Posts Tagged ‘Fleisch’

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21. August 2015

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Xining, China, 2015

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Fleisch ist unser Gemüse

6. August 2015

Es gibt Menschen, die sagen, die menschlichen Organe seien gar nicht für den Verzehr von Fleisch ausgerichtet, ja, es sei geradezu unnatürlich, Fleisch zu essen (Umfrageresultaten zu Folge sind es übrigens die selben – und einzigen – Menschen, die 30er-Zonen in Wohnquartieren gut finden). Tatsächlich spricht einiges für diese These. Zum Beispiel zeigen Knochenfunde von Urmenschen, dass deren Zähne extrem abgenutzt waren. Das könnte auf den Verzehr von Wurzeln und Getreide zurückzuführen sein. Oder die Steaks wurden zu Briketts gegrillt. Wir wissen es nicht. 

Sie können – dies scheint mir eine hervorragende Überleitung von den Knochenfunden zu sein – vegane Kosmetika kaufen, Kosmetika, die ganz ohne Tierversuche entwickelt worden sind und natürlich keine tierischen Stoffe beinhalten. Es soll vegane Männer geben, die ausschliesslich Frauen küssen, deren Lippenstift … na ja, Sie wissen schon. Nicht selten üben Menschen, die ohne Ausbeutung der Tiere leben möchten, auch den Verzicht verschiedener Produkte. Zum Beispiel von Deodorant. Die Herstellung von Toilettenpapier kommt übrigens ganz ohne Tierversuche aus, zum Glück. 

Manche Männer sind so tierfreundlich, dass sie in ihren urbanen Hipster-Bärten – die ja im Moment total angesagt sind – einer relativ grossen Vielfalt an Insekten ein total geiles Zuhause bieten. Kreuch und fleuch. Damit wäre die Frage endlich geklärt, warum viele junge Männer unserer Zeit mit Haaren im Gesicht in der Weltgeschichte herumstolpern, obwohl – nein, über Geschmack lässt sich eben nicht streiten – es ziemlich sehr doof aussieht: Es ist die bedingungslose Liebe zum Tier. Ein entstelltes Gesicht zum Wohle der Kreatur, wie selbstlos! 

Es gibt Diäten, die bestehen aus dem alleinigen Fleischkonsum. Die Diäterin (Frau, die diätet) ernährt sich ausschliesslich von rotem Fleisch und sieht zu, dass sie in dieser Zeit mit ihrer veganen Freundin eher über Frisuren, Schuhe und Männer spricht und nicht unbedingt über das Essen. Vegane Frauen machen übrigens nie eine Diät, jedenfalls nicht bewusst. Im Gegenteil: Viele werden hie und da zwangsernährt, um nicht abzuleben. Die meisten Diäten werden übrigens von Frauen gemacht, die meisten Morde von Männern begangen. 

Bei aller Liebe zum Tier muss man allerdings nach näheren Überlegungen konstatieren, dass es den Viechern vermutlich langweilig würde in ihren Ställen, so ganz ohne irgendwann geschlachtet zu werden. Öde, irgendwie. Und am Ende des Tages ist es den Kälbern, den Schweinen und Hühnern wohl egal, ob die menschlichen Organe für sie gedacht sind oder nicht. Sie sind einfach froh, endlich auf dem Teller gelandet zu sein.

Das Fade im Fadenkreuz

1. April 2013

Das wesentliche Merkmal von Menschen, die sich gesund ernähren ist, dass die ziemlich ungesund aussehen. Ja, blass und mager. Und irgendwie unglücklich. Wissen Sie, gesund essen heisst ja heute nicht weniger als: Kein Fleisch, kein Gemüse aus unfairer Haltung und nichts, was gut schmeckt. Freudlos fleischlos sozusagen.

Fleisch ist ja sowieso des Teufels. Und wenn wir nicht genau wissen, dass dieses Steak von einer Kreatur stammt, die zufällig von einem biologisch ernährten Esel nachhaltig gezogenen Wagen überfahren worden oder durch Suizid gestorben ist, spielt zusätzlich das enorm schlechte Gewissen mit. Man tötet Tiere und isst sie. Ekelhaft.

Wer einmal einen Tofuklumpen geschlachtet hat, weiss den Unterschied zu schätzen: kein Fett, kein Blut und keine Innereien, keine Gedanken darüber, ob die Sojapflanze genügend Auslauf, genügend Licht und wenig Hormone abgekriegt hat. Absolut nachhaltig und intellektuell nachvollziehbar – Einfach herrlich!

Und: Gebraten mit Atomstrom. Manchmal löst sich auch ein bisschen der Teflonbeschichtung Ihrer Pfanne und vermischt sich mit der handgepflückten Hirse unseres Couscous. Oder wir erfahren aus der Zeitung, dass die Nahrungsergänzungs-Vitamine – die wir aufgrund unseres wohlbringenden Fleischverzichts täglich schlucken müssen – in neun von zehn Fällen zu einem plötzlichen Herzstillstand führen.

