Lektion Nummer eins für ein harmonisches Zusammenleben: Nur der Mann kann grillen. Sind die Spare Ribs so hart, dass man damit Baseball spielen könnte: Einfach an Lektion eins denken. Die weibliche Spezies sollte auf keinen Fall vorschlagen, den Grill zu bedienen. Das wäre viel zu gefährlich. Ist ja nicht mit Kochplatten, Dampfgarer, Induktionsherd oder wie das Zeugs alles heisst. Ist mit richtigem Feuer.

 

Es bringt erst gar nichts, das Thema in Frage zu stellen, denn die Veranlagungen sind sozusagen in die Gene eingebrannt. Dank der Zubereitung von Fleisch durch Männer vor ein paar tausend Jahren hat der Mensch überlebt und sich weiterentwickelt. Leugnen wir den Griller, dann leugnen wir uns, unsere ganze Existenz! So ist das. Abgesehen davon sind Grillzangen gar nicht auf so kleine Hände abgestimmt.

 

Am Ende bleibt nichts anderes übrig, als den Herren der Schöpfung das Gefühl zu geben, nur sie könnten Grillen. Mit einem freundlichen «Schatz, der Metzger hat die Steaks schon wieder zu dünn geschnitten, sodass sie verkohlt sind» hat schon manche Ehe gerettet. Oder «Entschuldigung, liebe Gäste, ich habe das Fenster zur Küche offen gelassen, deshalb dieser Geruch nach Verbranntem» kann einen Krieg verhindern.

 

Deshalb, liebe Leserin, tun Sie Sich selbst und Ihrer Umwelt einen Gefallen und beachten Sie die oben stehenden Tipps. Und noch ein wichtiger Ratschlag, bevor ich es vergesse: Hände weg vom Grill, das ist nichts für Frauen!

Bang Bang Barbecue

19. Dezember 2009

Meine Damen und Herren (also, eigentlich nur meine Herren), wenn Sie diesen Grill haben, dann sind Sie der Beste. Ich – oh Wunder! – habe diesen Grill. Er heisst Texas Ranger. Das Konzept ist so einfach wie genial: in der Kammer rechts heizen Sie ein und die Hitze gart sodann in der grossen Kammer links das Fleisch. Die Spitzfindigen unter uns haben es bemerkt: Das Fleisch ist nicht dem direkten Feuer ausgesetzt. Die Grilladen nehmen einen angenehmen Rauchgeschmack an. Es gibt keine Alternative. Es kann nur einen geben. Gasgrill? – Nein, nein, geht gar nicht. Elektrogrill? – Oh je, eine industrielle Fehlentwicklung. Schande. Gut, ein herkömmlicher Holzkohlegrill ist noch nahezu akzeptabel. Für Mädchen halt. Das höchste der Gefühle ist unbestritten Texas Ranger. Schon nur der Name! Das ist mehr als Grillieren. Das ist pure Männlichkeit! Schon beim Einheizen spüren Sie die testosterongeschwängerten Dämpfe aus der Garkammer aufsteigen. Nicht von dieser Welt. Dieser Grill spricht die Urinstinkte eines jeden Mannes an: So müssen unsere Ahnen gefühlt haben, wenn sie mit einer Keule eine Kreatur besiegt, in die Höhle geschleift und schliesslich auf dem Feuer zubereitet haben. Mehr als Barbecue. Texas Ranger ist Mannsein. Texas Ranger ist ficken! Gut. Na ja. Gut, nach diesem kleinen Exkurs in die Niederungen der primitiven Denkweise eines Besessenen noch ein bisschen Besserwisserei: Barbecue – aufgepasst, liebe Freunde der hochgestochenen Ausdrucksweise – kommt vom französischen de barbe à queue, also „vom Bart bis zum Schwanz“. Wer hätte das gedacht. Von nun an macht Tiergrillen noch mehr Spass. Das letzte Mal übrigens, als uns Texas Ranger mit seinen Köstlichkeiten beglückte, nahm ein suboptimales Ende. Unsere Gäste – oh je – bemühten sich um Höflichkeit. Kein Problem, offiziell. Ich hatte bereits die Nummer des Pizzamannes zur Hand. Aus experimentieller Sicht eher eine mutige Barbecue-Variante: Das Fleisch – ursprünglich Poulet, vermutlich – erinnerte an die wunderschönen Lava-Landschaften von Teneriffa (nur, dass ausgekühlte Lava wahrscheinlich nicht so hart ist). Na ja, vielleicht bin ich doch nicht der Beste. Vielleicht.