Posts Tagged ‘Geschichte’

Es ist wahr!

8. Oktober 2015

Mit dem Thema Geschichte ist es so eine Geschichte: Nahezu jeder interessiert sich dafür, doch niemand kann genau sagen, welche Ereignisse sich tatsächlich so abgespielt haben, wie sie uns übermittelt werden. Die einzig wahre Wahrheit zu kennen ist in etwa so einfach, wie den Beipackzettel eines Medikaments genau gleich zusammenzufalten, wie er ursprünglich in der Packung gelegen hatte. Ein Freund von mir war beim Militär übrigens Übermittler. Nicht einmal er weiss Bescheid. 

Im Endeffekt ist es eine Frage der Aufzeichnung. Das war bereits bei der Bibel so, einem Buch, das bekanntlich über achthundert Jahre alt ist: Sie enthält verschiedene Evangelista, – Lukas, Johannes, Matthäus und wie sie alle heissen. Diese sind nicht alle gleich, und selbst das Gleiche ist je nach Übersetzung anders. Wären zum Beispiel die Dokumente zur Schlacht von Marignano aus dem Hebräischen übersetzt worden, dann hätte vielleicht Island gewonnen. Oder Lenzburg. Matthäus hat übrigens am 15. November 2014 zum fünften Mal geheiratet (bei Redaktionsschluss war die Ehe intakt). 

Wer will, dass man ihm seine Geschichten glaubt, der wird Historiker. Darum studieren viele Lügner … na ja, lassen wir das. Menschen können im Fernsehen sehr, sehr dumme Dinge sagen, wofür man jeden Gast hochkant aus dem Restaurant werfen würde. Sobald hingegen am Bildschirm eingeblendet wird, der Sprecher sei ein Historiker, glauben wir ihm. Er muss es ja wissen. Oder andersrum: Wenn er es nicht weiss, wer sonst sollte es denn bitte schön wissen? – Na, also. 

Gemäss neuesten Erkenntnissen hatte Plato nicht gesagt «und sie dreht sich doch» sondern «verdreht sie [die Geschichte] doch». Und diesen Fakt können wir, liebe Leserin, lieber Leser, drehen und wenden, wie wir wollen: Er ist wahr. Punkt.

Suchen Sie!

27. September 2015

Was wir uns getrost fragen dürfen: Wie wurden früher eigentlich die Ereignisse dokumentiert? Wer zum Teufel hat das alles aufgeschrieben? Die Schlachten bei Murten, Sempach, Embrach, die Schlacht am Morgarten und die Schlacht im Vorgarten. Irgendwer muss sich ja die Mühe gegeben haben, das alles aufzuschreiben. 

Bei einer solchen Aufzeichnung objektiv zu bleiben, das muss einem Schreiberling schwer fallen. Man kann an den Burgunderkriegen herumbiegen, bis sich die Balken biegen, kann sich Napoleon schön reden und bei der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg seiner Kreativität freien Lauf lassen. Inzwischen steht die Behauptung im Raum, Wilhelm Tell sei eine erfundene Geschichte. Stellen Sie sich das einmal vor! Marignano ist übrigens ein Gewürz. 

Auffällig oft ist den Medien zu entnehmen, es sei «ein historisches Dokument» aufgetaucht, das dieses und jenes Ereignis der Geschichte in einem ganz neuen Licht zeige. Der interessierte Leser dürfte sich fragen, wie denn historische Dokumente auftauchen, einfach so, hunderte von Jahren später. Wurden die verlegt, in Bundesbern? Vielleicht hat die Putzfrau irgendeine Schublade geöffnet, aus Versehen, und das Bahnbillet eines Sempach-Kriegers gefunden. Der Zufall will es offenbar so. Ich muss gelegentlich die Küche aufräumen. 

Vielleicht geht es so ähnlich zu und her wie im Film «Tomb Raider», in dem die Heldin Lara Croft in unerforschte Gebiete vordringt und sodann Dinge entdeckt, die uns die Welt erklären. Am Schluss tappt der aufmerksame Zuschauer dennoch im Dunkeln, warum Angelina Jolie – die Lara Croft verkörpert – nicht in jeder Szene die gleiche Körbchengrösse hat (vielleicht erfahren dies Geschichtsfreunde in ein paar hundert Jahren, wenn «ein historisches Dokument» auftaucht). 

