Posts Tagged ‘Fernsehen’

Siebzig Jahr, graues Haar

13. April 2012

Frank Elstner hatte schon als Baby graue Haare. Spätestens seit der Leitung der Sendung «Wetten dass..?» vor gefühlten hundert Jahren kennt der anspruchsvolle Fernsehkonsument Frank Elstner als redegewandten und sympathischen Moderator.

Mit der Erfindung des Farbfernsehens fielen die grauen Haare stärker ins Gewicht und Thomas Gottschalk übernahm (nach ein, zwei Wechseln) die Sendung. Was dann passierte, wissen wir alle: Zum Schluss wurde Intelligenzbestie Michelle Hunziker als Verstärkung engagiert. Fürs Auge. Als ob man die Mauern einer Hochbaute erdbebensicher machen könnte, indem man sie mit schöner Tapete beklebt. Aber hier geht’s ja um Dich, Frank. Herzliche Gratulation zum siebzigsten Geburtstag am 19. April. Kompliment: Du siehst immer noch aus wie frisch geboren!

Die grössten …

16. März 2012

Einmal mehr brodelt im Leutschenbach die Gerüchteküche: Der neueste Pfeil im Köcher der helvetischen Televisionsgötter ist die Castingshow «Die Grössten Schweizer Blödiane». Das Konzept ist so einfach wie blöd, weshalb es grösstenteils den bisherigen Talentshows abgekupfert scheint. – Mit einem wesentlichen Unterschied allerdings: Die Produzenten kämpfen mit Kandidatenmangel.

Einerseits sind die talentiertesten Blödmänner bereits durch andere Castingshows absorbiert und würden der Doppelbelastung nicht standhalten. Anderseits erkennen die meisten potentiellen Kandidaten ihre Eigenschaft nicht und es kommt deshalb niemals zu einer Bewerbung. Und genau das ist umgekehrt wie bei herkömmlichen Sendungen dieser Art: Normalerweise wissen die Kandidaten von einem Talent, welches sie gar nicht haben.

Und so spazieren die potentiellen Kandidaten für den neuen Quotenknüller mitten unter uns umher, ohne ihre Chance auf Ruhm und Geld zu nutzen und sich bei SF zu bewerben. – Mitten unter uns! Viele geben sich zu erkennen mit kleinen Gesten wie zum Beispiel Vordrängeln an der Kasse und dann Gemüse nicht abgewogen haben oder Hupen am Fussgängerstreifen.

So wird sie vermutlich nie zum Fliegen kommen, die neue Show im Schweizer Fernsehen. Schade eigentlich, ich hätte sie … – oh, Entschuldigung, muss Schluss machen, da ist ein Anruf reingekommen. Vom Schweizer Fernsehen. Auf Wiedersehen!

70 Jahre Pa … – Kurt Felix

18. März 2011

Bei Kurt Felix denken wir vor allem an Paola. Was zugegeben etwas gemein ist, aber wie der Name «Fernsehen» schon sagt, geht es nun mal ums Sehen. Und Paola Felix hat die Diskussion «Singen für die Augen» ins Leben gerufen, sozusagen erfunden. – Nicht, dass sie schlecht singen würde, nein! Wir könnten es nicht besser, wahrscheinlich.

In bester Erinnerung bleibt die Sendung «Teleboy» mit Kurt Felix, bei der ein lebensgrosses Stehaufmännchen – eben der Teleboy – jeweils hin und her schaukelte, was richtig lustig aussah (nein, liebe Leserin, lieber Leser, es gibt absolut keine Analogien zum schweizerischen Bundesrat). Mit versteckter Kamera wurden Leute auf der Strasse so richtig auf die Schippe genommen. Will man bösen Zungen glauben, so wurde die Sendung aus Kostengründen abgesetzt. Viele Kameras wurden nie wieder gefunden.

Konzeptionell ganz ähnlich funktionierte später die Sendung «Verstehen sie Spass», die Kurt Felix gemeinsam mit Paola moderierte, was wir hier nicht weiter ausführen möchten, weil wir nahtlos zum offiziellen Teil übergehen: Herzliche Gratulation zum 70. Geburtstag! Wir lieben Dich. Und bitten um Entschuldigung, weil du in dieser Hommage ein kleines bisschen die Nebenrolle gespielt hast. Aber eben: Bei Kurt Felix denken wir vor allem an Paola.

