Posts Tagged ‘Essen’

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24. Juli 2015

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Beijing 2015

Einmal Pommes, bitte, aber schnell!

26. Juni 2013

Superhelden essen nie. Das stimmt. Schauen Sie einmal genau hin bei einem Spiderman- oder Batmanfilm. Die Helden haben ausschliesslich dann menschliche Bedürfnisse, wenn sie nicht im Einsatz sind, also in zivil sozusagen. Kaum ist das schicke Kostüm angezogen, scheinen sie ihre Energie aus dem Universum zu beziehen. So quasi wie Uriella. Ein Schelm, wer hier von Doping spricht.

Es wäre zweifelsohne unvorteilhaft, wenn Superhelden essen müssten, wäre irgendwie störend beim Einsatz für die Rettung der Welt (Greenpeace-Aktivisten essen übrigens auch nie, nicht einmal Fischstäbchen aus suizidalem Dorsch). Und es würde – was noch viel wesentlicher ist – einfach etwas uncool aussehen, wenn sich Superman zwischendurch eine Tüte Pommes gönnen würde, sich mit den Worten «Sorry, abscheulicher Bösewicht, ich mach mir kurz eine Pfanne Spaghetti» ausklinken würde. Sieht blöd aus, wenn der Superheld eine Suppe hält.

Das hat nicht zu verachtende Vorteile. Essen macht die Zähne kaputt (für den Zahnarzt ist ja auch keine Zeit) und wer nicht isst, hat nie Durchfall. Wäre auch unpraktisch, so im Einsatz. Ach ja, das ist ebenfalls ein Rätsel: Superhelden müssen nie zur Toilette. Nie. Vermutlich werden Filmszenen, in denen der Held – nachdem er mit seiner Laserkanone ein paar Tausend Bösewichte mitsamt den Dörfern, in denen sie sich versteckt hatten, eingeäschert hat – sagt, er müsse mal kurz für kleine Jungs, in den USA zensuriert. Ist halt unsittlich. Nicht gut für die Kids.

Der grosse Nachteil ist natürlich, dass Superhelden – auch hier sei auf das sorgfältige Studium der Filme hingewiesen – ab und an einen regelrechten Durchhänger haben. Der Blutzucker sinkt, die Leistung nimmt ab. Eine der Folgen ist, dass die meisten Superhelden in einer Spielfilmlänge nicht damit fertig werden, die Welt zu retten. Es braucht einen zweiten Teil und einen dritten Teil und so weiter. Manche retten die Menschheit zuerst in 2D und dann zusätzlich in 3D (was insofern wichtig ist, weil wir alle – Hand aufs Herz – lieber in einer 3D-Welt leben als in einer 2D-Welt). Die Handlung bleibt nicht selten 1D.

Darum haben es Superhelden niemals vom Comic oder von der Leinwand ins wirkliche Leben geschafft. Das Arbeitspensum wäre untragbar, «Unia Superhelden» würde sofort auf die Strasse und gegen den Kapitalismus protestieren, Burnouts könnten kaum noch gelöscht werden und selbst die Organisation «Brot für alle» würde auf die Barrikaden, weil Superman – eben – nie isst.

Und weil der vorliegende Text für die Freunde des gepflegten Actionfilms eher traurig und ein bisschen desillusionierend ist, hier ein erfrischendes Filmzitat (Quelle: Batman), das den geistreichen Aspekt von Superhelden-Filmen unterstreichen soll: «Bruce, du magst im Inneren noch immer der großartige Junge von früher sein. Aber was man im Inneren ist, zählt nicht. Das was wir tun, zeigt wer wir sind.» Zugegeben, das Zitat könnte auch vom US-Präsidenten sein. Aber der ist ja auch ein Superheld, irgendwie.

Soja oder -nein?

