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Jeder ein Star

28. April 2013

Den besten Kaffee machen die Italiener. Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, so klar wie die Deklaration auf der Tiefkühl-Lasagne: Für das Bier zum Deutschen, für den Strudel zum Österreicher, für die Croissants zum Franzosen und für den kultivierten Kaffee – eben – zum Italiener. Genau das dachte sich Klaus-Theodor, als er zum ersten Mal am Tresen einer bekannten amerikanischen Kaffeekette stand. An der Wand waren ein paar Physikformeln von Albert Einstein aufgeführt, die sich auf seine Nachfrage hin als das Getränkeangebot entpuppten.

Nach heftigen Protestrufen aus der Warteschlange hinter ihm bestellte er einen hundsnormalen Kaffee, einen «Doggy Normal Coffee», um dem langwierigen Beratungsgespräch ein Ende zu setzen. Klaus-Theodor staunte Bauklötze: Da fragte ihn doch die blutjunge Verkäuferin – vermutlich eine Psychologiestudentin mit nymphomanischen Neigungen – nach seinem Namen. «Öh, äh, Klaus-Theodor», stammelte Klaus-Theodor, worauf die Göttin mit einem schwarzen Filzstift tatsächlich seinen Namen auf einen Becher kritzelte. Wenn das nicht Liebe ist.

So war das also hier. Es war eben doch mehr als nur Kaffeetrinken, alle waren so schick angezogen, trugen lässige Freitag-Taschen, teure Sonnenbrillen, Markenjeans und Laptops, – wenn nicht sogar bauchfreie Tops. Das war der Treffpunkt schlechthin, eben keine Kontaktbar wie an der Zürcher Langstrasse, kein Coffee Shop wie in Amsterdam sondern so was wie ein Contact Café. Manche hatten auch ein Kleinkind mit dabei, doch das waren keine herkömmlichen Kleinkinder, die waren alle so unglaublich cool. So urban, irgendwie. Total trendy.

Klaus-Theodor nippelte an seinem Kaffee, schaute ein bisschen hier, ein bisschen da, und fragte sich, was wohl diese Menschen gemacht haben, als es in der Schweiz diese Kaffeekette noch nicht gab. Nach langem Überlegen kam er zum Schluss, dass diese Wesen mit der Eröffnung der Filialen erfunden worden sein mussten. Eine andere Möglichkeit gab es nicht. – Egal, der Kaffee war jedenfalls gut. So gut, wie Kaffee eben sein kann, der nicht beim Italiener gekauft wird. Klaus Theodor trank aus und machte sich auf den Weg zum Thailänder um die Ecke. – Croissants kaufen.