Fazit: nachhaltige Ernährung ist so wahr wie die Mär vom Schnee aus Frau Holles Bettlaken (für Wintersportorte: Wie die Mär vom Schnee, der vom Himmel fällt). Wenn man ganz kleinlich alle Faktoren der Produktionskette einrechnet, dann gibt es gar keine nachhaltige Ernährung. – Ausser, wir essen unsere Nasenpopel. Und gerade bei Männern spielt eben am Tisch der psychologische Effekt auch eine wesentliche Rolle, weshalb Fleisch auf den Teller kommen muss. Das archaische Ego isst eben auch mit: Der Sieg über die Kreatur ist unvergleichlich! – En Guete!

Chronologie des Wahnsinns

23. September 2010

Als sich die Rinder entschlossen, dem Wahn zu verfallen, waren sich nicht alle auf Anhieb einig. Es wurde demokratisch abgestimmt, der Legende zu folge, die natürlich nicht stimmen kann, weil die Geschichte bekanntlich in Grossbritannien ihren Ursprung hat: Die Minderheit ging sich zu McDonald’s aufwärmen; die anderen erfanden BSE. Eine Pioniertat.

Der Wahnsinn wurde mehr und mehr zur Normalität, wurde sozusagen salonfähig, weil ihm immer mehr verfielen (was böse Zungen dazu verleitet, Parallelen zum Schweizer Volk zu ziehen. Aber das ist eine andere Geschichte). Angst regierte die Gabelspitze, Rindfleisch aus dem Land der Teetrinker zu konsumieren war gleichbedeutend wie ein Bad im Golf von Mexiko.

Vegetarier applaudierten und sahen sich darin bestätigt, dass der Mensch keine toten Tiere essen sollte, auch keine lebenden, und täglich wurden Meldungen von an Wahn erkrankten Leuten publik. Selbst Menschen, die noch nie Rindfleisch gegessen hatten, wurden wahnsinnig, schon nur beim Gedanken daran.

Es war ein Stich ins Herz der Zivilisation. Wenn in Somalia eine neuartige Pest ausbricht, dann sind wir so etwas von betroffen, können damit jedoch umgehen. Aber die Todesgefahr auf dem eigenen Teller? – Das geht gar nicht. Selbst die Schweiz – die weder bei Weltkriegen noch sonst wo mitmacht – blieb nicht verschont: Därme aus Brasilien durften nicht mehr zur Nationalwurst namens Cervelat verarbeitet werden. Ein Schelm, wer hier von einem Marketing-Gag spricht.

Und plötzlich war alles vorbei, plötzlich konnten wir aufatmen. Die Gefahr war vorbei, die Cervelat gerettet. Alles war gut. – Oder andersrum: Es war Zeit für einen neuen Lebensmittelskandal.

Fleisch ist mein Gemüse

5. Mai 2010

Okay, okay, der Titel dieses Artikels ist von einem Buch geklaut (Heinz Strunk – Fleisch ist mein Gemüse, rororo-Verlag, übrigens nicht sonderlich empfehlenswert). Sie nehmen mir das nicht übel, ich weiss. Heute geht’s um etwas ganz Besonderes. Das Schöne daran: Jeder kann es austesten, nachvollziehen, sich seine eigenen Gedanken darüber machen. Mich selbst hat ein Kollege darauf gebracht.

Es geht ums Essen. Vertrauensfrage: Was essen Sie zuerst, wenn Sie den vollen Teller vor sich haben? Zuerst ein Stückchen vom Fleisch (sofern Tieresser), zuerst ein Stückchen vom Gemüse, Kartoffeln, Wasweissich? Bemerkenswert ist ja, dass sich das Schema nicht verändert. Die Gewohnheit bleibt sich gleich, denn jeder beginnt sein Mahl immer gleich. Und die Wenigsten – das ist eine Behauptung – wissen, wie sie beginnen.

Testen Sie das aus. Machen Sie sich zuerst bewusst, wie Sie selbst funktionieren. Und dann beobachten Sie einmal die Menschen in Ihrem Umfeld, mit denen Sie zu essen pflegen. Es ist immer gleich. Ja, es ist immer gleich. Der Mensch funktioniert so.

Als Kind (oh je, jetzt kommt der wieder mit seinen Selbstoffenbarungen) habe ich jeweils stufenweise gegessen. Zuerst jene Speisen, die ich am wenigsten mochte, zum Beispiel Spinat. Am Schluss das Fleisch. Das Problem ist offensichtlich. Gegen den Schluss war ich jeweils fast satt und konnte das Fleisch (was ich ja am besten mochte) nicht mehr essen. Oder zumindest nicht mehr richtig geniessen. Ergo kein guter Ansatz.

Bestimmt gibt es da irgendwelche psychologisch fundierten Theorien, die – unter Einbezug von Kindheit, Farbenlehre, Verdauung und Erdrotation – das Essverhalten des individuums ergründen können. So weit wollen wir hier nicht gehen, sicher nicht. Hier und jetzt geht es lediglich ums Bewusstsein des Einzelnen. Als ob wir wüssten, welchen Schuh wir morgens zuerst anziehen. – Ach ja: Wissen Sie das?