19. September 2012

Wenn Sie mit Soja handeln, dann kann es sein, dass Sie sozusagen Menschen das Essen vom Teller wegkaufen. Die müssen dann etwas anderes essen, vielleicht einen Big Mac. Oder nichts. Der Rohstoffhandel ist also eine Frage der Moral. Da können Sie Ihre Reputation ganz schön verhandeln.

Das ist bei anderen Rohstoffen anders. Gold wird zum Beispiel mit Hilfe von Quecksilber gewonnen.

Nun, ein paar Menschen mögen allenfalls Goldzähne haben, aber die wenigsten essen Gold oder Quecksilber. Trotzdem werden in gewissen Regionen Quecksilbervergiftungen diagnostiziert. Da soll noch einer schlau werden. Diagnostiziert ist übrigens in den Top Ten meiner liebsten Wörter. In manchen Ländern sind derart viele Vergiftungen diagnostiziert worden, dass man auf Ersuchen der Verursacher das Budget für das Gesundheitswesen drastisch kürzen musste. Jetzt ist es wieder besser.

Zurück zum Soja. Wir alle können natürlich etwas gegen den Hunger in den Soja-Produzierenden Ländern (Jargon: Sojaner) tun. Wir können zum Beispiel auf gewisse Produkte verzichten. Wenn alle Menschen keine Sojasauce auf ihre Sushi täten, so hätten A) die betreffenden Länder genügend Soja zu essen, B) die betreffenden Länder keine Devisen aus dem Ausland mehr und C) die Menschen würden erkennen, das Sushi ohne Sauce einfach scheusslich schmeckt.

Vom Biotreibstoff haben wir noch gar nicht gesprochen. Viele finden ja Treibstoff aus Soja oder aus Mais unethisch und sagen zudem, die Ökobilanz sei sowieso nicht sonderlich vorteilhaft. Beim Biotreibstoff muss allerdings berücksichtigt werden, dass viele Menschen in den produzierenden Ländern verhungern und damit die Umwelt nicht mehr belasten. – Menschen, die dem ehrlichen Kraftfahrzeugfahrer vorher den Treibstoff weggegessen haben. Die Bilanz geht allemal auf.

Aber wir wollen hier nicht Halbwahrheiten verbreiten, das ist so gar nicht unsere Art. Nicht alles hier Geschriebene ist zu hundert Prozent richtig, zugegeben. Um diesem Text ein bisschen den Schrecken und die Provokation zu nehmen, hier eine Korrektur: Sushi schmeckt auch ohne Sauce super.

Pissoir Rating #11, Hotel Aarauerhof, Aarau

10. Dezember 2010

So. Nach längerer Pinkelpause endlich, endlich wieder ein Beitrag in der Rubrik «Pissoir Michelin». Na ja, die Welt kriegt das, was sie verdient. Heute, liebe Herren, nehmen wir die sanitären Anlagen des Hotel Aarauerhof an der Bahnhofstrasse in Aarau ins Visier. Wir werden treffen.

Als erstes ein grosses Kompliment: Die Musik ist absolut adäquat, nicht zu laut und im Stile von irgendwas chilligem, was man nicht kennt, sich aber auf jeden Fall wünschen würde auf einer einsamen Insel, als Ohrenschmaus zum Kokosnüsse-Sammeln, Krabbenfischen – oder eben: zum Pinkeln.

Ebenfalls positiv fällt die Sauberkeit auf, ja, es war geradezu verdächtig sauber. Als ob viele Männer den guten, alten Stehpinkel-Standard gar nicht mehr schätzen würden und lieber in den eigenen vier Wänden als im Aarauerhof pinkeln würden.

Das alles würde diesem Rating satte 5 Sterne bescheren, wäre da nicht dieser eine Makel, dieser eine, absolute No-Go. In früheren Berichten hatte ich mich bereits sehr wohlwollend über die kommerzielle Zusatznutzung von Toilettenanlagen inform von Werbung geäussert. Hier allerdings wurde eine Grenze überschritten:

Während ich mein Geschäft verrichte, was – die Natur der Sache will es so – mit sich bringt, sein edles Stück in der Hand, oder zumindest in den Fingern zu halten, lese ich Dinge wie «Edelstücke vom Rind» oder «Jingle Bells».