Es war der Gärtner

18. November 2010

Ein grosser Tag: Am 29. November wird die TV-Serie «Tatort» 400 Jahre alt. Oder 40 Jahre, ist ja egal. Wichtig ist, dass «Tatort» einer der wenigen Krimis ist, die es mit der Authentizität sehr genau nehmen. Bei der Konkurrenz zertrampelt jeweils eine Armee der Spurensicherung zuverlässig die Spuren, die es zu sichern gäbe. Das sagen sogar Polizisten (ausser jene aus Biel vielleicht).

Dabei war es damals – was viele überraschen wird – nicht so, dass sich das Drehbuch an echte Vorkommnisse anlehnte, nein, es war vielmehr so, dass «Tatort» die Geburtsstunde der Kriminalität war. Vorher – früher war alles besser! – gab es keine Verbrechen. Die Polizei war eigens für Verkehrsbussen und für das Tragen eines Schnurbartes zuständig. Mit jeder Sendung jedoch verschärfte sich das Phänomen der Kriminalität, welches sich schnurstracks von Europa bis über den ganzen Planeten ausweitete.

Das war auch der Hauptgrund, weshalb die Regierungen vieler Länder dieser Welt ihren Bürgern das staatliche deutsche Fernsehen zugänglich machen wollten, via Satelliten, um diesem Trend nicht hinterher zu hinken, ja, um nicht als rückständig zu gelten.

Mittlerweile hat sich «Tatort» weltweit etabliert und damit die Kriminalität überall Einzug gehalten. Was bleibt uns da noch anderes übrig, als ganz feste zu gratulieren: Herzlichen Glückwunsch! Macht weiter so, stossen wir an auf die nächsten 400 – äh, 40 Jahre Mord und Totschlag!

Heidis TV-Tussen

19. März 2010

Das ist mir noch selten passiert. Habe neulich tatsächlich „Germany’s Next Top Model“ geguckt. Das ist so eine Sendung, Sie wissen schon, mit dieser Heidi, dieser Klum, die doch irgendwie überall und überhaupt sozusagen omnipräsent ist. Oder unerträglich. Oder beides. Das ist doch die, der man so lange mit Skischuhen in die Fritte treten könnte, bis die grosse Zehe blutet. Na na na, nur nicht bösartig werden. Entschuldigung.

Germany’s Next Topmodel, im Jargon elegant mit GNTM abgekürzt, ist sozusagen der Inbegriff der modernen Prostitution mit dem Segen der TV-Menschen. Es ist ein erfolgreiches, quoten-geschwängertes Format, das irgendwie die ganze Bandbreite der Fernsehkonsumenten abzudecken scheint: Frauen kriegen ein bisschen Dramatik, Spannung und Tränen, Herren Arsch und Titten. Allen gedient. Was will man mehr?

Gut, die hiesige Staffel von GNTM hat irgendwie nur 0815-Typen auf Lager. Keine wirklichen Ausnahmegesichter. Verstehen Sie mich nicht falsch: Jede der Kandidatinnen ist wunderschön, hat Traummasse. Doch steige ich in Zürich in die S-Bahn (fragen Sie mich nicht, warum ich ständig mit der Zürcher S-Bahn angelaufen komme …) so sehe ich 1’000 solcher Gesichter. Will heissen: Schön aber so etwas von normal. Konstant gelebter Durchschnitt. Einheitsbrei.

Gut, jetzt kann man natürlich hingehen und sagen „hey, aussehen ist zwar wichtig, aber auf die inneren Werte und vor allem auf das Talent kommt es an“ was ganz bestimmt seine Berechtigung hat. Gerade Models hören sich ja gerne sagen, wie unglaublich anstrengend ihr Job denn sei, und dass Modeln ganz und gar nicht bubi sei. Nein nein. Professionell. Ja, ein paar der Kandidatinnen mögen sicherlich Talent haben (wofür, das lassen wir mal offen), doch im Endeffekt – und hier sind wir ganz ehrlich – ist das Ganze eine geschickt organisierte Selbstinszenierung der allmächtigen Heidi Klum.

Und dagegen ist nun bestimmt nichts einzuwenden. Selbst wenn die liebe Heidi – meine Kollegen sagen das – offenbar ganz auffällig schielt. Hätte ich nicht bemerkt, obwohl ich der immerzu in die Augen schaue. Aber tatsächlich: Achten Sie mal in der Zeitschrift Gala darauf, die liegt jeweils beim Frisör auf. Ein Auge zielt so etwas von offensichtlich vollkommen ins Gemüse. Muss man wissen.

Das ist natürlich – ganz im Gegensatz zur Sendung – sehr, sehr oberflächlich. Die Sendung ist etwas vom Schönsten, was unsereins seinem Augenlicht gönnen kann. Augenpflege. Gerade die Abwahl der Kandidatinnen, die so herrlich mit Klavierklängen und Spannung erzeugendem Soundtrack à la Terminator untermalt ist, sucht ihresgleichen in Sachen Dramaturgie und … und – die Worte hierfür müssen erst noch erfunden werden, sorry. Zu gut, zu geil. Zu porno.

