Posts Tagged ‘Demokratie’

Kriegen wir Krieg?

7. August 2014

Seit Vietnam wissen wir, dass Krieg Sinn macht. Nachdem die Franzosen nicht reüssiert und danach die Amerikaner versagt hatten, wendete sich das Blatt zum Guten und Vietnam wurde zu einer beliebten Destination für Touristen, die das eigenhändig gegrabene Höhlensystem der Vietkong besuchen gehen. Kriege hinterlassen nicht selten sehr wertvolle Touristenattraktionen (man denke nur an Berlin. Oder an Murten).

 

Inzwischen sind alle Länder des Planeten Erde demokratisch, mit Ausnahme von China, Kuba, Nordkorea und der Schweiz. Ist ein Land sehr, sehr undemokratisch und beherbergt obendrein wertvolle Bodenschätze wie Öl, Eisenerz, Kohle oder allenfalls Trüffel, dann wird es mit diplomatischen Bemühungen dazu angehalten, sein System demokratisch zu gestalten. Auch das macht Sinn.

 

Eine oben genannte Nation, die sich weigert, demokratisch zu werden, wird durch verstärkte Freiwilligkeit befreit. Der Euphemismus dafür nennt sich «Militärische Operation», was de facto heisst, dass man mit hochtechnisierten Waffen Leute tötet. – Wobei das wohlgemerkt nur Menschen sind, die sich geweigert haben, in einem demokratischen Land zu leben.

 

Manchmal werden auch Nationen befreit, die bereits demokratisch sind, was wiederum Sinn macht, im grossen Ganzen, weil die Ausnahme die Regel bestätigt. Was wir gar noch nicht erwähnt haben ist der Aspekt, dass dank Kriegen auch immer wieder Platz für Neues geschaffen wird: Kaputte Städte werden wieder aufgebaut und sind danach vielleicht besser als zuvor (kaputte Öl-Pipelines auch).

 

Wer diese Vorteile nicht einsieht, der sollte einmal nach Vietnam gehen: Die Menschen dort lächeln immer. Und Arbeitsplätze sind auch vorhanden, sogar für Kinder. Na ja, so richtig demokratisch ist Vietnam zwar nicht, aber das kann ja noch werden. Dann stünde dem totalen Glück nichts mehr im Wege.

D-Day Switzerland

23. September 2012

Ist eine Nation reich an Rohstoffen, so kann eigentlich nicht viel schief gehen. Im Falle eines Krieges wird sie besetzt (Jargon: befreit) und die unfehlbare, wohlbringende Demokratie wird eingeführt.

Hat hingegen ein Land das Pech, keine wichtigen Rohstoffe zu besitzen, so können sich die Einwohner die Köpfe einschlagen so lange sie wollen. Befreit wird da gar nichts, höchstens die Gelder des Regimes. Selber schuld. Mit gezielten Hilfslieferungen in Form von Waffen kann der Region bestenfalls geholfen werden, früher oder später erfolgreich die Demokratie einzuführen.

Das beste Beispiel ist da wohl die Schweiz. Getarnt mit einer geschickt inszenierten Scheindemokratie herrscht seit Jahren ein Bürgerkrieg der Deutschschweizer gegen die Romands. Der Hass sitzt so tief, dass sich die Romands sogar eine andere Muttersprache zugelegt haben, um sich abzugrenzen. Doch wird die Schweiz etwa erobert? Wird sie mit wahrer Demokratie beschenkt? – Pustekuchen! Gut, vielleicht schreckt die beste Armee der Welt ja potentielle Aggressoren ab. Die hat ja jetzt neue Militärvelos.

Zählt man allerdings Wasser zu den wichtigen Rohstoffen, so sieht das Beispiel Helvetia natürlich vollkommen anders aus. Wasser ist genug da, in Unmengen. – So viel, dass sogar die hiesigen Politiker Wasser predigen. Und die Bundesverwaltung in Bern, unser grösster Stolz, ist ein riesiger Wasserkopf. Wasser, so weit das Auge reicht. Bei Luzern musste man sogar einen See erstellen, in die harten Felsen der Alpen, um das viele Wasser zu verstauen.

Je nach Definition ist die Schweiz also sehr reich an Rohstoffen. Bleibt zu hoffen, dass die selbst ernannten Weltpolizisten des Universums dies endlich begreifen und uns befreien. Es ist höchste Zeit. Ansonsten spaltet der Röstigraben am Ende den ganzen Kontinent, die ganze Welt und … Moment mal: Bei tiefen Spalten besteht doch häufig die Chance auf Rohstoff-Funde, oder?

Gratulier Wladimir!

7. Februar 2012

Was soll denn bitte schön bei den Russischen Präsidentschaftswahlen falsch laufen? Die Wahlen sind doch frei, oder? Man muss das Wesen von freien Wahlen verstehen, bevor man zur Kritik ansetzt: Bei freien Wahlen kann der Staat – ist das so schwierig? – frei wählen, wie er die Wahlen abhalten will. Als ob man den Russen Demokratie erklären müsste. Eine Frechheit! Und überhaupt: Das ist doch nicht unser Wodka.

Sollen sie doch still sein, diese westeuropäischen Demokratie-Gutmenschen, die es immer ein bisschen besser wissen als alle anderen. Moskau kann wenigstens die Stimmen korrekt auszählen. Und die Schweiz bringt es nicht einmal zu Stande, diesen Christoph da, diesen Blocher in den Bundesrat zu wählen. Na also, immer zuerst vor der eigenen Türe kehren.

Nein, dieser Stalin da, oder Putin meinetwegen, der hat das schon im Griff. Der ist eben auch etwas geschickter mit der Propaganda. Oder haben Sie schon mal den Christoph mit nacktem Oberkörper und Flinte in der Hand in der Zeitung gesehen? – Eben. Das machen die schon gut, die Russen. Da ist alles demokratisch. Sonst wären die schon lange befreit worden. Die haben doch auch Öl, oder?

Und, liebe Leserin, Lieber Leser, wenn Sie dennoch Kritik üben an diesem System, so seien Sie froh, dass Journalisten in diesem Land ihre Meinung noch frei äussern können, ohne sofort

Jeder hat die Wahl

18. Oktober 2011

Eigentlich wollte Klaus-Dieter ja schon wählen gehen. Eigentlich. Allerdings hatte er den Zettel verloren. Für die Wahl. Den Wahlzettel zu verlieren heisst natürlich nicht, die Wahl zu verlieren. Diese hatte er sehr wohl noch. Er entschied sich, dennoch ins Lokal zu gehen, Zettel hin oder her. Natürlich nicht ins Wahllokal.

In seinem Stammlokal stellte Klaus-Dieter mit einer gewissen Genugtuung fest, dass auch andere nicht zur Wahl gegangen waren. Blerim und Ahmed zum Beispiel waren auch nicht hingegangen. Ergo hatte sich Klaus-Dieter gar nicht so verwählt, dachte er, als er die Wahl traf, ins Lokal zu gehen. Sie waren eine lustige Runde. Sie sprachen über Demokratie.

Was Klaus-Dieter seiner Frau spätabends nach seiner Rückkehr aus der Bar verschwieg, war, dass er gar nicht so verärgert darüber war, den Wahlzettel verloren zu haben. In Wahrheit hatte er ihn sogar absichtlich aus der Manteltasche fallen lassen, auf der Brücke. Aber so was konnte er seiner Frau unmöglich sagen. Das gäbe einen Riesenkrach, denn sie würde ihm Wahlfälschung vorwerfen.