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Egal

12. Juni 2017

Unisex-Toiletten machen das Leben noch komplizierter als es ohnehin schon ist. Während in guten, alten Zeiten nur vor Damentoiletten Meterlange Warteschlangen zu erwarten waren, drohen nun vor diesen Gleichstellungs-Genderdingsda-Toiletten bittere Unglücke zu passieren, weil die Zeit einfach nicht ausreicht. Sie mögen die Wortwahl verzeihen, doch dies ist zweifelsohne ein Scheissthema.

Die vielgehörte Aussage von Frauen, dass öffentliche Damentoiletten «viel, viel verschmutzter» seien als Männertoiletten, waren Balsam für Männer, die in anderen Bereichen bekanntlich nicht eben für besondere Reinlichkeit verschrien sind. Mit der Unisex-Toilette fällt also eine letzte Männerbastion in diesem Territorialkrieg der Chromosome, eine weitere Niederlage.

Aus psychologischer Sicht vielfach ignoriert ist die Tatsache, dass viele – ansonsten sehr toleranten – Damen ein Problem damit haben, sich auf eine Brille zu setzen, die von einem männlichen Vorgänger gewärmt ist. Nicht wenige (Männer wie Frauen) rümpfen bereits die Nase, wenn sie in einem Zugwaggon auf einen vorgewärmten Sitz platznehmen müssen. – Natürlich erst seit der Einführung von Unisex-Zugwaggons. SBB-Zugtoiletten sind seit jeher unisex, also alle in etwa gleich stark verschmutzt.

So bleibt der gepeinigten Männerseele lediglich das Pissoir, das – wie ein Fels in der Brandung – sämtliche Versuche der Gleichstellung überlebt hat. Vor ein paar Jahren würde ein Pilotversuch für Frauen gestartet, die mit einer Art Dachrinne aus Papier dem Stehpinkeln frönen durften. Offenbar scheiterte der Versuch, wobei uns die genauen Gründe unbekannt geblieben sind. Vermutlich würden die anfänglichen Probleme ausgesessen.

Fazit von diesen aus Gleichstellungs-Sicht immens wertvollen Überlegungen: Unisex ist auf jeden Fall eine Bereicherung für wirklich alle Menschen jeglichen Geschlechts. Und – fast hätte ich es vergessen: Sogar für die Frauen.

Wunderhaar

25. Oktober 2016

Wir können die Realität nicht leugnen: Der Damenbart erfreut sich einer wachsenden Popularität, und dies nicht nur in linken Sozialpädagoginnen-Kreisen, sondern – schauen Sie sich um – einfach überall, wo auf ein stilvolles Auftreten grossen Wert gelegt wird. Ein regelrechter Siegeszug, nicht nur im Haargau. Und nein, das steht in keinem Zusammenhang mit der Islamisierung.

Am Anfang war das Achselhaar, das von Banausen lange verpönt war und inzwischen detailverliebt frisiert im Abendkleid oder im Bikini das Auge des Ästeten entzückt. Als die deutsche Sängerin Nena in den Achtzigern mutig eine Lanze brach und ihre Achselfrisur zur Schau stellte, war das Showbusiness empört und die «Bravo» als Branchenprimus veröffentlichte ganz gemeine Artikel (wir lieben Dich immer noch, Nena, Du bist die Beste). Heute vernehmen wir nur noch Schulterzucken ob des Anblicks von spriessender Natürlichkeit.

Die Männerwelt unternimmt derweil den verzweifelten Versuch, mit den fortschrittlichen Frauen gleichzuziehen, wobei sie mit einem nicht zu unterschätzenden Nachteil konfrontiert sind: Achselhaare waren bei Männern noch nie sonderlich verpönt, nicht einmal bei Tarzan, dessen Achselhöhlenfrisur sehr exponiert ist, wenn er sich an der Liane von Baum zu Bar schwingt. Und Bärte waren schon immer salonfähig, sofern sie nicht Aussehen wie jener von Stephan Klapproth. Warum hat Tarzan eigentlich keinen Bart? Item.

Was tun, um modisch Schritt zu halten? Der Trend verlagert sich momentan klar auf die Nasenhaare, die nunmehr spriessen dürfen wie Kresse im veganen Reformladen: Entweder archaisch ungekämmt oder stilvoll gepflegt ragt der Schmuck als Nasenkoteletts aus den Geruchsorgan und beglückt die Gegenüber mit sanftem, rhythmischem Hin und Her der Atembewegungen. Ein Segen. Nach Flut kommt die Ebbe, nach Ebbe die Flut.

Zudem hat die Männerwelt einen weiteren Trumpf im Ärmel um den Rückstand zum anderen Geschlecht bezüglich Haarpracht aufzuholen: Die Ohren. Tatsächlich lassen sich Ohrenhaare passend zum jeweiligen Kleidungsstil frisieren, was an gesellschaftlichen Anlässen nicht selten mit neidischen Blicken und staunenden Ausrufen («oh», «ah») quittiert wird. Ein Ohrenschmaus.

«Man hat ihn, oder nicht», singt der helvetische Künstler «Bligg» – der übrigens ziemlich viel Haare im Gesicht hat – über den Stil ins Mikrofon, und Recht hat er. Beweisen Sie also Ihren angeborenen Stil, liebe Leserin, lieber Leser, und tragen sie Rasierapparate, Epiliergeräte und dergleichen erhobenen Hauptes zur Entsorgung. Nach kurzer Zeit werden sie feststellen, viel, viel besser anzukommen bei Ihren Mitmenschen.

Und einen guten Nebeneffekt hat das Spriessen der Haare allemal: Man hat einfach wärmer im Gesicht und an den Ohren. Und unter den Armen. Das ist nicht zu vernachlässigen bei einem schlechten Sommer. Und spart Heizkosten im Winter. Was wiederum die Klimaerwärmung reduziert und die Welt rettet.