Posts Tagged ‘Barack Obama’

Hahn im Korb

6. Oktober 2016

In Amerika wird das Erntedankfest gefeiert, jeweils am vierten Donnerstag im November. Traditionellerweise wird ein Truthahn mit feinen Sachen gefüllt, danach getötet und an einem grossen Familienfest verspeist. Barack Obama begnadigt medienwirksam einen Truthahn, der die Zeremonie brav mitmacht, weil das Ritual vorher natürlich genau abgesprochen worden ist. Ja, man dankt für die gute Ernte. Alle sind glücklich. Gut, die Idee ist sicher ausbaufähig. Donald Trump würde vermutlich eine Milliarde Truthähne begnadigen.

In Westeuropa ist diese Tradition nicht so verbreitet, und das ist furchtbar schade. Wer möchte nicht sehen, wie Johann Schneider Ammann nach einer enthusiastischen Rede ein Poulet begnadigt. Oder wer würde sich nicht den Tagesschau-Beitrag ansehen, in dem Angela Merkel einem Truthahn tief in die Augen blickt und heroisch sagt: «Wir schaffen das»! Na gut, das war vielleicht etwas übertrieben. In der Schweiz würde wohl eher ein Rindvieh begnadigt («ein Rindvieh», nicht «von einem Rindvieh», wohlgemerkt).

Wir finden, zumindest ein bisschen könnte man das Erntedankfest in der Schweiz adaptieren, so wie zum Beispiel Halloween (was ja ein Riesenscheiss ist – Entschuldigung! – aber dennoch den Weg in die Kinderstuben gefunden hat). Wenn schon kein echtes Erntedankfest, dann wenigstens ein Subventions-Dankfest: Buure-Zmorge für alle, Ponyreiten für die Kinder und danach mit dem Traktor an eine Führung im Schlachthaus. Das wär doch was! Die meisten Kinder haben noch nie gesehen, wie man fachgerecht eine Kuh ausweidet.

Es geht ja um die Geste. Einfach einmal Danke sagen. Danke dafür, dass wir die landwirtschaftlichen Rohstoffe handeln dürfen, die andere geerntet haben. Danke, dass wir in der Migros Litchis und Granatäpfel kaufen dürfen. Und danke, dass wir eben doch nicht alle Traditionen importieren, sondern eigene – natürlich viel sinnvollere – Traditionen pflegen. Denn Hand aufs Herz: Gefüllter Truthahn schmeckt einfach eklig.

Alles über nichts

6. August 2010

Da ist sie, die Bescherung: Der Sommer ist vorbei, das Leck im Golf von Mexiko geflickt und Bundesrat Merz hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Na ja. Salat.

Hand in Hand mit dem Thema Sommer spaziert natürlich das everlasting Thema Wetter, das sehr undifferenziert gehandhabt wird, wie ich meine: Ist das Wochenende verregnet, schreien alle „ui, ui, ui, Scheisswetter“ und überhaupt. Was passiert, wenn fürs Wochenende Sonne angesagt ist?

Barack Obama hatte diese Woche Geburtstag und als Geschenk hat BP das Leck geflickt. Wir können wieder unbeschwert in unserem SUV herumkurven und das Schwarze Meer ist wieder das Schwarze Meer. Gut gemacht, BP. Was in aller Welt will die Presse nun schreiben, jetzt, wo das Problem gelöst ist? Wir brauchen einen neuen Skandal. Amerika, schenk uns einen neuen Skandal!

Bundesrat Hans Rudolf der Schreckliche Merz hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Wovon, weiss ich nicht. Und wir werden das nicht weiter kommentieren, weil das hier so etwas von voll unpolitisch ist, sag ich Ihnen. Man soll sich schliesslich nicht über Dinge den Mund zerreissen, von denen man keine Ahnung hat. Obwohl das auch viele Politi… – Voilà!

Na also, sag ichs doch: Der Sommer ist passé, das Wasser im Golf von Mexiko wieder bedenkenlos trinkbar und der Schweizer Bundesrat vollkommen ratlos.

Und das Schlimmste: Die Berner Young Boys müssen gegen Tottenham Hotspurs antreten, um in der Champions League treten zu dürfen (das war jetzt eines dieser Wortspiele, die man auf gar keinen Fall machen darf, weil sie erstens absolut dümmlich wirken und zweitens den sehr, sehr wichtigen Fussballsport ins Lächerliche zu ziehen scheinen).

Genau. Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sich jetzt fragen, was dieser Beitrag soll, wovon er handelt und was genau die Botschaft ist: Exakt das habe ich mich soeben auch gefragt. Vermutlich handelt er von allem ein bisschen. Oder er ist einfach über nichts. Wobei ja im Grunde alles über nichts ist.