Posts Tagged ‘Aarau’

Törööö!

6. Februar 2016

Die meisten Leute haben den eigentlichen Sinn der Fastnacht vollkommen vergessen. Es geht nämlich nicht nur um Alkohol, Maskerade und Tanz. – Da steckt wesentlich mehr dahinter: Grapschen, Fremdbumsen und ungewollte Schwangerschaften. Der Grossteil der fremdgehenden Fastnächtler allerdings wird früher oder später entlarvt.

In unserer zivilisierten, modernen Welt braucht der Mensch ein Ventil, zumindest einmal pro Jahr, und das ist auch gut so: Lustig sein, trinken, tanzen und einfach einmal ein bisschen ausgelassen sein. Wir haben doch sonst schon genügend Regeln und Konventionen, oder? Und mit dem Tempo der Entwicklungen können viele von uns nicht umgehen. Die Tagesklinik des Kantonsspitals Aarau heisst neu übrigens «SameDaySurgery», was doch sehr modern ist (ein guter Grund, sich zu betrinken).

Nun melden sich die Moralisten und mokieren sich über den völligen Zerfall von Moral und Sitte während der Fastnachtzeit. Organisatoren, Experten, Soziologen und Organisations-Experten nehmen die Kritik ernst und erwidern unisono: «Na und?» Und sie haben Recht, denn würde man die Fastnacht einschränken, dann bräuchten die Menschen sicherlich ein anderes Ventil.

Es gäbe vielleicht mehr Hooliganismus, um dieses doofe Wort zu bemühen, mehr Vandalen oder mehr Menschen, die sich für Tempo 30 in Städten einsetzen. Oder es gäbe noch mehr Messen, die grösstenteils als Deckmantel dafür dienen, sich hie und da in gepflegtem Rahmen richtig schön zu besaufen. Wir wissen es nicht.

Wenn man einen Basler fragt, ob er denn an die Basler Fastnacht gehe, dann ist das per se ein grosser Fehler: Erstens ist sonnenklar, dass er hingeht und zweitens gibt es ausschliesslich «die Fastnacht», die – so will es das Universum – in Basel stattfindet. «Basler Fastnacht» ist ergo ein übler Pleonasmus. Aber mögen wir den Baslern diese Freude gönnen, denn sie haben ja sonst nichts. – Oh, ausser den höchsten Turm der Schweiz, seit jüngster Zeit. Und den besten Fussballklub, zugegeben. Aber eine SameDaySurgery, das haben sie sicher nicht, hoffentlich.

Ganz direkt

9. Dezember 2011

Passagier:            Herr Schaffner, ich habe eine Beschwerde

Zugbegleiter:         Eine Beschwerde? – Also, eigentlich nennen wir uns ja Zugbegleiter. Wie kann ich Ihnen helfen?

Passagier:            Hier sind keine Sitzplätze mehr frei. Ich muss seit einer halben Stunde stehen, obwohl ich eine Fahrkarte habe für die 1. Klasse.

Zugbegleiter:         Dürfte ich das bitte mal sehen?

Passagier:            Was, das Ticket?

Zugbegleiter:         Ja, das Billet … oh, Sie fahren von Aarau nach Basel?

Passagier:            Genau, steht auf dem Ticket. Das ist doch der Zug nach Basel, oder?

Zugbegleiter:         Das ist der Zug von Ölten nach Basel, genau. Sie haben jedoch nicht via Olten gelöst.

Passagier:            Ich musste in Olten umsteigen.

Zugbegleiter:         Ihr Billet berechtigt nur für die direkte Fahrt. Sie müssen leider nachzahlen.

Passagier:            Weil ich umsteigen musste?

Zugbegleiter:         Nein, weil Sie das falsche Billet haben.

Passagier:            Auf meiner Fahrkarte steht doch von Aarau nach Basel!

Zugbegleiter:         … aber nicht via Olten. Das kostet halt etwas mehr. Ich habe die Tarife nicht erfunden.

Passagier:            Na dann (bezahlt den Preis)

Zugbegleiter:         Vielen Dank!

Passagier:            Eine Frage noch: Hätte ich im direkten Zug nach Basel einen Sitzplatz gehabt?

Zugbegleiter:         Das weiss ich leider nicht.

Passagier             (grummelt) Wieso eigentlich Zugbegleiter? Ich begleite den Zug ja auch …

Pissoir Rating #11, Hotel Aarauerhof, Aarau

10. Dezember 2010

So. Nach längerer Pinkelpause endlich, endlich wieder ein Beitrag in der Rubrik «Pissoir Michelin». Na ja, die Welt kriegt das, was sie verdient. Heute, liebe Herren, nehmen wir die sanitären Anlagen des Hotel Aarauerhof an der Bahnhofstrasse in Aarau ins Visier. Wir werden treffen.