Die Jury hat übrigens auch gewechselt. An Heids Seite sitzen neu ein Pseudo-Brasilianer, der sich … habe ich vergessen. Und ein hobby-schwuler Fotograf. Nur keine Missverständnisse: Niemand hat hier etwas gegen Homosexualität. Doch überzeugen sie sich selbst. Solche Menschen können innert Minuten die Lobby-Arbeit von ein paar Jahren zunichte machen. Wäre ich Fotograf geworden, ich hätte noch während des Konsums dieser Sendung das Formular für eine Berufs-Umschulung ausgefüllt. Oh je.

Also, um zum Schluss zu kommen, zum Glück, bevor es noch schlimmer wird. Germany’s Top Model geben wir eine gute 1.5 mit Heimweh und Rückenwind. Also, meine maskulinen Augen hätten sich wehement für eine blanke 6 ausgesprochen. Doch Heidi Klum hat einen drastischen Notenabzug verursacht, leider. Trotzdem: Prädikat empfehlenswert.

Also, nicht verpassen, GNTM mit Heiiiidi Kluuum, donnerstags auf Pro7. Es lohnt sich.

Rudi sagt

20. Februar 2010

Rudi sagt, dass sich Akademiker manchmal etwas respektlos gegenüber Fussballfans verhalten. Wenn du als einziger Fussballfanatiker in einer Runde sitzt, bei der alle anderen Akademiker sind, sprechen alle über die Errettung der Welt. Hin und wieder klopft dir einer auf die Schulter und sagt abschätzig: „Ach, und du bist Fussballfan, ja?“ Dann fachsimpeln wieder alle darüber wie sich die Erde retten liesse. Rudi ist Fussballfan.

Rudi sagt, dass fernsehen eigentlich sinnlos ist, weil man sich nicht die Sendungen anguckt, die einen wirklich interessieren, sondern diejenigen, die am wenigsten schlecht sind. Vielleicht einer der Gründe, warum wir soviel zappen. Wann habe ich wohl zum letzten Mal eine Programmzeitschrift studiert? Rudi hat auch ein Fernsehgerät, doch er liest sehr viele Bücher.

Rudi sagt, dass er die deutsche Sprache manchmal nicht begreift. Beim Radfahren zum Beispiel heisst das Gegenteil von Rückenwind – wie wir es alle kennen – Gegenwind. Logischer wäre doch eher, wenn es Brustwind hiesse, nicht? Oder wenn der Gegensatz von Gegenwind eben Mitwind hiesse. Rudi ist Deutscher. Und er ist mit dem Rad unterwegs.

Ich glaube, Rudi hat recht.

Eine Ode an die SoN!

30. Oktober 2009

Die gute Nachricht zuerst: Das anspruchsvolle Fernsehen existiert noch. In Zeiten von „Germany’s next Topmodel“, „Das perfekte Dinner“ und „Die perfekten Dinger“ oder so ähnlich sind wirklich gute Formate eine Rarität. Ein Leckerbissen. Die beste Sendung überhaupt hat keinen Namen. Genau: Die Sendung ohne Namen ist auf den ersten Blick ziemlich hirnrissig. Bei näherem Hinsehen – und vor allem: Hinhören – entpuppt sich die SoN als wahre Perle: Humor, Fachwissen, Zynismus, Unterhaltung (Achtung: obiger Link führt nur auf den ersten von drei Teilen auf YouTube). Und nun die schlechte Nachricht: Die Sendung ohne Namen wird von ORF nicht mehr ausgestrahlt. Schon lange nicht mehr. Gibts nicht mal zu kaufen, im ORF-Shop. Habe das nachgefragt. Es müsste eigens ein Österreicher aus dem Archiv die Folgen auf eine DVD brennen. 3 Folgen für ca. 60 Euro. Schade eigentlich.

Fühlst Du noch oder fährst Du schon?

11. Oktober 2009

Dieser TV-Spot ist genial. Schöne Autos, schöne Menschen, schöne Stimme aus dem Off. Bei Minute 0.34 kommt der Satz, der sich zweifelsohne zu den besten Ergüssen der Werbeindustrie zählen darf. Hier hat sich ein Werbefuzzi unsterblich gemacht: „Uns war von Anfang an klar: Das, was die Menschen fühlen ist genauso wichtig wie das, was sie fahren“. Was will man dazu noch sagen. Einfach fabelhaft.