Klar, am Ende können wir hingehen und sagen, dass das alles so etwas von scheissegal ist. Und weiteressen und weiter Schuhe anziehen und uns nichts dabei denken. Ist ein Ansatz. Legitim. Oder wir können hinsehen, einfach so, aus welchem Grund auch immer. – Guten Appetit!

Das Spiel des Jahres

20. Januar 2010

Und er hob ein rohes Stück Fleisch in die Höhe. Zwischen Daumen und Zeigefinger gepresst hing das blutende und nach Frische duftende Muskelstück und liess einen Tropfen Saft hinab, der knapp neben den Sportschuhen des Trainers auf den Garderobenboden knallte. Platsch! Es war still geworden unter den vermeintlich starken Mannen. Alle sassen sie verdutzt und von der packenden Rede ihres Chefs imponiert auf den Bänken. Und zwischen den Holzplanken und den nackten Oberschenkeln bildete sich ein feiner Schweissfilm. Die Angst war verflogen, denn ihr Trainer hatte sie regelrecht heiss gemacht auf das Spiel des Jahres, das alles entscheidende. Alle Welt – so kann es ihnen vor – schaute in dieser Stunde auf dieses eine Sportereignis. Jetzt waren sie bereit, getrimmt, auf Kampf eingeschärft bis zum Schluss. Kurz vor dem Verlassen der Kabinen sollte noch jeder ein Stück aus dem blutigen Stück beissen. Einerseits soll rohes Fleisch angeblich aggressiv machen. Anderseits hatte das Prozedere ein Hauch von Theatralik, von Ritual, welcher die Mannschaft zusammenschweissen sollte. Gemeinsam mit der wohl besten Motivationsrede des Trainers betraten die Spieler erhobenen Hauptes den Rasen. Selbst Innenverteidiger Strobel, der sonst eher der skeptische, vorsichtige Typ war, strotzte vor Selbstvertrauen. Und auch die Frau des Vereinspräsidenten, die unter den Zuschauern weilte, flüsterte dem Vertreter des Hauptsponsors zu, dass dieses Team vor Kraft und Siegeswille nur so strahle. Das Spiel ging mit 3 zu 1 verloren.

Bang Bang Barbecue

19. Dezember 2009

Meine Damen und Herren (also, eigentlich nur meine Herren), wenn Sie diesen Grill haben, dann sind Sie der Beste. Ich – oh Wunder! – habe diesen Grill. Er heisst Texas Ranger. Das Konzept ist so einfach wie genial: in der Kammer rechts heizen Sie ein und die Hitze gart sodann in der grossen Kammer links das Fleisch. Die Spitzfindigen unter uns haben es bemerkt: Das Fleisch ist nicht dem direkten Feuer ausgesetzt. Die Grilladen nehmen einen angenehmen Rauchgeschmack an. Es gibt keine Alternative. Es kann nur einen geben. Gasgrill? – Nein, nein, geht gar nicht. Elektrogrill? – Oh je, eine industrielle Fehlentwicklung. Schande. Gut, ein herkömmlicher Holzkohlegrill ist noch nahezu akzeptabel. Für Mädchen halt. Das höchste der Gefühle ist unbestritten Texas Ranger. Schon nur der Name! Das ist mehr als Grillieren. Das ist pure Männlichkeit! Schon beim Einheizen spüren Sie die testosterongeschwängerten Dämpfe aus der Garkammer aufsteigen. Nicht von dieser Welt. Dieser Grill spricht die Urinstinkte eines jeden Mannes an: So müssen unsere Ahnen gefühlt haben, wenn sie mit einer Keule eine Kreatur besiegt, in die Höhle geschleift und schliesslich auf dem Feuer zubereitet haben. Mehr als Barbecue. Texas Ranger ist Mannsein. Texas Ranger ist ficken! Gut. Na ja. Gut, nach diesem kleinen Exkurs in die Niederungen der primitiven Denkweise eines Besessenen noch ein bisschen Besserwisserei: Barbecue – aufgepasst, liebe Freunde der hochgestochenen Ausdrucksweise – kommt vom französischen de barbe à queue, also „vom Bart bis zum Schwanz“. Wer hätte das gedacht. Von nun an macht Tiergrillen noch mehr Spass. Das letzte Mal übrigens, als uns Texas Ranger mit seinen Köstlichkeiten beglückte, nahm ein suboptimales Ende. Unsere Gäste – oh je – bemühten sich um Höflichkeit. Kein Problem, offiziell. Ich hatte bereits die Nummer des Pizzamannes zur Hand. Aus experimentieller Sicht eher eine mutige Barbecue-Variante: Das Fleisch – ursprünglich Poulet, vermutlich – erinnerte an die wunderschönen Lava-Landschaften von Teneriffa (nur, dass ausgekühlte Lava wahrscheinlich nicht so hart ist). Na ja, vielleicht bin ich doch nicht der Beste. Vielleicht.