Verstehen Sie mich nicht falsch, meine Herren, während des Wasserlassens vom Essen zu lesen ist an sich nichts Verwerfliches. Aber, liebe Hoteliers: Bitte auf die Menünamen achten und Analogien vermeiden. Fleischvögel, Ochsenschwanzsuppen und – eben – Jingle Bells mögen im Speiseraum gerne gelesen werden, gehören in den Augen der Jury allerdings nicht über Pinkelbecken. Basta.

Wir vergeben schweren Herzens eine satte 4. Nicht, dass wir von Pinkelhorror oder gar traumatischen Erlebnissen berichten müssten, doch fällt die eben erwähnte, suboptimale Werbung sehr negativ ins Gewicht. Gut, man kann darüber lachen. Was allerdings – Kenner haben’s gemerkt – der Treffsicherheit nicht eben zuträglich ist.

Was bleibt ist ein schaler Nachgeschmack, den auch das Edelstück vom Rind nicht hat wettmachen können.

Fleisch ist mein Gemüse

5. Mai 2010

Okay, okay, der Titel dieses Artikels ist von einem Buch geklaut (Heinz Strunk – Fleisch ist mein Gemüse, rororo-Verlag, übrigens nicht sonderlich empfehlenswert). Sie nehmen mir das nicht übel, ich weiss. Heute geht’s um etwas ganz Besonderes. Das Schöne daran: Jeder kann es austesten, nachvollziehen, sich seine eigenen Gedanken darüber machen. Mich selbst hat ein Kollege darauf gebracht.

Es geht ums Essen. Vertrauensfrage: Was essen Sie zuerst, wenn Sie den vollen Teller vor sich haben? Zuerst ein Stückchen vom Fleisch (sofern Tieresser), zuerst ein Stückchen vom Gemüse, Kartoffeln, Wasweissich? Bemerkenswert ist ja, dass sich das Schema nicht verändert. Die Gewohnheit bleibt sich gleich, denn jeder beginnt sein Mahl immer gleich. Und die Wenigsten – das ist eine Behauptung – wissen, wie sie beginnen.

Testen Sie das aus. Machen Sie sich zuerst bewusst, wie Sie selbst funktionieren. Und dann beobachten Sie einmal die Menschen in Ihrem Umfeld, mit denen Sie zu essen pflegen. Es ist immer gleich. Ja, es ist immer gleich. Der Mensch funktioniert so.

Als Kind (oh je, jetzt kommt der wieder mit seinen Selbstoffenbarungen) habe ich jeweils stufenweise gegessen. Zuerst jene Speisen, die ich am wenigsten mochte, zum Beispiel Spinat. Am Schluss das Fleisch. Das Problem ist offensichtlich. Gegen den Schluss war ich jeweils fast satt und konnte das Fleisch (was ich ja am besten mochte) nicht mehr essen. Oder zumindest nicht mehr richtig geniessen. Ergo kein guter Ansatz.

Bestimmt gibt es da irgendwelche psychologisch fundierten Theorien, die – unter Einbezug von Kindheit, Farbenlehre, Verdauung und Erdrotation – das Essverhalten des individuums ergründen können. So weit wollen wir hier nicht gehen, sicher nicht. Hier und jetzt geht es lediglich ums Bewusstsein des Einzelnen. Als ob wir wüssten, welchen Schuh wir morgens zuerst anziehen. – Ach ja: Wissen Sie das?

Klar, am Ende können wir hingehen und sagen, dass das alles so etwas von scheissegal ist. Und weiteressen und weiter Schuhe anziehen und uns nichts dabei denken. Ist ein Ansatz. Legitim. Oder wir können hinsehen, einfach so, aus welchem Grund auch immer. – Guten Appetit!