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Der Zürcher: Eine Hommage

5. April 2010

Als der Zürcher erfunden würde … – oh, nein, so darf ein Text nicht anfangen. Zu plakativ, zu despektierlich. Also: Als die Schweizer einen so hohen Lebensstandard erreicht hatten, dass es ihnen an nichts mehr mangelte, da kam einer auf die Idee, dass es eines richtigen Feindbildes bedürfe (man weiss nicht mehr, wer das war, doch es muss ein Linker gewesen sein, die ja für alles Elend dieses Landes verantwortlich sind). Die beiden Weltkriege waren vorbei, der Kalte Krieg inzwischen etwas lauwarm, das Böse besiegt und die Tische gedeckt. Woran sollte sich unsereins noch stören? – Der Klischee-Zürcher war geboren.

Laut, selbstbewusst, hochnäsig und mit geschliffenem Mundwerk zieht er durch die Landen und ist immer ein kleines bisschen besser als alle anderen Schweizer. – Wobei es die anderen Schweizer per Zürcher Definition eigentlich nicht gibt. Denn Zürich ist die Schweiz, sozusagen, nein, Zürich ist die Welt. Der kosmopolitische Mann von der Limmat kriegt das kühle Bier schneller serviert, steht am Flughafen weiter vorne in der Warteschlange und – das schmerzt besonders – hat diejenige Mode, die wir heute als voll trendy erachten vor zirka drei Jahren fachgerecht im Texaid-Kleidersack verstaut. So ist das.

Er ist der Münchner Deutschlands, der Pariser Frankreichs, der New Yorker der USA. Immer besser, immer einen Tick schneller, erfolgreicher. Und das weiss er auch. Apropos New York: Wenn Sie mit einem Stadtzürcher über das Nachtleben und das kulturelle Angebot seiner Heimat sprechen, dann fallen gut und gerne Städtenamen wie London, Berlin – oder eben: New York. Das nennt man ein gesundes Selbstbewusstsein, im Jargon.

Und irgendwie mögen wir sie doch, den Zürcher, die Züricherin. Trotz allem. Ansonsten wäre unser Leben zu perfekt. Was ist schon eine Suppe ohne Haar? – Eben! Deshalb feiern wir ihn, den Tag, als der Zürcher erfunden wurde. Also, heimlich natürlich. Nicht, dass die das noch mitkriegen.

Nimm das 31er!

29. November 2009

Szene Regionalbahn „AAR“. Die AAR führt von Aarau her (Provinz) entweder Richtung Menziken (Pampa) oder Richtung Schöftland (Oberpampa). Ich fahre Richtung Schöftland. Wohne da. Ein junger Secondo telefoniert laut mit seinem Mobile. Der Wagen hört mit. Da fällt der entscheidende Satz, prahlerisch und weltmännisch: „Kennst Du Dich ein bisschen aus in Zürich?“. – Oh, ein Kenner, ein Kosmopolitan, nicht so ein Landei wie wir. Hier spricht einer mit der Welt. Hier kennt sich einer aus in der Stadt der Städte. Nicht so wie der Rest im Wagen dieser erbärmlichen Landbahn. Nicht wie die anderen aus diesen inzestgeplagten Dörfern im Tal. Also, offenbar hat der Mensch am anderen Ende der Telefonleitung nicht so genau gewusst, was man auf so eine Frage antwortet. Da sagt der Junge: „Weisst Du, wo das 31er-Tram durchfährt?“ Und ich denke mir, mein lieber Junge, wenn du schon einen auf „Ich-kenn-mich-im-Fall-schon-aus“ machst, dann bitte richtig. Also, wenn schon bluffen, dann mit System, mit Geschick. Denn, was selbst ich als bekennendes Landei weiss: In Zürich gab’s noch nie ein 31er-Tram.