Posts Tagged ‘Erziehung’

Die Gallier!

22. April 2012

Albert Uderzo raubte auch den letzten naiven Eltern die Illusion einer pazifistischen Erziehung. Woodstock hin oder her. Der Vater von Asterix und Obelix lässt seine Helden im Kinderzimmer auf die römischen Legionäre eindreschen, dass diese in hohem Bogen davonfliegen. Autsch! Da können Sie Ihrem Spross noch so lange sagen, Konflikte liessen sich mit Worten lösen. Apropos Worte: Die Texte der Comicserie hat grösstenteils René Goscinny geschrieben. Wort und Tat vereint. So, jetzt müssen wir schnell Schluss machen, die Gallier kommen! Herzliche Gratulation zum fünfundachtzigsten Geburtstag, Albert Uderzo, wir lieben Dich und wünschen alles Gute! Auch wenn Du unsere Kinder verdorben hast.

Hier spielt die Musik

14. Mai 2010

Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen: In der heutigen Zeit wird einfach viel zu wenig musiziert miteinander. Die Konsumgesellschaft mag nicht mehr selber in die Tasten greifen, in die Blockflöte pusten oder an irgendwelchen Saiten herumzupfen. Der iPod macht die Musik. Dabei wäre das gemeinsame Spiel so wichtig, pädagogisch gesehen, ist doch Musik das Fundament dieser Nation. Fragen wir doch die Historiker: Alle wichtigen Ereignisse waren mit Musik unterlegt (jedenfalls in den TV-Dokumentationen). Und bestätigten Gerüchten zu Folge hatte bereits Stauffacher während des Rütlischwurs leise ein Liedchen gepfiffen zwischen den Zähnen (unbestätigten Gerüchten zu Folge war es „Das Lied vom Tod“).

Jedenfalls geht mit dem Verschwinden von Alphorn, Oboe, Kontrabass und Hackbrett auch ein grosser Teil unserer Volksseele den Bach runter. Hand aufs Herz: Wer kann denn heute noch die Nationalhymne? – Also, nicht nur summen, so, wie die Akteure der Schweizer Nationalmannschaft, sondern richtig singen. Erkennen wir doch endlich, was passiert in diesem Land. Der Rhythmus geht verloren, der Kitt der Gesellschaft wird durchweicht, die Grundwerte der Schweiz erschüttert.

So wird diese Nation, wohl oder übel, zu Grunde gehen. Zwar mit wehenden Fahnen, aber sicher nicht mit Musik im Hintergrund. Schade.

So unglaublich antiautoritär

30. Dezember 2009

Die Geschichte ist gut. Steht also eine Frau mit Kind in der Warteschlange eines Grossverteilers. Das Kind so um die fünf Jahre alt. So oder so. Vor den beiden steht ein Mittdreissiger, wahrscheinlich kinderlos (muss ja so sein. In diesem Kontext steht kinderlos immer für intolerant und böse). Stösst also der kleine Balg ständig mit dem Einkaufswagen gegen die Beine des wartenden Mannes. Das nervt. Für mich und dich. Bis sich schliesslich der Mann an die Mutter wendet und sich beschwert, worauf – und jetzt kommt der Punkt, bei dem Sie jeden Zuhörer in die Tasche kriegen – die Mutter wortreich erklärt, dass der gute Junge selber wissen müsse, was gut und was schlecht sei, weil – auch gut – dieses Kind sogenannt antiautoritär erzogen werde. Junge Menschen müssten eben früh eine gewisse Eigenverantwortung lernen. Emotional, hä? Also wird der Einkaufswagen fröhlich weiter in die Achillessehnen des mittlerweile ziemlich gestressten Mannes gefahren. – Bis endlich dieser aus seinem eigenen Wagen ein Glas Honig nimmt und den Inhalt über die Frisur der Mutter giesst mit dem lapidaren Kommentar: „Ich bin eben antiautoriitär erzogen worden.“ Ha ja. Gute Geschichte, wie ich finde. Hat lange, lange kursiert. Bis irgend ein Journi der Sache nachgegangen ist: Weder bei Coop noch bei Migros noch irgendwo anders ist ein solcher Fall bekannt. Schade eigentlich.