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Gib Gas in Genf

4. März 2014

Warum der Autosalon ausgerechnet in Genf durchgeführt, aufgestellt – oder wie man das auch immer nennen mag – wird, hat uns bis heute noch niemand logisch erklären können. Die plausibelste Erklärung war bis anhin, dass die Genfer ja sonst nichts haben. Ausser einen Brunnen vielleicht, einen überfluteten. Oder den UNO-Hauptsitz, worauf nicht alle gleichermassen stolz sind. Na ja, dann ist das halt so.

Nehmen wir den weiten Weg also in Kauf, fahren wir ins Welschland und stellen uns den Herausforderungen: Diese Sprache, diese Gestik, diese Kultur. Der Autosalon ist die perfekte Gelegenheit um sich zu öffnen. Mobilität hat etwas Verbindendes, fast Versöhnendes. Achten Sie einmal auf die Mimik der Verkehrsteilnehmer im Strassenverkehr: Friede und Liebe.

Der diesjährige Autosalon steht wiederum im Zeichen von vernünftiger Mobilität und Umweltschutz. – Es darf gelacht werden, diese Themen sind so ausgeleiert, dass sie keinen Menschen mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Das einzig Grüne am Autosalon Genf ist das Grün im Wappen des Nachbarkantons Waadt. Wir geben wieder kräftig Gas, mit gutem Gewissen. – Und es macht Spass!

Sehen wir uns die neuen Modelle an und überzeugen wir uns selbst. Also, dick anstreichen in der Agenda: 84. Internationaler Autosalon vom 6. – 16. März. Einfach hingehen und staunen. – Obwohl er in Genf ist.

Das erste Mal

14. März 2013

Das unbestritten Schönste am Genfer Autosalon sind die Premieren: Ein paar sehr, sehr schöne Frauen reissen an einem überdimensionalen Bettlaken, das über einem Auto liegt, und Schwupps! – Hervor kommt ein Auto. Jeder Mensch auf diesem Planeten sollte das Recht haben, einmal im Leben ein Fahrzeug zu enthüllen. Oder zumindest ein Fahrrad. Es ist sozusagen die Defloration des neuartigen Mobilitätsbewusstseins. Einfach schön. So befreiend.

Viele Menschen stehen dann um dieses neue Auto herum und sagen Dinge wie «ahhh» und «ohhh» und «den möchte ich, Schatz». Andere fotografieren dann, und das blitzt und glitzert dann so schön, und die Zeitungen und einschlägige Zeitschriften berichten am nächsten Tag, dass dieses Auto Premiere hatte. Und wie stark der Motor sei und wie unglaublich vielfältig und neuartig die Innenausstattung. Und wie toll es sein muss, darin eine junge Frau zu vernaschen. Gut, erwischt, das war gelogen, das mit der Innenausstattung.

Es ist ein tolles Gefühl, ein Auto zu fahren, das erst gerade auf den Markt gekommen ist, gerade erst Premiere hatte. Irgendwie individuell. Je nach Automarke gibt es nur ein paar Zehntausend andere Menschen, die genau dieses Auto besitzen. Weltweit. Sollen sich doch all die anderen Vollidioten mit einem Gefährt fortbewegen, das nie Premiere hatte. Sollen die doch ein General-Abonnement der SBB kaufen oder zu Fuss gehen. Die anderen, die sind doch so etwas von Mainstream.

Bei manchen Premieren tanzen dann junge Leute um das neue Gefährt herum, so ähnlich wie um ein goldenes Kalb. Das sieht dann richtig gut aus, so ähnlich wie modernes Ballet, und nennt sich «Performance». Natürlich tanzen im richtigen Leben keine Leute um uns herum, wenn wir dieses Auto kaufen. Höchstens vielleicht beim Parken in der Fussgängerzone. Aber es ist schon ein gutes Gefühl, ein Auto zu haben, das alle Menschen schön finden. Mit ein bisschen Glück finden diese Menschen dann auch die Person am Steuer schön. Und wenn man dann keine Lust hat, sich von anderen schön finden zu lassen, kann man einfach davonbrausen. – Brrrrrrummm, ein tolles Gefühl!

Aber was braucht man darüber lesen – fühlen soll man das! Probieren Sie es aus, liebe Leserin, lieber Leser. Nehmen Sie teil an einer Premiere und kaufen sie die vorgestellte Neuheit an Ort und Stelle. Das ist doch dieser neue Lifestyle, von dem heute alle reden: Mit der Bahn nach Genf und mit dem brandneuen Auto nach Hause. Mit etwas Glück haben wir sogar keinen Stau auf dem Nachhauseweg. Gute Fahrt!

Ganz offiziell

23. Oktober 2012

Schwierig zu sagen, was damals vor sich gegangen ist. Fest steht, dass Uwe Barschel tot in seinem Hotelzimmer in Genf aufgefunden worden ist. Was an Tragik kaum zu überbieten ist: Wenn schon sterben, dann sicher nicht in Genf. Und schon gar nicht in einem Hotel. Statistisch gesehen sterben die Menschen am liebsten bei sich zu Hause.

Zurück zu Barschel: Nach offiziellen Angaben war es ja Suizid. Aha. Ich möchte auch einmal eine offizielle Angabe sein. Da kann man Blödsinn reden, den lieben langen Tag. Und alle Leute sagen «na ja, das ist die offizielle Angabe, das glauben wir». Ich würde sagen, der Politiker sei an Langeweile gestorben. Oder an einem Lachanfall, nach einem Schwabenwitz. Ich sage, allen Warnungen zum Trotz hat er den Haartrockner in der Badewanne fallen gelassen.

Na ja, schwierig zu sagen. Und da sollte man auch keine Scherze machen, über so ein Politikerableben. Das war am 11. Oktober vor fünfundzwanzig Jahren. Aber warten Sie – ich glaube, Herr Barschel hat seine Haare gar nie geföhnt, nach offiziellen Angaben.