Zurück zur heiligen Schweizer Geschichte: Patrioten von Genf bis St. Gallen sei geraten, nach Dokumenten zu suchen, die beweisen, dass sich diejenigen Schlachten mit siegreichen Eidgenossen tatsächlich so zugetragen haben. Das ist insofern wichtig, weil es vermehrt unqualifizierte Stimmen gibt, die Heldentaten unserer Vorfahren infrage stellen. Also, suchen Sie, zu Ehren des Vaterlandes! Und sollten sie nichts historisch Relevantes finden, dann schreiben Sie halt selbst etwas. Das machen die anderen auch so.

Im Ernst: Ein Witz

8. November 2014

Lassen Sie uns in der Chronik blättern. Die Achtzigerjahren hatten einen nicht zu verachtenden Vorteil, den wir gerne ausblenden: In den Achtzigern gab es keinen einzigen Weltkrieg. Es gab keinen einzigen Hitler. Nun ja, man kann jetzt hingehen und sagen, dass der Kleidungsstil eine Art gewaltfreier Krieg war. Aber wer will schon kleinlich sein. Die Camouflage-Hose ist übrigens wieder im Kommen. 

In den Achtzigern gab es auch kein Schamgefühl. Das zeigt sich an der – aus heutiger Sicht – eher progressiven Mode und auch an der Musik. Musikexperten sehen ja in der Musik immer eine Art Spiegel der Gesellschaft. Wenn dem so ist, dann hat der Spiegel der Achtziger einen heftigen Sprung. Vielleicht gibt es Musikpsychologen. Wer weiss. 

Dabei ist, um kurz bei der Musik zu bleiben, nicht unbedingt erstaunlich, dass solch abscheuliche Musik produziert worden ist. Stutzig macht mehr der Umstand, dass ebendiese Musik tatsächlich gekauft wurde. Von denjenigen Menschen, die damals gelebt haben. Von uns. Das ist ein harter Schlag, wohlgemerkt. Heute will es natürlich keiner mehr gewesen sein. 

Die Chronik sagt uns auch, dass die Mauer gefallen ist. Sozialisten lesen diese Passage oftmals zu flüchtig, weshalb wir hier ein bisschen Nachhilfe erteilen wollen: Im Geschichtsbuch steht nicht, dass die Mauer gefallen hat. Das ist nun einmal ein wesentlicher Unterschied, immerhin basiert darauf das Germanistikstudium. Vielleicht wird das ein gern zitierter Uni Witz. Wobei, nein, den verstehen die wenigsten. 

Na ja, legen wir die Chronik besser wieder beiseite und erfreuen uns an der Gegenwart. Sowohl die Mode als auch die Musik sind heute gut bis sehr gut, was man vermutlich auch in der Zukunft noch sagen wird. Und einen Weltkrieg hatten wir auch nicht in unserem Jahrzehnt, bis anhin. Aber es wird hart daran gearbeitet, momentan, ha ha. Das könnte ein guter Witz werden im Kreml und im Weissen Haus. Wobei, nein, na ja, lassen wir das.

 

Keine Sorge

25. Dezember 2009

Tolle Geschichte. Zwei junge Männer sind also nachts mit ihrem alten Opel Corsa unterwegs nach Hause. Sie sind vollkommen bekifft. Ziemlich heftig, vielleicht sehen sie sogar den „Slow-down-take-it-easy-Engel“ auf ihrem Rücksitz. Als sie einen Kreisel passieren kommt der eine auf die glorreiche Idee, dass man ja ohne weiteres ein paar Runden mehr drehen könnte. Nur so für lustig. Gesagt – getan. Die beiden kommen zum Schluss, dass vorwärts fahren irgendwie keine richtige Herausforderung ist, worauf der Fahrer den Rückwärtsgang einlegt und sie sodann im Uhrzeigersinn Runden drehen. Was sich als sehr lustig erweist, bis – Krach! – Ihnen ein korrekt in den Kreisel eingefahrenes Auto ins Heck knallt. Oh je! Angst vor drastischen Konsequenzen macht sich breit, der Schweiss schiesst ihnen auf die Stirn. Davonrennen, flüchten? Die beiden bleiben wir angewurzelt sitzen. Eine Polizeistreife trifft ein und kümmert sich zu ihrem Erstaunen zuerst um den hinteren Wagen. Sie bleiben sitzen. Nach einer kurzen Zeit kommt ein Polizist ans Fahrerfenster und sagt: „Wir erledigen das. Machen sie sich keine Sorgen. Der Fahrer des Wagens hinter ihnen hat 1.8 Promille im Blut und behauptet, sie seien rückwärts im Kreisel gefahren…“