Posts Tagged ‘Garten’

Wer hat den Grössten?

25. Mai 2017

Aus psychologischer Sicht keinesfalls zu unterschätzen ist der Kürbisneid: Hat der elende Spiesser ennet dem Zaun einen grösseren Kürbis in seinem Beet liegen als man selbst, dann kann er noch so freundlich grüssen und immerzu Kopfsalat anbieten, nein, dann hat er jegliche Sympathien verloren. Möge saurer Regen seine Parzelle heimsuchen und für immer unfruchtbar machen.

Nein, es geht hier nicht um profane Dinge wie Frau, Haus, Yacht und Auto. Es geht um Kürbisse, den Prestigeobjekten ohne Gleichen. Warum sonst findet der interessierte Gartenfreund mindestens einmal pro Jahr in der Zeitung ein Foto mit dem preisgekrönten, grössten Kürbis. Daneben stehen der stolze Züchter und die schönsten Frauen dieses Planeten, und jeder weiss: Unmittelbar nach dem Fototermin werden sie einen üblen Ringkampf darum ausführen, wer den Gärtner ehelichen darf (so ist vermutlich Schlamm-Catchen erfunden worden).

Der Siegerkürbis selbst ist so gross und schwer, dass er mit einem Hubstapler transportiert werden muss, und bietet damit dem ambitionierten Hobbygärtner, der nicht gewonnen hat, einen willkommenen Spielraum für Ausreden: «Ich hätte für den Transport durch fünfzehn andere Schrebergarten-Parzellen fahren müssen» oder «diese Diesel betriebenen Hubstapler sind doch Dreckschleudern» sind die Favoriten. Eine Frage der Ehre.

Denn zuzugeben, dass man all seine Energie in die Aufzucht eines Kürbis gesteckt und dennoch nicht den grössten gezüchtet hat, das wäre ein Gesichtsverlust, ein Zeichen für das Ungenügen. Für Impotenz. Dies gilt es unter allen Umständen zu vermeiden, denn gekränkte Hobbygärtner können sehr unberechenbar reagieren und haben Zugang zu Spitzhacken. Niemand will hier den Teufel an die Wand malen, aber, wie Krimifreunde längst wissen: Der Gärtner ist immer der Mörder. Und er hat ein Motiv.

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Ran an den Spaten

17. Mai 2014

Wenn also ein Gärtner oder ein Landschaftsgärtner seinen Beruf zum Hobby macht, dann … – na ja, das ist natürlich zu kurz gegriffen. Schliesslich gibt es Hobbygärtner, die genauso gut oder sogar besser sind als Berufsgärtner. Es gibt ja auch Autofahrer, die genauso schnell durchs Dorf fahren können wie Formel-Eins-Piloten über den Nürburgring. Ehrlich. Das ist so ähnlich wie beim Fussball: Laienfussballer vor dem Fernseher machen immer mehr Tore als die überbezahlten Profis auf dem Feld. Zudem sind sie viel seltener verletzt. Item.

Die Gilde der Gärtner ist so oder so etwas behaftet. Lektion Nummer eins in der Forensiker-Ausbildung: Der Gärtner ist immer der Mörder. Oder der Liebhaber der Hauseigentümerin. Jedenfalls hat er Dreck am Stecken. Gegen das Klischee des potentiellen Liebhabers kämpfen übrigens auch Yoga-, Ski- und Tennislehrer, selbst wenn das sprichwörtliche «in die Büsche gehen» vermutlich eher von den Gärtnern geprägt worden ist. Das fragen wir gelegentlich beim Hauseigentümerinnenverband nach.

Zurück zum Hobbygärtner, der anderen Menschen viel voraus hat: Er wühlt nach Arbeitsschluss im Dreck, während andere schmutzige Wäsche waschen. Er sät Osterglocken und nicht Hass, er schüttet das Kind nicht mit dem Bade aus (was an dieser Stelle total zusammenhangslos ist, zugegeben) und ruft nicht in den Wald (höchstens in den Geräteschuppen). Und: Wer gut zu Pflanzen ist, ist sicher auch gut zu Tieren. – Was nicht wenige Frauen zum Rückschluss verleitet: Ist sicher auch gut zu Kindern und daher der perfekte Partner um eine Familie zu gründen. Oder eine Baumschule.

Sie sehen, Hobbygärtner sind die besseren Menschen. Sie machen die Welt zu einem besseren Ort. Sie machen sozusagen den blauen Planeten grün. Darum ein Appell: Hobbygärtner braucht das Land! Ran an die Spaten, pflügt die Nachbarschaft um!