Als erstes ein grosses Kompliment: Die Musik ist absolut adäquat, nicht zu laut und im Stile von irgendwas chilligem, was man nicht kennt, sich aber auf jeden Fall wünschen würde auf einer einsamen Insel, als Ohrenschmaus zum Kokosnüsse-Sammeln, Krabbenfischen – oder eben: zum Pinkeln.

Ebenfalls positiv fällt die Sauberkeit auf, ja, es war geradezu verdächtig sauber. Als ob viele Männer den guten, alten Stehpinkel-Standard gar nicht mehr schätzen würden und lieber in den eigenen vier Wänden als im Aarauerhof pinkeln würden.

Das alles würde diesem Rating satte 5 Sterne bescheren, wäre da nicht dieser eine Makel, dieser eine, absolute No-Go. In früheren Berichten hatte ich mich bereits sehr wohlwollend über die kommerzielle Zusatznutzung von Toilettenanlagen inform von Werbung geäussert. Hier allerdings wurde eine Grenze überschritten:

Während ich mein Geschäft verrichte, was – die Natur der Sache will es so – mit sich bringt, sein edles Stück in der Hand, oder zumindest in den Fingern zu halten, lese ich Dinge wie «Edelstücke vom Rind» oder «Jingle Bells».

Verstehen Sie mich nicht falsch, meine Herren, während des Wasserlassens vom Essen zu lesen ist an sich nichts Verwerfliches. Aber, liebe Hoteliers: Bitte auf die Menünamen achten und Analogien vermeiden. Fleischvögel, Ochsenschwanzsuppen und – eben – Jingle Bells mögen im Speiseraum gerne gelesen werden, gehören in den Augen der Jury allerdings nicht über Pinkelbecken. Basta.

Wir vergeben schweren Herzens eine satte 4. Nicht, dass wir von Pinkelhorror oder gar traumatischen Erlebnissen berichten müssten, doch fällt die eben erwähnte, suboptimale Werbung sehr negativ ins Gewicht. Gut, man kann darüber lachen. Was allerdings – Kenner haben’s gemerkt – der Treffsicherheit nicht eben zuträglich ist.

Was bleibt ist ein schaler Nachgeschmack, den auch das Edelstück vom Rind nicht hat wettmachen können.

Spitalgeschichten #1

16. Februar 2010

War eben im Spital. Hasse Spital. Wobei das wieder so ein Instantsatz ist, eine Konserve, die Sie überall bringen können. Auch im gepflegten Small Talk: „Ahh, Sie mögen auch nicht zum Zahnarzt gehen, so wie ich, das ist ja guuuut,“ und so ähnlich dämlich. Probieren Sie das mal aus. Small Talk ist die hohe Kunst, seicht zu bleiben.

Aber hier gehts ums Spital. Kommt mir doch immer ein Kollege in den Sinn, bei diesem Wort. Die waren ganz jung, etwa zu fünft in einem Golf I unterwegs durch Frankreich. Bis nach ein paar Stunden der Fahrer erstaunt sagte: „Hey, hier gibts extrem viele Ortschaften, die Hôpital heissen.“ Warum ich das mit dem Golf I erwähnt habe, ich weiss es nicht.

Ach, wache ich also im Spitalbett auf, im Kantonsspital Aarau, morgens um drei Uhr. Und denke Scheisse, Rizzitelli, Scheisse, wo bist Du denn hier gelandet. Nachts in der Tagesklinik, Mann o Mann, jetzt biste dran. Und diese Station heisst tatsächlich Tagesklinik, muss man wissen. Da gibt es auch Nachtschwestern, die man herklingeln kann.

Also, wenn Sie Nachtschwester sind in einer Tagesklinik, das ist schon ein schweres Los. Da gucken Sie doch alle blöd an, wenn Sie sich von der Party früher verabschieden. Habe noch Nachtschicht in der Tagesklinik, ha ha, der Brüller aber auch.

Aber die waren alle ganz nett, die Nachtschwestern. Offenbar mögen die gar keine Partys. Wobei diese Berufsbezeichnung ja auch sexistisch ist. Habe noch nie einen Nachtbruder gesehen. Dabei soll es auch bleiben.

Jedenfalls bin ich schon froh – trotz netten Schwestern – wieder zu Hause zu sein. Denn wissen Sie: Ich hasse Spital.