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Schatz, die Töpfe!

3. Dezember 2013

Bald, bald flimmert sie in unsere warmen Stuben: Die Übertragung der Gruppenauslosung für die WM 2014. Einfach toll. Die Auslosung wird in den Medien ja angekündigt, als wäre sie weit spannender und bedeutender als die Spiele selbst. Ja, hier geht’s um Fussball, meine Damen, tatsächlich. Mehr noch: Der Autor dieses Beitrages weiss bereits heute, welche Teams in die Gruppe der Schweizer Nationalmannschaft gelost werden. Genau. Da staunen Sie aber. Voilà.

Während sich Journalisten im Gastland Brasilien die Köpfe einschlagen aufgrund der Frage, wie dunkel-, hell-, gelb- oder Rothäutig Moderatorinnen und Moderatoren an diesem unglaublich wichtigen Anlass des kultivierten Papierzettel-aus-einem-Töpfchen-Ziehens sein dürfen, schlägt sich unsereins schlaflose Nächte um die Ohren mit möglichen Angstgegner, Traumgegnern und Albtraumgegnern.

Eines vorneweg: Deutschland wird nicht in die Gruppe der Schweiz gelost. Denn Deutschland (das ja Weltmeister 2014 wird – aber darüber ein andermal) ist im gleichen Topf wie die Helvetier. Ein Schelm, wer hier lapidar anmerken möchte, das müssten die Damen ja wissen: Töpfe. Also weiter geht’s: Topf 1 ist offenbar mit den stärksten Teilnehmern gefüllt. Und fragen Sie mich jetzt bitte nicht, warum die Schweiz in diesem Topf ist. Es gibt drei weitere Töpfe. Diese sind ohne Bedeutung.

Dass Sie die Auslosung hier vorzeitig erfahren, hat nichts mit Zauberei oder der unantastbaren Integrität von FIFA-Präsident Josef Blatter zu tun, sondern hauptsächlich mit Fachwissen, feinem Gespür und einer guten Portion Selbstüberschätzung. Blatter wird übrigens trotz seiner mittlerweile 102 Jahren erwartungsgemäss für die nächste Amtsperiode kandidieren. Nur so als Einwurf.

Zurück zur schweizer Gruppe und dem vermeintlichen Geheimnis der Zusammensetzung. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Schweiz wird mit Algerien, Mexiko und Kolumbien in der gleichen Gruppe sein. So, jetzt ist es publik. – Tataaaa! Und kommen Sie mir nach dem 6. Dezember dann nicht damit, es sei hier auf diesem unfehlbaren Blog nicht mit rechten Dingen zu und her gegangen. So nicht! Die Folge wäre unweigerlich, dass hier nie mehr Informationen aus der Zukunft preisgegeben würden. Und das wollen wir ja nicht. – Ach nein, warten Sie. Kolumbien ist ebenfalls in Topf 1.

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Jein

12. Juni 2013

Höchste Zeit für ein bisschen Fremdenfeindlichkeit. Schliesslich stimmen die Abstimmbürgerinnen und Abstimmbürger (kurz: Idioten) bald über die Änderung des Asylgesetzes ab. Das ist dringend. Inzwischen bricht nämlich der arabische Sommer an, und im Herbst fallen die ersten faulen Äpfel von den Bäumen. Nach diesem wunderschönen Einstieg – der absolut keinen Sinn macht – schnurstracks zum Thema: Was sollen Herr und Frau Eidgenosse in die Urne werfen? Keine einfache Frage, denn es sind eine Reihe von Halb-, Falsch- und Ganzinformationen im Umlauf.

Hand in Hand mit der Abstimmung geht natürlich die Frage, wie sich der pflichtbewusste Bürger denn fundiert informieren soll. Viele verlassen sich auf die einseitigen Berichte dieser (mehrseitigen) Gratiszeitungen, nicht wenige finden selbst dafür keine Zeit und fast niemand glaubt diesbezüglich jemandem, der nicht er selbst ist. Jeder zweite Tag werden Berichte publiziert über kriminelle Tunesier und Algerier, hauptsächlich in den Zweitageszeitungen. Bis heute ist kein einziger – nicht einmal ein klitzekleiner – Artikel erschienen über kriminelle Schweizer in Tunesien. Oder über algerische Gefängnisse, die mit Schweizer Schelmen überfüllt sind.

Nein, es ist ständig von Scheininvaliden, Scheinehen, Scheinasylanten und Kriminaltouristen die Rede, von Wirtschaftsflüchtlingen, die Schein-Asylanträge stellen, von echten Flüchtlingen, die gefälschte Papiere auf sich tragen, von gefälschten Flüchtlingen … – äh, genau, der bekennende Laie findet sich in diesem Wirrwarr gar nicht mehr zurecht. Das ist unrecht: Am meisten leiden die Scheinkriminellen darunter. Ach ja, dies ist übrigens ein Scheintext, aus juristischen Gründen.

Zu recht appellieren viele Kreise – zuweilen auch Agronomen (Fachjargon: Kornkreise) – für eine differenziertere Berichterstattung in den Medien. Die meisten Menschenrechts-Organisationen zum Beispiel dementieren, dass alle Tunesier in der Migros Diebstähle begehen. Und sie haben recht. In Tunesien gibt es keine Migros. Amnesty International ist so unglaublich international, dass man am liebsten alle Pässe der Welt einsammeln und willkürlich wieder verteilen würde. Man stelle sich das vor. Auf einen Schlag sind Sie Chinese. Und der Brenner steht am Gotthard.

Jedenfalls lohnt es sich, vor der Abstimmung genauer hinzuschauen und nicht einfach eine subjektive Entscheidung zu treffen, nur weil man zum Beispiel in den letzen zwei Monaten drei Mal von einem Asylbewerber überfallen worden ist. Es gibt nämlich sehr, sehr viele Einwohner in diesem Land, denen das nicht passiert ist. Am weitaus schlimmsten dürfte uns die Ironie wohl treffen, wenn wir nach der Abstimmung auf dem Weg nach Hause überfallen und ausgeraubt werden. – Von einem Schweizer. Also, von einem eingebürgerten natürlich.